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  • Stephan Albrecht: Die Inszenierung der Vergangenheit im Mittelalter - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    auch die bildkünstlerischen Zeugnisse in drei Kategorien unterteilt S 14 16 So wurden einmal alte und in der mittelalterlichen Deutung vermeintlich originale Artefakte als Erinnerungsstücke onserviert und in Szene gesetzt Da der Untersuchungszeitraum sich durch die Dichotomie zwischen einem Zwang zur Erinnerung und den repräsentativen Bauzwang in Klöstern auszeichnete ersetzte man gerade damals alte Objekte durch Kopien Deren Formen wurden in neuen Bild und Bauzeugnissen aufgegriffen um die Zeiten zu vergegenwärtigen aus denen die zugrundeliegenden Originale stammten Als dritte Kategorie definiert Albrecht Memorialbilder also in der hoch und spätmittelalterlichen Gegenwart geschaffene Zeugnisse die über ihren Inhalt und nicht über ihre Form an Personen Ereignisse oder Gegebenheiten aus der Vergangenheit erinnerten Mit diesem begrifflichen Gerüst kann die Studie besonders bei der Architekturanalyse überzeugen Für die grundlegende Neugestaltung Saint Denis durch Suger kann gezeigt werden daß hier als Reaktion auf eine tiefe Existenzkrise alte Bauteile als Erinnerungsstücke und Architekturzitate als Kopien in den modernen frühgotischen Bau integriert wurden S 132 157 und S 233 254 Bei der Neuerrichtung Glastonburys Ende des 12 Jahrhunderts vermag der Verfasser für die moderne Architekturgeschichte die als überkommen eingestuften Stilelemente als bewußte Inszenierung zu deuten So kann er die Marienkapelle der Klosterkirche als Kopie des 1184 zerstörten Baus der vetusta ecclesia interpretieren welche als Ursprungsbau verehrt wurde S 73 85 Es gelingt damit zu belegen daß die Stilkategorien von alt und modern im Hoch und Spätmittelalter komplementär die Architektur einer Klosterkirche prägten Trotz der schlechten Überlieferungslage gelingt es Albrecht auch die Ausstattung der im Hochmittelalter baulich erneuerten Kirchen als integralen Teil einer auf historischer Erinnerung zielenden Ästhetik in den Klöstern zu rekonstruieren Er stellt dabei die Inszenierung alter Gegenstände als Erinnerungsstücke und die Aufstellung von Memorialbildern als entscheidend angesehener Gründer und Stifterfiguren im Kirchenraum in den Mittelpunkt Diese manifestierte sich insbesondere in Grabfiguren die seit dem Hochmittelalter zu Bestandteilen umfassender königlicher Grablegen wurden Am Beispiel Saint Denis kann der Verfasser aufzeigen daß von den dort seit Suger nachweisbar verehrten und in der Kirche inszenierten Gegenständen die meisten auf Stiftungen Dagoberts und Karls des Kahlen zurückzuführen sind Die besondere Vergegenwärtigung dieser fränkischen Herrscher wurde in Saint Denis nicht nur über diese Gegenstände praktiziert sondern auch über deren dortige Grabstätten Vergleichbare Memorialstrukturen kann Albrecht für die Verehrung des legendarischen Britenköngs Artus in Glastonbury nach der Entdeckung seines vermeintlichen Grabes im Jahr 1191 aufzeigen S 90 102 Aufgrund des weitgehenden Verlustes der Erinnerungsstücke und Memorialbilder in beiden Klöstern ist es nicht mehr möglich deren innerbildliche und mediale Strategien zu untersuchen So bleibt es letztlich bei einer rekonstruktiven Aufarbeitung ihrer vormaligen Ausstattungen Um zumindest eine Vorstellung entsprechender Visualisierungsstrategien zu vermitteln vergleicht Albrecht im dritten Kapitel der Arbeit die in Glastonbury und Saint Denis erhobenen Befunde zu den Memorialbildern den Ursprungsbauten und den dort als Erinnerungsstücken inszenierten alten Gegenständen sehr umfassend mit erhaltenen Objekten vergleichbarer englischer und französischer Institutionen S 183 264 Sein Titel Die Inszenierung der Vergangenheit Glastonbury und Saint Denis im Vergleich hätte eine unmittelbare Zusammenschau beider Klöster erwarten lassen Doch vielmehr werden beispielsweise die Grabmonumente als Memorialbilder jeweils ausführlich

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  • G. Ullrich Großmann (Hg.): Politik und Kunst in der DDR - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Kunst der DDR in den deutsch deutschen Verhältnissen S 40 48 mit zahlreich weiterführenden Fußnoten und Literaturangaben einen komprimiert informativen Rückblick auf die Entwicklung der DDR Kulturpolitik und den sich wandelnden West Blick auf die DDR Kunst von der Nachkriegszeit bis zum Mauerfall Abschließend stellt sie fest dass es bisher keine Ausstellung die sich mit der DDR Kunst befasst hatte vermochte die Leistungen die in einem eigenständigen Prozess der bildkünstlerischen Sprachfindung entstanden sind zusammenzuführen S 46 Dabei wäre ihres Erachtens ein rezeptionsästhetischer Ansatz besonders sinnvoll hebt doch gerade die DDR Kunst immer wieder die Rolle des Betrachters hervor Vierneisel geht es mithin nicht nur um die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem ostdeutschen Erbe sondern um die Frage methodischer Schwerpunktverschiebungen Im dritten und umfangreichsten Block wird über den Künstler und Funktionär Willi Sitte verhandelt wobei man sich bei Lektüre der insgesamt sechs Beiträge durchaus fragt ob man den Künstler nicht doch gänzlich hinter dem Funktionär vergessen hat Zu Beginn stellt Clause Pese in Auszügen das von ihm für den geplanten Katalog Willi Sitte Werke und Dokumente zusammengetragene Rohmanuskript S 61 75 vor ohne darauf zu verzichten nochmals auf den Usus des Hauses zu verweisen dass eine Ergänzung durch Quellen anderer Herkunft nicht üblich S 61 sei Solchem Einwurf entnimmt man eine gewisse Form der Verbitterung über die Vorfälle und am Ende seines Beitrags betont Pese dass er für einen kritischen Artikel zu der von ihm zusammengestellten Dokumentation nicht mehr zur Verfügung stünde da ich mir den Vorwurf nicht antun will ich hätte im Nachhinein aus den inzwischen erschienen Publikationen diejenigen Dokumente die gegen Willi Sitte sprechen in meinen Artikel mitaufgenommen um aus der Diskussion um Willi Sitte ungeschoren hervorzugehen S 75 Ein Außenstehender kann aus solchen Äußerungen nur ansatzweise erahnen welche Diskussionen und Auseinandersetzungen die Vorkommnisse im GNM wohl ausgelöst hatten Liest man die Dokumente ist es schwer verständlich weshalb man sich außerstande fühlte die Ausstellung im gewohnten Zeitrahmen durchzuführen Claus Pese widerspricht insbesondere der These Sitte hätte nur ein geschöntes Privatarchiv dem GNM zukommen lassen Von mir durchgeführten Stichproben im Archiv der Akademie in Berlin wo sich die Verbandsakten befinden haben keinen Hinweis auf Bereinigung der schriftlichen Materialien durch Willi Sitte erbracht S 62 Angesichts der nur spärlich zitierten Materialien ist es zu bedauern dass es zu einer Publikation unter der Federführung des GNM nicht mehr kommen wird zumal inzwischen eine Willi Sitte Stiftung für realistische Kunst mit Sitz in Merseburg existiert 3 Karl Siegbert Rehberg setzt sich anschließend ausführlich mit dem Begriff des Staatskünstlers und Sittes sich wandelnder Position in der DDR auseinander S 76 93 Um das Besondere seiner Rolle und seiner zunehmenden Verstrickung in das System zu verstehen stellt er Sitte Werner Tübke gegenüber der jedoch nie eine kulturpolitisch ähnlich machtvolle Stellung innehatte Im nachfolgenden Beitrag Suggestion und Recherche S 96 107 belegt Paul Kaiser anhand differenzierter Leseweise dreier gegen Sitte erhobenen Vorwürfe dass nur eine quellenkritische Analyse der Materialien eine Einansichtigkeit vermeiden hilft und somit eine Konzentration auf ein Archiv im Fall Sitte eben seines Fonds im

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  • Achim Stiegel: Berliner Möbelkunst - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    der Napoleonischen Besetzung begann die Möbelproduktion sich gerade in jenen Jahren 1805 06 stilistisch deutlicher als Berliner Möbelkunst zu konturieren Stiegel stellt auf der Basis einer fast detailbesessenen kunst und kulturhistorischen Analyse die Voraussetzungen zu einer Herausbildung neuer Stilvorstellungen dar man erfährt daß die neuartige Schlichtheit des Mobiliars der Verzicht auf kostbare Beschläge und die Verwendung einheimischer Furnierhölzer nicht allein aus einem Mangel infolge der Kontinentalsperre zu erklären seien sondern ganz im Gegenteil von den Möbelproduzenten als eine bewußt gewählte neue und eigenständige ästhetische Qualität begriffen wurden Vergleichbares ließe sich auch über die charakteristische Formensprache jener Möbel sagen Ihre strenge architektonische Form ist ein Bekenntnis zu den aktuellsten Tendenzen der neuen lokalen Architektengeneration Daß Berlin für die Hervorbringung einer eigenständigen stilistischen Qualität Berlin geeignet war führt Stiegel auf jene spezifische Mischung aus hervorragenden Künstlern innovativen Handwerkern und sachverständigen Interessenten zurück und darüber hinaus auf die progressiven wirtschafts und kulturpolitischen Maßnahmen des preußischen Staates Den eigentlichen Durchbruch dieser neuen Entwicklung verortet der Autor in einer vierten Phase 1816 1830 31 die er selbst als Zeit des langen Aufstiegs charakterisiert In jener Phase vor allem in den 1820er Jahren die zum qualitativen Höhepunkt der Berliner Möbelkunst führten veränderten sich die Anforderungen an die Produzenten von Möbeln stark Zum einen waren jetzt erst die Auswirkungen der preußischen Gewerbepolitik vollends zu spüren zum anderen führte die wieder ansteigende Prosperität dazu daß Konsumenten mit neuen Ansprüchen auftraten In jenen Jahren entstand ein Ideal für die Zimmereinrichtung das zur Etablierung eines festen Kanons von Möbeln führte Wie eine typische Wohnungseinrichtung jener Jahre aussehen konnte zeigt Stiegel anhand von ausgewählten Berliner Beispielen Um auf die neuartigen Herausforderungen adäquat reagieren zu können bedurfte es flexibler und bedarfsorientierter Strategien Angesichts der neuen Marktsituation bedeutete das für die Produzenten daß die Möbelentwürfe unter Verzicht auf einen Solitärstatus in ein Möbelensemble integrierbar sein mußten Die Vorteile davon lagen auf der Hand Einerseits konnten jetzt Möbel gefertigt werden die nicht mehr nur für einen speziellen Standort konzipiert werden mußten und die darüber hinaus in den Möbelmagazinen anonymen Kunden angeboten werden konnten Andererseits stand es den Konsumenten frei nach und nach ihre Wohnungseinrichtung zu komplettieren was letztlich auch den Absatz garantierte ohne dabei den Gesamtcharakter ihrer Einrichtung riskieren zu müssen Als Resultate dieser Entwicklung beherbergten die Möbelmagazine eine reiche Anzahl von Objekten bei denen unter Berücksichtigung einer insgesamt kleineren Dimensionierung die vormals strenge architektonische Form zugunsten einer delikateren Formensprache geopfert wurde Daß sich bei diesem Wandel gleichermaßen bedürfnisorientierte und ästhetische Ursachen die Waage hielten wird vom Autor betont Insgesamt eine Bereichung in diesem Zusammenhang stellt unzweifelhaft die Tatsache dar daß der Autor wohldurchdacht den allzuoft strapazierten und schwammigen Begriff des Biedermeiermöbels vermeidet indem er stattdessen den kunsthistorisch treffenderen Begriff des klassizistischen Möbels dafür setzt Daß eine relative Standardisierung und Typisierung des Entwurfs und die damit einher gehende Vorfabrikation des einzelnen Gegenstandes gleichzeitig auch einen negativen Aspekt beinhalten kann macht der Autor am Beispiel der von ihm gesetzten fünften Phase deutlich die die Jahre von 1830 31 bis 1846 48 umfaßt und den Abschluß

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  • Michael Zinganel: Real crime - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    eröffnet von einem Foto der Sprengung der ersten modernen Wohnsiedlung in St Louis 1972 Dieser Moment markierte für den Architekturtheoretiker Charles Jencks den Anfang vom Ende der Moderne Das Kapitel befasst sich mit den neuen Einschließungen und Ausschließungen Im Jahr 2000 sollen in den USA bereits 9 Millionen Menschen in abgeschlossenen Wohnanlagen Gated Communities gewohnt haben Dort sind sie von der sozialen Umwelt draußen abgeschirmt es gelten aber auch nach innen strenge Regeln Verboten ist es zum Beispiel die Hauswände selbst zu streichen oder das Auto vor der Garage zu waschen alles was ein low class Aussehen haben könnte Die Siedlung Seaside in Florida 1980 gebaut das Pionierprojekt des New Urbanism ist aus dem Film Truman Show USA 1998 bekannt Es ist ein reiner Ferienort am Meer der nur zeitweise bewohnt wird und in seiner Unwirklichkeit die perfekte Behausung für den unfreiwilligen Überwachungs Star Truman Burbank Der Film der seine Hauptfigur aber zum Schluss entkommen lässt wird eingehend im Kapitel über die Kontrollgesellschaft behandelt Das Buch macht unangenehme politische Zusammenhänge mit Beispielen aus Filmen Büchern Kunst Werbung in Wort und in zahlreichen Abbildungen fassbar So bringt ein Comic Ausschnitt von Gary Trudeau auf den Punkt was Gentrification bedeutet Da wird ein fiktiver developer von einem Radioreporter gefragt ob er den Hörern Nachhilfe geben könne Er antwortet freundlich Es funktioniert folgendermaßen ein Investor kauft ein verfallendes Haus in einer heruntergekommenen Nachbarschaft Er renoviert es und verkauft es an ein junges Paar aus der Mittelschicht Dieses ermutigt dann auch andere bessergestellte Leute gentry sich in der Nachbarschaft einzukaufen und über kurz boomt der Immobilienmarkt auch dort wo es bisher keinen gab Aber was geschieht mit den einkommensschwachen Mietern die verdrängt wurden Kümmert sich jemand um sie Aber natürlich Wir kümmern uns selbst um sie Denn diese Leute sind für den Gesamtprozeß sehr

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/59 (2016-02-12)
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  • Rolf Sachsse: Die Erziehung zum Wegsehen - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    diktatorischen Staats etwa am Beispiel der Hobbyfotografen die im Reichsverband der Amateur Fotografen RDAF vereint werden sollten Ziel des Verbandes war die Erfassung und letztlich die Kontrolle aller Volksgenossen mit der Kamera mithilfe von Gaubildwarten Sachsse macht die Absurdität und die Erfolglosigkeit der Bemühungen deutlich die Fotografie im privaten Bereich politisch lenken oder gar instrumentalisieren zu wollen Die Alltagsfotografie hatte im Dritten Reich einen hohen Stellenwert unter anderem als Mittel der Kontrolle und Denunziation Jüdisches Geschäft Wer hier kauft wird fotografiert Deutlicher als in diesem Schaufenster Aufkleber aus dem Jahr 1933 konnte der Zusammenhang zwischen Fotografie und politischem Zeitgeschehen nicht werden Der menschenverachtende Charakter des Dritten Reichs wurde selten so deutlich wie in einer bekannten Fotografie auf der SA Männer einen jüdischen Mitbürger mit seiner arischen Geliebten wie Jagdtrophäen vorführen Sachsse beleuchtet die Fotografie als Mittel der Rassenkunde etwa am Beispiel der Publikation Das deutsche Volksgesicht einem opulenten fotografischen Atlas deutscher Volksstämme Die Fotografin Erna Lendvai Dircksen hatte die Fotobände mit Portraits von Bewohnern einzelner Regionen des deutschen Reichs zwischen 1939 und 1945 herausgegeben Dieses publizistische Opus bewertet Sachsse als Baustein zu einem Gefühl der Überlegenheit der eigenen Rasse aus dem allein Eroberung und Vernichtung aller anderen herzuleiten war Der Autor übersieht dabei die Tradition der wissenschaftlichen Aufzeichnung von regionalen Besonderheiten mit Hilfe von technischen Verfahren Beispielsweise hatten Sprachwissenschaftler lange vor der Machtergreifung Tonarchive von Sprachen und Dialekten erstellt um Varietäten dokumentieren und analysieren zu können Um so genauer muß bei vergleichbaren Arbeiten aus der Zeit des Dritten Reichs unterschieden werden ob die Dokumente selbst eine Wertung enthalten oder ob sie erst durch ihren Kontext oder ihre Verwendung einen rassistischen Charakter annehmen Die Rolle der Fotografie im Zusammenhang mit der Entarteten Kunst hingegen übergeht Sachsse vollkommen Obwohl diverse Forschungsarbeiten zum Thema vorliegen beginnend mit Adolf Behnes früher Untersuchung Entartete Kunst von 1947 wäre die Funktion der Fotografie in diesem Zusammenhang interpretationsbedürftig Die Fotos kranker und behinderter Menschen die den modernen Kunstwerken diffamierend gegenübergestellt wurden besaßen eine vordergründige Suggestivkraft die in ihren Mitteln und Wirkungsweisen genauer analysiert werden könnte Fotografie war jedoch nicht nur an der Erzeugung eines Menschen und Weltbildes beteiligt das Zerstörung und Vernichtung zur Konsequenz hatte Fotografie war auch ein Mittel diese Zerstörung zu dokumentieren So erhielten örtliche Fotografen regelmäßig Aufträge bombengeschädigte deutsche Städte im Bild festzuhalten um nach Kriegsende den Gegnern Reparationsforderungen abringen zu können Vor dem Hintergrund drohender Zerstörung ist auch der Führerauftrag zur Dokumentation wertvoller Wand und Deckengemälde in historischen Bauwerken vom April 1943 zu sehen offensichtlich in Erwartung der Kriegsverluste Farbfotos der Münchener Residenz oder der Klosterbibliothek von St Florian die Hitler zur Begutachtung vorgelegt wurden sollten für den Fall einer Zerstörung der Bauten die Grundlage zu ihrer Rekonstruktion bilden Am Beispiel von Ausstellungen wie Gebt mir vier Jahre Zeit Berlin 1937 berichtet Sachsse von der fotografischen Selbstdarstellung des NS Staates die sich moderner Formen und Gestaltungsmethoden bediente Das pauschale Urteil hier habe Bauhausfotografie fortgelebt kann Sachsse aufgrund seiner profunden Kenntnisse der Fotografie der zwanziger Jahre differenzieren und teils revidieren Der Autor schlüsselt anhand

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  • Sammelrezension: Ludwig Richter - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Filiation der ideologischen Indienstnahme Richters durch patriotische nationalsozialistische und sozialistische Interessen Unabhängig von der Selbstbiographie greift Spitzer die Rezeption Richters durch seine Zeitgenossen auf und betrachtet die Ankaufsgeschichte seiner heute in den Dresdener Kunstsammlungen befindlichen Bilder Schließlich wird das Bild Richters durch drei gemalte Porträts aus unterschiedlichen Lebensabschnitten abgerundet die im Anschluss an den Katalogteil zusammen mit seinem Lebenslauf aufgeführt werden Den Maler Richter neu zu entdecken das hatten sich Spitzer und Bischoff als Aufgabe gesetzt Tatsächlich haben die insgesamt dreizehn Autoren eine Menge neuer Zugänge eröffnet freigelegt oder den Weg dorthin gewiesen Ausgehend vom Material das in Bild und Text von Richter erhalten ist befreien sie nicht nur den Blick auf seine Gemälde von den gängigen Meinungen die ihn bisher verstellten Die eingehende Beschäftigung mit den Objekten lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Aspekte des Malens Diese umfassende und bildzentrierte Untersuchung ist nicht nur ein wichtiger Beitrag in der Richter Forschung sondern rückt gerade als begleitender Katalog einer Ausstellung das Werk als Ergebnis künstlerischer Auseinandersetzungen ins Zentrum der Betrachtung Heinz Demisch 1913 2000 unternimmt seine Revision des Richter Bildes nicht in Loslösung des populären Renommees sondern in direkter Auseinandersetzung damit Im ersten der insgesamt fünfzehn Kapitel liefert er einen gründlichen und kritischen Forschungsbericht angefangen bei den zeitgenössischen Urteilen über Richter um1820 bis hin zu den Beiträgen anlässlich seines 100 Todestages 1984 Demisch versucht genau nachzuzeichnen wann die Richter Euphorie des 19 Jahrhunderts in das abschätzige Klischee des sächsischen Philisters S 29 umschlägt und die Deutungen zu stereotypen Formen gerinnen die unhinterfragt wiederholt werden und er schließlich als realitätsfremder Vertreter des Biedermeier S 15 wahrgenommen wird Akribisch überprüft Demisch die Argumente der Autoren und kritisiert die ausschnitthafte Betrachtung von Richters ¼uvre auf die sich viele Einschätzungen stützen Sie differenzieren nicht zwischen originaler Handzeichnung und Holzschnitt S 30 und berücksichtigen ausschließlich die publikumswirksamen Anthologien die ab 1848 von den Verlegern im Hinblick auf einen breiten Absatzmarkt herausgegeben wurden S 31 177 215 Durch sorgfältige Rekonstruktion der Editionsgeschichte von Beschauliches und Erbauliches wird erstmals die ökonomische und urheberrechtliche Situation Richters in Abhängigkeit von seinen Verlegern thematisiert deren Interessen das Bild Richters prägen und langfristig die wissenschaftliche Rezeption beeinflussen Demischs eigene aufmerksame Betrachtung von Richters Bildern lässt ihn bisher gänzlich unbeachtete Motive entdecken die ihn zur Kernfrage seiner Revision führen war Richter Rosenkreuzer oder kam er mit entsprechendem Gedankengut in Berührung Aus dieser völlig neuen Perspektive rekapituliert Demisch den Werdegang Richters anhand der Lebenserinnerungen unter Einbeziehung ausführlicher Quellenzitate und Besprechungen von dreizehn Gemälden Richters und 180 Holzschnitten Dem einseitigen Richter Bild begegnet Demisch mit einer Vielfalt von Motiven die auch die Schattenseiten des Lebens zeigen einschließlich Groteskem und Komischem Die angeführten Bildbeispiele sind dem Text in sehr guter Qualität beigegeben nur die farbigen Gemäldereproduktionen geben Richters Farbpalette bisweilen etwas zu kühl wider Die Handhabung der Publikation die durch die ausführlichen Darstellungen langen Zitate und einen immensen Anmerkungsapparat sehr umfangreich ist wird durch drei Register im Anhang erleichtert die den Text nach Namen Sachbegriffen und sogar mythologischen Gestalten erschließen Um Richters christliche Geisteshaltung

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  • Cynthia Hahn: Portrayed on the heart - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    den Endpunkt dieser so lange erfolgreichen Gattung der libelli markiert In jedem Kapitel führt Hahn mit Verweis auf die aktuelle Forschungslage in die Problematik des Heiligentyps ein dessen Charakteristik nachfolgend skizziert und auf dessen Rezeptionsangebote stets eingegangen wird Alle behandelten Handschriften werden zusätzlich in einem Verzeichnis im Anhang aufgeführt Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis läßt bereits erahnen daß eine nach Heiligentypen strukturierte Untersuchung nicht einfach ist Die Kapitelüberschriften verweisen mal auf den hagiographischen Typ mal auf die sozial oder geschlechtlich kodierte Rolle der Protagonisten und zuweilen klingen auch Leitfragen an die das nachfolgende Kapitel bestimmen in 4 The Virgin as Corpus Bodily Offering Hahn begegnet diesem Problem in jedem ihrer Kapitel indem sie Überschneidungen zwischen den Typen zur Sprache bringt Vielleicht wäre es hier und da sinnvoller gewesen den Begriff des Heiligentyps weitaus öfter als geschehen durch termini wie Profil Muster oder Ausprägung zu ersetzen Und vielleicht wären Ergebnisse ihrer Arbeit noch gestärkt worden wenn Hahn an der einen oder anderen Stelle verschiedene Typen berührende Merkmale in einem eigenständigen Kapitel besprochen hätte Das betrifft zum Beispiel Überlegungen zur geschlechtspezifischen Ausprägung von Heiligkeit die so auf die Kapitel vier und acht verteilt sind Cynthia Hahn arbeitet in ihren Analysen eng am Objekt und so ist es für den Leser stets anregend ihren entlang der Bildvita getroffenen Beobachtungen und entwickelten Argumentationsketten zu folgen Dabei ist ihre Arbeit am Bild stets durch eine komplexe Herangehensweise gekennzeichnet die das Verhältnis von Text und Bild aus verschiedenen Perspektiven stets mit dem Ziel in den Blick nimmt die Bildvita als réécriture und damit als eigenständigen hagiographischen Text zu erfassen Dazu gehört die Frage welche Episoden für eine Bildvita ausgewählt wurden wie sie zusammengefügt einer eigenen Erzähllogik folgen und inwiefern die Aussage der Bilder durch Bezüge bestimmt wird welche sich zu anderen Texten Intertextuality und Bildern Interpictoriality herstellen lassen Ein Beispiel dafür ist der Rückgriff in den Bildviten der Bischöfe auf die sich in Darstellungen von Predigten und Taufen konstituierende Missionstätigkeit der Apostel Hahns Aufmerksamkeit für Intertextualität und Interpictoriality zielt letztlich auf das Verstehen von Bildstrategien welche die Wahrnehmung des Betrachters lenken sollten Überzeugend sind ihre Beobachtungen zur Art und Weise wie sich das Spannungsfeld Martyrium konstituiert und dabei Pole zwischen dem Märtyrer Märtyrerin und den Schergen Richter durch Blickstrategien Körpergestaltung und Körperverhalten geschaffen werden die letztlich die Tugenden der Heiligen offenbaren Hl Quentin Hl Lucia S 84ff 117 Trotzdem sollte der Leser seine kritische Distanz bewahren gegenüber dem visuellen Beziehungsnetz in das die Autorin ihre Bildviten einbettet Beispielsweise ist nicht einzusehen warum zu Füßen des predigenden Hl Kilian in der Fuldaer Handschrift von ca 970 Heiden akklamieren und somit Darstellungen des spätantiken Kaiserzeremoniells aufgerufen werden sollten S 136 Die Gestensprache erinnert eher an jene bildlichen Darstellungen die die Reaktion der Heiden auf die Predigten der Apostel festhalten Unklar bleibt auch welche Folgen Hahns Vergleich zwischen den Segensgesten der Hl Radegunde und jenen der Bischöfe haben soll S 267 Wenn überhaupt dann ist ein Vergleich im Kontext von Wunderheilungen und Dämonenaustreibungen möglich hingegen findet das bischöfliche Segnen

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  • Arne Karsten: Künstler und Kardinäle - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Zeitalters durch die rastlose Tätigkeit der regierenden Papstfamilie deren Herrschaft göttlichem Heilsplan selbst zu verdanken ist Während Scipione Borghese 16 Jahre zur Etablierung seiner Familie zur Verfügung standen galt es für seinen Nachfolger Ludovico Ludovisi den Nepoten des bei seiner Wahl bereits greisen und kranken Gregor XV 1621 1623 innerhalb kürzester Zeit eine Etablierungsstrategie zu entwickeln da ein baldiges Ableben des Papstes drohte Der laut Karsten begabteste intelligenteste und zugleich energischste S 41 der Kardinalnepoten konnte dabei neben seinen unbestreitbaren Fähigkeiten auf eine gehörige Portion Glück bauen Beides ging seinem Nachfolger dem bei Pontifikatsbeginn Urbans VIII 1623 1644 noch jugendlichen Kardinalnepoten Francesco Barberini weitgehend ab wurde freilich kompensiert durch die Möglichkeit während langer 21 Jahre fast unbeschränkten Zugriff auf die allerdings immer spärlicher fliessenden finanziellen Ressourcen des Kirchenstaates und der Apostolischen Kammer zu haben Machtpolitisch wurde gerade in diesen Jahren die geprägt waren durch die Auseinandersetzungen des 30jährigen Krieges und den Kampf der beiden europäischen Grossmächte Frankreich und Habsburg um Hegemonie das politische Gewicht des Papsttums immer mehr marginalisiert Aber auch die Barberini selbst hatten sich gegen Ende ihres Pontifikats ins Abseits manövriert offenbar geworden während des desaströsen Castro Krieges der Jahre 1641 43 Je schwächer die tatsächliche Position desto lauter wird die Propaganda ausfallen S 136 so Karstens Resümee Das überwältigende Deckenfresko des Pietro da Cortona im Palazzo Barberini ist die beeindruckende Bestätigung Unter Innozenz X Pamphili 1644 1655 zeichnete sich eine Wandlung im Amt des Kardinalnepoten ab Nicht nur dass dem phlegmatischen Neffen Camillo Pamphili ein erfahrener Staatssekretär im Range eines Kardinals vor die Nase gesetzt wurde er litt zudem unter der machtbewussten Dominanz seiner Mutter Donna Olimpia Maidalchini Pamphili von ihren Zeitgenossen verächtlich papessa genannt Nachdem er im Januar 1647 auf das Kardinalat verzichtet hatte heiratete er seine grosse Liebe die jung verwitwete Olimpia Aldobrandini Borghese Mit diesem spektakulären Schritt handelte er sich freilich den Zorn seiner Mutter ein welche seine Verbannung vom Hof erwirkte Hatte sich Camillo als Kardinalnepot sogleich stark als Mäzen engagiert erlosch die Kunstförderung während seiner Verbannung aus der Ewigen Stadt gänzlich Erst nach der Versöhnung mit dem Papst ergriff er diesmal allerdings als weltlicher Nepot des Papstes wieder mit Nachdruck die Initiative denn die von Innozenz nacheinander ernannten und dann wieder verstossenen Kardinalnepoten Francesco Maidalchini und Camillo Astalli hatten sich als gänzlich unfähig erwiesen die Rolle des familiären Chefmäzens auszufüllen Unter dem Pontifikat Alexanders VII Chigi 1655 1667 war die Krise des etablierten Nepotismus offensichtlich geworden der kontinuierliche Machtverlust des Kardinalnepoten nurmehr schwer zu verbergen mithin aber auch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit durch Kunstpatronage kaum mehr zu übertünchen Der Kardinalnepot Flavio Chigi strebte denn auch eine relevante politische Position gar nicht mehr an was ihm den Weg frei machte persönliche Vorlieben zum Ausgangspunkt seiner Kunstpatronage machen zu können S 222 Auf diese Weise musste das Amt jedoch vermehrt zu Ärgernis gereichen denn seine Funktion zur Familienbereicherung war kaum noch kaschiert Bis zur formellen Abschaffung des Nepotismus sollte es jedoch noch ein Vierteljahrhundert dauern Karstens Arbeit stellt eine radikale Abkehr von

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