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  • Susanne Mersmann: Die Musées du Trocadéro - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Zentrum der Aufmerksamkeit stehende Skulptur zu verändern Der zweite Teil des Buches wendet sich der Institution des Musée de Sculpture comparée zu Dabei steht zunächst die Vormachtstellung der Académie und École des Beaux Arts hinsichtlich ästhetischer Geschmacksbildung und künstlerischen Beurteilungsvermögens im Vordergrund Neben der Darstellung der administrativen Strukturen und des Unterrichtssystems werden Viollet le Ducs Reformbestrebungen analysiert und die mit der Aufgabe seiner Professur 1864 besiegelte inhaltliche Abwendung von der École erklärt Sein Wunsch verstärkt wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen und eine historische Betrachtung der Kunstwerke zu fördern scheiterte somit Wie Mersmann zeigt floss dieser jedoch in die Konzeption des durch den Ministre de l Instruction publique et des Beaux Arts Jules Ferry auch politisch geförderten Musée de Sculture comparée ein Die dem Musée vorausgehenden Gedanken Viollet le Ducs werden aufschlussreich durch eine breite Betrachtung seines theoretischen Werkes seiner Weltanschauung Erfahrungen mit Ausstellungskonzepten in London und auch literarischer Einflüsse dargelegt Wenn dabei der Kanondiskurs auch hauptsächlich aus der Perspektive Viollet le Ducs geschildert wird und eine intensive theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff fehlt wird doch ein umfangreiches und interessantes Bild sowohl einer repräsentativen französischen Museumsneugründung als auch von den Grundlagen des wissenschaftlichen Anspruchs einer neuartigen Bildungseinrichtung gezeichnet Besonders die Auseinandersetzung mit Viollet le Ducs dreistufigem bereits global ausgerichteten Epochenmodell erläutert die Entstehung seines alternativen Kanons und bietet einen interessanten Anknüpfungspunkt an Hamy s Musée d Ethnographie Der letzte auf die vergleichende Konzeption des Musée d Ethnographie ausgerichtete Teil des Buches fokussiert zunächst wiederum auf die Auseinandersetzung mit der maßgeblichen Institution in diesem Fall dem Louvre um sich anschließend Hamys kuratorischer Idee des Musée d Ethnographie zuzuwenden In einer Gegenüberstellung der kulturalistischen Methoden beider Protagonisten geht die Autorin auf unterschiedliche Motivationen in der Herausbildung eines neuartigen Kunstkanons ein Trotz aller progressiven Absichten Viollet le Ducs werden dabei die auf rationalistischen und rassischen

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  • Ursula Ströbele: Die Bildhaueraufnahmestücke der Académie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris 1700 – 1730 - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    umfangreichen Fonds über den Zeitraum von 1648 bis 1793 zu verfügen macht sich die Autorin zunutze Zum einen dienen ihr die Conférences der Akademie als Möglichkeit die kunsttheoretischen Argumente und den Fortgang der Diskussion zu studieren Zum anderen werden die Werke ganz konkret auf die theoretische Diskussion bezogen Die Auswertung der Quellen wird mit den 1875 von Anatol de Montaiglon herausgegebenen Protokollen der Mitgliedersitzungen sowie den maßgeblich rezipierten Traktaten der Zeit vervollständigt Die Autorin ist sich der Schwierigkeit bewusst die Werke mit dem theoretischen Rahmen nachvollziehbar und ohne starres Schema zu verbinden Was jedoch deutlich hervortritt ist der akademisch beförderte Zugewinn für die bildkünstlerische Arbeit die mit der Anbindung an den theoretischen Disput zu Werken größtmöglicher Gestaltungsfreiheit führt Auch wenn sich Werk und Text nicht immer kurzschließen lassen Ströbeles Diskussion vermag die Interdependenzen und die gegenseitige Befruchtung von Theorie und Praxis nachzuzeichnen Gattungswechsel Die Problematik sinnvoller Bezugnahmen entschärft sich indem Ströbele in jedem der Oberkapitel auf einen paradigmatischen Aspekt fokussiert und mit einzelnen Fallbeispielen operiert Sie führt exemplarisch den Wechsel vom Bas Relief zum Ronde Bosse vor und zeigt das Bedürfnis der Bildhauer sich von den für die Malerei und Bildhauerei gleichermaßen verbindlichen Qualitäts und Gestaltungskriterien zu lösen um eigene gattungsspezifische Parameter aufzustellen Und auch die Quellen belegen zunehmend das Favorisieren der Rundplastik da diese dem in der theoretischen Auseinandersetzung dominierenden Tastsinn Lichtenstein besonders entspricht Die gesuchte Unterscheidung von der Malerei die selbst bezeichnenderweise malerischer wird und zum Sieg der Rubenisten führt spielt den Vorteil der Gattung aus Die Themen Ströbele widmet sich dann der Wahl des Sujets und kennzeichnet die Morceaux als eine in sich komplexe Werkgruppe mit spezifischen formalen ikonographischen stil und gattungsgeschichtlichen Ähnlichkeiten Im Gegensatz zur Dominanz der Themen vor der Jahrhundertwende mit ihren religiösen sowie allegorischen Darstellungen der Künste und der der Herrschaft Ludwig XIV verlegen sich die Bildhauer in der ersten Jahrhunderthälfte auf Motive antiker Mythologie Die Autorin vermutet in dieser Neuorientierung zudem denn die Themen wurde ja vergeben ein Mittel zur Steuerung des Bestands der akademischen Sammlung die wiederum Vorbildkatalog für angehende Künstler war Doch man geht kaum fehl hier auch die gattungsübergreifende und neuerliche Hinwendung zur Antike ganz allgemein in Anschlag zu bringen Ansichtigkeit Wenn Ströbele zu Beginn des dritten Kapitels zum Thema Stürzende Figuren Die Abkehr vom einansichtigen Standbild Lemoynes sterbenden Hippolyte und Dumonts stürzenden Titan ins Zentrum stellt werden hier Charakteristika welche bereits den Morceaux von 1700 bis 1730 inhärent sind anhand von Werkstücken der darauffolgenden Jahrzehnte belegt Bei der Suche nach möglichen Vorbildern für die intensivierten Bewegungsabläufe rückt der stürzende Titan von Dumont in den Mittelpunkt Vorbilder einer solchen inversiven Figur macht die Autorin auch in anderen Gattungen aus etwa in Zeichnungen von Louis Silvestre II zum gleichen Thema um 1710 oder in Charles Le Bruns La chute des anges rebelles 1685 Skulptierter Kontext der Sockel Die Frage nach dem verbildlichten Sockel als Bühne der Figur lässt Ströbele weit in die Kunstgeschichte ausgreifen Im wesentlichen wird die von den Brunnenanlagen italienischer Kardinalsgärten und den Ensembles fürstlicher Parkanlagen ausgehende Entwicklung an

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  • Hopfner, Karin; Simon-Philipp, Christina; Wolf, Claus (Hrsg.): größer höher dichter - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    72 Waiblingen Im Schneider oder als der sogenannte Schnitz und die Zackendachhäuser beide in Stuttgart Neugereut Architekten Faller und Schröder 1973 74 bzw 1972 75 Aber die Aufgabe des Bauens für wachsende Wirtschaftsräume charakterisieren sie unzutreffend Eher folgen sie dem britischen Prinzip des lowrise higher density Fast gewinnt man den Eindruck es werde eine Stilgeschichte angestrebt die die zeittypischen Signaturen von Bauaufgabe und Architekten prinzipiell besser in der kleinen überschaubaren Wohnanlage erkennt Programmatisch und modellhaft finden sich als letzte Siedlung das Reihenhaus das Kammerer und Belz bereits 1960 61 für sich und zwei weitere Familien in Stetten nordöstlich von Stuttgart errichteten Bewusst raumeffizient der Straße folgend versetzt um Innenhöfe gruppiert und sich ein Grundstück teilend Eine eigene Siedlung bildeten sie nicht wohl aber in nuce ein Modell dazu wenn man auf die zehn Jahre später errichtete Siedlung Im Schneider sieht Das dargestellte Verfahren lädt ein nach den nicht zum Baudenkmal erklärten Siedlungen beispielsweise Asemwald und Lauchhau zu fragen Aber waren schon die Kriterien nicht sicher zu erfassen sind es die Ausschlussgründe noch weniger die Frage ob es weitere Unterschutzstellungen geben wird bleibt offen 4 Das zweite Buch bezieht sich auf einen alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung 5 vergebenen bundesweiten Gestaltungspreis dessen Thema 2010 Neues Wohnen in der Stadt lautete Das reich bebilderte Buch gliedert sich in zwei Teile Zuerst enthält es einführende Beiträge über die Revitalisierung städtischen Wohnens Stefan Krämer Gerd Kuhn S 16 51 sowie die Geschichte der europäischen Stadt Jürg Sulzer S 52 59 und vier Essays zur Situation in Dänemark Kanada USA Russland und Japan Dann folgen fünf Preisträger und die engere Auswahl des Wettbewerbs Der an sich löbliche Anspruch des ersten Teils einen vergleichenden Blick über die Grenzen zu geben bleibt ohne gemeinsame Bezugspunkte zwischen Deutschland und den genannten Staaten nicht einlösbar Angemessen und weiterführend wären sicherlich auch Berichte über Frankreich und England gewesen 6 Am besten gelingt der Vergleich Britta Tornows zur Situation in Dänemark S 62 83 in der Sache begünstigt durch den steten Austausch ja Einfluss Dänemarks auf die Entwicklung hierzulande S 62 83 Die Tradition der Gemeinschaftshäuser werde dort fortgesetzt und flexible Grundrisse entworfen Aufstockungen Umnutzung Wohnen am Wasser und der respektvolle Umgang mit historischer Bausubstanz seien die Kennzeichen der aktuellen Wohnbaukultur So entstehe große Vielfalt aber oft auch exklusives Wohnen problematisch für die soziale Balance der Quartiere Vieles was in Deutschland heute als innovativ gilt gibt es in Dänemark bereits seit den 1970er Jahren Über die postsozialistische Stadt in Russland S 84 101 schreibt Elena Kossovskaja Die staatliche Politik der Zentralisierung im Sozialismus habe zu einer Konzentration der Bevölkerung in wenigen Industriestädten geführt letztere seien geprägt von riesigen Plattenbauten mit niedrigen Raumhöhen vielen Ein oder Zwei Zimmerwohnungen ohne Wärmedämmung aber mit Küche und Bad Auch nach 1990 wurden Provinzstädte vernachlässigt und Plattenbauburgen in oft schlechter Qualität wegen fehlender städtebaulicher Regelung und Maximalausnutzung durch gierige Bauherren produziert Zudem bildeten sich abgeschirmte Viertel für die neue russische Elite Wo neue Wohnungen in den Städten entstünden wirkten diese überdimensioniert eine wirkliche Lösung

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/5043 (2016-02-12)
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  • Stehr, Ute: Johann Jakob Schlesinger (1792 - 1855) - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Regierungsantritt 1840 diverse Gemälde aus der Galerie zurückforderte gab er sich schließlich damit zufrieden durch Schlesinger fünf Kopien von Bildern Rembrandts Rubens und Coreggios zu erhalten Trotz der geringen Anzahl entdeckter Kopien kann die Autorin glaubhaft machen dass Schlesinger im Vergleich zu anderen Kopisten weniger einen dem Original entsprechenden Bildaufbau imitierte als vielmehr mit gängigen Malmitteln die Charakteristik oder den Geist des zu kopierenden Bildes wiedergab ohne zusätzliche Vortäuschung alter Substanz durch eingefärbte Firnisse eingeritzte Craquelées oder gar wurmzerfressene Holzbildträger Für weitere Forschungen wäre hier eine eingehendere Auslotung der Freundschaft zwischen Schlesinger Hegel und Hotho interessant Schlägt sich in dieser restauratorischen Auffassung das Weltgeist Konzept nieder das in der von Hotho herausgegebenen Hegelschen Ästhetik für die Kunstgeschichte fruchtbar gemacht wurde So mager die Forschungslage in den Feldern Künstler und Kopist ausfällt deren Ergebnisse Stehr denn auch als Anregung für zukünftige Forschungen verstanden wissen will umso ergiebiger stellt sich das Feld der Restaurierung dar Die Einrichtungsphase der Berliner Gemäldegalerie kann Stehr durch Akten im Geheimen Preußischen Staatsarchiv gut dokumentieren Schlesinger Koester und der 1825 nachgeholte Xeller bearbeiteten zwischen März 1824 und Ende 1829 insgesamt 1189 Gemälde von denen 845 einer Restaurierung bedurften Diese ungeheure Menge an Kunstwerken war nicht ohne Hilfe und schon gar nicht ohne Strategie zu bewältigen Genauso wie sich im Laufe des 19 Jahrhunderts der Kunsthistoriker entwickelte klärte sich erst das Berufsbild des Restaurators Zwar gab es bereits schon früher große Restaurierungsateliers in Venedig und Paris hier gefördert durch den Kunstraub Napoleons Restaurierungskampagnen in Rom und gleichzeitige in Wien trotzdem aber fand man in Berlin wie Stehr nachweisen kann zu eigenen Vorgehensweisen Durch die Vorgaben der Einrichtungskommission unter Hirt und Schinkel später Humboldt hatte man eine klare Aufgabentrennung vorgenommen Der Direktor des Museums war nicht wie an anderen Museen gleichzeitig Restaurator und Künstler und die Restauratoren wurden bis auf Ausnahmen nur mit dem Restaurieren Konservieren und der Beratung bei Ankäufen beauftragt Die Wichtigkeit die man ihnen darin zumaß drückten das Museumsstatut und ihre Gehälter aus In der aufwendigen Vorbereitungsphase erhielten Schlesinger und Koester das für Preußen enorme Gehalt von 3000 Thalern pro Jahr Schlesinger gleichgestellt einem Abteilungsdirektor erhielt ab 1831 das gleiche Gehalt von 1500 Thalern wie Galeriedirektor Waagen Koester ging 1830 nach Heidelberg zurück In der Frage der Restaurierungsstrategien schöpft die Autorin ihre Erkenntnisse aus verschiedenartigen Quellen Zum einen nutzt sie Koesters 1827 1828 und 1830 erscheinende Schrift Ueber Restauration alter Oelgemälde mit einem Anhang Ueber Tempera Bilder und deren Restauration 1828 von Schlesinger die sozusagen den theoretischen Überbau für die gleichzeitige sechsjährige Restaurierungskampagne mit bis zu 14 Mitarbeitern darstellt Zum andern gleicht sie das darin formulierte für den Berufsstand des Restaurators neue Selbstverständnis sich in den Künstler und seine Zeit hineinfühlen das Originalmaterial respektieren und nicht durch eigene Interpretationen und Übermalungen verunklären mit den Materialien ab die im Atelier praktisch eingesetzt wurden Und drittens gibt eine Inventarliste des Restaurierungsateliers Auskunft darüber mit welchen Werkzeugen man arbeitete Stehrs Untersuchungen an Rückseiten von hölzernen Bildtafeln bestätigen dass die Berliner Restauratoren anders als etwa in Frankreich die Malschicht nicht

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/4979 (2016-02-12)
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  • Ivan Nagel: Gemälde und Drama - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    dramatische Szenen gekannt jedoch seien diese nur in einem Spannungsverhältnis zur griechischen Meisterform des Dramas zu verstehen und somit nur im Verhältnis zu ihr zu deuten Die Entfaltung des modernen Dramas in der Malerei der Frührenaissance lasse sich zwar durch den Nachvollzug bei Dante präziser rekonstruieren jedoch erwachse damit kein Vorrang der Literatur gegenüber dem Bild Vielmehr verstehen wir umgekehrt durch die Literatur die Originalität und Ursprünglichkeit des Bildes als Original des Dramas Mit der Kunst Giottos steht aber nicht die Dominanz der Handlung und der Sprache im Bild zu Gebot sondern nahezu anderthalb Jahrhunderte vor Albertis Theorie der Malkunst der Raum Im relievo den Dante selbst erwähnt zeigt sich der Spielraum des Bildes als Bühne und zugleich als Reflex des neuen Spielraums der Bürger auf der Bühne der städtischen Kultur dieser Zeit Es handelt sich somit um nichts weniger als um die Ablösung des allegorischen Bildsinns mittelalterlicher Kunst durch die szenische Wirklichkeit die Dante in seiner Hommage auf Giotto auf Gott als Künstler selbst zurückführt Noch Petrarca habe diese dramatische Malerei der Frührenaissance gefeiert Dich fesseln die lebhaften Gesten der Leblosen die Bewegung der unbewegten Bewegung die Porträts die aus ihren Rahmen springen die Gesichter mit ihren atmenden Umrissen von denen du erwartest dass ihre Stimmen gleich hervorbrechen S 75 An der medialen Begegnung zwischen Dante und Giotto lässt Nagel keinen Zweifel Ironisch notiert er die Selbstverständlichkeit ihrer Bekanntschaft bei den Literaturhistorikern und die ebenso sichere Skepsis gegenüber diesem Moment in der Kunstgeschichte Doch bei aller hohen Bedeutung die Nagel dieser Begegnung zuerkennen will bleibt auch für ihn ihre ästhetische Konsequenz ein Tanz auf dem Hochseil Die von Giotto Dante entdeckte Dramatik des Bildes erweist sich als zutiefst gefährdet Sie zeigt sich bei Giotto bei Masaccio bei Leonardo bricht aber immer wieder ab und muss immer wieder neu entdeckt werden Schon bei Giotto selbst zeigen sich Brüche etwa wenn er im Vierungsgewölbe der Unterkirche von San Francesco di Assisi eine an das Historienbild gemahnende Heroisierung des Franziskus wahrnimmt die durch den Rückfall in das Historienbild eine reaktionäre Bühne für einen Bürgerhelden schafft und nur noch in der Gestalt des Heros selbst an die Spannung zwischen Drama und Geschichte erinnert So wie Dante und Giotto bilden für Nagel Alberti und Masaccio die Literatur Bildbeziehung in einem gänzlich gewandelten Kontext Es geht hier um eine zugleich theoretisch wie praktisch ausgeführte Figuration der Perspektivbühne im Historiendrama der Petruserzählung auf den Wänden der Florentiner Brancaccikapelle Nagel wagt hier keine Dominanz der theoretischen Bildaufladung gegenüber der textlichen Theorie zu behaupten Vielmehr sieht er Bildtheorie und Bildpraxis in einer Art diskursiver Verstrickung miteinander spannungsreich verbunden Und dennoch wagt auch hier für Nagel das Bild mehr als der Text Albertis Fenster zur Historie wird bei Masaccio zum Blick auf den Augenblick Sowohl Petri Fischfang wie auch die Gabe an den Zöllner zeigen Masaccio als Bilddramaturg dem es gelingt aus der von ihm selbstgestalteten Bilderzählung in den Augenblick auszubrechen und diesen handlungsaxiomatisch zu verdichten Immer wieder und immer weiter geht Nagel in seiner Untersuchung den Momenten der

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/3081 (2016-02-12)
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  • Blöcher, Heidi: Die Mitren des Hohen Mittelalters - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Mitren geographisch verortet annähernd auch den Verlauf des Eisernen Vorhangs bis 1990 abbildet obwohl sich die Autorin eine europaweite Bestandsaufnahme 12 vorgenommen hatte Abgesehen von den Mitren in Halberstadt und in Dresden aus Meißen scheint es Karte und Katalog zufolge im östlichen Mitteleuropa keine Mitren aus dem Untersuchungszeitraum zu geben Stücke wie die sogenannte Mitra des hl Eligius in Prag oder die sogenannte Mitra des hl Stanislaus in Krakau widersprechen dieser Sicht Doch wäre es vermessen der Autorin vorzuwerfen sie habe mit 102 Exemplaren zu wenige Mitren untersucht Die Länder östlich der Elbe ganz selbstverständlich in die Schreibung einer europäischen Kunstgeschichte einzubeziehen bleibt eine Aufgabe für die Zukunft Ausgehend von den im Katalog in bislang noch nie gepflegter Tiefe dokumentierten Stücken gelingt es Heidi Blöcher eine weitgehend neue Geschichte der Mitra im hohen Mittelalter vorzulegen die die von Joseph Braun 1907 publizierte Entwicklungsreihe wohlbegründet zu einem Dokument der Forschungsgeschichte macht Überzeugend lassen sich Gruppen von Mitren bilden die durch gleichartige formale Merkmale gekennzeichnet sind Diese Typen von Mitren tragen zur Differenzierung des Ornats je nach Rang des liturgischen Anlasses bei mitra simplex mitra aurifrisata mitra pretiosa können daneben aber auch von regionalen Traditionen oder von technisch besonders spezialisierten Zentren opus anglicanum italienische und französische Stickereien geprägt sein Geographisch weit gestreut und im Detail von großer stilistischer Vielfalt sind hingegen die Mitren mit Perlstickerei 144 155 Sonderfälle stellen die wenigen mit Emailappliquen verzierten sowie die bemalten Mitren dar 155 165 Datierte Grabfunde sowie weitere historischen Personen überzeugend zuzuordnende Mitren liefern Anhaltspunkte für die Datierung verwandter Stücke Da für Circulus und Titulus von mitrae aurifrisatae im 12 und 13 Jahrhundert üblicherweise goldene Bandgewebe verwendet worden sind ermöglicht das durch die Untersuchung der Mitren gewonnene chronologische und geographische Gerüst diese sogenannten Palermitaner Borten erstmals zu differenzieren 57 73 Es ist kein geringes Verdienst der Autorin den Mythos von der Herkunft all dieser Borten aus Palermo zu hinterfragen Obwohl wie Heidi Blöcher zeigt die Datierung der betreffenden Mitren mit der politischen Geschichte des Königreichs Sizilien gut in Einklang zu bringen ist bleibt die verblüffende Beobachtung dass ausgerechnet in Süd und Mittelitalien keine Mitren mit sogen Palermitaner Borten erhalten geblieben sind 73 Zu Recht wird eine Bestandsaufnahme der auf Paramenten des hohen Mittelalters erhaltenen Goldborten als Desiderat der Forschung benannt Deutlich von den sog Palermitaner Borten zu unterscheiden sind Borten in Lampasbindung sowie die in kräftigen Farben geometrisch gemusterten Borten spanischer Provenienz 74 82 Erstmals von Heidi Blöcher beschrieben wird eine Gruppe von Brettchenborten die stets in Kombination mit opus anglicanum anzutreffen ist 104 108 Ergänzend zu den überkommenen Stücken wertet Heidi Blöcher Texte sowie bildliche Darstellungen von Mitren aus Beginnend mit der alttestamentlichen Überlieferung zum priesterlichen Ornat über die Quellen zu den seit 1049 bezeugten päpstlichen Verleihungen von Mitren bis hin zu den Auslegungen der hochmittelalterlichen Symboliker von Abt Bruno von Montecassino bis zu Durandus von Mende werden die Referenzen ausgebreitet die Form Gebrauch und Bedeutung der Mitra innerhalb der Liturgie aber auch im Rahmen politischer Akte wesentlich geprägt haben dürften 15 25 Dank

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  • Antonia Surmann: Gute Küchen - wenig Arbeit - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    bis1989 beschränkt Doch gibt das Buch keinen klaren Hinweis darauf was die Begrenzung auf diese Ära rechtfertigt Intendiert das Jahr 1989 den politischen Wandel auf deutschem Boden so bleibt die Autorin die Schlussfolgerung schuldig dass sich bis zur Jahrtausendwende wohl Einschneidendes getan hat was zur Zäsur von 1989 führte Unverständlich bleibt der Beginn von 1909 der nicht zu den Schicksalsjahren deutscher Geschichte zählt Auch das hochgesteckte Ziel einer Verortung im westeuropäischen Kontext bleibt die Dissertation schuldig Zwar finden sich zarte Hinweise auf Russland und die ausländische Küchenforschung doch konzentriert sich die Darlegung primär auf innerdeutsche Verhältnisse Ein Diskurs zwischen Ost und Westküche unterbleibt ebenso Im Vorspann bemängelt Surmann die teilweise mangelhafte Quellenlage Doch hätte eine Analyse der firmeneigenen Informationsbroschüren sowie eine bildwissenschaftliche Analyse der vielfältigen Werbung als Spiegelbild ihrer Zeit eine weiterreichende Erkenntnis im Sinne der Aufgabenstellung sehr wahrscheinlich herbeigeführt Schmerzlich vermisst der Leser vor allem den Diskurs des eigentlichen Themas des Küchendesigns Die Komplexität des Themas die vielen Aspekte die Designprodukten wesensimmanent sind vernebeln den Blick auf das Produkt selbst Surmann negiert alles Deskriptive Da wo ästhetische Qualitäten anhand des vorliegenden Bildmaterials aussagekräftige Belege des Wandels liefern könnten beschränkt sich die Autorin auf die akribische Aufzählung von Grifftypen Die Untersuchung von Oberflächen Materialien von Gesamtanmutungen und Detaillösungen von architektonischem Denken und szenografisch atmosphärischer Raumschöpfung hätte sich angeboten wollte man Küchendesign im Bedeutungswandel begreifen Zu bizarr sind die Wege die mal der architektonischen mal der soziologischen Perspektive folgen Als Küche visionär wurde und ein hybrides Dasein zwischen funktionaler Schaltzentrale und moderner Gemütlichkeit zu führen begann wurde eine Optik geschaffen die den zarten Pastellguss der Fünfziger Jahre abstreifte und sich dem repräsentativen Chic der Siebziger Jahre annäherte die einen multifunktionalen Treffpunkt mit Bar Anschluss kreierte und Ernährung in den eigenen vier Wände auf neue Weise zu interpretieren begann Der ästhetische Aspekt

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  • Doosry, Lauterbach, Pommeranz: Die Frucht der Verheißung - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    die Etrogdose zur Aufbewahrung von Zitronen für das jüdische Laubhüttenfest als auch der christliche Blick auf diese Bräuche Berücksichtigung Die mit dem Thema Bestattungsriten besonders vertraute Kustodin des Museums für Sepulkralkultur Ulrike Neurath Sippel zeigt in ihrem Essay Zitrusfrüchte im Totenbrauchtum wie tief verwurzelt die Tradition eine Zitrone mit ins Grab zu geben war bis in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts immer weniger Menschen diesem Brauch folgten Dabei behandelt Neurath Sippel deutlich mehr Aspekte als die bisherige volkskundliche Forschung Ekaterini Kempertzis Beitrag Soziale Distinktion Hoffnung und Leid paradiesische Gefilde Zitrusfrüchte als Bedeutungsträger im Porträt informiert den Leser über die Bedeutungsebenen die Zitrusfrüchte losgelöst von christlichen oder mythologischen Zusammenhängen im Porträt erlangen Sie reichen vom Kennzeichen sozialer Zuverlässigkeit Anspielungen auf medizinische Verwendung und Kostbarkeit der Früchte bis hin zu ihrer Funktion als Ausdruck einer Hoffnung auf ein gutes Heranwachsen und Leben sowie als Verweis auf Tod und Trauer 152 Die Zitrusfrucht in Verbindung mit der Kindheit und Kinderbildnissen scheint ein vielversprechendes Thema darzustellen das nach mehr Forschung verlangt In Meisterwerke der Natur Zitronenfrüchte in Stilleben stellt Regina Deckers eine große Bandbreite an Stilleben mit Zitrusfrüchten aus Italien Spanien dem deutschsprachigen und niederländischen Raum sowie den USA vor in einer Zeitspanne von 1615 bis 2010 Die sehr breite Auswahl die dem Konzept des Katalogs entspricht wirkt bisweilen zu umfangreich Einzelne Beobachtungen gehen in der Materialfülle unter Beispielsweise ist Georg Flegels Stilleben mit Obst und Backwerk das außerdem einen Papagei und einen Hirschkäfer zeigt sicher eine Anspielung auf Dürers Werk 1 Erneut einen breiten Überblick bietet Johannes Pommeranz Essay Von Adams Paumen und Citrin epffel Zu Zitrusgewächsen in deutschen Pflanzenbüchern der Frühen Neuzeit Souverän führt er dem Leser einen anderen Blick auf die Zitrusfrüchte vor der zunächst durch wissenschaftliches Streben geprägt ist und sich der bildenden Kunst doch nicht entziehen kann Ein botanisches Werk ganz anderer Art stellt der zweite Beitrag dieser Sektion vor Das dreibändige Nürnberger Hesperidenwerk von Johann Christoph Volkamer dessen unvollständiger dritter Band erstmals in der Ausstellung präsentiert wurde betrachtet Iris Lauterbach im Katalog ausführlich begleitet von reichem Bildmaterial Es bleibt zu hoffen dass eine Edition sowie intensive Beschäftigung der Forschung mit dem Werk durch diesen aufschlussreichen Aufsatz vorangetrieben werden Das Bild der Orangerie in der Mitte Europas vermittelt durch Architekturtraktate des 16 bis 18 Jahrhunderts entwirft Helmut Eberhard Paulus Er bringt dem Leser dabei den Zauber der Orangerien näher die immer die ganzheitliche Symbiose aus Kunst und Natur aus Garten und Architektur aus Pflanze und metaphorischer Bedeutungswelt 271 darstellte Was beim Anblick der minutiös konzipierten Orangerien und Lustgärten nicht vergessen werden darf macht Paulus deutlich Sie sollten nicht nur die Augen erfreuen sondern darüber hinaus auch den Geist anregen Johann Pommeranz zweiter Beitrag in diesem Band Schöne Zitron und Appelsina Die Anfänge des transalpinen Zitrushandels und seine Bildquellen begibt sich auf die Spuren der Zitronenhändler und präsentiert dabei überzeugende Erkenntnisse Entgegen der vorherrschenden Forschermeinung ist zu vermuten dass bereits vor 1600 ein lebhafter Zitrushandel in deutschen Städten stattfand 328 Daran anschließend findet sich ein kleinerer Beitrag von Stephanie

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/4354 (2016-02-12)
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