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  • Astrid Bähr: Repräsentieren, bewahren, belehren: Galeriewerke - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Gaben bestimmte Publikationen bzw Herausgeber und Stecher in Europa den gestalterischen Ton an Wie muss man sich bei diesen ambitionierten Reproduktionsprojekten die Zusammenarbeit zwischen Sammlern Herausgebern Verleger und Stecher vorstellen Welche spezifischen Formen der Wissensvermittlung erlaubten Galeriewerke Welches Publikum erreichten sie überhaupt Um diese Fragen zu beantworten gliedert Bähr ihre Untersuchung in sieben chronologisch angelegte jeweils mehrere Stichsammlungen berücksichtigende Kapitel Obwohl eine thematische Herangehensweise die z B Entstehungsprozesse Rezeptions und Diffusionswege Fragen zur Geschichte des Geschmacks und der Kanonbildung etc sicherlich auch interessante Erkenntnisse zutage gebracht hätte erweist sich die grundsätzliche Entscheidung der Autorin einem typologisch chronologischen Ansatz den Vorzug zu geben als äußerst sinnvoll Es ermöglicht ihr die Geschichte der behandelten Galeriewerke mit großer Selbstverständlichkeit mit der allgemeinen Geschichte der dargestellten Sammlungen in enge Verbindung zu setzen ein Novum in der Forschung über Reproduktionsgrafik Die Arbeit beginnt mit einer präzisen sammlungs und kunstgeschichtliche Einordnung der zwei ältesten als Matrix des Genre identifizierte Galeriewerke das Theatrum Pictorum von David Teniers Antwerpen 1660 bezogen auf die Sammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelms und das unvollendet gebliebene Tableaux du Cabinet du Roy Paris 1677 1679 über die königliche Gemäldesammlung in Versailles 23 76 Von diesen Publikationen ausgehend beleuchtet Bähr dann die um 1700 vor allem in Italien dem deutschsprachigen Raum und den Niederlanden quasi simultan erfolgte Etablierung des Genres 77 100 Sie zeigt wie in der Mitte des 18 Jahrhunderts das berühmte Recueil d Estampes des Pariser Sammlers Pierre Crozat Paris 1729 1742 einen Paradigmenwechsel einleitete in dem er nicht eine Sammlung sondern kunstwissenschaftliche Überlegungen in den Mittelpunkt stellte 101 136 wie anschließend gerade im deutschsprachigen Raum mit seinen zahlreichen miteinander konkurrierenden Residenzstädten und kulturellen Zentren ein regelrechter Boom der illustrierten Museumsliteratur die Geburt des öffentlichen Museums aus dem Geiste der Aufklärung begleitete 137 212 wie parallel dazu vor allem in Frankreich und England die Explosion des europäischen Kunstmarkts das Bedürfnis nach visuellen schnell verbreitbaren Informationen über private Gemäldesammlungen ähnliche Folgen hatte 213 294 eine Spannung zwischen Kommerz und höfischer Repräsentation die zum Experimentieren mit Formen und Formaten von Galeriewerken einlud wie Bähr am Beispiel der realisierten und nicht realisierten Galeriewerke für die Düsseldorfer und die preußisch königliche Gemäldegalerie in Berlin 295 356 überzeugend darstellt Ihrem Vorsatz entsprechend nur frühe Galeriewerke zu berücksichtigen beendet Bähr ihre Untersuchung mit zwei in Paris privat initiierten Publikationsprojekten die ihren Abschluss erst im ersten Jahrzehnt des 19 Jahrhunderts hatten Galerie du Palais Royal und Galerie de Florence et du Palais Pitti 357 410 Diese Entscheidung der Autorin sich auf Galeriewerke zu beschränken die bis zur Französischen Revolution erschienen leuchtet aus praktischen Gründen ein Dennoch wirkt die um 1800 gesetzte Zäsur angesichts der Fülle und der Qualität der gestochenen Publikationen die gerade zwischen 1802 und 1815 den Ausbau des Louvre in Paris begleiteten und den nie wieder erreichten Höhepunkt des Genres darstellt etwas frustrierend zumindest künstlich der Stoff hätte allerdings allein für sich einen weitere Band in Anspruch genommen Wie dem auch sei durch ihre scharfe Fokussierung auf ca 25 Stichwerke gelingt es Astrid Bähr eine repräsentative und

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  • Samuel Y. Edgerton: The Mirror, the window and the telescope - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    konnte wie sie konstruiert wurden noch warum Brunelleschi bei ihrer Präsentation den Umweg über einen Spiegel wählte Gegen die Mehrheit der Forscher optiert Edgerton nicht für ein Grund und Aufrissverfahren sondern für die Verwendung des Spiegels schon beim Entwurf Ein solcher allerdings hätte den in der Rekonstruktion untergeschobenen Schachbrettboden überflüssig gemacht den Edgerton jedoch braucht um Brunelleschi im Sinne der Urknall These auch gleich die Entdeckung der Koinzidenz von Aug und Fluchtpunkt zuschreiben zu können den er nun nicht mehr anachronistisch als vanishing sondern ideosynkratisch als certification point bezeichnet Die mittelalterliche Spiritualität der Perspektive hatte Edgerton bislang vor allem an der Forderung Roger Bacons nach geometrischen Visualisierungen des wörtlichen Schriftsinns festgemacht die er vorschnell mit der Entwicklung perspektivischer Bilder kurzschloss Als neuen Gewährsmann präsentiert Edgerton nun den Florentiner Erzbischof Fra Antonino Pierozzi dessen Optikanalogien und Paulus Exegesen zum Leitmotiv seiner Studie werden Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht 1 Kor 13 12 1975 hatte Edgerton vermutet Brunelleschi präsentiere seine Baptisteriumstafel im Spiegel um die Bildoberfläche zu eliminieren und die Identität von Bild und Wirklichkeit theatral zu inszenieren Oh maestro ließ er damals einen fiktiven Betrachter sagen truly I see no difference between your painting and our own San Giovanni 1975 152 Auf die schlechte Qualität der neuzeitlichen Spiegel aufmerksam geworden formuliert Edgerton seine Interpretation nun um und nutzt sie zugleich als Argument für seine Behauptung der spirituellen Motivation Brunelleschis Tatsächlich gehe es diesem gerade nicht um den Aufweis der Identität von Welt und Bild sondern im Gegenteil um eine paulinische Lektion der Differenz In our mortal world just as in my mirror so lässt er ihn nun dozieren you see the Baptistery only enigmatically Not until you are in heaven face to face with God will you at last behold its true reality 2009 53 So berechtigt die Kritik an der einseitig rationalen Deutung der Perspektive ist so abwegig ist Edgertons Interpretation der Experimente Das Bemühen das Jahr 1425 als Epochenschwelle zu etablieren verführt Edgerton zu problematischen Vorher Nachher Vergleichen die teilweise an den Besonderheiten der einzelnen Bilder vorbeigehen und so weit führen dass er den Bruch zwischen den Zeitaltern horizontal durch Donatellos Festmahl des Herodes verlaufen sieht Stärker als zuvor erkennt er vor allem im Werk Fra Angelicos jedoch auch die Ambivalenz der Perspektive die sowohl göttliche Ordnung als auch ein bloß irdisches Maß anzeigen kann Den entscheidenden Schritt zu ihrer Säkularisierung erkennt er in Albertis Traktat De Pictura von 1435 der seines Erachtens technisch kaum über Brunelleschi hinausgeht aber dessen Metaphysik durch humanistische Moral ersetzt Zeige Brunelleschis Spiegel die Natur noch als schwachen Reflex der Schöpfung oder gar des Himmels öffne sich sein Fenster auf die irdische wenn auch moralisch geschminkte Natur oder istoria 129 und mache den Himmel wie Raffael und später Galileo der Erde gleich Allerdings ließe sich mit Alexander Perrig auch das genaue Gegenteil behaupten nämlich dass gerade die auf der Idee des Zentrumsstrahls aufbauende monofokale Perspektive eine Beziehung zum Übernatürlichen herstellt

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/277 (2016-02-12)
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  • Casanova: Theorie der Malerei, hg. von Roland Kanz - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    der Manier sowie Gewanddarstellungen religiösen Gebräuchen oder Allegorien gewidmet die in Unterkapiteln und mit überwältigend zahlreichen Beispielen aus der Kunstgeschichte erörtert werden Er beschreibt die Physiognomie und ihren Ausdrucksgehalt den Knochenbau die Muskulatur und die Ponderation sowie Haltung und Ausdruck des menschlichen Körpers alles was ein Maler zur Komposition klassizistischer Figurengruppen beherrschen musste Die Ausführlichkeit mit der Casanova u a die gesamte Literatur der Antike einbezieht und in Fußnoten zitiert ist in der nicht enden wollenden Aneinanderreihung von Beispielen schon fast kurios So erledigte er beispielsweise die Beschreibung antiker Gewänder in ganzen zwölf Heften ein für allemal Er forderte dass Historienmalerei einen historisch korrekten Eindruck bis in die Einzelheiten der Mimik Frisuren Kleidung und Attribute vermitteln und der Künstler somit durchaus für Gelehrte arbeiten müsse Zu diesem Zweck trug er einen umfassenden ja gleichsam überquellenden Fundus an Detailkenntnissen zusammen Diese Fülle theoretischen Wissens ließ Casanovas eigene schöpferische Tätigkeit dagegen blass aussehen Offenbar hatte er seine Kräfte mit dem Verfassen des Manuskriptes erschöpft so dass z B die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister von ihm außer seiner Darstellung des Propheten Jesaias nach Raffael keine weiteren Werke besitzt DasRezeptionsgemälde Odysseus und Kalypso 1768 befindet sich heute im Archiv der Hochschule der Bildenden Künste zu Dresden Der gewaltige Umfang der Theorie sorgte wohl auch dafür dass die Manuskripte zu Lebzeiten nicht gedruckt erschienen obwohl seine Vorlesungen unter den Zeitgenossen großen Zuspruch fanden Casanovas Stellung in der deutschen Kunst des ausgehenden 18 Jahrhunderts wäre betont Kanz nie vergessen worden wenn er seine Theorie der Malerei hätte publizieren können Nachdem Kanz diese Theorie erstmals herausgegeben hat erhellen nun Biographie und kunsttheoretische Schrift einander gegenseitig Was als Unterrichtsstoff für Akademieschüler konzipiert war erweist sich heute als wertvolle Quelle zum Kunstgeschmack des späten 18 Jahrhunderts Dieser sollte sich durch nachahmende Orientierung an den Werken der italienischen Renaissance und des französischen Klassizismus ausbilden von denen Casanova eine große Zahl anführt Vor allem aber galten ihm die antiken Kunstwerke als unzweifelhafter Maßstab an dem sich die Kunstwerke seiner Gegenwart sich messen lassen mussten Da er die Historienmalerei als Leitgattung ins Zentrum seiner Theorie stellte kamen Porträt Landschafts und Genremalerei zu kurz Ja er sah sie so wenig als gleichwertige Kunstgattungen an dass er seinen Akademiekollegen Graff und Zingg sogar lange das Professorenamt verweigerte Bei aller Materialfülle und trotz des Ehrgeizes ein umfassendes Werk zu schaffen das alle vorherige theoretische Literatur verarbeitet und in den Schatten stellt vertritt seine Malerei Theorie deshalb aus heutige Sicht nur einige Facetten damaliger Kunstlehre diese jedoch mit Staunen erregender Vollständigkeit Um ein komplettes Bild der Kunsttheorie des 18 Jahrhunderts zu erhalten müssen daneben Autoren wie William Gilpin Johann Georg Sulzer Karl Heinrich Heydenreich Christian Cay Lorenz Hirschfeld Wilhelm Gottlieb Becker oder auch Johann Christian Klengel herangezogen werden Besonders Hagedorns Betrachtungen über die Mahlerey 1762 sowie seinen hochinteressanten Briefen wäre eine Neuedition zu wünschen Damit fände Casanovas umfassende und in die Details gehende aber dennoch einseitige Theorie wie ihre vorbildliche Edition im Phantasos Verlag ihr Pendant Giovanni Battista Casanova muss ein widersprüchlicher Charakter und schwieriger Kollege

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  • Kristin Marek: Die Körper des Königs - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    10 Monate vor der Bestattung des Vaters schon im Amt war Zudem kann Marek überzeugend nachweisen dass die nicht mehr erhaltene Effigies Eduards II höchstwahrscheinlich ein ungewöhnlich veristisches Körperbild darstellte das mit dem überindividuellen auf Unsterblichkeit angelegten Abstraktum eines politischen Körpers kaum in Einklang zu bringen ist In der Tat gibt es mehr Fragen als Antworten wenn man Kantorowicz Zwei Körper Lehre auf die Effigies Eduards II projiziert Unter diesem Blickwinkel betrachtet ist Mareks neuer Interpretationsversuch ebenso sinnvoll wie notwendig Kerngedanke ihres Ansatzes ist die Funktion der Effigies als Verkörperung des Heiligen im königlichen Bestattungszeremoniell des englischen Spätmittelalters Schon Giorgio Agamben hat in seiner 1995 erstmals publizierten Schrift über den Homo Sacer das königliche Double mit dem Begriff der Heiligkeit in Verbindung gebracht 2 Allerdings liegt seiner Argumentation eine Figur des römisch antiken Rechts zugrunde und entspricht damit nicht unbedingt mittelalterlich christlichen Heiligkeitsvorstellungen Auch ist es Marek zufolge durchaus problematisch die englische Effigies des 14 Jahrhunderts als Ausdruck einer im Königskörper versammelten souveränen Macht im Sinne Agambens zu bewerten 217 Folglich ist ihre Idee des heiligen Körpers weniger auf Agambens Theorie des Homo Sacer ausgerichtet sondern bezieht sich auf die schon lange etablierte Vorstellung vom König als mittelalterlichem Wunderheiler Bereits 1924 veröffentlichte Marc Bloch seine umfassende Studie über die Rois thaumaturges 3 Darin untersuchte er jene seit der Mitte des 13 Jahrhunderts nachweisbaren thaumaturgischen Fähigkeiten der Könige als öffentlich wahrnehmbaren Ausdruck eines geheiligten Königtums im französischen und englischen Mittelalter Für Marek bieten Blochs Erörterungen nun die ideale Voraussetzung die Effigies Eduards II als heiligen Körper zu interpretieren Dessen wundertätige Fähigkeiten sind allerdings nur ein Gesichtspunkt im außerordentlich breit angelegten Spektrum ihrer wissenschaftlichen Argumentation Gerade in England lässt sich eine Tradition der heiligen Könige seit der angelsächsischen Zeit nachweisen wobei die Gruppe der königlichen Märtyrer nicht nur zahlenmäßig eine bedeutende Rolle spielte In der Absetzung und angeblich brutalen Ermordung Eduards II ist dieses heiligende Martyrium 154 wieder greifbar Höhepunkt der königlichen Heiligenverehrung im mittelalterlichen England ist indes der Kult um Eduard den Bekenner in der Abteikirche von Westminster Nach der Bestattung Eduards II in der ehemaligen Abteikirche von Gloucester entwickelte sich ein vergleichbarer Heiligenkult an dessen Grab Überdies unterschied die Krönungszeremonie bei Eduard II erstmals eine sakrale und eine profane Thronsetzung wodurch die Heiligkeit des mittelalterlichen Königs in neuer Form regularisiert wurde Diese und noch andere historische Hinweise sind Indizien für Mareks These dass in der Effigies Eduards II nicht ein politischer Körper im Sinne Kantorowicz sondern ein heiliger Körper präsent war Anfang des 14 Jahrhunderts verdichten sich in der Person Eduards II die unterschiedlichen Traditionsstränge königlicher Heiligkeit Seine Absetzung und sein vermutlich gewaltsamer Tod versinnbildlichen dagegen einen Tiefpunkt in der Regierung der englischen Plantagenet Dynastie auf den man mit einer besonderen Bestattungszeremonie reagieren musste um den königlichen Machtanspruch wirkungsvoll zu demonstrieren Das englische Königshaus insistierte deshalb auf die Heiligkeit des Herrschers und damit auf den kultischen Aspekt der Monarchie Sichtbarer Ausdruck hierfür war die Effigies die den verstorbenen König trotz seines offenkundigen Makels in seiner Heiligkeit bestätigte und ihn vor

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  • Joachim Jacoby: Bildform und Rechtsnorm. Raphael in der Stanza dell'Incendio - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    III im Jahre 800 in Rom an der Westwand der Stanza dell Incendio Das Zeremoniell der Kaiserkrönung visualisierte jenes höchste Herrschafts und Verfügungsrecht das das Papsttum gegenüber den weltlichen Staaten für sich beanspruchte und nach dem erst die Prüfung des Papstes den weltlichen Souverän zur Macht legitimierte Jacoby verweist für dieses Beispiel der so berühmt gewordenen translatio imperii auf die Quelle der Dekretalen Gregors IX welche in der Rechtsliteratur als fester Beleg für das päpstliche Primat behandelt wurde 29 Die Komposition des Freskos des pyramidal hierarchischen Prinzips der Figurenanordnung der symbolischen Form der gemalten Architektur im Hintergrund der Monumentalsäulen des Salomonischen Tempels die als Nebeneinander von sacerdotium und regnum die Krönungsszene hinterfangen deutet Jacoby als bildliche Antwort auf die Irritationen im Rangverhältnis von weltlicher und päpstlicher Macht 33 4 Im Fresko des Borgobrandes in dem Raphael die Brandbekämpfung und das päpstliche Wunder Leos IV 847 88 zeigt erkennt Jacoby visualisiertes Papstzeremoniell und zentraler noch die Darstellung kanonistisch definierter Tugendwerke Der Borgobrand ist demnach ein monumentales Sinnbild päpstlich ausgeübter Schlüsselgewalt 54 Der Zeremonialliteratur gemäß war die Benediktionsloggia auf der der Pontifex im Hintergrund der Szene erscheint nur an drei Festtagen von dem mit Tiara und Pluviale bekleideten Papst zu betreten 40 Den Angaben des päpstlichen Zeremonienmeister Paris de Grassis zufolge erschien der Papst dort als wahrhafter Richter über die Gläubigen Zwei Aufgaben hatte er hier zu erfüllen zum einen den Segen zum anderen den Ablaß zu erteilen Die Visualisierung der päpstlichen Autorität als Richter der Schuld und Strafe spricht forcierte die Idee des Papstes als einer vor Gott verbindlichen Rechtsgewalt 42 Jacoby arbeitet zudem weitere Verbindungen zu Rechtsgrundsätzen im Bild heraus wie die Darstellung von Almosen Pietas sowie Formen der körperlichen Entbehrung oder Fasten die den Handlungen der Figuren im Borgobrand zugeordnet werden und im kanonistischen Sinn als satisfactio zu deuten sind 51 Auch hier bindet Jacoby die rechtliche Norm zurück an die Form und bringt den im Bild gezeigten schmalen Durchlass der auf den segnenden Papst zuführt mit einer Glosse des Gratianischen Dekrets in Verbindung und deutet ihn als Visualisierung des engen Tugendwegs 53 Zur Bildkonvention die den Papst von einem erhöhten Ort herab segnend zeigt müsste Michealangelos Ehrenstatue Julius II della Rovere 1503 1513 dem Vorgänger Leos X in Bologna nachgetragen werden Die Zerstörung dieser mächtigen Bronze die den segnenden Papst zeigte im Jahre 1511 unter französischer Besatzung war als Fanal gegen die päpstliche Machtpolitik gerichtet und zur Zeit der Enstehung des Raffaelschen Zyklus durchaus präsent 5 Das letzte Kapitel zum Freskenschmuck widmet sich dem Bild der Schlacht von Ostia auf der Ostwand der Raffaelschen Stanza Mit dem Thema verbindet sich der Meinung Jacobys zufolge die zweigeteilte Pflicht christlicher Miliz die Selbstverteidigung und die Bekämpfung von Häretikern 58 Kleriker haben die Aufgabe zum gerechten heiligen Krieg aufzurufen und wie Moses und Paulus selbst am Schlachtort präsent zu sein folgt man der Glossa Ordinatoria des Gratianschen Dekrets Die Blickwendung des dargestellten Papstes in Richtung der Repräsentation Gottes in der Gewölbedekoration und die Beschreibung der Unterwerfung und Bloßstellung des Gegners durch

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/265 (2016-02-12)
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  • Markus Späth: Verflechtung von Erinnerung - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    das wohl unter Leonas Nachfolger entstandene Bronzeportal ebenfalls im Westbau der Kirche Der Chronologie folgend analysiert Späth in monographischen Kapiteln die Werke hinsichtlich der jeweiligen Wechselwirkung von medialer Qualität und Aussagegehalt sowie ihrer Stellung innerhalb eines etwaigen Gesamtkonzepts Vergleichsobjekte aus ober und mittelitalienischen Klöstern öffnen den Blick für übergreifende Muster der Erinnerung und gleiche Modi für die Speicherung des jeweils spezifischen kollektiven Gedächtnisses S 30 Mit welch hohem Bildbewusstsein die Casaurienser Mönche operierten zeigt schon der vom Klosterarchivar Berardus kompilierte Liber instrumentorum seu chronicorum Kapitel 3 Der Liber instrumentorum seu chronicorum Erinnerung an Kontinuität und Wandel S 57 172 Berardus übertrug in chronologischer Reihenfolge alle erhaltenen Urkunden und Diplome des Klosters in den Codex wobei er das jeweils zeit und ausstellerbedingte Schriftbild der Originale übernahm Dieser Formentransfer ist aus zwei Gründen bemerkenswert Zum einen verdeutlicht er die wichtige memoriale Funktion der per se auf Sichtbarkeit angelegten Dokumente für die empfangende Institution Zum anderen traditionalisiert er aktuelle Besitzverhältnisse da teils jüngere Rechtsinhalte in historische Urkundenformulare interpoliert wurden Eine weitere Besonderheit des Liber ist die Klosterchronik in einer Marginalspalte die über die wichtigsten Ereignisse zum Zeitpunkt der Urkundenausstellung informiert Dieser narrative Aspekt scheint zunächst auch den 49 Federzeichnungen zugrunde zu liegen mit denen ausgewählte Dokumente akzentuiert wurden Wie Späth zeigt charakterisieren jedoch die stereotypen und somit zeitlosen Bildformulare von Urkundenübergaben Abtinvestituren bzw Abtbildnissen die Klostergeschichte als eine über jeden politischen Wandel erhabene Kontinuität immer wiederkehrender Ereignisse S 170 welche die Privilegien der kaiserlichen Gründung immer wieder neu bestätigten Insgesamt visualisiert der Liber somit grundlegende argumentative Strukturen institutionsbedingter Geschichtsschreibung S 171 War die Handschrift nur ausgewählten Rezipienten zugänglich so besitzt das ebenfalls unter Leonas begonnene Skulpturenprogramm über dem mittleren Westportal der Klosterkirche einen öffentlichen Charakter Kapitel 4 Bild und Text am Zugangsbereich zur Klosterkirche Erinnerung an die Gründung S 175 226 Wie Späth nuanciert darlegt kombiniert und authentisiert das Bildprogramm Elemente unterschiedlicher Gründungslegenden um zentrale Aspekte des auf eine Vielzahl von Textzeugnissen verteilten kollektiven Gedächtnisses an die Gründung zu verflechten S 227 f Dabei evoziert das intermediale Zusammenspiel von In Schriften und szenischen Bildfeldern eine von der chronologisch narrativen Struktur der Gründungsberichte gelöste Memoria die unterschiedliche urkundlich belegte Ereignisse aus der spätkarolingischen Gründungszeit zu einem synchronen Rechtsakt S 201 vereint Neben der fundatio thematisiert das Bildprogramm das Patrozinium des Klosters Nicht nur thront der hl Clemens im Tympanon über dem Portal auch zeigen einzelne Bildfelder des Architravs die Reliquienüberführung seiner Gebeine durch Ludwig II nach Casauria Der Kult um den spätantiken römischen Bischof besaß seit dem frühen 12 Jahrhundert eine wichtige aber nicht unumstrittene Bedeutung für die Casaurienser Mönche Da Quellen des 12 Jahrhunderts auch von einem Trinitätspatrozinium sprechen liegt der Schluss nahe dass die Verehrung des Märtyrers mit Hilfe des Skulpturenprogramms lanciert werden sollte Späths Deutung des Bildprogramms als Zeugnis einer primär nach innen gerichtete n Erinnerungskultur S 178 überzeugt gerade hinsichtlich der memorialen Funktion der überaus voraussetzungsvollen Konzeption des Gesamtprogramms Hier wäre jedoch genauer nach dessen Rezeption zu fragen War die Vorhalle der Klosterkirche den Mönchen zugänglich war sie Versammlungs oder

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  • Marx/Rehberg: Sammeln als Institution - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    other essays circle around the theme but often omit to make it explicit The studies range from broad synthesizing surveys for example Dirk Syndram s account of treasure rooms to minute detail studies like the reconstruction of two Italian portrait galleries of beautiful women The essays are ordered in five sections the first focuses on Italy from the 16th to the 18th century and the second on Dresden in the 17th and 18th century The last three sections cover different subjects from successively the 18th 19th and 20th century But another division can be made Some articles follow the narrower course of Plagemann and describe the history of the institutionalization of a collection or the history of an institute s collection A classic example of this is presented by Guiseppe Olmi with the famous collection of the naturalist Ulisse Aldrovandi who bequeathed his naturalia and library to the Senate of Bologna in 1603 Olmi follows its downfall after the addition of the collection of Fredinando Cospi in 1672 and its somewhat reluctant incorporation in the collection of the Bolognese Istituto delle Scienze e delle Arti in the middle of the eighteenth century Klaus Mauersbeger places the changing didactic value of the collection of the Technische Universität Dresden in a broad historical context Renato Mazzolini gives an account of the origins of the Museo di Fisica e Storia Naturale in Florence A special case is presented by Barbara Marx who describes the transition of the private house of the versatile artist and collector Giovanni Maria Nosseni 1544 1621 to an academy of arts In 1619 the artist offered his house to the elector of Dresden which after many renovations and reorganizations eventually ended up being part of the city s art academy Marx also gives a detailed description of the original collection of Nosseni which can be considered as a second subtheme of Sammeln als Wissen Many articles have the reconstruction of collections as their target which are always welcome starting points to enlighten on the history of collections Already mentioned is the example of the study of two Italian portrait series of beautiful women in Villa Medicea in Artimino and in the Palazzo Ducale in Mantua by Michael Wenzel Susanne Jaeger s study describes the content and presentation of the collection of count Alexander Stroganov 1733 1811 in the light of the collector as a representative of enlightened Russian nobility In his lavish palace in St Petersburg he maintained an encyclopaedic collection of minerals paintings sculptures antiquities and prints also including a physical cabinet One of the most interesting reconstruction attempts is presented by Tristan Weddingen On the basis of a lost inventory he offers an image of the first hanging of the Dresdner picture gallery in 1747 Convincingly he argues that it must not be seen as a baroque decorative puzzle but as a visual discourse subtly stressing the importance of the Bolognese school and preluding the art of connoisseurship a copy of Tizian s famous Tribute Money by

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  • Dorothy Shepard: Introducing the Lambeth Bible. A Study of Text and Imagery. - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    Lambeth Bible was produced over a twenty year period between about 1150 and 1170 p 5 From the colophon in the giant Bible of Stavelot London British Library Add Ms 28106 to name a prominent example we know that it was produced by the scribes Goderannus and Ernestus within four years A period of twenty years for the Lambeth Bible would be quite extraordinary for the production of a manuscript particularly since its style is quite homogenous This part concludes with a chapter on the losses in text and decoration in both parts of the manuscript which at the same time provides an extremely thorough and well presented assessment of the hierarchy of decoration in the Bible One of the most intriguing chapters of Shepard s study is the outstanding and methodologically innovative examination of the texts of the Lambeth Bible As she rightfully points out the prefatory texts of Bible manuscripts is not a field that has attracted a lot of interest let alone a field that art historians tend to consider in their research on manuscripts In fact the comparative study of the prologues and capitula chapter lists and other miscellaneous material in a range of Bible manuscripts originating from Northern France and England reveals fascinating insights into the peculiarities and characteristics of different scriptoria The study of this material is established as a valuable aid to determine places of production Based on the evidence gathered from the comparison of these miscellaneous texts Shepard argues that the scriptorium that produced the Lambeth Bible was St Augustine Canterbury and not as had been suggested by other scholars St Albans near London or Christ Church Canterbury In their textual arrangement two codices correspond very closely to the Lambeth Bible the so called Wingham Bible London Lambeth Palace Library Ms 4 and the Bible in Cambridge Trinity College Ms B 5 1 Neither of these two manuscripts can be dated or attributed to a scriptorium on the basis of firm evidence Other scholars ascribed the Wingham Bible to St Albans while for the Trinity Bible an origin from Canterbury Christ Church has been suggested 5 in both cases based on palaeographic and or stylistic evidence Since no complete Bible manuscript produced at St Augustine Canterbury is available for a comparison of the textual content Shepard s attribution to St Augustine s rests primarily on two arguments First she assesses the textual characteristics of Bible manuscripts known to have been produced in Canterbury Christ Church which in fact differ from those in the Lambeth group Lambeth Bible Wingham Bible Trinity Bible Secondly she refers to the similarity of the prefaces to the gospels contained in these Bible manuscripts to those in a Gospel book in London British Library Royal 1 B XI unfortunately no evidence nor bibliography is given for her attribution of this manuscript to St Augustine s p 90 note 129 However that these three Bible manuscripts are convincingly shown to have been produced in the same scriptorium demonstrates how

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