archive-org.com » ORG » A » ARTHIST.ORG

Total: 981

Choose link from "Titles, links and description words view":

Or switch to "Titles and links view".
  • Daniel Hess; Dagmar Hirschfelder (Hg.): Renaissance - Barock - Aufklärung - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Räume zu halten Im Vordergrund stehen vielmehr die Autopsie der Objekte und die diversen Bezüge die sich zu anderen Stücken der Sammlung herstellen lassen Der kulturhistorische Kosmos der durch die Kontextualisierung ausgebreitet wird eröffnet dem Leser ein vielschichtiges Panorama dessen Anschaulichkeit aus der Konzentration auf die Objekte resultiert Bilden die Werke aus der Zeit der Renaissance den Kernbestand der neuen Schausammlung und dominieren sie auch innerhalb des Katalogbuches so gelingt vor allem auf diesem Gebiet eine dichtmaschige Darstellung der vielfältigen Zusammenhänge Aus naheliegenden Gründen gilt dabei Albrecht Dürer und der Kunst der Renaissance in Nürnberg sowie der Kunst im Zeitalter der Reformation besonderes Augenmerk Letzterer werden allein vier Kapitel unter dem Thema Bild und Glaube gewidmet Während Jutta Zander Seidel die Person Martin Luther ins Visier nimmt dessen Wirken Vom Augustinermönch zum Reformator S 101 111 und dessen teils verklärtes Nachleben sie anhand zahlreicher Porträts ausgewählter Schriften und Gegenstände mit regelrechtem Reliquien Status nuancenreich nachzeichnet widmet sich Caroline Real den Bilder n des alten und neuen Glaubens S 113 123 Luthers Kritik galt der katholischen Frömmigkeitspraxis mit ihrer Heiligenverehrung und der Anbetung von Bildwerken die nicht selten im Ablasshandel gipfelte Waren in der Kunst des alten Glaubens Themen wie die Fürbitte durch Heilige oder durch Maria als Vermittler zu Gott üblich so tendierte das reformatorische Lehrbild im Vertrauen allein auf die göttliche Gnade zur Einordnung der Ereignisse in die Heilsgeschichte oft antithetisch konzipiert und angereichert mit Bibelzitaten Frank Matthias Kammel skizziert die Kunst nach den Reformen der katholischen Kirche S 125 136 seit der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts Die trotz Einführung der Reformation noch immer vielseitigen Ausdrucksformen katholischen Glaubens machten weiterhin sowohl liturgisches Gerät als auch vielfältige Utensilien der Frömmigkeitspraxis notwendig Auch die Wiederbelebung des Reliquien und Bildkultes der Marien und Heiligenverehrung zeitigte kontinuierlich neue Werke Über Bildpropaganda und Satire zur Zeit der Reformation S 138 148 unterrichtet schließlich Hermann Maué Luthers Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche vollzog sich nicht nur in schriftlicher Form sondern auch im Bild wie protestantische Propagandadrucke Spottmedaillen und Flugblätter exemplarisch belegen Die anfängliche Unterstützung der Reformation durch bedeutende Humanisten wie Erasmus von Rotterdam Johannes Eck oder Ulrich von Hutten nahm hingegen schon in den 1520er Jahren wieder ab Über den streng an den Museumsobjekten ausgerichteten Leitfaden durch alle Kapitel der Sequenz hinaus wird en passant eine Fülle thematisch zugehöriger historischer kunst und kulturgeschichtlicher Grund und Detailinformationen geboten Auch wenn Einzelaspekte dabei nur gestreift werden können vermittelt sich dem Leser so ein stimmiger Einblick in Bild und Glauben im konfessionellen Zeitalter Der Redaktion des Katalogbuches ist es gelungen inhaltliche Dopplungen die sich bei der engen Verzahnung diverser Kapitel schnell hätten einschleichen können erfreulich gering zu halten Dem für die Buchreihe typischen Layout scheint der Kompromiss geschuldet dass die meisten Abbildungen im Katalogteil nur wenige Werke finden sich überhaupt nicht reproduziert maximal Spaltenbreite erreichen Kleinformatige detailreiche und vielfigurige Objekte wie etwa die Zierbeschläge eines Gürtels Kat 83 oder ein Gemälde mit dem Turmbau zu Babel Kat 480 lassen daher oft mehr erahnen als erkennen Beschriebene Feinheiten

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/319 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Gerhard Weilandt: Die Sebalduskirche in Nürnberg - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    hierarchical structure The subsequent chapters lead us through the various parts of the church bringing together diverse permanent and ephemeral furnishings stained glass windows sculptures altarpieces tapestries candle holders vestments and even illuminated indulgence briefs to demonstrate how the spaces coalesced into distinct zones of worship Verehrungszonen In keeping with the medieval hierarchy of space Weilandt begins with the east choir which lodged the dual power stations of the high altar where both public and private masses were held and the shrine containing St Sebald s relics a silver encased box with a sloping roof and a peephole at one end which attracted throngs of pilgrims throughout the church s medieval life Sebald s status as the thirteenth apostle was emphasized in this zone by the presence of St Peter and the other eleven Apostles in images near the shrine But the dominant figure visualized here was Christ specifically Christ Crucified whose repeated appearances in the altarpieces and vestments used at the high altar underscored both the significance of the Christological feast days and the real presence of His body in the consecrated host For all its emphasis on the holy founders of the Christian ecclesia the choir at St Sebold was not a phyiscally exclusive space we read of numerous instances of laypeople participating in services in the choir Whereas a series of low choir stalls set the inner choir apart from the ambulatory where pilgrims circulated a row of three altars marked marked the threshold between choir and church the public space of the nave The central altar at this threshold zone set directly under a monumental crucifix was dedicated to Sts John the Evangelist and John the Baptist the northern one to the Apostles and the southern one to the Virgin Mary Given these saints status as mediators between God and the world it was appropriate that the holy phalanx both guarded the Sebald shrine and created a lively zone of worship that was accessible to lay visitors Weilandt suggests that the lovely clay statue of the Evangelist from around 1440 now in the ambulatory once graced the St John Altar forming a pendant to the Strahlenkranzmadonna that stands against the neighboring pier the latter he argues shares with the figures of the Schmerzensmann a status as a pictorialized concept in this case the new idea of the Immaculate Conception Together with other sculptures winged retables and embroidered antependia that featured Mary and the Apostles the lateral expanse of the threshold offered beholders a series of points of conceptual ingress into the realm of the sacred Whereas the nave flanked by a coterie of sculpted Apostles on the piers remained largely devoid of paraphernalia so as optimally to facilitate processions and to accommodate the crowds who gathered there to attend masses and sermons the aisles and ambulatory accumulated a rich array of furnishings during the late Middle Ages Not only side altars with winged altarpieces and a changing array of antependia but also painted sculpted and woven

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/359 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Petra Lange-Berndt: Animal Art - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    sichtbar machen könnten Die Autorin fördert bislang unbeachtete schriftliche und bildliche Primärquellen des 18 und 19 Jahrhunderts zutage und beschreibt die diversen Präparationstechniken mit denen sich bis heute Künstlerinnen und Künstler auseinandersetzen Auf dieser Basis erörtert sie im Hauptteil des Buches die höchst unterschiedlichen Strategien der Animal Art Sie sind nur insofern vergleichbar als sie im Gegensatz zu den historischen Wissensobjekten die normative Vorstellung des ganzen Körpers aufgeben um Cluster von Materialien und Praktiken zu bilden S 12 die auf vertrackte Weise das Verhältnis des Menschen zum Tier reflektieren Sicherlich war es die den Präparaten eigentümliche Doppeldeutigkeit die sie zu einem bevorzugten Material surrealistischer Kombinatorik machte S 36 Joan Miros Assemblage Objet poétique 1936 die ein Papagei bekrönt verweist auf die von Künstlern übernommene Rolle reisender Naturforscher deren Erkenntnismöglichkeiten laut André Breton die der Naturwissenschaftler übertrafen Lange Berndt konfrontiert die Selbstauslegung mit dem zeitgenössischen Diskurs der Geschlechter und verdeutlicht dass Weiblichkeitsphantasien die koloniale Herkunft der Trophäe verdrängten Die Fixierung auf die traditionelle Verbindung von Weiblichkeit und Tierheit stellt das den surrealistischen Wahn und Traumgebilden unterstellte Befreiungspotential nachdrücklich in Frage Den Paradigmenwechsel in der amerikanischen Kunst der 50er Jahre und den bislang zu wenig beachteten Stellenwert der Präparate beleuchtet Lange Berndt anhand großformatiger Combines Robert Rauschenbergs in denen Präparate wie Hahn oder Ziegenbock dominieren Odalisque und Monogram Der Künstler bezieht sich explizit auf Präparate in unterschiedlichen urbanen Kontexten so auf ihre Verwendung in Schaufensterdekorationen vor allem aber in dem einflussreichen New Yorker American Museum of Natural History Die Habitat Dioramen die lebensechte Tiere in ihren Biotopen zeigten konservierten mit den trivialen Naturvorstellungen zugleich den für die USA so bedeutungsvollen Mythos ihres paradiesischen Ursprungs Die Tierkörper Felle und Federn entstellt Rauschenberg wenn er sie z B mit Ölfarbe bestreicht fügt er sie gleichsam in das neue Habitat Diorama ein und lässt das was einst Tier war gegen das Material der Kunst kämpfen Annette Messager wählt Spatzen für ihren Generalangriff auf das als natürlich proklamierte Körper und Geschlechtermodell In Installationen der 70er Jahre den Pensionnaires zeigt sie verwahrloste verletzte und zusammengestückelte Vogelbälge umschnürt von Bändern und Hüllen farbiger Wolle oder auch wie Spielzeug auf Räder montiert In der Rolle der guten und der bösen Mutter sowie der Dilettantin umsorgt schmückt und malträtiert sie die Geschöpfe und reiht sie sodann gemäß musealer Präsentationsmuster in Vitrinen auf wo sie den Betrachtern männlich konnotierte Rationalität und Ästhetik vermitteln Messagers Attacken auf die animalischen Relikte so folgert die Autorin gelten der Gewalttätigkeit starrer Zuschreibungen und Grenzziehungen zwischen Mensch und Tier Weiblichkeit und Männlichkeit Dilettantismus und Künstlertum Wenn Mark Dion keinen Unterschied mehr zwischen Plüschtieren Tieren im Zoo und im Fernsehen zu erkennen vermag so zieht er daraus den bemerkenswerten Schluss Kunst im Dienst von Ökologie im Sinn einer Flankierung der ökologischen Bewegung zu begreifen S 170 Lange Berndt diskutiert sein Konzept an seinen pseudowissenschaftlichen naturgeschichtlichen Ausstellungen und Laboratorien Auf Expeditionen studiert Dion die lokale Fauna belässt sie aber vor Ort und verwendet in Installationen als Zeichen ökologischer Nachhaltigkeit Vogelbälge aus naturhistorischen Sammlungen Der aus artfremden Fellen gefertigte

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/375 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Kazeem, Belinda; Martinz-Turek, Charlotte; Sternfeld, Nora (Hg.): Das Unbehagen im Museum - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    von Artefakten aus ehemals kolonisierten Ländern hervorruft beschäftigen sich im Teil Ausgangspunkte Belinda Kazeem und Nora Sternfeld Während es noch immer einige ethnologische Museen gibt die als Konserven des Kolonialismus ein Begriff den Lothar Baumgarten für das Pitt Rivers Museum in Oxford gefunden hat an ihren Sammlungspräsentationen festhalten ist die repräsentationskritische Diskussion der New Museology in vielen Museen nicht folgenlos geblieben Am Beispiel des Musèe du quai Branly analysiert Nora Sternfeld den Doppelcharakter eines neuen musealen Selbstverständnisses das auf die Kritik reagiert und in dem zugleich die Grundfesten des ethnologischen Diskurses unerschüttert bleiben Während das Museum mit Materialien zur Sammlungsgeschichte und künstlerischen Interventionen Selbstreflexivität in das Ausgestellte einführt und damit auf eine der Forderungen die in der museologischen Diskussion immer wieder vorgebracht werden reagiert scheinen diese Brüche die Logik ethnologischer Repräsentation dennoch nicht zu destabilisieren die Lust am Exotischen wird weiterhin bedient Sternfeld bringt zur Analyse dieser Neuorientierung den Begriff des Transformismus von Gramsci ein Veränderung zum Zweck der Machterhaltung Mit der Bezugnahme auf Gramsci soll auch deutlich werden dass hier nicht nur Vereinnahmung der Kritik bedauert wird sondern die Notwendigkeit der Veränderung auch auf eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse verweist immerhin muss der Kritik nun im Museum Platz eingeräumt werden Belinda Kazeem analysiert in ihrem Beitrag die legitimatorischen Diskurse die angesichts von Rückgabeforderungen an ethnologische Museen vorgebracht werden Sie rollt die Diskussion der Rückgabeforderungen zum Anlass der Ausstellung Benin Könige und Rituale im Wiener Völkerkundemuseum 2007 auf und problematisiert die Argumente die gegen eine Auseinandersetzung mit den Forderungen ins Feld geführt werden in ihrer Wiederholung kolonialer Muster Sie macht deutlich dass eine umfassende Auseinandersetzung mit Rückgabeforderungen auf internationaler Ebene die Grundlage von Entwürfen für die zukünftige Ausrichtung ethnologischer Museen sein muss Bemerkenswert dass in der Rubrik Konfliktzonen auch die Kuratorin der Wiener Ausstellung mit einem Beitrag vertreten ist Ihr Text illustriert aus der Innensicht die Unmöglichkeit ein wie sie es selbst nennt für alle akzeptables Ergebnis zu liefern es einerseits der Kritik und andererseits den ökonomischen institutionellen und politischen Anforderungen alles beim alten zu lassen gleichermassen Recht zu machen Der Beitrag zeigt damit einmal mehr dass eine grundsätzliche Hinterfragung und Neuorientierung ethnographischer Ausstellungspraxis nötig ist Eine weitere Auseinandersetzung mit aktueller Ausstellungspraxis ist unter Konfliktzonen eingeordnet Regina Wonisch die gemeinsam mit Roswitha Muttenthaler in Gesten des Zeigens u a auch anhand der Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien einen Beitrag zur Entwicklung eines Analyseinstrumentariums für die Herstellung von Gender und Race in Ausstellungen geleistet hat fokussiert in ihrem Beitrag auf die Spuren des ethnographischen Diskurses im Naturhistorischen Museum Wie kann die Kritik im Museum Folgen haben fragt Nora Sternfeld am Ende ihres Beitrags die Frage nach Entwürfen für einen zukünftigen Umgang mit ethnologischen Museen bleibt nach der Lektüre des Bandes im Raum die Debatte über Handlungsräume bewegt sich von Christian Kravagnas Beitrag über künstlerische Auseinandersetzungen mit dem ethnographischen Blick aus zunehmend aus den bestehenden Museen heraus Peggy Piesche Nicola Lauré al Samarai und Belinda Kazeem teilen im virtuellen Gedankenaustausch zunächst auch ihren Pessimismus gegenüber den Möglichkeiten der Veränderung von Blickregimen in den

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/284 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Höhns, Ulrich; Alberts, Klaus; Moldenschardt, Heinrich (Hg.): Heinrich Moldenschardt 1839-1891 - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    und das Konzerthaus in Leipzig Mit seinem Engagement über die Landesgrenzen hinaus kommt Moldenschardt eine Sonderrolle unter den schleswig holsteinischen Architekten zu Der Schwerpunkt seines Werkes liegt jedoch auf dem privaten Wohnungsbau vor allem auf anspruchsvollen und komplett ausgestatteten Häusern des gehobenen Bürgertums Als Höhepunkt erscheint dabei Moldenschardts Zusammenarbeit mit dem Möbelfabrikanten und Direktor des Flensburger Kunstgewerbemuseums Heinrich Sauermann Mit Hans Dieter Nägelkes Essay Historismus in Schleswig Holstein wird erstmals der Versuch unternommen die schleswig holsteinische Architektur in den gesamteuropäischen Historismus einzuordnen Den Historismus definiert Nägelke einleitend als eine durch die Krisenerfahrungen des Modernisierungsprozesses geprägte intellektuell bestimmte Haltung zur Vergangenheit S 70 In den Herzogtümern Schleswig und Holstein setzte der Historismus demnach erst spät ein Anders als in dem von Revolution und Kriegen erschütterten Kerneuropa habe der Dänische Gesamtstaat von 1773 bis zur Schleswig Holsteinischen Erhebung 1848 eine Phase äußerer wie innerer Stabilität erlebt die nur allmählich von nationalistischen Tendenzen bedroht wurde S 71 Den Historismus in Schleswig Holstein als vergleichsweise späte Erscheinung zu deuten die maßgeblich von Anregungen aus dem Ausland abhängig war ist überzeugend auch wenn die Epoche des sich formal wenig verändernden dänischen Klassizismus differenzierter betrachtet werden sollte Mit Blick auf das 1806 von der dänischen Krone inkorporierte Herzogtum Holstein das 1815 wiederum dem Deutschen Bund eingegliedert wurde den Staatsbankrott von 1813 Uwe Jens Lornsens Verfassungswerk und die 1834 in Kraft getretene Provinzialständeverfassung ist kaum von einer stabilen Phase zu sprechen Ein interessantes Fallbeispiel liefert der seit 1859 geforderte Neubau des Kollegiengebäudes der Kieler Universität das als Zeugnis der kulturellen Eigenständigkeit der Herzogtümer gegenüber dem Dänischen Gesamtstaat verstanden wurde Der erst 1873 76 auf Betreiben des preußischen Kultusministeriums nach Entwurf von Martin Gropius und Heino Schmieden errichtete Bau zeigte jedoch einen eindeutig preußischen Stil Wie Nägelke etwas vorsichtig formuliert sei es gut möglich dass die Berliner Zentralbehörden hier wie auch in den zahlreichen anderen Staatsbauten die nach 1867 in Schleswig Holstein entstanden ein bewusstes Zeichen kultureller Inbesitznahme setzen wollten S 76 Dieser Versuch scheiterte jedoch da in Berlin nach 1871 an Stelle der tektonischen Schinkelschule ein nach Bauaufgaben unterscheidender Stilpluralismus in reicheren Formen bevorzugt wurde Isabel Maria Arends gibt in ihrem Beitrag über die Hase Schule einen informativen und schlüssigen Überblick zu der sicherlich wichtigsten Architekturschule des 19 Jahrhunderts in Norddeutschland Wie Arends betont wurde die erste Phase der Hannoverschen Schule 1835 65 noch vom Rundbogenstil geprägt erst um 1860 entfaltete sich die als Sonderform der Neugotik bekannte Architektursprache Als Student des Zivil Baufaches 1856 59 erlebte Moldenschardt somit genau die Zeit der scharf geführten Stildiskussionen Neben seinen neugotischen Arbeiten kann auch sein Interesse an der Innenarchitektur auf die Ausbildung bei Hase zurückgeführt werden Im Konkreten bleiben die Gemeinsamkeiten jedoch zuweilen unklar so nennt Arends zwar den Einfluss von Hases königlichem Lustschloss Marienburg 1858 62 auf einen neugotischen Wohnhausentwurf Moldenschardts 1861 worin die Übereinstimmungen genau bestehen muss sich der Leser aber anhand der Abbildungen selbst erschließen Henrik Karges Artikel Gottfried Semper als Vorbild behandelt Moldenschardts Schweizer Jahre von der Zeit am Polytechnikum 1860 62 bis 1867 und

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/376 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Martin Dresler (Hg.): Neuroästhetik. Kunst - Gehirn - Wissenschaft - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Anordnung der Beiträge machen deutlich dass der Herausgeber keine klare Linie verfolgt Was bietet also der Band Er versammelt insgesamt 14 kurze Beiträge sehr unterschiedlichen theoretischen Niveaus von denen sich nur die ersten fünf explizit neuroästhetischen Fragen widmen Die restlichen Beiträge verlieren das Gehirn aus dem Fokus und setzen sich mit künstlerischen Aneignungen anderer wissenschaftlicher Disziplinen auseinander Den Anfang macht in populärwissenschaftlichem Jargon gehalten ein Beitrag Manfred Spitzers Ob es eine Gehirnforschung zum Wahren Schönen und Guten gebe wird mit Ja beantwortet eine evolutionistische Teleologie dieser drei Begriffe die dem Zweck der Reproduktion dienlich seien konstatiert sowie die funktionale Lokalisation dieser komplexen philosophischen Begriffe im Gehirn für die nähere Zukunft in Aussicht gestellt Spitzer rekurriert in seiner Darstellung auf ein simples dualistisches Repräsentationsmodell des Gehirns ohne dass er auch nur auf einen Einwand gegen den neuronalen Reduktionismus einginge In seinem Beitrag zeichnet der Herausgeber diejenige Entwicklungslinie der Neuroästhetik nach die von Ramachandran und Zeki ausging Darin gibt er einen bündigen Überblick über die einschlägige Literatur zu dem Thema Allerdings steht sein Plädoyer für eine bescheidene Neuroästhetik die für Einzelaspekte der Kunsterfahrung interessant ist niemals aber eine theory of all liefern kann in Widerspruch zu dem Anspruch wie ihn z B Spitzer im selben Band formuliert In seinem Beitrag über die Neuroästhetik der bildenden Kunst behauptet Erhard Oeser die Neuerungen der Malerei der Moderne besonders derjenigen der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts seien als Auseinandersetzung des Künstlers mit den wirkenden Hirnmechanismen die er bloßlegt zu verstehen Der Gegenstand der Neuroästhetik sei diese innere Vision des Malers der die modulare und massiv parallele Tätigkeit des Gehirns 21 imitiere die nicht nur die Vorstellung einer Mehrseitigkeit eines Gegenstandes sondern wie im Falle des Kubismus ebenso die simultane Darstellung im Bild ermögliche Eine weitere Fallstudie unternimmt Bernd Kersten in der er die ambige Wirkung des Sfumato in Bildern von Leonardo da Vinci neurologisch zu erklären versucht allerdings ohne sich auf konkrete empirische Untersuchungen zu beziehen was seine Ausführungen willkürlich erscheinen lässt Nach dem Block zur Neuroästhetik folgen drei Aufsätze die die Frage nach der Funktionalität von Kunst und Schönheit aufwerfen wobei neurobiologische Aspekte ausgeblendet werden Helmut Leder trägt erneut die Nützlichkeitsthese der Schönheit als Faktor in Reproduktionsprozessen der Arten vor während Franz von Kutschera im Anschluss an Nelson Goodman und Arthur C Danto die kognitiven Aspekte der Kunst gegenüber ihrem emotionalen Gehalt ausspielt wobei er den Nachweis zu erbringen versucht dass neben sprachlicher auch anschauliche Erkenntnisweisen möglich sind Ernst Peter Fischer stellt die These auf dass abstrakte Kunst nicht durch einen intellektuellen Reduktionsprozess sondern durch einen mimetischen Akt zustande komme Die Frage lautet warum malen die Künstler abstrakt und die Antwort heißt weil die Wirklichkeit so ist 67 Die restlichen sieben Beiträge stellen Fallbeispiele dar denen der wohlgemeinte Anspruch gemeinsam ist die Schönheit der durch unterschiedliche wissenschaftliche Verfahren gewonnenen Bilder herauszustellen anstatt nach ihrem Erkenntniswert für die Wissenschaft zu fragen Bilder der Nanowissenschaften Niki Baccile Computergraphiken Herbert W Franke algorithmisch erzeugte Fraktal Bilder Patrick Bangert Gunther Kraut sowie die selten erblickte Blüte der Bilder

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/311 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Oliver Meys: Memoria und Bekenntnis - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    gesamten Topos einer frühneuzeitlichen Residenzstadt ausgedehnt wird Dann erst würde sich zeigen wie der mit Denkmalen bestückte Chor mitsamt der darunterliegenden Gruft innerhalb des komplexen sozialen Gefüges der Residenz bestehend aus Schloss Rathaus und landesherrlichen Behörden wie eine Art ideagenes Senklot wirken konnte wie ein die historische Kontinuität der Dynastie und damit des ganzen Landes verbürgendes Herrschaftszeichen Diese bei materialreichen Arbeiten oft zu beobachtende Verengung des analytischen Blickes zeigt sich auch an anderer Stelle Wäre nämlich ausführlicher und auf frühere Forschungsergebnisse zurückgegriffen worden hätte sich ebenfalls die allmähliche Verlagerung des dynastischen Memorierens weg vom steinernen Monument im Kirchenchor hin zu anderen medialen Formen wie den Castra doloris den Effigies und den gedruckten Funeralwerk besser erklären lassen welche spätestens ab der ersten Hälfte des 17 Jahrhunderts von zentraler Bedeutung für die Repräsentation der lutherischen Dynastien wurden Die komplexe zeremonielle Repräsentation eines deutschen Fürstenhofes um 1650 war eher auf ephemere zeremonielle Großereignisse ausgerichtet als auf eine dauerhafte aber wenig dynamische Monumentalisierung in Form steinerner Denkmale im Kirchenraum 2 Im zweiten Teil widmet sich die Arbeit den Grabdenkmälern selbst ihren spezifischen Formen wie dem Freigrabmal den Tischgräbern den Priants und vor allem den verschiedenen Typen der Wandgrabmäler die wie in Kassel Darmstadt oder Coburg retabelartige Gestaltung annehmen was nicht von ungefähr zur ihrer Bedeutung als altarähnliche Monumente beiträgt Dieser Abschnitt der Untersuchung von Meys ist von einer bisher kaum erreichten Differenziertheit der Betrachtung geprägt wenn es auch fast zwangsläufig zu Überschneidungen bei den Typologien kommen musste In einem daran anschließenden dritten Abschnitt werden die ikonographischen Bildprogramme vor allem der zahlreichen Reliefs aufgeschlüsselt die neben der zentralen Kreuzestheologie des Luthertums immer wieder Tugendenallegorien wie Caritas und Fides und dann ab etwa 1600 die Justitia thematisieren Der daran anschließende Katalog dürfte als Hauptverdienst der Arbeit gelten Hier werden nach topographischen Gesichtspunkten die Grabdenkmale über das gesamte Gebiet des Alten Reichs erfasst Dessen nicht genug werden in einem anschließenden zweiten Katalog auch noch die beteiligten Künstler mit ihren Biographien und ihren Werken vorgestellt Dieser Fundus ist für nachfolgende Forschergenerationen eine einzigartige Materialbasis der umfangreiche Rezeption zu wünschen ist Es bleibt nicht aus dass ein solcher Katalog auch Lücken und Inkonsistenzen aufweist So ist beispielsweise die sozialständische Trennung nicht ganz nachvollziehbar Was mit Landesherren eigentlich gemeint ist wird überhaupt nicht definiert Zwar nehmen den weitaus größten Teil der Untersuchung die Grabdenkmäler von Dynasten ein Entsprechend sind solche von Fürsten Grafen und Herren berücksichtigt Dass aber auch wie im Falle der Grablege der Hatzfeldt in der Pfarrkirche St Sebastian in Friesenhagen vereinzelt reichsritterschaftliche Familien aufgenommen wurden verwundert etwas weil sich der niedere Adel ohne Reichsstandschaft sonst nicht in dieser Untersuchung findet Umgekehrt fehlen vereinzelt wichtige Beispiele dynastischer Provenienz So wird die zahlreiche oberirdische Denkmale umfassende seit 1500 bestehende Grablege der Vögte von Gera und der Grafen Reuß in der Bergkirche St Marien in Schleiz nicht mit aufgeführt Beispiele aus Böhmen und Schlesien fehlen gleich ganz was zumindest im Fall der evangelischen Piastenherzöge und ihrer Grablege in Liegnitz bedauerlich ist Die dafür angegebene Begründung dass diese Gebiete seit 1526

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/328 (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Daniel Parello: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Marburg und Nordhessen - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    rasche Erbauung der Dreikonchenanlage 1243 bereits eingedeckt und die gleich großen Fensteröffnungen erschweren Rekonstruktionsversuche zusätzlich Parello widmet sich auch dieser Aufgabe mit Sorgfalt und überzeugenden Vorschlägen Von dem genannten Achsenfenster ausgehend rekonstruiert er das Programm der zweigeschossigen Chorverglasung mit den spätromanischen Standfigurenfenstern und dem Medaillonfenster der Kreuzigung Christi in der Zentralachse In der oberen Reihe soll Christus mit Maria als Himmelskönigin zu seiner Linken und der heiligen Elisabeth zur Rechten gestanden haben In der unteren Reihe seien die Personifikationen der Ecclesia und der Synagoga zu sehen gewesen sowie die Figur des 1228 heilig gesprochenen Franz von Assisi gewissermaßen das Vorbild Elisabeths Weitere Standfiguren von denen sich nur noch Johannes d T und Bartholomäus erhalten haben sind zu ergänzen jedoch nur für den Scheitel des Chors Auf dessen Langseiten waren Ornamentfenster angebracht die durch ihre Lichtwirkung die zentrale Figurenreihe steigerte Die strenge statuarische Heiligenanordnung wird von Parello in eine schlüssige theologisch liturgische und architektonische Gesamtkonzeption eingebunden Sie bildet den Fond für den Hochaltar in dem der Leib der Heiligen ursprünglich hatte beigesetzt werden sollen bevor in der Nordkonche ihr Mausoleum errichtet wurde Die Nordkonche nimmt Parello als ursprünglichen Standort für den Elisabethzyklus an der heute auf der Südseite des Chors installiert ist Parello folgt hier Andreas Köstler 1 der die Medaillonfenster bereits in diesen Kontext gestellt hatte Kompositorische und motivische Verwandtschaft besteht zwischen den Glasmalereien und den zeitgleichen Reliefs des Elisabethschreins In der Südkonche waren ursprünglich die Zyklen mit den klugen und törichten Jungfrauen sowie der Genesis angebracht Kompositorische Besonderheiten ließen diese Fenster stets als altertümlich gegenüber den anderen Scheiben erscheinen Monika Bierschenk hatte daher in ihrer umfangreichen Dissertation 2 die These vertreten dass sie für den Vorgängerbau gedacht gewesen seien Parello widerspricht und weist nach dass die Maße der Scheiben den gotischen Fensteröffnungen entsprechen zudem wären die Scheiben für die wesentlich kleinere romanische Vorgängerkirche entschieden zu groß gewesen Die gestalterischen Besonderheiten werden ebenso einfach wie überzeugend mit den Schwierigkeiten der ausführenden Werkstatt erklärt traditionelle Bildkonzepte in einer ihr gänzlich unbekannten Fensterform umzusetzen 379 Für die Verglasung des Trikonchos lassen sich anhand der überlieferten Hauptwerke spätomanische Standfiguren Genesis und Elisabeth Medaillonfenster Werkstätten aus Niedersachsen und Köln identifizieren Parello sieht allgemein in den Marburger Glasmalereien auch eine Nähe zum Soester Stilmilieu und eine Verwandschaft zum Goslarer Evangeliar 44 Letzteres wurde innerhalb der Forschung auch schon gegenteilig gesehen 3 ein eindeutiges Urteil mag der Rezensent angesichts der hohen Verlustrate an mittelalterlicher Malerei insgesamt nicht fällen Zu überzeugen vermag aber Parellos eigenständige These nach der die stilistischen Zusammenhänge über die Stationen Straßburg Mainz und Köln verlaufen Einen weiteren Schwerpunkt des Bandes bilden die schönen Glasfenster in Haina neben dem Altenberger Dom die bedeutendste und umfangreichste Ornamentverglasung einer Zisterzienserkirche in Deutschland 138 Hier haben sich 19 Fenster vor allem auf der Nordseite der Kirche erhalten Während Parello für die Erstverglasung eine eigene von Konversen geführte Glasmalereiwerkstatt annimmt die unter der Leitung des Klosterbruders Lupuldus stand welcher seine Signatur auf zwei Scheiben hinterließ werden für spätere Fenster aufgrund stilistischer Erwägungen Importe aus Marburger und Frankfurter Werkstätten

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/329 (2016-02-12)
    Open archived version from archive



  •