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  • Joachim Möller (Hg.): Sister arts - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    und emotionales Vehikel fuer die direktere und geschmeidigere Kommunikation der an sich doch relativ sperrigen abstrakten und hochkomplexen intellektuellen Mitteilungen sein konnte als deren zustaendiges Medium bisher ausschliesslich das Historienbild gegolten hatte Die in England so ueberaus erfolgreiche historische Landschaftsmalerei des 17 Jahrhunderts mit ihren Bildern einer durch Geschichte und Kultur geordneten Welt war ein idealer Vorlaeufer fuer die neue intermediale Entwicklung im Land Das Fundament einer Theorie der imagination ruhte auf einer konstruierten strukturellen Kopplung von geistigem Vorstellungsbild idea image vision mit den Bildern pictures scenes die ueber den Gesichtssinn in den Geist gerieten und dort die Einbildungskraft imagination oder Phantasie fancy stimulierten Die Qualitaet der Einbildungskraft wird hier in Abhaengigkeit zum individuell gespeicherten Ideen und Bildervorrat gesetzt Die pleasures of imagination liessen sich synergetisch verstaerken und insbesondere die Bilder des Landschaftsgartens sollten die Bildproduktion der Einbildungskraft beim Betrachter stimulieren und eine verstaerkende Synaesthesie bewirken So dienten die im Verlauf des 18 Jahrhunderts entwickelten Simulationstechniken der Verlebendigung von Landschaftsbildern womit der virtue of reality bereits zu einem fruehen Zeitpunkt virtuelle Realitaeten der optisch technischen Simulationsmedien beigefuegt wurden Die Beitraege von D W Doerrbecker zur Verflechtung der Gattungen Poesie Prosa und Kunsttheorie in Rhymes on Art 1805 und Elements of Art a Poem 1809 und die Untersuchung zur Annaeherung von Text und Karikatur am Beispiel der Scourge 1811 1816 von Hubertus Fischer eroeffnen neue Perspektiven der Intermedialitaet Rhymes on Art und Elements of Art sind Lehrgedichte des Portraetisten Martin Archer Shee die insofern literarisches Neuland darstellen als Dichtung ein innovatives Medium war die Akzeptanz einer englischen Malerschule zu betreiben Mit dieser Dichtung habe sich der Kuenstler den Zugang zu einem Lesepublikum versprochen das sich ueblicherweise nicht mit der Theorie und Politik der bildenden Kunst beschaeftigte In einem weiteren Beitrag wird durch die Analyse der heute praktisch vergessenen Satire Zeitschrift The Scourge 1811 1816 der intensive Dialog zwischen Wort und Bildsatire belegt The Scourge nimmt damit eine Entwicklung vorweg die spaeter in La Caricature und Le Charivari ihren Hoehepunkt finden sollte Entdeckt wird hier ein Laboratorium der Intermedialitaet von Bild und Textsatire Die zeitgenoessischen Aspekte von Beschaffenheit Regulierung und Gebrauch des Bildes verzahnen die heterogenen Beitraege im vorliegenden Sammelband Im letzten Beitrag befasst sich der Herausgeber Joachim Moeller mit den Moeglichkeiten der literarischen Illustration die zwar vielfaeltig sind aber dennoch bestimmten Gesetzen unterliegen Als Alice vor ihrem Fall in das Wunderland nach dem Nutzen eines bildlosen Buches fragte galt ihr Interesse im Grunde dem Wesen der literarischen Illustration Das historisch wechselnde Miteinander von Text und Bild zu analysieren ist ein Ziel der vorliegenden Publikation Hierbei geht es darum dass der Begriff Illustration mehr sein kann als bildkuenstlerische Wiederholung dessen was der Text bereits ausdrueckt Das Bild im Buch ist in der Regel der vom Text uebermittelten Information verpflichtet doch die Art dieser Transformation vom Schriftlichen zum Bildlichen ist vielseitig und bisher kaum untersucht In modifizierter Form sei deshalb die Frage aus Alice in Wonderland erneut gestellt Was geschieht wenn aus Woertern Bilder werden Welche Moeglichkeiten visueller Darstellung gibt es Was kann

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  • Sammelrezension: Architektur im Kaiserreich - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    stiefmuetterlich behandelt wird Dabei haette ein Vergleich der beiden fuer die gesamte Architekturgeschichte wichtigen Bauten interessante Aspekte beinhalten koennen wenn man bedenkt dass Behrens seinen programmatischen Essay Was ist monumentale Kunst 1908 mit Abbildungen des Hagener Krematoriums illustrierte Gerade die Bedeutung letzterer Beispiele verdeutlicht dass Winters Einschaetzung das Tabuthema Tod haette eine Beschaeftigung mit der Krematoriumsarchitektur bisher verhindert S 115 so nicht stehen bleiben kann Henning Winter verstarb ueberraschend bevor er sein Dissertationsmanuskript ueberarbeiten konnte Auf Wunsch der Eltern hat es sein Studienfreund Dr Eckart Ruesch zum Druck fertig gemacht und mit einem Nachwort versehen Manche Unzulaenglichkeiten lassen sich mit diesen tragischen Umstaenden erklaeren Hans Dieter Naegelkes Erfassung der Hochschulbauten im Kaiserreich ueberzeugt durch einen fundierten und souveraenen Umgang mit dem umfangreichen Gegenstand 213 Haupt Bibliotheks und Institutsgebaeude von insgesamt 31 Universitaeten und Technischen Hochschulen die waehrend des Kaiserreichs errichtet wurden fuellen den Katalog Darueber hinaus greift der Textteil bis an den Anfang des 19 Jahrhunderts zurueck um sich der organisatorischen Entwicklung des Hochschulbaus zu widmen Im ersten Teil der Darstellung uebertitelt mit Funktion werden die Bauaufgaben Hauptgebaeude Institute Campus zunaechst getrennt behandelt Der zweite Teil widmet sich dann der Gesamtheit der Bauten hinsichtlich ihrer Gestalt Drei Abschnitte kennzeichnen die Phasen architektonischer Entwicklung wobei die erste Phase 1830 1870 noch vor dem eigentlichen Betrachtungszeitraum der Arbeit angesiedelt ist Angesichts dieser komplexen Struktur aus Bautypen und Epochen bei der auch zu beruecksichtigen ist dass die Errichtung verschiedener Gebaeude innerhalb einzelner Universitaetsgebilde sich meist ueber die gesamte Zeitspanne bis 1918 erstreckte ist es bewundernswert dass der Autor den Ueberblick behaelt und dem reichen Material eine entwicklungsgeschichtliche These abgewinnt Naegelke geht davon aus dass sich in der Neorenaissance Architektur der bis 1895 errichteten Hochschulbauten ein Einvernehmen im Sinne des einheitlichen buergerlichen Bildungsideals ausdrueckte das sich mit der fortschreitenden Differenzierung der Wissenschaften und der gesellschaftlichen Zersplitterung eines gemeinsamen Bildungshorizontes aufloeste Parallel dazu beguenstigten die architektonischen Reformbestrebungen das Ende dieses gestalterischen Konsens S 18 Die Neorenaissance als Gattungsstil 8 wie im Museumsbau und Bedeutungstraeger buergerlicher Vorstellungen von der Kulturnation beschaeftigte schon vorhergehende Publikationen Insbesondere Valentin W Hammerschmidt untersuchte sie in seiner Studie ueber Anspruch und Ausdruck in der Architektur des spaeten Historismus Daher tat Hans Dieter Naegelke der Aktualitaet und Praegnanz seiner Fragestellung keinen Gefallen als er diesen Universalstil 9 in den Vordergrund seiner Eroerterung des Konsensproblems stellte Die Betonung der Stilfrage verhindert eine differenzierte Darstellung der Intentionen die eigentlich erst beim Verlust des buergerlichen Einvernehmens deutlich wurden Wie einschneidend diese Erfahrung gewesen sein muss kann noch einmal die von Fritz Schumacher zum Ausdruck gebrachte sein Lebenswerk praegende Hoffnung auf eine dem Individuum Identitaet vermittelnde Kunst s o unterstreichen Ueber die Darstellung von Konsens und Dissensbildung hinaus scheint es Naegelkes Anliegen einen programmatisch aufgefassten Historismus gegenueber der sogenannten Reformarchitektur herauszustellen die in ihrer Rueckkehr zur Tradition und ihrem Einheitsstreben ein viel problematischeres Geschichtsverstaendnis offenbart haette S 188 189 Dieser interessante Aspekt leidet allerdings an den Unklarheiten in der Definition des Begriffes die dadurch deutlich werden dass noch 1967 behauptet wurde dass wir mitten im Historismus

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/236 (2016-02-12)
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  • Charles Wylie/Maria Morris Hambourg (Hgg.): Thomas Struth - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    der zwischen dem Alltaeglichen und dem hohen aesthetischen Anspruch besteht baut eine dialektische Spannung im Bild auf Bereits das Umschlagfoto des Katalogs Boats at Wushan Yangtse Gorge China 1997 das eine weite chinesische Stadtlandschaft zeigt wo am Horizont die Grenze zwischen Himmel und Erde verfliesst gibt diese Dynamik zu erkennen Die Komposition die von dem Fluss mit den Schiffen im Vordergrund bestimmt wird orientiert sich dezidiert am Formenkanon der Malerei waehrend sich das Bild thematisch mit dem Verhaeltnis von Natur und Kultur auseinandersetzt In El Capitan Yosemite National Park California 1999 werden den Senkrechten der Kiefern am Bildrand rechts und links die Diagonale einer Strasse an der etliche Autos parken entgegengesetzt Der im gleissenden Licht erstrahlende Felsen der sozusagen als Bestandteil eines kulturellen Gedaechtnisses fungiert ragt symboltraechtig vor dem blauen Himmel auf Das Bild ist alles andere als ein zufaellig entstandener touristischer Schnappschuss Im Gegenteil Hier wurde mit Kalkuel eine eigene Bildwelt in Szene gesetzt Solche Fotografien sollen sich einpraegen wie Erinnerungen Was hier ganz neue Qualitaet erreicht ist der aesthetische Faktor Struth zielt in seinen Arbeiten auf eine Synthese historisch reflektierter und bildhaft artikulierter Aesthetik ab Ueber dieses komplexe Eingebundensein in einen aesthetischen Traditionszusammenhang wird der Versuch unternommen eine Meta Ebene zu schaffen auf der die Bedingungen fotografischer Repraesentation selbst mitreflektiert werden Obwohl oder gerade weil Struth keine konkreten Vorbilder zitiert hat der Betrachter bei Bildern wie diesen oft das Gefuehl eines Deja vu Erlebnisses Auf diese Weise werden auch die Inhalte und Praegungen unseres kulturellen Bilderrepertoires aufgedeckt Hierin steht Struth den Aufnahmen Andreas Gurskys Jeff Walls oder Cindy Shermans sehr nahe obwohl sich Struth im Gegensatz zu diesen stets innerhalb der technischen Grenzen des Mediums Fotografie bewegt Fotografie wird also nicht primaer eingesetzt um Wirklichkeit abzubilden sondern um auf andere Kontexte zu verweisen nicht zuletzt auf den Kuenstler selbst Die Selbstreflexion die seine Methode und die in seinem Werk verkoerperte Reflexivitaet auszeichnet verbindet Struths Praxis ueber die Geschichte der Fotografie hinaus mit dem groesseren Kontext der zeitgenoessischen Kunst und mit der Rolle die die Fotografie im kritischen Diskurs zum Thema Repraesentation spielte S 167 Ann Goldstein beleuchtet in ihrem Textbeitrag diesen zentralen Aspekt in Struths Werk Vor allem in den Museumsbildern die Menschen beim Betrachten beruehmter Gemaelde zeigen gelingt es Struth das Grundproblem fotografischer Repraesentation anschaulich darzustellen Wir als Betrachter von Struths Fotografien sehen hier Betrachter die ihrerseits Bilder bzw Skulpturen und Architekturteile betrachten zu sehen beispielsweise in den Innenaufnahmen des Berliner Pergamon Museums In den Fotografien sind die Haltungen der Menschen wie die sie umgebenden Skulpturen und Reliefs extrem formalisiert Die Wirklichkeit ist genauso gestaltet wie ein Kunstwerk Die Aufnahmen geben Aufschluss darueber wie geordnet und geregelt der Blick auf die Welt ueber die fotografische Repraesentation ist Eine Fotografie so Goldstein entsteht aus den bildnerischen formalen und gesellschaftlichen Beziehungen die die Kamera den Fotografen das Motiv und den Betrachter untrennbar miteinander verknuepfen und andererseits reflektiert sie diese Beziehungen S 166 Fragen ueber die Repraesentation und die Objektivitaet fotografischer Abbilder finden sich auch in der Architekturfotografie wieder dem

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/190 (2016-02-12)
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  • Bernd Kleimann/Reinold Schmücker (Hgg.): Wozu Kunst? - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    liessen sich nicht auf kunsttheoretischer Ebene loesen sondern hoechstens durch ethische Argumentation Schmuecker selbst bleibt hier bei der deskriptiven Funktionsbeschreibung stehen und entzieht sich einer kritischen Bewertung der einzelnen Funktionen Die folgenden Beitraege des Buches konzentrieren sich auf die Erkenntnisfunktion von Kunst Oliver R Scholz z B beschreibt plausibel wie Kunst unsere kognitiven und emotionalen Faehigkeiten verfeinern und neue Erkenntnisse bis hin zu neuen Wahrheiten vermitteln kann auch oder gerade durch emotionales Erleben von Kunst das mit der rein aesthetischen Wahrnehmung verknuepft ist Erkenntnis moechte er hier nicht im herkoemmlichen Sinne mit der blossen Vermehrung von Wissen auf rein theoretisch abstrakter Ebene verstanden wissen sondern auch in der Schulung emotionaler Faehigkeiten und moralischen Urteilsvermoegens Unsere durch Begriffe beschriebenen Erkenntnisse erweitern sich durch die anderen zumeist nonverbalen Darstellungsmoeglichkeiten von Kunst erheblich Scholz streitet hier daher in seiner Argumentation fuer eine Ausweitung des Erkenntnisbegriffes in den herkoemmlichen Erkenntnis theorien In Bernd Kleinmanns Beitrag stehen nicht einzelne Funktionen der Kunst im Vordergrund sondern die Bestimmung der Beschaffenheit des Reizes der von Kunstwerken ausgeht Er beschreibt verschiedene Problematiken in vorangegangenen Theorien so geht er z B auf Kants Theorie des interessenlosen Wohlgefallens explizit ein findet neue passendere Begrifflichkeiten und kommt zu dem Schluss das der Reiz eines Kunstwerks in der moeglichen Erfuellung des Beduerfnisses nach Erfahrungsreflexion besteht Letztlich schreibt also auch er der Kunst eine Form der Erkenntnismoeglichkeit zu die er kurzerhand zu ihrer Funktion erklaert Marcus Duewell fragt in seinem Aufsatz nach dem Verhaeltnis von aesthetischen und moralischen bzw ethischen Prinzipien Duewell erkennt wie schon einige Autoren vor ihm in der aesthetischen Erfahrung einen spielerischen und distanzierten Umgang mit der Realitaet in der eine ethische Reflexion stattfinden und moralische Handlungsmoeglichkeiten erschlossen werden koennen Mit Hilfe eines nur sehr knapp erklaerten und daher schwer nachzuvollziehbaren Ansatzes des amerikanischen Philosophen Alan Gewirth erklaert Duewell diese potentielle Erweiterung unserer Handlungsmoeglichkeiten als ein moralisch wertvolles und daher schuetzenswertes Gut Christian Thies geht es in seinem Beitrag ebenfalls um das Verhaeltnis von Aesthetik und Moral Anfangs nennt er knapp die schon bekannten Positionen ordnet sie den einzelnen Traditionen zu und schafft damit einen guten Ueberblick ueber verschiedene Autoren sowie den aktuellen Diskussionsstand Genauer geht er auf die Ansaetze ein die Kritik an der Autonomie der Kunst ueben die eine Verschmelzung von Kunst und Leben fordern oder das Leben ueberhaupt unter das Primat des Aesthetischen stellen wollen und Aesthetik mit Ethik gleichsetzten Thies lehnt diese Aesthetisierung normativ praktischer Probleme ab und begruendet warum in einer so ausdifferenzierten Welt wie der heutigen das Aesthetische das Moralische nicht ersetzen kann bzw wo und warum moralische und aesthetische Kategorien auseinanderfallen Bei einer Aufhebung der Kunst im Leben naehme nach Thies sowohl das Leben selbst als auch die Kunst Schaden es bliebe letztlich nur ein Leben ohne Kunst Demnach ver kommen laut Thies auch die Werke solcher Kunstrichtungen als Beispiel nennt er die Pop Art die eben diese Vereinigung suchen schnell zu Waren einer Kulturindustrie denen er jegliche relevante aesthetische Erfahrungens moeglichkeiten abspricht So streitet Thies fuer eine Autonomie der Kunst sowohl aus

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/191 (2016-02-12)
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  • Dieter Henrich: Versuch über Kunst und Leben - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    ist auf eine innere Kohaerenz die auch so etwas wie Brueche und persoenliche Katastrophen uebergreift Unplausibel erscheint mir aber die metaphysische These dass das individuelle Leben auf ein allumfassendes Ganzes bezogen ist fuer das es Bedeutung bzw wie es wiederholt heisst Bewandtnis hat Wie wird nun die Beziehung zwischen bewusstem Leben dem Prozess der Subjektivitaet und Kunst konzipiert Henrich grenzt sich gegen zwei extreme Positionen ab Der aesthetische Idealismus der eine Identifikation von Kunst und Leben vornimmt und das Leben als Kunstwerk verstehen moechte wird ebenso abgelehnt wie ein aesthetischer Formalismus der von einer voelligen Beziehungslosigkeit ausgeht Demgegenueber besteht Henrich auf einer Entsprechung zwischen Kunst und Leben die durch ihre Differenz ueberhaupt erst moeglich wird In ausgezeichneter Weise ermoeglicht Kunst eine Darstellung von Subjektivitaet Die Kunst vergegenwaertigt uns Prozesse des bewussten Lebens in einem wirklichen Vollzug und zugleich doch so dass sie nicht auch schon wirklich von uns vollzogen wird S 132 Gegen Goodman und Gadamer optiert Henrich fuer einen Begriff von Aesthetik der den Aspekt der Wahrnehmung stark macht Die semiotische und hermeneutische Sichtweise Kunst allgemein als Weltverhaeltnis zu fassen lasse die spezifisch aesthetische Dimension in den Hintergrund treten Welt und Selbstverhaeltnis vergegenwaertige das Kunstwerk im Modus aesthetischer Betrachtung fuer welche die Distanz zur Alltagswelt konstitutiv sei Analog zur Struktur des Selbstbewusstseins die sowohl Selbstzentrierung als auch Selbstdistanz erzeuge ist die aesthetische Wahrnehmung fuer Henrich dadurch charakterisiert dass sie auf ein einzelnes konzentriert und gleichzeitig in einer ausschwingenden Aktivitaet darueber hinaus greift Die zentrale These des Buchs dass in der Kunst und nur in der Kunst eine Vergegenwaertigung von Subjektivitaet moeglich ist die uns ansonsten nur in abstrakten Denkbewegungen zugaenglich ist erweist ihre Staerke am deutlichsten in der Anwendung auf die Kunst des 20 Jahrhunderts Im Unterschied zu der Epoche vom 17 bis zum 19 Jahrhundert kann die Kunst

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/185 (2016-02-12)
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  • Alarich Rooch: Zwischen Museum und Warenhaus - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    bekannte und anderweitig bereits erforschte Objekte gruppiert um die drei Inszenierungsraeume Museum Villa und Warenhaus Der Autor bewahrt zu den dort zu beobachtenden Raumaneignungen des Buergertums grundsaetzlich eine kritische Distanz und wertet Bildung Kunst und Geschmack primaer als Agenturen sozialer Differenzierung und mithin Herrschaft Im Gegensatz dazu fallen die Kurzvorstellungen der Heroen der Klassischen Moderne wie Adolf Loos Erich Mendelssohn Marcel Duchamp oder El Lissitzky geradezu unkritisch aus Die Interpretationsleistung des Autors ist nicht gering geht aber letztlich doch mit einiger Beharrlichkeit in die immer gleiche Richtung naemlich die Hegemonial ja Kolonialisierungsbestrebungen der buergerlichen Kultur 129 herauszustellen welche den Stadtraum im Laufe des 19 Jahrhunderts zunehmend gepraegt haetten Das mag in der Sache und zumal fuer die vom Autor ausgesuchten Beispiele zutreffen doch sollten wenn es um symbolische Raumdefinitionen geht nicht auch gegenlaeufige Tendenzen nachvollzogen werden Ueber die fortdauernde monarchisch militaerische Praesenz im Berliner Stadtraum erfaehrt man bei Rooch ebenso wenig wie ueber die Bemuehungen der Arbeiterbewegung um oeffentliche Sichtbarkeit Eine Binnendifferenzierung des Buergertums an der von Sozialhistorikern seit Laengerem gearbeitet wird wird zwar eingeklagt aber nirgendwo wirklich umgesetzt So bleibt durchaus unklar um welches Buergertum es dem Autor eigentlich geht Das Berliner Das deutsche Gar das europaeische Gab es spezifische Differenzen zwischen den Raumaneignungen von Wirtschaftskapitaenen Universitaetsprofessoren Aerzten Rechtsanwaelten Pfarrern Gewerbetreibenden Immer nur exemplarisch oder symptomatisch auf Signifikanzen einzugehen ist dann unbefriedigend wenn die Frage nach der Repraesentativitaet der gewaehlten Beispiele nicht einmal gestellt geschweige denn beantwortet wird Eine wirklich genaue und um Vollstaendigkeit bemuehte Analyse etwa der Berliner Innenstadt haette wohl zu aussagekraeftigeren Ergebnissen fuehren koennen als die mitunter zufaellig anmutende Selektion einzelner Bauten die sich mehrheitlich in Berlin befanden aber wenn es gerade in den Argumentationsgang passt auch in Chemnitz Stuttgart Koeln London oder Paris stehen koennen Aehnlich beliebig wirkt die Wahl der Dada Bewegung als Fluchtpunkt der Untersuchung War die Destruktionslust auch im Bereich der Kunst um 1920 nicht doch ein sehr spezifischer Ausdruck der kataklysmischen fuer die Betroffenen nicht selten traumatischen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs Im Laufe der 1920er Jahre aufkommende durchaus wieder affirmativ zu verstehende Bewegungen wie Art Deco oder der Internationale Stil in der Architektur werden bezeichnenderweise nicht mehr untersucht Die Debatte um die Persistenz von Buergerlichkeit im 20 Jahrhundert wie sie auch unter Sozialhistorikern gefuehrt wird benoetigt einen weiteren Blick als den auf die fraglos spektakulaeren kuenstlerischen Avantgarden des ersten Jahrhundertdrittels Am schwerwiegendsten erscheint indes die Ausblendung des tatsaechlichen Verlaufs der vom Verfasser postulierten Aesthetisierungsprozesse Er verlaesst sich zu sehr auf die Evidenzen der Bauplaene und der urbanistischen Situationen wohingegen die konkrete Rezeption durch die Zeitgenossen merkwuerdig blass bleibt Gerade weil dies quellentechnisch nicht leicht zu fassen ist waere hier die Bemuehung um Systematik wuenschenswert gewesen Ein wenig zu haeufig betont Rooch zudem dass die von ihm in den Blick genommenen sozialen Prozesse und deren raeumlich aesthetische Manifestationen komplex interdependent und symbolisch transzendent seien Fast will es scheinen als sollte mit derartigen analytischen Allgemeinplaetzen von der schmalen empirischen Basis der Arbeit abgelenkt werden So legt man das Buch mit einem gewissen Unbehagen

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/188 (2016-02-12)
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  • Aby Warburg: Tagebuch der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    die Arbeit am Bilderatlas ein Als Warburg 1928 mit Gertrud Bing nach Italien reiste um dort die Arbeiten an dem Atlas fortzusetzen nahm Warburg das Bibliotheksjournal einfach mit und machte es zum Reisetagebuch Zurueckhaltung laesst sich auf Seiten Fritz Saxls erkennen Ohne Zweifel waren ihm die Eintragungen in das Tagebuch laestig immer wieder muss er von Warburg ermahnt werden ueberhaupt dort Rechenschaft abzulegen Waehrend des Sanatorium Aufenthalts Warburgs hatte Saxl die Bibliothek alleine geleitet und auch den Prozess der Institutionalisierung vorangetrieben Nach seiner Rueckkehr musste er wieder in das zweite Glied treten Seine verstaerkte Reisetaetigkeit deutet daraufhin dass er der Hamburger Bibliothek gerne entflohen ist Obwohl die Herausgeberinnen einen ueberaus reichen Schatz an Quellenmaterial dem Leser zur Verfuegung stellen bemuehen sie sich in der knappen Einfuehrung um Zurueckhaltung keinesfalls soll Kritisches an der Vaterfigur einer modernen Kunstwissenschaft geaeussert werden Die naheliegende Vermutung dass dem Bibliotheksjournal auch eine Kontrollfunktion zu kam wird nur angedeutet Gertrud Bing und Fritz Saxl mussten taeglich Rechenschaft ueber ihr Tun geben das Verruecken von Buechern notieren und die Reaktionen von Besuchern festhalten Diese pedantische Akribie hat uns eine herausragende Quelle beschert sie ist aber auch trauriges Zeugnis davon wie Warburg sich im Detail verzettelte In der deutschen Kritik wird auch dies nicht gesehen vielmehr bedient man sich emphatisch der amuesanten Aphorismen die Warburg mit spruehendem Geist in das Bibliotheksjournal notierte Mit Interesse liest die Wissenschaftswelt auch wie Warburg die Besucher der Bibliothek meist Wissenschaftskollegen aus verschiedenen Fachbereichen aber auch Personen des gesellschaftlichen Lebens scharfzuengig charakterisiert Dieser Klatsch und Tratsch aus der Wissenschaftswelt ist so brilliant formuliert das man ihn noch heute gerne liest zumal der Blick ins interne Tagebuch auch manchen Voyeurismus befriedigt Eigentlich ist das Journal eher ein Stueck Literatur das gleichzeitig auch noch interessante Details ueber die Geisteswissenschaft der zwanziger Jahre und ueber das Denken Aby Warburgs preisgibt Warburg als Theoretiker und Denker bleibt trotz alledem kaum greifbar Viele seiner Aeusserungen aus der hausinternen Kommunikation sind dem Leser nicht verstaendlich hier waere eine umfassende Kommentierung nuetzlich gewesen Allerdings haette eine systematische Erlaeuterung ins Uferlose gefuehrt So beschraenken sich die Herausgeberinnen auf ein kleines Lexikon der erwaehnten Personen das von grossem Nutzen ist Viele Vorgaenge bleiben dagegen ungeklaert Was soll man anfangen mit dem Satz Goettingen fragt an was die farbigen Streifen an unsern Buechern bedeuten S 7 Hier waere eine Erlaeuterung sicherlich notwendig gewesen denn wie soll der Leser wissen dass ein vierstufiges Farbstreifensystem auf dem Buchruecken in der KBW die Signatur ersetzte und jede Farbe eine Signalbotschaft besass In der Einfuehrung wird das Ordnungssystem der Bibliothek nur ansatzweise beschrieben in dem die Buecher als Problemstellungen und Wegweiser zu deren Loesung aufgestellt werden Fritz Saxl S 34 Das komplexe Ordnungssystem der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg ist eine wichtige Voraussetzung zum Verstaendnis des Tagebuchs denn nur so erschliesst sich dem Leser warum so viel Zeit und Energie der Ordnung der Bibliothek gewidmet wurde und warum Saxl und Bing persoenlich sich mit Hilfsarbeiten wie dem Signieren beschaeftigen mussten Auf die in der Literatur ausgetragenen Debatte um das

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/184 (2016-02-12)
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  • Reinhard Karrenbrock u.a. (Hgg.): Köln, Westfalen, Norddeutschland - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    werden S 24 28 Einen breiten Raum nimmt die Darstellung der Produktion aus der wohl recht grossen Werkstatt des Koelner Meisters Tilman ein S 28 53 illustriert unter anderen dankenswerterweise durch Abbildungen von dem Mittelrelief New York und den Fluegeln Enschede seines Marien retabels Nicht ganz ueberzeugt hat mich die Annahme der von Carben Meister sei aus der Werkstatt Meister Tilmans hervorgegangen in der er zu Beginn des 16 Jahrhunderts mitgearbeitet habe S 51f 56f Dieser Bildhauer hat seinen Notnamen von der durch den konvertierten Juden Viktor von Carben gestifteten Skulpturengruppe im Koelner Dom welche durch die vermutete Lehrzeit oder Mitarbeit in Tilmans Werkstatt im beginnenden 16 Jahrhundert fuer mein Gefuehl sehr spaet zwischen 1505 und 1510 S 52 zu datieren waere Fuer diese Annahme spraeche aber die Identifizierung des Notnamen Meisters mit dem in Koelner Quellen zwischen 1506 und 1538 genannten Bildschnitzer Wilhelm von Arborch S 128f die Reinhard Karrenbrock in seinem zweiten zusammenfassenden Aufsatz Bildschnitzer und Bildhauer im spaetmittelalterlichen Koeln Archivalische Quellen historische Befunde und Fragestellungen S 121 136 vorschlaegt Hier werden nicht nur die einzelne Bildschnitzer be treffenden Archivalien thematisiert sondern auch die Aufteilung der verschiedenen Berufe auf die 22 Gaffeln Gilden Zuenfte der Stadt und die Rohstoffmaerkte Ein Exkurs gilt den archivalischen Nachrichten ueber die in Koeln ansaessigen Fassmaler S 129 131 Die Ergebnisse der kunsttechnologischen Untersuchungen durch Patricia Langen und zu einem kleineren Anteil von Sabine Hermes sind sehr de tailliert und werden im Katalog den kunsthistorischen Wuerdigungen durch Reinhard Karrenbrock vorangestellt Patricia Langen fasst sie zusammen unter dem Titel Zur Werkgeschichte und technologischen Entwicklung der Koelner Holzskulpturen 1400 1540 S 81 120 Unter dem mir bis dahin unbekannten aber treffenden Begriff Werkgeschichte werden alle Veraenderungen an den Skulpturen erfasst Sehr bedeutsam sind die Ergebnisse zu Materialgebrauch und Arbeitsweisen In Koeln gab es offensichtlich keine Vorschriften ueber die zu verwendenden Holzarten wie beispielsweise in Antwerpen oder Bruessel Die Vorliebe fuer Nussbaumholz im 14 Jahr hundert geht im 15 Jahrhundert zurueck Lindenholz wird zum bevorzugten Rohstoff der Bildschnitzer die aber offenbar alles benutzt haben S 86f Zirbelkiefer als Ergebnis der holzbiologischen Untersuchung durch Peter Klein wuerde mich allerdings bezueglich der Einordnung nach Koeln doch misstrauisch machen Kat 18 S 187f zumal das fragliche Stueck aus dem Kunsthandel kommt Der wohl vom noerdlichen Niederrhein nach Koeln gekommene Meister Tilman hat fast ausschliesslich in Eiche gearbeitet Patricia Langen bringt die technologischen Beobachtungen mit den Ergebnissen der kunsthistorischen Einordnung zusammen wodurch sie der Kunstgeschichte neue fuer die Stilkritik sehr geeignete Kriterien zur Verfuegung stellt Bei der Anlage der rueckwaertigen Aushoehlung S 88 91 duerften ein Individuum oder eine Werkstattgemeinschaft ihren Gewohnheiten freien Lauf gelassen haben waehrend bei der Gestal tung des Werks z B anderswo gesehene Motive den persoenlichen Stil eines Meisters zurueckdraengen koennen Auch bei so nebensaechlich erscheinenden Oberflaechengestaltungen wie Tremolierungen sind unver faelschte Merkmale zu erwarten Wenn Patricia Langen die Darstellung von Haaren S 95 97 thematisiert bleibt sie stets nah an der hoelzernen Substanz der Werke Von der Frage stellung Wie ist das gemacht worden kommt

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