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  • Wolfgang Pehnt: Die Plangestalt des Ganzen - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    mit ihr muss er sich ins Benehmen setzen 21 Die Wirkung seiner Schriften blieb begrenzt fand jedoch neben anderen in Mies van der Rohe einen glühenden Verehrer Der letzte Bauhaus Direktor besaß alle wichtigen Bücher von Schwarz 35 Von November 1946 bis März 1952 bekleidete Rudolf Schwarz das Amt des Kölner Generalplaners wo er seine später berühmte Innenstadtplanung in kleinräumig gegliederten Kirchspielen durchführte Seine städtebaulichen Kenntnisse hatte sich Schwarz als dienstverpflichteter Planer im deutsch besetzten Lothringen und zwar überwiegend in Diedenhofen Thionville 43 erworben Der in Köln ansässige Pehnt versieht dieses Kapitel mit viel Lokalkolorit Dabei gelingt es ihm Schwarz Thesen immer wieder in die Gegenwart zu holen Ein Thema damals wie heute ist die konfliktreiche Enge des Bahnhofsareals 56 die auch Schwarz nicht gefiel Aber große Städte müssen solche Konflikte aushalten können Letzten Endes machen solche Karambolagen auch einen Teil ihres katastrophalen Reizes aus zu schweigen vom praktischen Vorteil einer Verkehrsanbindung der City wie sie unmittelbarer nicht gedacht werden kann 56f Heutige Konflikte um Verkehrsbauten der Deutschen Bahn klingen in solchen Sätzen gleich mit an Auch die Leidenschaft des Architekturhistorikers Pehnt für die Probleme der heutigen Kölner Stadtplanung wird offenbar Man wäre ja schon zufrieden wenn in der Stadtplanung und ich meine nicht nur die zuständige Fachbehörde sondern auch und vor allem die Bürgerschaft und ihre gewählten Vertreter überhaupt eine stadträumliche landesräumliche bildhafte Vorstellung vom Kölner Lebensraum vorhanden wäre die über die Bereitstellung von Bauflächen für fällige Wirtschaftsinvestitionen hinausginge 63 Der zweite Teil des Buches handelt von einflußreichen Wegbegleitern Nach seiner Promotion an der Berliner TH Charlottenburg arbeitete Schwarz von Mai 1923 bis Februar 1924 im Potsdamer Büro von Hans Poelzig Wie einige seiner Zeichnungen belegen zeigte sich Schwarz in den zehn Monaten seiner Tätigkeit bei dem berühmten Architekten vom barocken Überschwang und monumentalen Zikkuratstil des Meisters beeinflußt Ungleich symbiotischer wenn auch nicht ohne Konflikte war sein Verhältnis zu Dominikus Böhm Die zeitweilige Büropartnerschaft mit Böhm führte ein ungleiches Paar zusammen Das Schwarz sche Formulierungstalent stieß auf Böhms milde Spottsucht 111 Gegenseitige Unterstützung durch hilfreiche Kontakte nutzten beide Architekten gehörig aus was Pehnt zu der süffisanten Bemerkung veranlasst Den Beteiligten würde es heute ein berufsständisches Ehrengerichtsverfahren eintragen 105 Auf den ersten Blick erscheint Schwarz Verhältnis zu dem mehr als eine Generation jüngeren Architekten Oswald Mathias Ungers ungewöhnlich Beide Architekten waren wenn auch nur für wenige Jahre Nachbarn in Köln Müngersdorf 1958 59 erbaute sich Ungers wenige hundert Meter von Schwarz Anwesen entfernt sein erstes spektakuläres Domizil Das von Ungers gemeinsam mit Reinhard Gieselmann verfaßte Manifest Zu einer neuen Architektur 1960 lag dem Gedankengut von Rudolf Schwarz sehr nahe Dies unterstreicht bereits die Eröffnungssequenz Schöpferische Kunst ist ohne geistige Auseinandersetzung mit der Tradition nicht denkbar Sie muß die bestehende Form zertrümmern um reinen Ausdruck ihrer eigenen Zeit finden zu können 1 Beide Architekten durchlaufen in ihrer Karriere eine expressionistische Phase und auch für ihr bildhaftes Denken 174ff findet Pehnt sinnfällige Entsprechungen Faszinierend ist der Blick auf das gebaute Werk beider Architekten Das Haus Ungers III in Köln Müngersdorf weist geradezu

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/1412 (2016-02-12)
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  • Gustav Frank; Barbara Lange: Einführung in die Bildwissenschaft - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Das Verständnis von der sozialen Codierung von Bildern dass selbst die Frage ob etwas ein Bild ist kulturell beständig ausgehandelt wird S 23 vermitteln die AutorInnen als wichtige Voraussetzung jeglicher bildwissenschaftlichen Betätigung Die folgende knappe Übersicht zu einigen für das Projekt Bildwissenschaft relevanten Bereichen zeichnet sich durch eine Konzentration auf innovative Ansätze der aktuellsten Forschung aus Erwähnung finden dabei sowohl die Raumsoziologie als auch verschiedene Formen von Bewegungsaufzeichnungen und natürlich die Anfänge des Films Vom fruchtbaren Moment einer Laokoon Ästhetik ist ebenso die Rede wie von bildgebenden Verfahren zur Aufzeichnung und Vermessung der Welt und dem Bedeutungsüberschuss errechneter digitaler Bilder der wiederum eine bildwissenschaftliche Betrachtung geradezu herausfordert S 28ff In einem Abschnitt zu Mimesis und Mimikry wird zur Unterscheidung zwischen bildgebenden und bildverstehenden Verfahren und schließlich zu den Grenzen der Repräsentationstheorien übergeleitet die davon ausgehen dass Bilder immer nur etwas Abwesendes abbilden oder für etwas Anderes stehen So überzeugt das Systematik Kapitel nicht nur durch die gute Nachvollziehbarkeit seiner Struktur und anschauliche Beispiele Die Zusammenschau von speziellen Herausforderungen Problemen und Chancen die mit dem Projekt Bildwissenschaft einhergehen ergänzt überdies als ein bedeutender Überschuss die Einführungslektüre sinnvoll und gleichzeitig unterhaltsam 5 Dafür steht speziell der letzte Unterpunkt der die sogenannten Inneren Bilder reflektiert und die Gehirnforschung insofern in der Bildwissenschaft verankert als sie eine Erweiterung des Begriffsumfangs auf eine ganze Reihe von auch nicht optischen Phänomenen vornimmt wobei die Schwierigkeit einer Diskursivierung von inneren bzw unsichtbaren Bildern immer wieder betont wird Die abschließenden Ausführungen zu Metaphern Emblemen und zum ekphrastischen Schreiben als Formen von Bild Texten Textbildern fallen allerdings zu kurz aus zumal sich wohl jeder an Bildlichkeit interessierte Forschende mit diesen Sonderformen von Bildern auseinandersetzen sollte Insbesondere im Sammelband von Boehm Pfotenhauer zur Beschreibungskunst Kunstbeschreibung 1995 6 werden die Grenzen von Text und Bild von sprachlich vermittelter und vermeintlich unvermittelter Bedeutung ausgelotet und mögliche Definitionen und Herangehensweisen an solche Phänomene präsentiert Auf diesen im Literaturverzeichnis sehr wohl enthaltenen Sammelband hätte an der Stelle extra verwiesen werden können wie dies mit Mitchells Bildtheorie geschehen ist darüber hinaus hätte sich für diesen Teil des Kapitels eine bessere Veranschaulichung durch Bildbeispiele angeboten Doch dies sind lediglich Randbemerkungen angesichts der insgesamt gelungenen Mischung aus Einstieg in die Materie und Diskussion von für die Bildwissenschaft relevanten Begriffen und Untersuchungsfeldern die Kapitel II uns zu bieten hat Die beiden nun folgenden oben bereits erwähnten Kapitel zu einigen Wegen der Analyse warten erneut mit anschlussfähigen und pointierten Thesen auf Insbesondere zum Materialitätsaspekt äußern sich die Autoren und nehmen Bezug auf die von ihnen immer wieder thematisierte symbolische Praxis Nicht das Material die Stofflichkeit an sich sondern dessen Funktionalität innerhalb der symbolischen Ordnung sind entscheidend was gleichsam zu erinnerten Bildern und einem Plädoyer für eine an das bekannte Konzept der Intertextualität angelehnte Interikonizität überleitet S 45 Hervorzuheben ist auch das sehr plastische Beispiel einer Polysemie der Alltags Bilder eine ein Verkehrszeichen abbildende Fotografie mit aufgesprühtem Graffiti Im zweiten Teil der Wege der Analyse Bilder als soziale Praxis wird auf die Bildern inhärente Fähigkeit eingegangen Subjekte und ganze Gesellschaften

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/902 (2016-02-12)
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  • Gudrun Valerius: Académie Royale de Peinture et de Sculpture 1648 - 1793 - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Hauptteils 235 254 erwähnen dürfte Eben als Teil einer Geschichte der ENSBA erschien 1987 von Jeanne Laurent die letzte vorangehende Darstellung die der Historie der Académie Royale gewidmet wurde sie ist ärmer an Details aber analytisch weit überlegen und wäre doch der Höflichkeit halber wenigstens anzugeben gewesen 2 Dass der den Strukturen und Funktionen der Académie Royale gewidmete Hauptteil eine andere Form der Darstellung verlangt als die der historischen Erzählung liegt auf der Hand die Ordnung in alphabetisch geordnete Abschnitte nach Stichworten ist vielleicht nicht die eleganteste Lösung erleichtert aber den ersten Zugriff und entspricht dem Charakter eines Nachschlagewerks Verhandelt werden die Académie de France als römische Filiale die von der Forschung so gerne übergangene Académie de Saint Luc als Rivalin von der Verfasserin ausführlicher präsentiert in einem Aufsatz 3 die Formen der Aufnahme die Conférences als kunsttheoretische Verlautbarungen die Ämterhierachie der Akademie ihre Finanzen ihre Schülerschaft ihre Wettbewerbe und ihre Protektoren Zur ersten Übersicht sind diese Abschnitte gut geeignet aber sie stützen sich nur auf die amtlichen Dokumente der Akademie selbst und gehen nie darüber hinaus Unter Unterricht z B einem der ausführlicheren Abschnitte 235 253 wird das vollständige Ausbildungsprogramm 235 nach den Statuten von 1663 wiedergegeben Das liest sich sehr eindrucksvoll aber wo ein angehender Maler das Malen lernte das erfährt man nicht Vom System der Lehrateliers das als ein Erfolgsmodell noch an den Akademien des 19 Jahrhunderts so eifrig kopiert wurde ist nirgends ein Wort zu lesen Überhaupt gehen wie im historischen auch im systematischen Teil der Veröffentlichung immer wieder die wichtigsten Punkte in der Masse des Materials unter So bleibt z B der fundamentale Unterschied zwischen Historienmalern und Bildhauern die als zur Lehre zugelassene Officiers bis an die Spitze der Akademie aufsteigen konnten und der Überzahl der dafür nicht qualifizierten talents particuliers unklar Corps 146 Dass diese Einteilung die über die Aufstiegschancen in der Akademie bestimmte schon im Moment der Aufnahme eines Künstlers festgelegt wurde und für manchen Eklat erinnert sei nur an Greuze sorgte wird übergangen Aufnahme 115 122 Hier liegt der Grund für das Desinteresse das die Mehrheit der Académiciens die Masse der Portrait Genre Landschafts und Stillebenmaler der Kupferstecher und Medailleure für die Akademie insgesamt und speziell für die Teilnahme an den Sitzungen zeigte Unter dem Stichwort Versammlungen 255 259 findet sich kein Hinweis auf die dadurch bedingten selten auch nur die Hälfte der Akademiker zusammenbringenden Teilnehmerzahlen wie sie den Sitzungsprotokollen zu entnehmen sind Was die Mitgliedschaft auch für jene attraktiv machte die so wenig Interesse für ihre Selbstverwaltung und Lehre aufbrachten war das 1648 verliehene Privileg der Ausnahme vom Zunftzwang für die Malerei und Bildhauerei der bis zur Reform Turgots 1776 in Kraft blieb Obwohl 1663 eigens der Status des Agréé eingeführt wurde um auch Aspiranten auf die Mitgliedschaft dem Zunftzwang zu entziehen wird die Académie Royale nicht in diesen berufsrechtlichen Kontext situiert Der lange Fortbestand der Zunftpflicht wird selbst im Abschnitt zur Malerzunft und ihrer 1776 ebenfalls durch Turgots Reform beseitigten Académie de Saint Luc 103 114 übergangen Die 1777 wegen

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/1450 (2016-02-12)
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  • Claus Zittel: Theatrum philosophicum - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    mathesis sondern eine sapientia universalis zu verstehen sei die auf der Verkettung aller Wissenschaften beruhe Dieser catenatio entspricht eine ästhetische über den diskursiven Verstand hinausgehende Form der Erkenntnis die für Descartes Werk bestimmend werden würde Im zweiten Teil widmet Zittel sich den literarischen Darstellungsformen des Philosophen seinen Schlussverfahren und seiner Wende zur Empirie Die Wahl kommunikativer Textgattungen und der Einsatz der in jüngerer Zeit in den Fokus der Forschung gerückten Sprachbilder hat ihr Pendant in den Leitmetaphern des Theaters der Fabel des Romans und des Gemäldes In der Recherche de la verité beispielsweise wird die kognitive Entwicklung mit dem Malen auf einer Tafel verglichen die an einem Wendepunkt im Leben ausgewischt und wenn man Zittels gewagter Übersetzung folgen möchte unter Führung der Vernunft mit Unterstützung der Einbildungskraft und der Sinne neu gemalt werden sollte Der Generalzweifel dient letztlich seiner Überwindung Hält die Vernunft einmal die Zügel in der Hand kann auch den Sinneswahrnehmungen wieder Bedeutung zugemessen werden Naturphänomene transparent machende Abbildungen können beim Abbau von Vorurteilen und bei der Neugestaltung der Tafel helfen Die ausführliche Auseinandersetzung mit Descartes Schlussformen und insbesondere seiner Konzepte von Intuition Deduktion und Disposition führt Zittel zu einer Revision der mechanistischen Lesart seiner Erklärungen von Körperfunktionen Die Kenntnis von Automaten helfe Descartes zwar beim Schluss von sichtbaren Phänomenen auf deren Ursachen trotzdem aber behaupte er keine Strukturisomerien und vernachlässige keineswegs die dynamische dispositio organischer Körper Zentral sind vor allem die für Embryologie wie Kosmologie relevanten Leitvorstellungen Wirbel und Gärung wobei die aristotelische Herkunft dieser Analogie übergangen wird Im Kapitel zu Descartes Experimentalpraxis wird deutlich dass er seine naturphilosophischen Thesen oft durch empirische Beobachtungen und Sektionen gewann und folglich keineswegs einen Antipoden zu Bacon darstellt höchstens insofern als dessen Traktate bilderlos sind während sich Descartes als ein wohlkalkulierter Visualisierungsstratege 249 erweist Den Abbildungen nun widmet Zittel den dritten und umfangreichsten Teil seiner Studie In einem Rundumschlag wirft er den zuständigen Disziplinen vor die Relevanz von Bildern für die Generierung von Wissen zwar oft zu versichern aber selten konkret vorzuführen Dagegen unternimmt er eine erhellende Kategorisierung der illustrativen organisierenden und beweisenden Funktionen von Bildern und untersucht die Frage nach ihrer empirischen Evidenz am Beispiel der medizinischen Abbildungen bei Vesal Fabricius und Harvey Descartes Illustrationen erwiesen sich in diesem Zusammenhang als besonders interessant weil sie eine bewusstseinsimmante Evidenzerfahrung nach außen verlagern 275 und nicht nur Phänomene sondern auch hypothetische Erklärungen visualisieren Das prägnanteste Beispiel einer Bildkritik im besten Sinne ist Zittels Analyse der Illustrationen des posthum in zwei verschiedenen Ausgaben erschienen Traité de l homme von denen nur die von Claude Clerselier besorgte französische Ausgabe bis heute rezipiert wird Die Pointe von Zittels Ausführungen liegt in der Behauptung erst deren den Text häufig missrepräsentierende Bilder hätten unser heutiges Verständnis von Descartes Menschenbild geprägt Erfinder des esprit mécanique sei folglich nicht Descartes sondern Clerselier samt seiner Illustratoren Zittels Beobachtungen führen zu einer grundlegenden Revision der von Gottfried Boehm formulierten Kriterien zur Unterscheidung von Bildern in Kunst und Wissenschaft Wissenschaftliche Bilder sind wie der Autor zeigt keineswegs immer eindeutig kombinieren oft

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/384 (2016-02-12)
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  • Maaz: Skulptur in Deutschland zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltk - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Bereits im Klappentext nennt er weitere Pole dieser Epoche zwischen Goethe und Wilhelm II sowie zwischen Aufklärung und Nietzscheschem Skeptizismus Damit wird die Bildhauerei in den politischen und geistesgeschichtlichen Kontext einer von Um und Aufbrüchen bestimmten Zeit eingeordnet Damit einher ging letztlich auch ein Wandel von Sinn und Funktion der Skulptur Einmal mehr weist sich der Autor als intimer Kenner des Sujets aus Gegenstand seiner Betrachtung und im zweiten sowie dritten Kapitel auch Gliederungspunkte sind Denkmal Porträt Bau Sakral Sepukral Garten Brunnen und Tierplastik aber auch Medaillen und kunsthandwerkliche Gegenstände Maaz beschränkt sich innerhalb dieser Abhandlungen nicht nur auf die bis heute bekannten Meister wie Johann Gottfried Schadow Christian Daniel Rauch Christian Friedrich Tieck Ludwig Schwanthaler Reinhold Begas oder Adolf von Hildebrand sondern rückt auch das Werk heute weitgehend vergessener Künstler wie Carl Steinhäuser oder Julius Trockel ins Licht Auch das oft vernachlässigte Feld der architekturbezogenen Plastik wird behandelt So fehlt eigentlich nichts und niemand um das überaus weite Betätigungsfeld der Bildhauer im 19 Jahrhundert aufzuzeigen und zu verdeutlichen welch hohen Stellenwert die Skulptur damals innerhalb der bildenden Kunst ja in der Gestaltung fast aller Lebensbereiche des Menschen innehatte Besonders in der Denkmalplastik wird die Hauptaufgabe damaliger Bildnerei deutlich die Darstellung des Menschen und seine jeweilige Bedeutung innerhalb der Gesellschaft Es stellt einen großen Vorzug des Buches dar dass Maaz den Blick dabei nicht auf das materiell Überlieferte beschränkt denn gerade dieses Gebiet kann man im 19 Jahrhundert nur verstehen wenn man sich klar macht dass ein Großteil der Werke später eingeschmolzen oder anderweitig vernichtet wurde Das Buch birgt darüber hinaus eine reiche Zahl an überwiegend qualitätvollen in Band 1 sogar oft ganzseitigen und zum Teil historischen Schwarz Weiß Abbildungen deren Menge in ausgewogenem Verhältnis zum Text erscheint Dies verleiht dem Werk über seinen wissenschaftlichen Wert hinaus den Charakter eines mit Genuss erfahrbaren Bildpanoramas In den eingangs zitierten das Buch gliedernden drei großen Kapiteln wechselt Maaz souverän zwischen formalen ikonographischen historischen oder rein philosophischen Schwerpunkten Etliche dieser Betrachtungen wären zu erwarten scheinen unerlässlich andere wiederum sind deutlich individuell geprägt durch den persönlichen Umgang des Autors mit seinem Forschungsgegenstand So legt Maaz etwa von Anfang an Wert darauf dem Leser die Sichtweise und die speziellen Probleme des Bildhauers nahe zu bringen Der Autor führt den Leser in die Werkstätten der Skulpteure lässt ihn gleichsam teilhaben am Entstehungsprozess eines Werkes Eine Fülle an Informationen und Anregungen zur weiteren Forschung enthält der umfangreiche Apparat in Band 2 Dort publiziert Maaz zunächst eine Auswahl von Bildhauerbriefen sodann eine Entwicklungsgeschichte und ein Lexikon zum Bildguss sowie eine ausführliches Glossar zur Terminologie für die Skulptur des 19 Jahrhunderts Maaz beweist hier ein besonderes Interesse am technischen Herstellungsprozess das gerade weil es für heutige Kunsthistoriker nicht selbstverständlich ist besonders erhellende Erkenntnisse hervorbringt Um eine Skulptur recht und umfassend zu deuten bedarf es der Einsicht in ihre technischen Aspekte in die Bedingtheiten von Material Transport Bearbeitung ja sogar in die konservatorischen Eigenheiten die diese oder jene Alterung und damit das heutige Erscheinungsbild erzeugt haben S 665 Damit verpflichtet

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/1408 (2016-02-12)
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  • Emich; Signori (Hg.): Kriegs/Bilder in Mittelalter und Früher Neuzeit - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Frühen Neuzeit gewidmete Teil des Bandes mit sieben Beiträgen zeichnet sich durch ähnlich dicht aufeinander bezogene Untersuchungsgegenstände aus die jeweils Vergleiche und Querverbindungen zwischen den einzelnen Beiträgen ermöglichen Zunächst knüpft die Untersuchung von Peter Burschel zu den Selbstzeugnissen von ehemaligen Sklaven aus der Zeit um 1600 die der osmanischen Gefangenschaft entkommen waren an die verschiedenen Topoi der Feindbildkonstruktionen und ihrer Rechtfertigungsfunktionen im ersten Teil des Bandes an Es folgen zwei Beiträge zu Belagerungen Marseille 1594 Magdeburg 1631 und ihren Deutungen in der medialen Vermittlung durch Metaphern Personifikationen Allegorien und anderen Darstellungsformen die die realen Ereignisse mit imaginären Bildern überlagerten Wolfgang Kaiser liest die Druckschriften und Kupferstiche der Belagerung von Marseille 1595 einem zentralen Ereignis der französischen Religionskriege als Streit um die Deutungshoheit über dieses Ereignis und um die Verwandlung des Geschehens in Geschichte bei dem die verschiedenen Akteure sorgfältig unterschieden zwischen der Verbreitung von öffentlich zugänglichen Nachrichten Avvisi oder der Beschaffung von Informationen für Entscheidungsträger Für eines der bedeutendsten frühneuzeitlichen Medienereignisse die Zerstörung Magdeburgs 1631 die in über 200 Flugschriften und mehr als 40 Flugblättern publizistisch verhandelt wurde macht Birgit Emich einen methodischen Ansatz fruchtbar der die Begriffe der Konstruktion Intermedialität und Performanz miteinander verknüpft So kann sie zeigen dass die Deutung der Einnahme Magdeburgs als allegorisches Bild der Hochzeit nicht nur von den Kriegsparteien unterschiedlich instrumentalisiert wurde sondern dieses Bild im Anschluss an Bredekamps Theorie des Bildakts seinerseits wiederum auf das Geschehen und seine Darstellung in Texten und Bildern zurückwirkte Auf einen anderen Darstellungsmodus hingegen verweist Horst Carl der für die Radierungen des Brüsseler Malers und Graphikers Augustin Coppens von der Zerstörung Brüssels 1695 den Anspruch größtmöglicher Wahrheitstreue für die Wiedergabe des Geschehens nachweist Um diese Authentizität und Objektivität der Bilder zu erreichen habe Coppens vermutlich eine Camera obscura verwendet die durch neue technische Entwicklungen ab 1670 auch mobil einsetzbar war Trotz dieser realistisch dokumentarischen Darstellungsform so Carl handele es sich jedoch nicht um eine objektive Wiedergabe der Wirklichkeit sondern gerade mit ihrem Realismus vermittelten diese Bilder durch immanente Signale angesichts der verheerenden Kriegszerstörungen auch moralische Botschaften Demgegenüber unterstreicht Marian Füssel am Beispiel der Schlacht von Zorndorf 1758 während des Siebenjährigen Krieges das kategoriale Problem der Undarstellbarkeit von Krieg im Allgemeinen und Schlachten im Besonderen Mit Bezug auf Paul Virillos These dass es im Krieg vor allem darum gehe sich der mentalen Bilder zu bemächtigen untersucht Füssel die medialen Strategien der Kontingenzbewältigung der Legitimation von Gewalt und der unterschiedliche Perspektiven aus denen die Akteure das Geschehen wahrnahmen In den genannten allesamt von Historikern verfassten Aufsätze werden die visuellen und oder sprachlichen Darstellungsformen von kriegerischer Gewalt auf Stereotype Metaphern und Traditionen hin untersucht um zu zeigen dass Geschichtsbilder als visuelle sprachliche oder imaginäre Vorstellungen von historischen Ereignissen und Prozessen jeweils medial bedingt sind Im Unterschied zu diesen medienhistorischen Ansätzen vertreten der kunsthistorische und der germanistische Beitrag in diesem Band andere methodische Interessen die nur z T aus den anders gelagerten Ausrichtungen der benachbarten Disziplinen resultieren Ulrich Heinen entwickelt im klassisch ikonographisch ikonologischen Verfahren für Peter Paul Rubens Allegorie auf Krieg

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/287 (2016-02-12)
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  • Vladimir Kapor: Local colour - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    dagegen dass das Lokalkolorit darüber hinaus auch eine kompensatorische Funktion erfüllte Die Mehrzahl der von ihm zitierten Stimmen zeugen nämlich davon dass die couleur locale von den Reisenden des 19 Jahrhunderts nicht als etwas allerorts schlechthin Gegebenes sondern als ein höchst gefährdetes Gut angesehen wurde Gleich ob in den Reiseberichten über Spanien den Orient Tahiti oder auch Australien überall schien das Lokalkolorit irreversibel im Schwinden begriffen 10 Die Ursache dieses Rückgangs wurde in der fortschreitenden civilisation gesehen einem Begriff den Kapor als einen period term erkennt mittels dessen Zeitgenossen den Prozess der Globalisierung beschrieben 140 Doch hätte man an dieser Stelle die Überlegungen zu der These zuspitzen können dass die Erfindung des Lokalkolorits 134 in der Globalisierung ihre notwendige Bedingung hatte Mit der zunehmenden Erschließung der Welt durch moderne Verkehrs und Kommunikationsmittel den internationalen Handel die Kolonialisierung und den Tourismus wuchs auch die Furcht dass diese Prozesse schließlich weltweit zu einer Einebnung jeglicher regionaler Unterschiede führen würden Je größer diese Furcht wurde desto stärker wurde auch das kompensatorische Bedürfnis nach Lokalkolorit Diese Entwicklung spiegelte sich nicht nur in den von Kapor konsultierten Reiseberichten sondern im selben Maße auch auf dem Feld der bildenden Künste Kapor weist zwar darauf hin dass der metaphorische Gebrauch des Begriffs von ihm zutreffend als truly interart term charakterisiert alsbald in die Kunsttheorie re importiert wurde in der fortan ursprüngliche und übertragene Bedeutung koexistierten 143 155 Doch ist damit die Bedeutung des Konzepts für die bildenden Künste allenfalls angedeutet Die Suche nach Lokalkolorit wurde nämlich nicht nur zum Leitmotiv in der von Kapor konsultierten Reiseliteratur sondern auch zum maßgeblichen Beweggrund der in dieser Zeit erstmals über den ganzen Erdkreis expandierenden Künstlerreisen 11 Besondere Relevanz kommt dem Konzept auch in Hinsicht auf Weltausstellungen des 19 Jahrhunderts zu auf denen die Zurschaustellung der modernsten Errungenschaften der Technik eine merkwürdige Symbiose mit den Rekonstruktionen ganzer Dörfer verschiedenster Weltregionen einging 12 Hier trafen Globalisierung und Lokalkolorit also unmittelbar aufeinander und wohl nirgends trat der komplementäre Charakter der couleur locale so offen zutage wie bei diesem Zusammenstoß Bei seiner Recherche hat sich Vladimir Kapor größtenteils auf Gallica 13 und google books gestützt vgl das Kapitel Ce travail Quelque Peu Inhumain The Building of a Corpus 17 24 Das Ergebnis demonstriert eindrucksvoll welche Verheißung für die Zukunft von Begriffsgeschichten in diesen online Archiven liegt Die besondere Leistung Kapors darf darin gesehen werden den Rohstoff den ihm diese digitale Suche lieferte umsichtig gewichtet und ausgewertet sinnvoll gegliedert und in ein gut lesbares Buch über einen bislang unter theoretisierten Begriff 8 13 gegossen zu haben Wer indes die Mühe scheut über 231 Textseiten der Begriffsgeschichte der couleur locale auf allen ihren oft verschlungenen etymologischen Nebenpfaden nachzuspüren dem sei stattdessen und gleichsam als short cut Kapors brillanter Aufsatz im Frühjahresheft 2009 von Word Image nahe gelegt 14 Vladimir Kapor ist mittlerweile Lecturer in French studies an der Universität Manchester In puncto Lokalkolorit hat er damit seine Lage nicht verbessern können galten doch im 19 Jahrhundert die Fabriken Manchesters und Birminghams deren Waren die Welt überschwemmten

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/1258 (2016-02-12)
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  • Bruno Boerner: Bildwirkungen - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    keiner Gegend in vergleichbarer Dichte finden Zu ihnen ist neben den Peter und Paulportalen in Andlau Gebweiler Egisheim Sigolsheim und St Ursanne auch die berühmte Galluspforte des Basler Münsters zu zählen wahrscheinlich sogar als die älteste der Darstellungen des Motivs in dieser Region Gerade auf Grund der regionalen Dichte des Themas können Variationen des Motivs nicht als zufällig gelten sondern fallen ganz im Gegenteil besonders ins Gewicht wobei die jeweils unterschiedlichen kommunikativen Intentionen klar hervortreten die der Autor umsichtig analysiert und herausarbeitet So wird eindrücklich dargestellt wie sehr sich das jeweilige Handlungsgeschehen unterscheidet vom statischen und interaktionslosen Nebeneinander der Protagonisten Egisheim über eine aktive Übergabe von Christus an die beiden Apostelfürsten Sigolsheim Andlau bis hin zur Aktivität auf Seiten von Petrus und Paulus durch Anempfehlen und Fürbitten bei Christus für die Stifter wobei Petrus die Schlüssel bereits fest in Händen hält Basel Von einer Übergabe kann hier also kaum mehr gesprochen werden denn es ist offensichtlich bereits der sich der Szene der Übergabe anschließende Moment geschildert Allen Darstellungen hingegen gemein ist ihre Aufgabe handlungsleitendes Vorbild zu sein sich also appellierend mit großer Deutlichkeit und Impetus an die Betrachter zu richten zu denen vor allem auch die Laien zu zählen sind wie der Autor immer wieder betont und herausstellt Denn mit Albertus Magnus müsse gerade deren Unterweisung in einer allgemeinverständlichen bildhaften Sprache geschehen So steht etwa die deutliche Aktivität und Schlüsselgewalt auf Seiten von Petrus und Paulus in Basel für die Rolle der Kirche als Vermittlungsinstanz zwischen Christus und den Gläubigen 77 und konkret des Basler Klerus 238 als irdischem Verwalter des himmlischen Lohens der seine Stellung mit dem Tympanon an prominenter Stelle selbst inszeniert Es sei entsprechend gerade das Verhältnis von Laien und Klerus insistiert der Autor immer wieder und führt dabei zahlreiche Beispiele an das sich in der oberrheinischen Skulptur der Zeit verhandelt findet Und dies nicht zufällig Denn auch die Bilder konnten von der grundlegenden Umwertung der Religiosität ihrer Inhalte Grundlagen und Charakteristiken im 13 Und 14 Jahrhundert 113 nicht unberührt bleiben Auch an den Westportalen in Straßburg und Freiburg beide Ende 13 Jh deren Skulpturenprogramme die zweite umfassend untersuchte oberrheinische Figurengruppe bilden lässt sich dies eindrücklich und überzeugend zeigen Diese führen geradezu alles auf was vom gläubigen Laien am Ende des 13 Jahrhunderts an religiösem Wissen eingefordert werden konnte 175 Vor dem Hintergrund der mit großer historischer Kenntnis geschilderten Frömmigkeitsgeschichte bei der Boerner vor allem die Um und Aufwertung der Laienfrömmigkeit im Kontext der allgemeinen religiösen Armutsbewegung der sancta simplicitias als Ideal der praxis pietatis betont kommt auch den Bildern im Buß und Reueprozess eine neue Aufgabe zu Dies weiß der Autor auch am Beispiel der frühen Figur eines Schmerzensmanns die heute im Colmarer Unterlinden Museum aufbewahrt wird und doch wahrscheinlich einmal am Außenbau einer Kirche angebracht war überzeugend aufzuzeigen Denn bezieht man den wahrscheinlichen originalen Aufstellungsort bei der Rezeptionsanalyse mit ein ändert sich ihr Ausdruck erheblich und aus dem auf sich selbst bezogenen Melancholiker 123 so bislang die gängigen Beschreibungen wird eine dialogische Appellfigur 123 die

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