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  • Robert Habel: Alfred Messels Wertheimbauten in Berlin - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    unbekannt Bei der Analyse der Warenhausbauten als architektonisch neuen Bautypus beschreibt Habel neben den bekannten stilistischen Vorbildern ausführlich auch Paul Sédilles Warenhaus Au Printemps in Paris 1881 83 als ein mögliches Vorbild für die Grundrissdisposition 118 Dessen zeitliche Priorität wurde bisher von vielen deutschen Autoren ignoriert Des Weiteren kann Habel anhand zweier bisher unbeachteter und undatierter Fassadenpläne Messels nachweisen dass seine Mitarbeiter Paul Kolb und Eugen Schmohl diese für die vierte und letzte Erweiterung des Wertheimbaus am Leipziger Platz 1926 27 ausführten 247 u 349 Ausführlich rekonstruiert er mit Hilfe der zeitgenössischen Quellen die Zusammenarbeit von Messel mit den Ingenieuren und Maschinenbauern So würdigt er Martin Altgelt den Kompagnon Messels als Ingenieur der Konstruktion und Statik des Eisenskeletts 132 Josse und Kuhn hingegen entwickelten die innovative technische Ausstattung der Wertheimbauten u a für Licht Wärme Kühlung vor allem die erste elektrische Fahrtreppe in Europa die 6 000 Kauflustige im Laufe einer Stunde transportieren konnte und damit ein Vielfaches der Kapazität eines Aufzuges besaß 189 Für die hauseigenen Kraftwerke ließ Josse auf Wunsch der Bauherren eine aus dem Industriebau adaptierte Rauchentsorgungsanlage mit modernen Ventilatoren einbauen um den Bau eines 75 m hohen Schornsteins zu vermeiden Mit Erstaunen lernt der Leser dass die Baugrube wegen des hohen Grundwasserstandes zunächst betoniert und erst anschließend entwässern wurde ein Vorgehen das Mitte der 1990er Jahre auch für die Neubebauung des Potsdamer Platzes Anwendung fand 293 Bemerkenswertes Verdienst des Buches ist die differenzierte Darstellung des akribisch recherchierten Werkkatalogs im zweiten Teil des Buches Über die 87 bekannten Bauten Messels hinaus dokumentiert er verschiedene teils bisher unpublizierte undatierte und unsignierte Projektzeichnungen und seine Tätigkeit als Preisrichter Habels Recherchen zu Messels Werken und ihrer Bau und Planungsgeschichte sind beeindruckend Die umfangreichen Quellen und Literaturangaben ermöglichen den Einstieg in eine weitere Forschung zu allen Objekten Souverän und sachkundig stellt Habel zudem das dichte Netzwerk der zumeist aus dem sehr wohlhabenden jüdischen Großbürgertum stammenden Auftraggeber Messels und deren Biographien sowie politische Hintergründe dar Dabei verbindet er geschickt Architektur und Sozialgeschichte Bedingt durch die Zeitläufe wird das Werkverzeichnis zudem zu einer mitunter beschämenden Dokumentation des Umgangs mit jüdischem Eigentum während und auch nach dem Dritten Reich bis hinein in die Gegenwart Die Spannweite von Messels Bauten und Entwürfen zeigt den bemerkenswerten Versuch architektonisch anspruchsvolle Lösungen zu finden Denn neben seinen Entwürfen für großbürgerliche Villen und Verwaltungsbauten für Handel und Industrie galt Messels Interesse seit den 1880er Jahren auch dem Arbeiterwohnungsbau So suchte er nach Alternativen zu den berüchtigten dunklen schlecht belüfteten und daher oft feuchten Berliner Mietskasernen Messels hoher architektonischer Anspruch nimmt dabei auch in der Breite seines Schaffens nicht ab er zeigt ein genauso ambitioniertes Herangehen an die Wertheimbauten wie an den sozialen Wohnungsbau Als Architekt und Vorstandsmitglied des Berliner Spar und Bauvereins wie auch des von ihm gegründeten Vereins zur Verbesserung der kleinen Wohnungen entwickelte er beispielhafte innovative Grundrisslösungen für gesunde Wohnungen mit Querlüftung guter Besonnung und Ausstattung aller Wohnungen mit Innentoiletten Wegweisend ist sein Entwurf das berüchtigte schlecht beleuchtete Berliner Zimmer zu vermeiden indem er die Treppenhäuser in

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/278 (2016-02-12)
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  • Helmut Börsch-Supan: Caspar David Friedrich - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    in den Kontext vorausgehender und nachfolgender Werke Weitere Kapitel sind dem Wegmotiv in Friedrichs ¼uvre den Zeiten Zyklen sowie Grundsätzen der Bildgestaltung gewidmet wobei in letzterem Werner Busch der Vorwurf gemacht wird seine formanalytischen Untersuchungen an Friedrichs Bildern unter Vernachlässigung der Raumorganisation allein auf ihre Flächengestaltung bezogen zu haben und dabei Börsch Supans frühe Untersuchungen zu Friedrichs Formdenken in der Dissertation von 1960 unter den Tisch fallen zu lassen Statt auf mathematische Genauigkeit komme es wie Börsch Supan betont auf die Evidenz für den Betrachtereindruck an Da Friedrich das Gefühl über die Messung gesetzt habe soll nun der wissenschaftliche Betrachter sich daran halten und aufhören die Bilder nachzumessen Was im Rahmen wissenschaftlicher Experimente selbstverständlich legitim ist wird von Börsch Supan zu einer Frage von Weltanschauung und Moral gemacht Ein letztes Kapitel widmet sich Friedrichs Selbstdarstellungen Hier findet sich auch noch einmal eine Zusammenfassung von Börsch Supans Ansichten Friedrichs Forderung an den Maler mit dem geistigen Auge zu sehen gilt auch für den Betrachter Es bedeutet über das Gegenständliche hinaus den dahinter liegenden Sinn und über das Gegenwärtige hinaus das Zukünftige zu entdecken Damit wird das nicht Sichtbare oder doch noch nicht Sichtbare mit ins Bild gebracht das Alltagswissen vor allem aber der christliche Glaube S 200 Festzustellen dass Friedrich mit seinen Bildern einem solchen christlichen Mystizismus verhaftet war ist das eine Ein anderes dies zur einzig akzeptablen Grundlage der Beschäftigung mit dem Künstler zu erklären wie Börsch Supan es tut In einer Art wissenschaftsgeschichtlichen Nachwort Leben und Nachleben entwirft der Autor noch einmal eine Skizze in der sich seine Demut zu zahlreichen Invektiven aufschwingt Die Diagnose bei Friedrich habe sich die Tragik seiner Existenz nach zwei Generationen des Vergessenseins seit seinem Tod im 20 Jahrhundert fortgesetzt weil der Künstler in den Strudel der modernen Kunstströmungen und ideologischen Wirrnisse hineingezogen wurde S 203 erläutert Börsch Supan damit dass die Oberfläche seiner Malerei deren Tiefendimension verschleiert aber auch damit dass lange Zeit ein solides Wissensfundament fehlte Eine widersprüchliche Erklärung waren es doch gerade die Erfahrungen mit und durch die moderne Kunst die überhaupt erst den Blick auf Friedrich wieder ermöglichten und war es nicht zuletzt das hauptsächlich durch die Arbeiten Börsch Supans in den siebziger Jahren gelegte solide Wissensfundament das zu einer beispiellosen Entfaltung der Beschäftigung mit diesem Künstler auf hohem kunsthistorischen Niveau geführt hat Aber einer eben die Börsch Supan nun nicht anzuerkennen bereit ist Der Versuch des Autors sich auf eine abgeklärte und überlegene Position zu stellen misslingt dann auch So wird zwar der Gelehrtenstreit über die richtige Interpretationsweise bei dem immer komplizierter gedacht wird um Evidenz durch Argumentationskunst zu ersetzen S 206 kurzerhand für die heutige kulturelle Bedeutung Friedrichs als unwichtig abgetan Über ihn sich zu beruhigen gelingt dem Autor aber nicht Den Gegnern wird unterstellt dass das eigene Gefühl verkümmert und die Fähigkeit zum Nachfühlen abhanden gekommen sei S 208 Das sind starke Worte Gegen die These von der Sinnoffenheit der Bilder Friedrichs postuliert Börsch Supan stattdessen Botschaften von sprachlichem Charakter Eine irreführende Opposition denn die Tatsache dass

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/283 (2016-02-12)
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  • Albert Dietl: Die Sprache der Signatur - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    A 636 hat doch die Geschichte der italienischen Inschriftenforschung eine Wurzel in der Untersuchung der römischen Marmorkünstler vgl bes Peter Cornelius Claussen Magistri Doctissimi Romani Die römischen Marmorkünstler des Mittelalters Corpus Cosmatorum 1 Wiesbaden 1987 Dietl selbst hat diesen Zusammenhang ebenso wie die Vorreiterrolle von Peter Cornelius Claussen ausdrücklich dargestellt Bd 1 S 26 28 Nicht zu vernachlässigen ist auch die Dokumentationsleistung Dietls sind doch viele Inschriften in ihrem Bestand gefährdet Der fortschreitende Verfall einiger Bauten wird manche Katalognummern leider bald zu Primärquellen machen Man spürt nicht selten auch die Entdeckerfreuden des Autors die sicherlich für die Aufnahme der einen oder anderen Inschrift verantwortlich ist Während man dem Katalogteil allerhöchste Anerkennung zollen wird bleiben im einleitenden Teil Bd 1 S 9 243 vielleicht doch einige wenige Wünsche offen Eine Tatsache die dem Facettenreichtum des Themas geschuldet ist Viele Fragen müssen unbeantwortet bleiben weil das Umfeld in dem die Inschriften formuliert wurden nicht mehr rekonstruierbar ist Warum wird Lanfrancus in Modena gelobt Manche seiner Kollegen andernorts aber nicht Liegt das nur an der Überlieferungsdichte Wer hat die leoninischen Hexamter gedichtet z B Bd 1 S 112 Wer ist für die Rechtschreibfehler verantwortlich wenn es denn welche sind Welche rechtliche Bedeutung hat eine Inschrift in Rom Welche in London Eine wesentliche Leistung bei der Inschrifteninterpretation besteht deshalb darin die beantwortbaren von den unbeantwortbaren Fragen zu unterscheiden Auch wenn die Zahl der möglichen Fragen die der möglichen Antworten übersteigt erfordern dennoch die Inschriften weiterhin viel Arbeit die ein einzelner nicht leisten kann Aus diesem Grund dürfte sich Dietl auch mit voller Absicht auf Teilaspekte des riesigen Gebiets beschränkt haben Das hätte aber deutlicher gemacht werden können Bereits der Titel ist nämlich interpretationsbedürftig Die Sprache der Signatur Die mittelalterlichen Künstlerinschriften Italiens Allerdings ist nicht jede Künstlerinschrift eine Signatur Die Inschriftengattungen werden aber nur in einer Anmerkung vorgestellt sie lautet Unter dem Begriff der Künstlerinschrift werden alle Arten von Inschriften behandelt die Künstlernennungen enthalten also Signaturen im engeren Sinn Grabinschriften von Künstlern sowie Stifter Bau und Weiheinschriften mit Künstlernamen S 31 Anm 89 vgl Bd 2 S 506 Inschriftentyp Eine umfassendere inhaltliche Typologie wird nicht geboten was zwar verständlich aber doch ein wenig unbefriedigend ist Eine steinerne Weiheurkunde mit Künstlernennung ist jedenfalls etwas anderes als eine Signatur im heutigen Sinne Die griechischsprachigen Beispiele hätten dabei die Möglichkeit geboten den Bogen nach Byzanz zu schlagen wo es eine Tradition der Künstlerinschrift gab deren Einflüsse auf Italien vielleicht nicht unwichtig waren Von hier aus wäre wiederum der Schritt in die Antike leicht möglich gewesen denn auch die Antike spielt zwar in der vorliegenden Arbeit eine große Rolle sie hätte jedoch durchaus noch systematischer behandelt werden können An dieser Stelle scheint noch ein weiteres generelles Problem der Materialauswahl auf Die räumliche Eingrenzung auf ein nicht zu eng verstandenes Italien ist sofort einsehbar ebenso die zeitliche Beschränkung auf das ebenfalls nicht zu eng verstandene Mittelalter das der Verfasser um 1350 mit dem Aufkommen der Kunstliteratur abschließt Nicht so leicht verständlich ist hingegen die Auswahl der Inschriftenträger In den Katalog

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/269 (2016-02-12)
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  • Buchmann/Draxler/Geene (Hg.): Film, Avantgarde, Biopolitik - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Foucault Der französische Philosoph hatte erkannt und beschrieben wie der moderne bürgerliche Staat sich um die Reproduktion seiner Bevölkerung z B Arbeitsfähigkeit Gesundheit auf eine Weise kümmert die seinen politischen und wirtschaftlichen Zwecken entspricht Die Herausgeber innen bezeichnen den Begriff der Biopolitik in den Debatten dieser Tage als schillernd ungeschützt davor auch unpolitisch oder reaktionär gebraucht zu werden Das aber liegt auch daran dass Foucaults Werk nicht dagegen immun ist auch wenn er selbst sich eindeutig positionierte Foucault verpflichtet zu sein einem früh Verstorbenen gemessen an dem was er noch vorhatte der nichts mehr revidieren kann scheint es aber zu erschweren sein Denken auch zu kritisieren was doch nötig wäre Da hält man sich lieber an Giorgio Agamben Dass der italienische Philosoph im Reader so stark vertreten ist obwohl seine Fortschreibungen oft sehr misstrauisch untersucht werden liegt auch daran dass er noch verfügbar ist Er kann noch selbst erklären was er gemeint hat Auf YouTube kann man ihn sehen wie er nicht nur doziert sondern auch sehr freundlich Fragen beantwortet Ich erwähne Agambens Internet Verfügbarkeit auch deshalb weil sich Thomas Elsaessers fulminanter Beitrag Konstruktive Instabilität oder Das Leben der Dinge als Nachleben des Kinos mit dem Thema der Web Präsenz und den neuen Verbindungen befasst die dort ständig entstehen und wieder verschwinden Sein Text ist in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit ist sprachlich originell nachforschend Und er bezieht die Wege der Erarbeitung seines Beitrages in die Erörterung mit ein Wege auf denen heutzutage fast alle recherchierend ins Netz hineingehen sich verirren und hoffentlich wieder hinausfinden Auf sehr komische Weise beschreibt Elsaesser wie er die Bezüge zwischen Honda Cog einem Werbefilm für den Honda Accord und dem Kunstvideo Der Lauf der Dinge von Peter Fischli und David Weiss Everybody s Darling auf der documenta 1987 aufdeckt wie seine Internetrecherche ihn hin und herschickt und sich ihm dabei neue Welten eröffnen Elsaessers Text befindet sich im zweiten Teil des Readers Avantgarde Leben als ästhetische und politische Kategorie dieser und der dritte Teil Lebens Formen des Kinos enthalten die interessantesten Texte Im zweiten Abschnitt findet sich auch der Beitrag des Literaturwissenschaftlers Peter Bürger Es war eine glückliche Idee den Autor eines Standardwerkes über eines der drei Themen einzuladen seine neuen Überlegungen vorzustellen statt ihn nur zu zitieren Bürger hatte 1974 seine Theorie der Avantgarde veröffentlicht Hier äußert er sich nun über Lebensbegriffe der Avantgarden so der Titel des lesenswerten Textes der aber nicht nur zurückblickt sondern mit einem Appell endet der von einer An Klage ausgeht Da es sich ursprünglich um einen Vortrag handelte hat der Text tatsächlich schon etwas ausgelöst nämlich kontroverse Reaktionen Bürger ist bestimmt nicht zufällig als ältester Beitragender eine Ausnahme in dem Band indem er nicht nur konstatiert beklagt sondern auch appelliert Und er beschwört eine Hoffnung herauf auf diejenigen die noch fähig seien den ökonomischen Zerstörungskräften Einhalt zu gebieten das intellektuelle Prekariat ohne es so zu nennen Und da Exemplare dieser Spezies auch als Leser innen in den Reader hineinschauen werden ist der Text nach der

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/262 (2016-02-12)
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  • Gabriele Köster: Künstler und ihre Brüder - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    gelungen Die Dokumente zur Steinmetz und Goldschmiedefamilie Gruato die über Generationen hinweg der Scuola Grande della Misericordia angehörte geben freilich keinerlei Auskunft über etwaige künstlerische Tätigkeit Nr 755 762 Bekannt ist jetzt das Sterbedatum Vittore Gambellos genannt Camelio 1527 das Gabriele Köster anhand der Begräbniskosten im Archiv der Scuola Grande San Marco korrigieren konnte Ihre Entdeckung der Handschrift De origine delle scuole o fraterne di Venezia des Jacopo Grillo aus dem Jahre 1584 mit Listen der Guardiani Grandi 81 gibt zwar Einblick in die Zusammensetzung der Vorstände über mehrere Generationen bestätigt aber den Eindruck dass Künstler in leitenden Funktionen der Scuole Grandi keine große Rolle spielten Die Dokumente sind größtenteils in den Fußnoten zu finden wobei man bedauert dass bei den Zitaten von bereits bei anderen Autoren publizierten Archivalien Auslassungen nur in seltenen Fällen kenntlich gemacht sind Damit ist der praktische Wert dieser erneuten Zitate für weitere Forschungen erheblich geschmälert Eine Art Regest mit entsprechender Literaturangabe hätte in den meisten Fällen genügt ein vollständiger Dokumentenanhang am Ende hätte das Buch dagegen zu einem Standardwerk machen können Das Kapitel Bilder die nie gemalt wurden 236 252 beschäftigt sich mit Tizians langjährigen Problemen mit der Scuola Grande San Rocco So kann Gabriele Köster 1526 als Eintrittsjahr Tizians bestimmen also viel früher als bisher angenommen Der Maler sollte 1551 aus der Bruderschaft ausgeschlossen werden weil er seine Mitgliedsbeiträge fast zwei Jahrzehnte nicht entrichtet hatte was ihm jedoch gegen einen freiwilligen Pauschalbetrag erlassen wurde Sein Antrag von 1553 das große Gemälde für die Stirnwand im Albergo zu malen wurde vom Generalkapitel freilich mehrheitlich abgelehnt und das obwohl Gabriele Köster eine Intervention zu seinen Gunsten von Seiten befreundeter Confratelli vermutet Schließlich malte Tintoretto die große Kreuzigung dann nach 1565 Breiten Raum widmet Gabriele Köster im Kapitel Brüderliche Fürsorge 157 ff Tizians Tempelgang Mariä im Albergo der Scuola Grande di Santa Maria della Carità weil sie glaubt die Ikonographie mit der Praxis der Mitgiftvergabe an bedürftige Mädchen verbinden zu können Das war jedoch in allen Bruderschaften elementarer Bestandteil der karitativen Tätigkeit andererseits ist das ikonographische Thema dem Marien Patrozinium der Scuola geschuldet Von einer spezifischen Kontextualisierung wird man also kaum sprechen können Genau so wenig überzeugen die Erläuterungen zur Bedeutung der drei jungen Frauen in der Mitte des Bildes die rotgekleidete Gestalt kann mangels Attributen kaum als Personifikation Caritas identifiziert werden und die hell gekleidete angeblich barfüßige 160 161 Gestalt davor trägt eben doch Sandalen Somit scheidet eine Deutung als Tugend Humilitas auch hier aus Eine als Braut gekleidete Mitgiftanwärterin ist sie aber wohl auch nicht denn Schleier und gelbes Gewand sind in der fraglichen Zeit als Brautkleidung nicht bekannt Eher kommt eine Deutung als Elisabeth in Frage die in der Literatur vorgeschlagen wurde Die familienpolitischen Konnotationen der anderen Begleitpersonen 162 f sind ebenfalls nicht nachzuvollziehen Der Besonderheit von Tizians Bild wird man nicht gerecht wenn man nicht von dessen gestalterischen Qualitäten spricht Übrigens bekam Tizian in der Carità keinen weiteren Auftrag die anderen beiden Bilder für den Albergo wurden anschließend von sonst kaum bekannten Malern

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/270 (2016-02-12)
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  • Lampugnani/Frey/Perotti (Hg.): Anthologie zum Städtebau - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Einführungen mit Angaben zur Quelle und zum Autor erschlossen Beiden Bänden ist zudem ein chronologisches Textverzeichnis sowie ein Autorenverzeichnis beigegeben welche die Navigation durch die über 1500 Seiten erheblich erleichtern Ein wenig zu kurz geraten ist vielleicht das Vorwort dem man gerne die leitenden Ideen bei der Auswahl der Themenfelder entnommen hätte Eine heuristische Vorbestimmung der Oberthemen in diesem Fall der Stadt der Aufklärung und der Metropole des industriellen Zeitalters hätte eine willkommene Hilfestellung für den Leser geboten Mit der Stadt der Aufklärung und der Metropole des industriellen Zeitalters sind bereits im Untertitel zwei unterschiedliche Stadtkonzepte benannt deren Implikationen in den beiden Bänden beleuchtet werden Dabei widmet sich der erste Teilband vorwiegend den von der Aufklärung beeinflussten Ideen zur Stadt während Band 1 2 Theorien zur entstehenden Metropole in den Blick nimmt Die Texte von Band 1 1 umfassen im Wesentlichen den Zeitraum von 1706 bis 1850 nur wenige Texte stammen aus späterer Zeit Im zweiten Band stammt hingegen nur ein einziger Text aus der Zeit vor 1810 und die Dokumentation reicht bis 1899 Die Diskurse überschneiden sich in den Jahrzehnten vor 1850 Aufgrund dieser beiden Bezugspunkte kehren die im ersten Band verhandelten Grundthemen im zweiten Band in veränderter Perspektive wieder Dabei handelt es sich um die Formulierung eines städtischen Ideals Ideale Stadtkonzepte Die Stadt als Verkehrs und Kommunikationssystem Fortschritt als Ideologie Die technisierte Stadt der Zukunft Die entsprechenden Kapitel stehen an Anfang und Ende der Anthologie Während im ersten Band eine große Zahl an Autoren zu Wort kommt werden in Band 1 2 die Texte aufgrund der Reservierung des wissenschaftlichen Diskurses für Band 2 immer literarischer und visionärer So überrascht es nicht an dieser Stelle auf Jules Verne und andere Beispiele von Zukunftsliteratur zu stoßen Bei den weiteren Themenkomplexen handelt es sich um eine dezidiert kritische Perspektive auf die Stadt Der antiurbane Reflex Kritik der industrialisierten Stadt Ideen zur bequemen und schönen Ausgestaltung der Stadt sowie deren technische Umsetzung Architektur und Monument Embellissement der europäischen Stadt Erneuerung infrastrukturelle Ausstattung und Begrünung der bürgerlichen Stadt sowie die Bestimmung des Verhältnisses von Stadt Gesellschaft und Politik Gesellschaftsvisionen und die Neudefinition von Stadt Politisierung des Städtebaudiskurses Wohnungsfrage und Arbeiterstadt Das Spektrum der Themen wie auch der versammelten Texte ist sehr breit und lädt zu ausführlichen theoretischen Entdeckungsreisen ein Zu allen zehn Themenbereichen wurden durchgehend relevante und spannende Texte ausgewählt in denen die jeweiligen Stadtvorstellungen sehr greifbar werden Die Fülle an Material lässt Nachforschungen zu verschiedensten Fragestellungen zu die auch über das Gebiet des Städtebaus hinausreichen Nicht nur Novizen in der Stadtforschung können hier viel Neues entdecken Durch die vorangestellten Einführungen zu Text und Autor wird das Umfeld der Entstehung der einzelnen Texte konkret nachvollziehbar In den Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln wird ein Überblick über die Textauswahl und in Teilen auch über die weitere Erforschung des Themas gegeben Die in ihrer unterschiedlichen Herkunft begründete Disparität der Texte wirft zahlreiche Fragen auf doch macht dies gleichzeitig den Reiz der Zusammenschau aus so dass davon auszugehen ist dass sich hieraus neue Perspektiven auf den

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/279 (2016-02-12)
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  • Gudrun Rhein: Der Dialog über die Malerei - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    sind die einzelnen Unterkapitel jeweils sehr informativ besonders erwähnt seien die instruktiven Darlegungen zum Dialogo als Reaktion auf Vasaris Vite 194 197 Hier wird das wichtige Thema des Städtelobes untersucht Vasari und Dolce haben Kunsttheorie jedenfalls nicht nur als Selbstzweck betrieben Wer will kann sich an manche Diskussionen der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts erinnern als die demokratische Ungegenständlichkeit mit der undemokratischen Gegenständlichkeit kontrastiert wurde Vasaris Vite sind offenkundig zu einem großen Teil ein Lob der Stadt Florenz das implizit und explizit eine Herabsetzung anderer Städte enthält nicht zuletzt Venedigs Darauf reagiert Dolce mit einem besonderen Lob Venedigs Und dieses Lob personalisiert Dolce in der Gestalt Tizians Aus diesem Grund besitzt der Dialogo auch die erste veröffentlichte Tizian Vita Sie wird ebenfalls von der Verfasserin auf diesen Seiten ausführlich gewürdigt 199 204 Mit sicherem Gespür erkennt und benennt sie dabei wiederum die rhetorischen Topoi die Dolce benutzte Natürlich wird auch betont wie hoch Kaiser Karl V den Maler schätzte Im Gegenzug war es natürlich für Dolce erforderlich den Ruhm Michelangelos zu demontieren in dem sich das florentinische Städtelob Vasaris personalisiert hatte Trotz der großen Zuneigung zu Tizian bleibt es überraschend warum Dolce überhaupt keine Wertschätzung für Tintoretto aufbrachte den er kritisierte ohne ihn namentlich zu erwähnen Man gewinnt den Eindruck Dolce habe letztlich einfach eine persönliche Abneigung gegen den Maler gehabt weshalb er sogar darauf verzichtete seinem Lob der venezianischen Malerei eine noch breitere Basis zu geben In diesem Zusammenhang gelingt der Verfasserin die überzeugende Identifikation eines von Dolce erwähnten Gemäldes mit Tintorettos Votivbild der Kämmerer Giorgio Venier und Alvise Foscarini 105 Ein schöner Fund der dazu beiträgt den Dialogo besser zu verstehen Bisher glaubte man nämlich das betreffende Gemälde als Werk Tizians identifizieren zu müssen was aber der Logik des Textes widerspricht Vasari war selbst ein bedeutender Künstler Dolce hingegen war Schriftsteller vielleicht würde man ihn heute als Feuilletonisten bezeichnen jedenfalls war er im Sinne des 16 Jahrhunderts kein Fachmann in künstlerischen Fragen sondern ein Laie Es war für ihn daher wichtig den Lesern des Dialogo verständlich zu machen wieso er überhaupt ein Kunsturteil abgeben könne Gudrun Rhein widmet dieser Frage das fünfte und letzte Kapitel ihrer Überlegungen 207 227 Letztlich geht es hier aber nicht nur um den Laien Dolce selbst sondern ebenso um alle anderen Laien die ja die Mehrheit der Bildbetrachter sind Inwieweit dürfen sie ein Kunstwerk beurteilen Dolce fordert seine Leser mehrfach dazu auf anhand der von ihm gegebenen Grundbegriffe selbst Bilder zu vergleichen zu deuten und nach ihrer Qualität zu beurteilen Man darf Dolce unterstellen er habe auf diese Weise Propagandisten für die Sache der venezianischen Malerei erziehen wollen Der Dialogo führt dann exemplarisch vor wie ein solches Kunstgespräch geführt werden kann So wie Gudrun Rhein Dolce charakterisiert wird der Unterschied seiner Abhandlung zu den Lebensbeschreibungen Vasaris gut erkennbar Anders als Dolce blickt Vasari eben doch viel weiter über den lokalen Tellerrand hinaus und er hat eben doch ein erheblich stärkeres Interesse an harten wissenschaftlichen Fakten von denen er ja auch erheblich mehr liefert

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/232 (2016-02-12)
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  • Dietrich Erben: Komponistenporträts - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    etwa von Dichtern oder Philosophen zutreffen können konzentriert sich Erben im Falle des Komponistenporträts auf dessen Potential in Einzelfall einen Dialog zwischen den Protagonisten zweier Künste einmal der Musik das andere mal der bildenden Kunst manifestieren zu können Dieses Ziel fasst der Autor gleich am Anfang wie folgt zusammen Hauptanliegen des Buches ist es ausgehend von den persönlichen Beziehungen zwischen Komponisten und bildenden Künstlern den vielfältigen ästhetischen Konstellationen auf die Spur zu kommen die beide miteinander verbanden 12 Neben dem Allgemeinen das Porträt als ein weit über das bloß Wiedergebende des Naturvorbildes hinausgehendes künstlerisches Psychogramm aktivieren zu können kommt das Spezifische hinzu wenn es außerdem zum Manifest des traditionsreichen Diskurses über die Beziehungen und Gemeinsamkeiten von Musik und bildender Kunst verkörpert im Komponisten und Porträtisten avanciert Gerade in diesem Sinne beanspruche so Erben das Komponistenporträt zumindest im Einzelfall eine gattungsimmanente Identität wenn es in besonderem Maße Assoziationen mit der unsichtbaren Musik des jeweiligen Tondichters hervorrufe Das Komponistenbildnis stellt sich aus dieser Sicht als eine visuelle Evokation von Musik dar 19 Dem Verfasser ist die Brisanz einer solchen Feststellung im Hinblick auf die Gefahr unzulässiger Verallgemeinerung und Pauschalisierung wenn nicht Banalisierung des Phänomens des Musikalischen in der bildenden Kunst bewusst weswegen er sogleich relativierend die Notwendigkeit der jeweils individuellen Werkanalyse und die Berücksichtigung der historischen Bedingtheit jedes einzelnen Porträts betont Zugleich offenbart sich in solchen Überlegungen ein gewisses Dilemma des ganzen Buches nämlich eine Gratwanderung zwischen dem fragilen Gebäude mutmaßlicher gattungsspezifischer Phänomene auf der einen und singulären Künstler bzw Werkeigenschaften auf der anderen Seite bewältigen zu wollen Schon das breite Spektrum der hier gezeigten Bildnistypen Einzelbildnis Gruppenporträt denkmalhafte Skulptur Büste Scherenschnitt Karikatur Totenmaske Szenenfotographie ist für die Definition von Gemeinsamkeiten und Spezifikationen a priori hinderlich Was haben die ausgewählten Werke gemeinsam was unterscheidet sie von anderen Bildnissen Man wird Erbens Buch gewiss nicht gerecht wenn man die Suche nach dem Typischen des Komponistenporträts als bohrende Frage vehement in den Vordergrund stellt Die Gewichte sind schon rein äußerlich anders gelagert Während die übergreifenden Überlegungen zur Gattung gerade mal 13 Seiten füllen beansprucht die virtuelle Pinakothek der 86 chronologisch geordneten Werke auf 175 Seiten eindeutig die größte Aufmerksamkeit Und dies zu Recht 86 höchst unterschiedliche Porträts von abendländischen vorwiegend europäischen Komponistinnen und Komponisten aus vier Jahrhunderten darunter die prominentesten Bach Mozart Beethoven etc aber auch weniger bekannte und teilweise vergessene etwa Nicholas Lanier Marianne Martinez oder Georges Auric geschaffen sowohl von den bedeutendsten und berühmetsten Künstlern der jeweiligen Epoche wie auch von mittelmäßigen Auftragsporträtisten und in einigen Sonderfällen als Selbstbildnisse von den Musikern selbst Schönberg Gershwin Hindemith Nach eigenem Bekunden unternimmt der Autor den erstmaligen Versuch Komponistenbildnisse parallel aus kunst und musikwissenschaftlicher Perspektive zu betrachten Für eine Gesamtschau auf diese spezielle Porträtgattung mag der Originalitätsanspruch angemessen sein im Einzelfall ließe er sich freilich widerlegen Erbens kenntnisreiche Einführungen und erhellende Deutungen die er den 86 Bildnissen beilegt sind Kombinationen aus Kurzbiographien des Dargestellten bisweilen mit Anekdoten aufgelockert dessen Positionierung in der Musikgeschichte interpretierenden Bildbeschreibungen und soweit gegeben Darlegungen der persönlichen Beziehung zwischen Komponisten und

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/276 (2016-02-12)
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