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  • Corinna Höper (Hg.): Giovanni Battista Piranesi - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Kombination der topographischen Vedute mit Versatzstuecken Phantasiearchitekturen oder antiken Ruinen die wie Requisiten ausgetauscht werden z B Canaletto Verrocchios Colleoni Denkmal vor dem Colosseum 1744 London Privatbesitz Daraus so Poeschel generiert die bedingt authentische also vor allem in ihren Proportionen korrigierte venezianische Vedute wie sie durch Francesco Guardi und Canaletto repraesentiert wird und schliesslich im Werk Piranesis kulminieren sollte Abseits jeder Authentizitaet stehen Piranesis Architekturphantasien Sie sind bereits eingehend untersucht und in verschiedenen Ausstellungen thematisiert worden vgl v a A Robinson Piranesi Early Architectural Fantasies Chicago London 1986 so dass viel Neues zu diesem sehr kennerschaftlichen Thema nicht zu erwarten ist Trotzdem Einen konzisen Ueberblick ueber die Entwicklung der Architekturphantasie gibt Joerg Garms indem er anhand von aussagekraeftigen Beispielen Pannini Marieschi Visentini Bellotto Charakteristika und Stilentwicklungen nachzeichnet und die praegenden real architektonischen Vorbilder benennt Andrew Robison kann dann doch mit Neuigkeiten fuer die nach 1661 gezeichneten allesamt bis auf eine undatierten Architekturphantasien Piranesis aufwarten indem er auch seine eigenen bisherigen Datierungen der strittigen Zeichnungen revidiert Von diesen spaeteren Zeichnungen sind drei Gruppen bekannt wobei sich Robison auf die ersten beiden Gruppen aus den 60er Jahren konzentriert um hier innerhalb des Jahrzehnts eine noch praezisere Datierung zu diskutieren Piranesis Einfluss auf die europaeische Kunst und Architekturgeschichte ist beachtlich zumal die Stichwerke des Venezianers wegen ihrer Vervielfaeltigung weite Verbreitung fanden Positive Rezeption erfuhr Piranesis Werk bis nach Schottland wie John Wilton Ely betont Nachgerade Robert Adam schwaermte bereits auf seiner Romreise 1755 von den suggestiven Veduten des Venezianers die einen dermassen nachhaltigen Eindruck bei dem Schotten hinterliessen dass Adams Ueberwindung des englischen Palladianismus ohne Piranesis Dokumentation des antiken Rom kaum denkbar waere Aehnliche Reflexionen antikeverliebter Piranesirezeption sind bekanntlich bei John Soane und in der Revolutionsarchitektur von Claude Nicholas Ledoux und Etienne Louis Boulee festzustellen Insbesondere Piranesis Einfluss auf franzoesische Architekten betont Hans Christoph Dittscheids Detailstudie Anhand des Bauprojektes fuer ein Pavillon fuer Zarin Katharina II nie ausgefuehrt von der Hand Charles De Waillys stellt Dittscheid den Bezug zu Piranesi her der in seiner Beweisfuehrung nicht vollkommen ueberzeugt Allein die Tatsache dass Wailly in ganz anderen Zusammenhaengen auf Piranesi rekurrierte reicht nicht aus auch in der Pavillonplanung Piranesirezeptionen zu sehen Die ausgesprochen unkonventionelle Idee in der Mittelachse des Pavillions zwei Rundtempel als halben Peripteros und Monopteros hintereinander zu stellen und dadurch einen Doppeltempel zu schaffen ist ohne Vorbild Doch Eingangs bzw Gartenfassaden die im Zentrum konvex hervorgehoben werden waren gerade in der habsburgischen Palaisarchitektur und deren Entwuerfen in groesster Vielfalt variiert und durch Stichfolgen verbreitet z B Fischer von Erlach Dittscheid jedoch sieht diesen Zusammenhang nicht sucht vielmehr nach Vorbildern in den zeitgenoessischen Rekonstruktionsversuchen roemischer Tempelanlagen die jedoch im konkreten Fall mit Piranesi nichts zu tun haben Der letzte Aufsatz des Tagungsbandes von Klaus Jan Philipp beschaeftigt sich mit einem Stich aus Piranesis Antichita di Cora von 1764 Zu sehen ist ein gigantisches Zyklopenmauerwerk aus polygonalen mannshohen und anschaulich tonnenschweren Steinquadern die in ihrer Verfugung wie gewachsen und nicht wie gemauert erscheinen Auf die Natur als Gebaererin von Architektur weist Piranesi im dazugehoerigen

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  • Jonathan Crary: Aufmerksamkeit - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    in eine flaechige Multiperspektivik hinein Auch das Panorama oder die Literatur des spaeten 18 Jahrhunderts sind nicht nur Massenmedien sondern spiegeln signifikant eine Irritation der Wahrnehmung Objektivitaet und ganzheitliche Wahrnehmung waren sogesehen viel fueher ins Wanken geraten Dass das Sehen materiell wird als Funktion des Koerpers auftaucht macht das vielleicht nicht innovative aber als Umbruchstelle geeignete Moment in Crarys Geschichte der Wahrnehmung aus Hegels intellektuell kuehler Lieblingssinn findet sich koerperlich pulsierend wieder Determiniert von diversen Koerper und Nerventaetigkeiten stellt sich mit Recht die Frage was das moderne Subjekt eigentlich sieht Das Kapitel Die Befreiung des Sehens situiert Manets Im Wintergarten als Uebergangsstatus Die Ambivalenz des Bildes besteht gerade in der Schwebe zwischen Aufloesung und Bindung des Sehfelds was der Doppelnatur der Aufmerksamkeit selbst entspricht Sie ist sowohl von aussen regulierbare Instanz sozialer Kontrolle wie Disziplinierungsmassnahme der Subjektivitaet als auch deren Ausstieg in die subversive Welt der Trance Hergeleitet wird das Ganze durch einen recht assoziativen Parcours durch die neuen Techniken maschineller Wahrnehmung vom Kaiserpanorama bis zur Sequenzfotografie Eadweard Muybridges Vermisst man haeufig die Rueckbindung der Exkurse an das Gemaelde erreicht die Analyse der malerischen Verfahrensweise eine detailgenaue Auslegung des unentschiedenen Spiels zwischen buehnenhaftem Bildraum der gerade in Hinsicht auf den Tiefenraum und die Lokalisierbarkeit der Dinge nicht mehr funktionieren will aber bei diesem Konzept noch Anleihen macht und der versuchten radikalen Preisgabe des Raums und einer gegenstandsdefinierenden Malweise Die finale These dass das Zentrum des Gemaeldes aus einer Leere besteht die durch die Nicht Blicke des dargesellten Paars im Wintergarten ausgeloest wird leuchtet in diesem Kontext ein Im naechsten Kapitel Illuminationen der Entzauberung ist mit Seurats Parade de Cirque nicht nur die Schwelle zur Aufloesung des Bildraums sondern insbesondere die Aufloesung der individuellen Subjektivitaet erreicht Ist es bei Manet noch die Leere einer Paarbeziehung wird nun die Leere auf kollektiver Ebene thematisch An die Stelle ehemaliger Verbindlichkeiten tritt das Spektakel Anhand weitlaeufiger Argumentationsstraenge weist Crary ueber Helmholtz physiologische Optik und Ernst Machs mathematische Erkenntnis dass die Welt aus permanent sich verschiebenden Empfindungskomplexen besteht nach wie unmittelbare und konsistente Praesenz von Dingen epistemologisch an ihr Ende gelangt Anhand von Le Bons Psychologie der Massen 1895 sieht Crary in Seurats Gemaelde das suspendierte Bewusstsein des modernen Menschen zutage treten der sich als Automat innerhalb einer Kultur des Spektakels unaufmerksam lenken laesst Die Interpretation des Bildes als inkarnierter Versuch Mythos und Musik als sozialen Ritus zu verbinden kann trotz Querverweisen auf Wagner alles andere als ueberzeugen In Die Neuerfindung der Synthese dem in sich schluessigsten Kapitel des Buchs geht es dem Autor darum wie unter veraenderten Vorzeichen eine aktive Praesenz des wahrnehmenden Auges wie des wahrgenommenen Gegenstands reorganisiert wurde Die bei Seurat automatisierte Wahrnehmung verwandelt sich bei Cezanne wieder zur bewussten Taetigkeit Die Aufmerksamkeit wird selbstreflexiv Mit Wilhelm Wundts Grundzuege der physiologischen Psychologie 1874 erlaeutert Crary das Verhaeltnis des Blickfelds zum Blickpunkt von deutlich konturiertem optischen Zentrum und unscharfer Peripherie Eine dialektische Konstellation die fuer das Panorama das Stereoskop die wissenschaftliche Apparatur des Tachistoskops wie fuer Cezannes Kiefern und Felsen gleichermassen konstitutiv ist

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  • Andrew Morrall: Jörg Breu the Elder - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Herbrot dem englischen Koenig Heinrich VIII dediziert und es bleiben zudem gewichtige Zweifel bestehen ob die Handschrift ueberhaupt wie Morall schreibt auf Bestellung Herbrots hin entstand 5 Einige Datierungen Moralls sind ebenfalls falsch bzw nicht haltbar 6 Weiterhin haetten in der Objektliste der Risse Breus d Ae bzw der ausgefuehrten Scheiben wenigstens alle Werke die der Morall bekannte Katalog der 2000 im Getty Museum gezeigten Ausstellung deutscher Glasmalerei auffuehrt beruecksichtigt werden muessen 7 Die Staerke von Moralls Studie liegt darin einzelne doch entscheidende Aspekte in Breus Schaffen auf breiter kulturhistorischer Vergleichsbasis erhellt zu haben Dass die letzten Kapitel in ihrer Summe eine differenziertere Wahrnehmung des Spaetwerkes bieten das gemeinhin als kuenstlerisch und inhaltlich anspruchslos abgewertet wird darf als ein weiterer Gewinn gelten Hier kam die Vernachlaessigung von Detailfragen wie sie sich auch in den Fluechtigkeitsfehlern bemerkbar macht einer straffen Darlegung eher noch zugute Dabei Objekte unterschiedlicher Gattungen darunter wenig bekannte oder verschollene zusammengebracht und abgebildet zu haben ist ein weiteres Plus wenngleich die Wiedergabequalitaet durchweg eher bescheiden ist Wer in Erwartung einer Kuenstlermonographie klassischen Typs mit Werkkatalog zum Buch greift wird moeglicherweise enttaeuscht werden Auch einem biographischen Anspruch den die zeitliche Reihung der Kapitel suggeriert kann es nicht wirklich gerecht werden Wer sich aber ueber Breus Stellung im kulturell gesellschaftlichen Spannungsfeld Augsburgs informieren will ist mit ihm gut bedient 1 Ernst Buchner Der Aeltere Breu als Maler In Augsburger Kunst zwischen Spaetgotik und Renaissance Beitraege zur Geschichte der deutschen Kunst Bd 2 hrsgg von Ernst Buchner und Karl Feuchtmayr Augsburg 1928 S 273 383 2 Vgl Hermine Blankenhorn Die Renaissancephase Joerg Breus des Aelteren Diss unpubliziert Wien 1973 Gode Kraemer Joerg Breu der Aeltere als Kuenstler und Protestant In Welt im Umbruch Augsburg zwischen Renaissance und Barock Bd 3 Augsburg 1980 S 115 133 Pia F Cuneo Art and Politics in Early Modern Germany Joerg Breu the Elder and the Fashioning of Political Identity ca 1475 1536 Leiden 1998 sowie Caesar Menz Das Fruehwerk Joerg Breus des Aelteren Augsburg 1982 3 Andrew Morall Die Zeichnungen fuer den Monatszyklus von Joerg Breu d Ae Maler und Glashandwerker im Augsburg des 16 Jahrhunderts In Kurzweil viel ohn Mass und Ziel Alltag und Festtag auf den Augsburger Monatsbildern der Renaissance hrsgg von Hartmut Boockmann und Pia Maria Grueber Muenchen 1994 S 128 147 4 Auf diese Tafeln in Privatbesitz geht Morall nur in einer Fussnote kurz ein S 69 Anm 61 Zu den Tafeln vgl Gode Kraemer Zu zwei Gemaelden von Joerg Breu aus dem Jahre 1509 Verkuendigung an Maria Anbetung der Koenige In Begegnungen mit Alten Meistern hrsgg von Frank Matthias Kammel und Carola Bettina Gries Wissenschaftliche Beibaende zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums Bd 17 Neustadt Aisch 2000 S 201 212 Die Marienkroenung von Morall als so far unpublished S 69 Anm 61 bezeichnet ist veroeffentlicht in Bob Jones University Catalogue of the Art Collection Bd 2 Flemish Dutch German and Spanish Paintings Greenville South Carolina 1962 S 241 m Abb 5 Von Morall nicht beruecksichtigt wurde die gewichtige Studie Elisabeth Scheichers

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  • Hubert Jedin (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    der von der Wurzel her subjektivistisch angelegte Martin Luther S 23 und andere Vertreter der Reformation einer katholischen Reform ganz anderer naemlich objektiverer Praegung gegenuebergestellt Die vom heutigen Forschungsstand her gesehen erheblichen inhaltlichen Probleme des Handbuchs werden bereits am ersten Band deutlich die ausfuehrlichen Literaturnachtraege fuer die Paperback Edition von 1985 die die digitalisierte Fassung uebernimmt haben diese Maengel nicht beheben koennen Der 1994 verstorbene Bonner Kirchenhistoriker Karl Baus laesst das Christentum vor dem Hintergrund des Verfalls der altgriechischen und altroemischen Religion auftreten S 103 115 aus dem Osten eingedrungene Formen wie die Mysterienkulte bezeichnenderweise fehlt ein Hinweis auf Eleusis beeindrucken nur wenige Menschen die grosse Masse des Volkes wandte sich daher den niedrigen Bezirken des Aberglaubens zu S 112 Auch die Geschichte des Christentums fuehrt pfeilgerade auf die entfaltete Reichskirche des vierten Jahrhunderts zu Die Briefe des Bischofs Ignatius von Antiochien zeigen dass in der Metropole schon im 2 Jahrzehnt des 2 Jh der monarchische Episkopat existiert S 175 der Opfercharakter der Eucharistie ist auch bei Justin vorausgesetzt obwohl dieser ihn mit keinem Wort erwaehnt S 321 Baus schoepft vor allem aus den Werken der gebildeten Theologen Inschriften Papyri und vergleichbare Quellen beruecksichtigt er kaum selbst dort wo er ueber die Froemmigkeit in den Gemeinden schreibt Man koennte diese Aufzaehlung veralteter Sichtweisen fortsetzen das waere freilich ungerecht da es vor allem Schueler von Karl Baus und deren Schueler waren die unser Bild von der Entwicklung christlicher Froemmigkeit wie kirchlicher Institutionen tiefgreifend veraendert haben Von all dem kann man natuerlich in den Baenden nichts lesen Haette man das Werk also ueberhaupt ohne Ergaenzungen nachdrucken bzw digitalisieren sollen Fuer eine positive Antwort koennte man zwei Argumente anfuehren Zum einen gilt die eben entfaltete Maengeldiagnose natuerlich nicht fuer alle Partien des Werkes gleichermassen Was beispielsweise im letzten Band ueber die Geschichte des

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  • Annette Hünnekens: Expanded museum - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    einen prominenten theoretischen Ort im Verhältnis zum Museum zuzuschreiben Zwar weiß Hünnekens dass die heutige museale Virtualität sich nicht direkt aus diesen Ansätzen ableiten lässt Doch sie arbeitet Korrespondenzen heraus die sie unterschiedlichen Formen der Virtualisierung des Museums zuordnet So trifft sich der Typus des elektronischen Museums das die Form einer audiovisuellen Abbildung und Gegenüberstellung von Objekten annimmt mit dem Potential das der Dekontextualisierung beim Imaginären Museum Malrauxs zugesprochen wird Das virtuelle digitale Museum mit seiner Vermischung von virtuellen und realen Realitätsebenen assoziiert Hünnekens mit dem Gedanken der Korrelation bei Kiesler Hier wie da entsteht das Exponat erst durch die Interaktion des Betrachters mit der Technologie Die Allgegenwärtigkeit des medialen Bildes und der aus dem Überblick ermöglichte Zugriff auf Informationen finden sich dann im Netzmuseum wieder das quasi ein Inventar für den Besucher bereithält aus dem stets aufs neue eine Auswahl zu treffen ist S 72 Die vierte Form die sie herausarbeitet ist das traditionelle Museum das Informations Technologie als Ergänzung nutzt mit dem eine Vielzahl von Kontexten des ausgestellten Objekts aufgerufen werden können auch auf die Gefahr hin dass das Objekt auf diese Weise verstummt und allein zum Zeugen einer vergangenen Kommunikationskultur wird S 55f Wenn hier von einer vergangenen Kommunikationskultur die Rede ist dann deshalb weil die Autorin von einer grundlegenden Transformation hin zu einer Informationsgesellschaft ausgeht Dieser Wandel wird nun im zweiten Teil plastisch Hier befasst sie sich mit der Welt des Museumsmanagements als einem zentralen Anbieter von Informationen in der entstehenden Informationsgesellschaft Der Prozess der Wertschöpfung die Verteilung von Ressourcen und Funktionen der Wettbewerb um Ressourcen die Konstruktion des Konsumenten aus dem Individuum und der Status der Technologie erschließt sich hier unter der Überschrift Vernetzte Formen musealer Expansion Anhand der jeweiligen Konzeptionspapiere aus den Gründungsjahren Ende der 80er Jahre Anfang der 90er Jahre werden das Ars Electronic Center Linz AEC das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ZKM und der InterCommunications Center Tokyo ICC als die innovativsten Zentren für Medienkultur vorgestellt Die im ersten Teil entwickelte Typologie virtueller Museen überträgt Hünnekens auf einzelne hier erprobte Ausstellungen Beides verleiht dem Buch eine bis dahin kaum vorhandene Anschaulichkeit und hat gleichzeitig einen nahezu lexikalischen Charakter Gerade das letzte Kapitel Digitales Sammeln Speichern Bewahren bietet einen umfangreichen Überblick über amerikanische und vor allem europäische Projekte die sich der Entwicklung der technischen und konzeptionellen Grundlagen für virtuelle Museen gewidmet haben Die Programmatik der EU Forschungsprogramme und der wenn auch temporären Institutionalisierungen internationaler Kooperationen zwischen Industrie Forschung und Museumspraxis macht deutlich mit wieviel finanziellem bürokratischem usw Aufwand im letzten Jahrzehnt eine Informationsgesellschaft erst hergestellt wurde Das Globale Transnationale drückt sich in diesen Projekten in Standardisierung Administration und der Möglichkeit des Zugriffs auf die Datenbanken aus Die Bestände und Objekte bleiben dabei lokal und spezifisch Auch aus geopolitischer Perspektive ist dieser abschließende Überblick aufschlussreich Die Globalisierung technologischer Errungenschaften und damit Kommunikationsmöglichkeiten bleibt beschränkt auf die EU und die USA und spiegelt das Szenario das aus anderen Bereichen der Informationsindustrie bekannt ist So bringt sie gleichzeitig eine Aufgabenverteilung mit sich bei der die

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  • Harry Cooper: Mondrian - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    niedrigprozentig destilliert hatte Ueberhaupt sind die beiden einfuehrenden Aufsaetze von Cooper Glanzlichter der Mondrian Forschung The Surface in Time besticht durch eine Revision der englischsprachigen Literatur zu Mondrian von Clement Greenbergs Ausstellungsbesprechungen aus den vierziger Jahren bis zu Rosalind Krauss Kritik am Konzept des Modernismus in Aufsaetzen wie Grids 1978 und The Originality of the Avant Garde 1981 in denen Mondrian als Kronzeuge auftritt Trotz ihrer verschiedenen Standpunkte so Cooper idealisieren beide Autoren Mondrians Gemaelde als reine Metaphern die bei Greenberg zeitlos und bei Krauss sprachlos sind und versaeumen die Kontextualisierung der Werke auf konkreter Materialbasis Genau hier fusst Coopers Ansatz der die Gemaelde von Ihrer Unantast barkeit als Sinnbilder lossagt indem er sie als Handarbeit begreift Cooper hat aus der methodischen Kurzsichtigkeit der Vorlaeufer gelernt und fuehrt die ideologisch eingeengten Blickwinkel zu einem Gesamtbild zusammen das er unterhaltsam und anspruchsvoll ausformuliert So erntet er die Fruechte der lange gereiften Mondrian Rezeption die in Yve Alain Bois elaborierter formalistischer Annaeherung im Aufsatz The Iconoclast Katalog der Mondrian Retrospektive in Den Haag Washington und New York 1994 96 und dem Catalogue raisonné von Joop M Joosten und Robert P Welsh 1998 ihren Hoehepunkt fand In seinem zweiten Aufsatz Looking at the Transatlantic Paintings vollzieht Cooper dann die zuvor eingeforderte Analyse moeglichst vieler Rahmenbedingungen von Modrians Werk Er bespricht den Seriencharakter der transatlantischen Gemaelde die Rolle der Doppeldatierungen und Umbetitelungen und geht der kunsttheoretischen Frage der Composition auf den Grund Mit diesem Begriff bezeichnete Mondrian die Herstellung eines Gleichgewichts im synthetisierenden Prozess der Bildfindung Die Transformationen der transatlantischen Bilder zeigen nun wie der Maler diese Vorstellung letztendlich zugunsten des Prinzips der Zerstoerung verabschiedete Coopers Argumentation muendet Schicht fuer Schicht in eine Offenlegung von Mondrians Schaffensprozess Denn seine kuenstlerische Methodik ist das eigentliche Qualitaetsmerkmal seiner Malerei und nicht die gemalten Markenzeichen ihrer selbst

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  • Carola Muysers: Das bürgerliche Portrait im Wandel - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Erkenntnisse zum deutschen Buergertum und zu seinem Verhaeltnis zur Kunst im 19 Jahrhundert darauf verweist dass Kunst fuer das Selbstverstaendnis des Buergertums eine Schluesselfunktion hatte und das buergerliche Subjekt im Bildnis eine aesthetische Widerspiegelung seiner selbst gesucht habe 15f Waehrend im Rahmen des offiziellen buergerlichen Bildnisses der aesthetischen Widerspiegelung gesellschaftlich moralische Grenzen gesetzt seien wie die Untersuchung der genannten Portraetgalerien erweise so liesse sich eine solche Widerspiegelung in unterschiedlichen Aus praegungen beim privaten Bildnis deutlich nachweisen und dabei insbesondere bei jenen Portraets bei denen der Dargestellte Kuenstler kreisen entstamme 18 19 Problematisch an diesem Vorgehen ist weniger die Tatsache dass die Untersuchung der selbstreflexiven Portraets aus Kuenstlerkreisen die Gefahr eines Zirkelschlusses bei der Suche nach den unterschiedlichen Verfahren einer aesthetischen Widerspiegelung in sich birgt und daher die Uebertragbarkeit der Ergebnisse auf das buergerliche Portraet insgesamt fraglich scheinen koennte Es sind vielmehr einige andere Punkte an denen eine Kritik an den Ausfuehrungen Muysers ansetzen muesste So scheint etwa der Begriff und die Vorstellung einer spezifisch deutschen Moderne nicht ausreichend problematisiert Muysers zeichnet wie gesagt das was eine deutsche Moderne des ausgehenden 19 Jahrhunderts ausgemacht haben koennte mit Hilfe zeitgenoessischer kunstkritischer Aeusserungen nach Eine historisch kritische Bestandsaufnahme zur Modernitaet deutscher Kunst in den letzten Jahrzehnten des vorvergangenen Jahrhunderts unternimmt sie hingegen nicht Eine gewisse Skepsis gegenueber ihrer aus den erwaehnten zeitgenoessischen Texten hergeleiteten Schlussfolgerung dass sich die deutsche Moderne im Unterschied zur franzoesischen durch eine Art von durchgeistigtem Naturalismus auszeichne 121 125 ist daher angebracht Dies gilt auch fuer ihren pauschalen Vergleich direkt mit der franzoesischen Kunst der Zeit der sich ebenfalls nur auf der Ebene des zeitgenoessischen deutschen Schrifttums zur modernen Kunst bewegt und auf die Vertreter einer franzoesischen Portraetkultur wie Fantin Latour Manet oder Degas nicht naeher eingeht Wuenschenswert waere auch gewesen dass die Vorstellung eines nationalen Kunststils reflektiert worden waere da gerade in der zweiten Haelfte des 19 Jahrhunderts in Deutschland wie in Frankreich davon auszugehen ist dass Kunstkritik und geschichte sowie politische Ideologie hier in erklaerungsbeduerftiger und zu hinterfragender Weise definierend taetig gewesen sind Zum anderen koennte man kritisch zu Muysers Ausfuehrungen anmerken dass ihre Untersuchung zum deutschen buergerlichen Portraet der zweiten Haelfte des 19 Jahrhunderts nicht in hinreichender Weise gattungs und mediengeschichtlich argumentiert Bemerkungen zu ersterem Problem komplex finden sich so gut wie nicht obwohl doch der Aufstieg des Portraets immer auch verbunden zu denken ist mit der Erosion einer klassischen Ordnung der Gattungen wie sie sich seit dem 18 Jahrhundert in der europaeischen Kunst bemerkbar machte Interessant waere es gewesen hier die spezifisch deutsche Situation im ausgehenden 19 Jahrhundert eingehender im Zusammenhang des buergerlichen Bildnisses zu untersuchen Die durch das Aufkommen der Fotografie sich verschaerfende Medienkonkurrenz wird dagegen einleitend von Muysers angesprochen 13f doch legt sie die sich daraus ergebenden Probleme fuer eine im allgemeinen Sinne abbildende Malerei wie die Portraetkunst vielleicht etwas vorschnell durch ein fotografiekritisches Zitat von Max Schasler aus dem Jahre 1875 ad acta Auch bei der Untersuchung derjenigen Bildnisse die in direkter Auseinandersetzung mit fotografischen Portraetaufnahmen entstanden wie etwa dem Portraet des

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  • Manuel Frey: Macht und Moral des Schenkens - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    seine Aktivitaeten wurden auch vielfach angeregt gebuendelt und strukturiert durch Repraesentanten der staatlichen Kulturpolitik wie Wilhelm Bode der die Maezene fuer die grossen staatlichen Museen gewann oder Friedrich Althoff der sie fuer die wissenschaftlichen Institute Kaiser Wilhelm Gesellschaft verpflichtete Andererseits war Berlin als ein wichtiges Zentrum der kulturellen Modernisierung oft auch nur im Buendnis aufgeschlossener Maezene Kuenstler Galeristen Publizisten und Museumsmaenner gegen den Kaiser mit seiner reaktionaeren Kunstgesinnung und einer obrigkeitsstaatlich verfassten Kulturbuerokratie zur Entfaltung zu bringen Der Direktor der Nationalgalerie Hugo v Tschudi konnte Manet Cézanne und andere moderne Kuenstler gegen den Willen des Kaisers nur in sein Haus bringen indem er sie sich von buergerlichen Maezenen schenken liess und so die buerokratischen Ankaufsprozeduren umging Aus Wien zitiert Frey einen Fall bei dem sich allerdings umgekehrte Fronten ergaben Gustav Klimt wurde dort von der staatlichen Kulturbuerokratie gegen Angriffe der Oeffentlichkeit verteidigt Die nachfolgenden Perioden der Weimarer Republik und der NS Zeit brachten das Maezenatentum zum Erliegen Der Bruch von 1918 19 sei zwar im Buergertum nicht ganz so dramatisch gewesen wie oft angenommen Gerade im Kreis um Wilhelm Bode habe es beachtliche Kontinuitaeten buergerlichen Maezenatentums gegeben Gleichwohl wirkte die allgemeine Unsicherheit doch auch laehmend auf entsprechende Aktivitaeten Die buergerlichen Eliten fuer die der Kaiser ein Fokus gewesen war blieben gegenueber den neuen demokratischen Politikern die oft einen kleinbuergerlichen Habitus ausstrahlten distanziert und zogen sich aus dem oeffentlichen Raum in die Privatsammlungen die Salons oder auch in die individuelle Foerderung von Kuenstlern zurueck Dabei sei zu beruecksichtigen dass die neuen kuenstlerischen Entwicklungen der Weimarer Zeit sich zur Statusrepraesentation etwaiger Maezene nicht mehr so gut geeignet haetten wie die Kunst aus frueheren Epochen In der Weimarer Zeit blieb die Entwicklung des Maezenatentums weitgehend uneinheitlich In der NS Zeit gab es von buergerlicher Seite nur noch ein geringfuegiges Engagement So stiftete die Wirtschaft fuer Hitler das Haus der Deutschen Kunst Frey befasst sich hier vor allem mit der Kunstsammelleidenschaft von Hitler Goering und anderen hohen NS Chargen sowie Hitlers Vorliebe fuer Bayreuth das er mit privaten Mitteln foerderte Bei Hitlers Kunstpolitik liesse sich die fuer die Definition von Maezenatentum wichtige Unterscheidung von oeffentlichen und privaten Geldern allerdings oft nicht durchfuehren Frey bezeichnet Hitler daher als Pseudomaezen sofern er als Zerstoerer der modernen Kunst auftrat auch als Anti Maezen Das nachfolgende Kapitel ist der DDR gewidmet wo in der fruehen Phase die kulturelle Initiative auf den Staat und die parteinahen Verbaende uebergegangen war Bitterfelder Weg In Freys Darstellung ist besonders interessant wie sich im weiteren Verlauf auch in der DDR trotz aller Schwierigkeiten und mehr im Verborgenen Ansaetze maezenatischer Aktivitaet entfaltet haben Das Sammeln und Stiften scheint eine der zahlreichen Nischen am Rande der offiziellen Gesellschaft gewesen zu sein Walter Balzer habe sich als Privatsammler und ehemaliger Museumsdirektor mit seinen Gaben bemueht dem Dresdener Kupferstichkabinett eine von staatlicher Einflussnahme unabhaengige Ankaufspolitik zu ermoeglichen Parallel dazu wird die Entwicklung in der Bundesrepublik und hier insbesondere die maezenatischen Aktivitaeten aus Kreisen der Industrie betrachtet Auch wenn im Wirtschaftsleben die historische Rolle des Privatunternehmers und Grossbuergers

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