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  • Beate Fricke: Ecce fides. Die Statue von Conques - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    unsicher seit wann die Monumentalkreuze des 9 Jahrhunderts vollplastische Christuskörper trugen doch zeigt die Mauritius Büste aus Vienne eine Etablierung anthropomorpher Reliquiare im späten 9 Jahrhundert Eine erste vollplastische Marienfigur ist für das Jahr 948 in Clermont Ferrand gesichert In der zweiten Hälfte des 11 Jahrhunderts entstanden dann Heiligenstatuen Dass der Fides eine Schlüsselstellung in dieser Entwicklung zukommt erschließt Fricke anhand des Objektbefunds Die Geschichte des Kultbilds beginnt im Jahre 883 mit dem Raub der Schädelreliquie der hl Fides aus dem Kloster in Agen In Conques wurde die Reliquie zunächst im Holzkern eines Büstenreliquiars geborgen welches um 1000 zu einer thronenden Vollfigur nach dem Beispiel der Marienskulptur aus Clermont Ferrand ergänzt wurde Dies erklärt nicht nur die disproportionale Gestalt der Fides sondern auch Bernhard von Angers Hinweis die Figur sei vor seinem Besuch vollständig erneuert worden de integro reformatorum Dass man in Conques eine Märtyrerin des 4 Jahrhunderts wählte um vorgeblich spätantike Wurzeln des Klosters zu etablieren ist nicht ungewöhnlich Dass man dazu eine Heilige wählte die ihr Martyrium nicht zuletzt aufgrund ihrer Verweigerung des heidnischen Götzenkultes erlitt mag überraschen Dass man aber die im Kindesalter verstorbene Heilige als goldene Thronfigur mit spätantikem Männerkopf repräsentierte führt in den Kern einer kontroversen Debatte über die Funktionen anthropomorph gestalteter Reliquiare und die Entstehung der Monumentalplastik Angesichts der Fides wird deutlich dass sie kein Bildnis sein soll Vielmehr oszilliert in ihrem Antlitz ein Kontrast zwischen ihren Lebendigkeit suggerierenden Emailaugen und ihrer entrückt wirkenden Goldmaskerade Diese bewusst konzipierte Ambivalenz evoziert ein ständiges Changieren der Skulptur zwischen Mimesis und Substitution Die anthropomorphe Plastik betrat somit nicht als Ersatzleib die liturgische Bühne sondern als ausdruckstragender Körperteil S 42 der eine Kommunikation zwischen Bildwerk und Gläubigen stiften sollte Der Blickwechsel mit dem Betrachter konstituiert sich dabei als zentrale Bildfunktion Die formale Gestaltung dient jedoch auch als Heiligkeitsbeweis S 206 226 Der posthum geschaffene Kunstkörper repräsentiert nicht die irdische Gestalt der Märtyrerin sondern ihren himmlischen Leib welcher bei Gott weilt Da sich in seinem Goldglanz auch die innere Reinheit der tugendhaften Fides widerspiegelt offenbart sich die Skulptur als ideales Medium für die Erfahrbarkeit von Transzendenz im Diesseits und körperlicher Repräsentanz des Heiligen im Jenseits S 14 Hier zeigen sich wie Fricke trefflich beobachtet Vorformen ästhetischer Erfahrung S 12 welche meist einer neuzeitlichen Bildkompetenz zugesprochen werden Dass die christlichen Skulpturen vor der Negativfolie des heidnischen Götzenkultes umso heller erstrahlten zeigen illustrierte Handschriften Wurden die antiken Idole zunächst noch in ihrer makellosen Körperlichkeit dargestellt tritt bald ihre brachiale Zerstörung ins Bild Wie Fricke zeigt definieren diese Darstellungen anhand des als häretisch verurteilten Götzenbildes das christliche Kultbild S 63 Dabei verdankt sich die Etablierung der Skulptur als traditionsbelastete Bildform der Divinität S 158 aber auch der Akkulturation antiker Tugendgottheiten wie es nicht zuletzt auch die Fides zeigt Doch im Gegensatz zu ihren heidnischen Vorbildern betonten die christlichen Figuren stets ihre Artifizialität Gerade ihre äußere Wandlungsfähigkeit durch Spolierungen und applizierte Votivgaben bezeugt ihre unveränderliche Wirkmacht Frickes umsichtige Rekontextualisierungen verdeutlichen dass die Etablierung der Vollplastik in einen Zeitraum fiel in dem sich das

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  • Charlotte Schoell-Glass/Elizabeth L. Sears (Hrsg.): Verzetteln als Methode - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    ihrer Wertung im Mittelalter und in der Renaissance reichte er noch in Deutschland ein um unmittelbar im Anschluß 1936 nach New York zu fliehen Ab da folgten zahlreiche akademische Stationen in Princeton London Kanada um schließlich als Professor an der University of Iowa USA Utrecht Niederlande und Duke University USA zu lehren Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Studien zur Emblematik 1967 seine ikonologische Analyse von Rembrandt s Anatomy of Dr Nicolaas Tulp 1958 oder die wissenschaftshistorisch kulturgeschichtliche Darstellung der Genesis of Iconology 1967 Es ging ihm dabei nicht allein um die klassisch ikonologische Verbindung von Text und Bild deren Zusammenhänge zu erforschen er als seine zentrale Aufgabe sah sondern auch um eine kulturgeschichtliche Öffnung der Bildanalyse im Sinne Aby M Warburgs Ähnlich wie für Warburg an dessen Hamburger Wirkungsstätte er unter anderem studiert hatte zudem war er in den Jahren von 1937 bis 1940 am Warburg Institute in London als freier Mitarbeiter tätig zählte die transdisziplinäre Einbettung des Bildes zu seinen Anliegen wie auch dessen Materialität für ihn eine große Rolle spielten Und dies ist der Punkt an dem das eigene jahrelang aufgebaute Archiv seine Bedeutung findet Einerseits als Grundlage seines Prinzips der freien Assoziation eines beständigen Verbindens und neu Generierens Andererseits als ein materiell expandierender sich verdichtender Gedankengang der der eigenen wechselhaften und von vielen Ortswechseln gekennzeichneten Existenz entgegenzustehen vermochte In den Notaten Klebungen und Faltungen liegt eine dem Papier gewidmete Materialzärtlichkeit die den Glauben an das Wort durch den Respekt für das Papier ermöglicht Was Heckschers genuine Arbeitsweise angeht so wird in dem vorliegenden Buch vor allem die Zettelsammlung als Instrument der geistigen Arbeit beschrieben Kleine Zettel auf denen sich Fakten Beobachtungen Literaturhinweise und Bilder finden Sie weisen drei durch Querverweise miteinander verbundene Ordnungssysteme auf ein alphabetisches Textquellen wie Bildmaterialien chronologisches Jahreszahlen und philologisches englisch lateinisch Ein faszinierender Ordnungspunkt lautet kulturelle Ersterscheinungen oder primordia Heckscher vermerkte erste Dinge und erinnert damit an die primären Objekte George Kublers 2 und onlys lasts and nevers also Letztmaliges Einmaliges und Nie Eingetretenes S 100 Es ist gerade diese Sammlung die deutlich macht wie nahe bei Heckscher Gegenstände der Analyse und Methode liegen In seinem bekanntesten Aufsatz der Genesis of Iconology beschreibt er die Methode Warburgs nicht ohne dies mit zeitgleichen kulturellen Erscheinungen etwa der zeitgenössischen Kunst oder der Technikentwicklung zu parallelisieren Mit Blick auf die primordia erhält der berühmte Aufsatz einen neuen Kontext Papierverzettelungen sind immer ausgestattet mit dem Glauben an das vollendete System das baut man nur lange genug daran auch Bücher freigibt und produziert Es hat nicht viele Gelehrte gegeben bei denen dies funktionierte vielleicht ist Niklas Luhmann in seiner Kommunikation mit Zettelkästen einer der ganz wenigen denen dies gelang 3 Aber es gab genügend Wissenschaftler die in die Zettelkästen ihre Zeit investierten das System fütterten und sich darin verloren Heckscher ist sich dieser Gefahr bewußt wenn er 1979 schreibt Ich habe ja ein doppeltes System a nach Jahren und b nach Stichworten die ich aus dem chronologischen System in Hülle und Fülle sauge Ich weiß fast alle nutzlosen Sachen

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/32 (2016-02-12)
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  • Michaela Marek: Universität als "Monument" und Politikum - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    the Czech Law School would have its own building separate from the Philosophical Faculty and it purchased Block IV to hold the Law School the Philosophical Faculty would arise on Block X Block IV stood directly across the street from Block III where the new German University was to be Marek states that the new purchase resulted from the imperial government s effort to strengthen at least in gesture the two universities equivalency p 40 The decision to erect the Czech University s buildings in Old Town determined that they receive special attention from the Czech community Old Town was one of the five wards comprising Prague s historic core It was also the ward which in the eyes of Czechs most symbolized their nation s quest for emancipation Thus monumental buildings there had to demonstrate the accomplishments of the nation and its right to autonomy Marek writes that the designs of the buildings for the Czech University s Natural Science and Medical Institutes were not heavily debated because they were slated to arise in New Town which was a ward lacking the symbolic power of Old Town More information about the design of these buildings including pictures of them dates of their construction and Czech responses to them would help to convince the reader of this conclusion and shed further light on the way in which Czech politics shaped Czech architecture Marek opens her second chapter stating that in 1906 the Rector of the Czech University Jaroslav Hlava requested that Jan Kotera design a proposal for the new Law School and Josef Fanta design one for the new Philosophical Faculty Hlava s choice of Kotera and Fanta is very interesting because both were creators of secessionist structures More systematic detailed discussion of their careers is welcome in Marek s book so that readers unfamiliar with Czech architectural history can appreciate well the important fact that Hlava selected two innovative modern architects rather than conservative traditional architects Marek mentions in passing some facts about Kotera including his studies with Otto Wagner but fails to mention that Fanta designed Wilson Train Station a leading example of secessionist design in Prague completed in 1909 More could also be said about the motivations behind Hlava s choice Was he merely trying to insure that Czech architects rather than a Viennese Baurat receive these commissions Did he think like some Czechs that modern architecture demonstrated that the Czech nation was a progressive nation deserving of autonomy Marek comes closest to answering these questions when she quotes Hlava expressing his desire to create for posterity a monumental built work which should furnish proof to the spirit of the age of the height at which architectural art presently finds itself p 46 In 1907 Fanta and Kotera offered preliminary sketches to the Rector Fanta s sketches treated only the lay out of the Philosophical Faculty and included no visions of the building s facade Kotera s proposals for the Law School treated both design aspects Fanta

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/193 (2016-02-12)
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  • Steffen Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    führenden Architekten im Wohnhausbau der 1930er Jahre der mit dem Cape Cod Colonial den klassischen und oft rezipierten Wohnhaustyp des All American Home schuf Fleißige Publikationstätigkeit und rege Wettbewerbsteilnahmen verschafften Stubbins die Aufmerksamkeit des berühmten Walter Gropius der damals Professor und Dekan der Harvard Graduate School of Design war Er bot Stubbins 1940 eine Assistentenstelle an die dieser anfänglich selbstbewusst zweifelnd schließlich annahm Den Stil seines Vorgesetzten mochte sich Stubbins jedoch nicht zu Eigen machen fühlte er sich doch zu dem Werk von Marcel Breuer und Alvar Aalto weitaus stärker hingezogen Stubbins blieb der Bautradition seines Landes jedoch fest verbunden und hatte unmittelbar teil an der Entwicklung der amerikanischen Moderne Dies belegen seine Wohn wie auch seine späteren Schul und Universitätsbauten Schließlich wurde er mit einigen Bürohochhäusern international bekannt Zu seinen bedeutendsten Hochhausbauten zählen das Citycorp Center in New York 1977 und die Federal Reserve Bank of Boston 1978 Zu seinem Berliner Auftrag kam Stubbins ohne Wettbewerb Ein Anruf von Ralph Walker Direktor des AIA American Institute of Architects reichte aus ihm den Auftrag für den amerikanischen Beitrag auf der Internationalen Bauausstellung 1957 in Berlin zu verschaffen Für diese Aufgabe hätte normalerweise laut Stubbins eine moderne Kiste völlig ausgereicht All requirements could fit in a square box easily enough but it was essentially a propaganda building aimed at the Soviets just half a mile away So it had to have imagery and flair 49 Es sollte also ein Stück politische Architektur mit Signalwirkung in den sowjetischen Ostteil der Stadt werden und damit begannen die Probleme Der von den amerikanischen Entscheidungsträgern präferierte Entwurf in Form eines hyperbolischen Paraboloids wollte der deutschen Seite aufgrund seiner monumentalen Dimensionierung und mangelhaft erscheinenden Statik nicht behagen Der auf diesem Gebiet sich gerade etablierende Architekt Frei Otto sparte nicht mit höflicher aber deutlicher Kritik Auch der von deutscher Seite hinzugezogene Statiker Werner Koepke intervenierte und setzte sich schließlich durch Die von Stubbins Büro angestrebte Lösung wurde modifiziert und im Sinne Koepkes abgeändert Die verhängnisvollen Folgen dieses Planwechsels zeigten sich 1980 Ebenso spannend wie die hitzige Diskussion um die statisch beste Lösung liest sich der politische Entstehungshintergrund der Kongresshalle von de Rudder detailreich erzählt und daher auch den größten Teil des Buches einnehmend In der Frontstadt des Kalten Krieges trat Uncle Sam als Tante auf nämlich in Person der geschickt agierenden Diplomatin Eleanor Dulles der Schwester des US amerikanischen Außenministers John Foster Dulles Sie verhalf der Stadt die noch immer in Schuttbergen fest steckte durch ihr vielfältiges Engagement um finanzielle Aufbauhilfe auf die Beine 1959 wurde sie dafür von Willy Brandt mit der Ernst Reuter Medaille geehrt und als Mutter von Berlin bezeichnet Die Ausarbeitung der endgültigen Bauform durch Stubbins und ihr architektonischer Ausdruckscharakter nimmt de Rudder sorgfältig auseinander und setzt die einzelnen Bauabschnitte Plattform Auditorium und Dach in dem irritierend mit Ikonographie überschriebenen Kapitel sorgfältig wieder zu einem Gesamtbild zusammen De Rudder erzählt faktenreich und bestätigt nachgerade die große Bedeutung der Kongresshalle als politische Architektur und statisches Vabanquespiel Die kurzweilige Lektüre aufgelockert durch viele Schwarz Weiß

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/29 (2016-02-12)
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  • Sabeth Buchmann: Denken gegen das Denken - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    mit einem semiotischen Verständnis von Produktion ersetzt hat Was dadurch gewonnen ist ist die Mög lichkeit die zwei dominierenden Begriffsparadigmen oder sollte man sagen Phantasmen der Kunst der späten 1960er Jahre Information und Technologie zusammen zu denken Das in der Kombination von Information und Technologie zusammengefasste Emanzipationsversprechen ist zum damaligen Zeitpunkt eine der letzten noch stehenden Säulen der modernistischen Gesellschaftsutopie und gleichzeitig auch die Grundlage für den kritischen Impetus mit dem konzeptuelle Kunst praktiken an der Demontage ebendieses Ver sprechens gearbeitet haben Buchmanns Aus einandersetzung nimmt dieses Paradoxon auf um damit eine Anbindung von Produktion der Produktion von Information und der Produktion durch Technologie an Subjektivierungsprozesse zu ermöglichen In einem weiteren Schritt werden die Begriffe Produktion und Subjektivität mit biopolitische Debatten der Gegenwart verbunden Dieser auf den ersten Blick überraschende Schritt führt über eine Reihe von reflexiven Schleifen dahin dass gerade jenes kritische Potential das konzeptuellen Kunstpraktiken oft als ein a priori zugeschrieben wird aus einer erweiterten ge sellschaftlichen Perspektive befragt werden kann dass in Anlehnung an Michael Hardt und Antonio Negri gefragt werden kann ob der Konzeptualismus an der Herausbildung der gesellschaftlichen Fabrik erfolgreich mitgewirkt hat S 23 Buchmanns Vorgangsweise teilt den komplexen Argumentationsstrang in kleinere Einhei ten die auf den ersten Blick wie eine Fülle von vereinzelten Miniaturstudien erscheinen Folgt man aber den Schleifen die ihre begriffliche Methodik vorgibt durch die im dritten Teil ausgeführten Fallstudien zu LeWitt Rainer und Oiticica und dann wieder retour in und durch ebendiese Miniaturstudien die in den ersten beiden Teilen des Buches dominieren so entfaltet sich daraus eine Antwort auf die obige Frage nach einer Komplizenschaft konzeptueller Kunstpraktiken mit einer allumfassenden kulturellen Verwertungsmaschine Die Antwort ist erwartungsgemäß nicht eindeutig Buchmann schreibt die Wechselwirkung zwischen konzeptuellen Produktionsweisen und den Diskursen über neue Technologien steht zwar in einer Beziehung zur Transformation des fordistischen Produktionssystems

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/25 (2016-02-12)
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  • Jörg Trempler: Schinkels Motive - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    das Lehrbuch erst später erschienen wäre Angesichts der Schärfe mit der Forster sich im vorliegenden Band gegen Peschken stellt muss hier dessen großes Verdienst um die Schinkel Forschung auch trotz der sehr guten Argumente die nun gegen seine Interpretation sprechen hervorgehoben werden Dennoch wird man sich daran gewöhnen müssen nicht mehr an der Lehrbuch Konstruktion festzuhalten Selbst Peschken gestand 1979 ein dass es für einen Lehrbuch Plan Schinkels keinen archivalischen Anhalt gebe Es handelt sich also eher um Fragmente Aphorismen Notate eines Architekten der ebenso selbstverständlich Texte wie Entwürfe zu Papier brachte Die eigentliche theoretische Leistung Schinkels sieht Forster zurecht deshalb nicht im Lehrbuch sondern in Schinkels Sammlung architektonischer Entwürfe die er neben anderen Publikationen von 1819 bis zu seinem Lebensende sukzessive zu seinem sich wandelnden Werken herausgab und damit die Idee des oeuvre complète in die Welt setzte das somit als eine sich stetig fortschreibende Lehre an die Stelle altväterlicher Lehrbücher 31 getreten sei Tremplers motivischer Zugriff auf Schinkels Werk unterstützt Forsters Polemik an Peschkens Lehrbuch Konstruktion auf überzeugende feinfühlige Weise die tief in die Bild und Architekturikonolgie Schinkels einführt Er untersucht exemplarisch mit Brunnen Bäumen und Denkmälern drei Motive die in allen Phasen von Schinkels Werk erscheinen und somit ein Moment der Kontinuität innerhalb des sich durchaus auch vollziehenden Stilwandels in Schinkels Werk bilden Richtig aber stellt Trempler klar dass durch den Wechsel des Stils nicht zwingend auch Schinkels Gesinnung eine andere geworden sei Schinkel ändert die Ausdrucksform aber nicht das Prinzip 229 Hervorzuheben ist Tremplers Engführung von Malerei und Architektur Schinkels wobei er sich die Frage stellt ob es auch das sentimentalische Gebäude im Sinne Werner Buschs gäbe Die Debatte um den Kunstwert der Architektur die seit der Mitte des 18 Jahrhunderts gärte und die Schinkel ins 19 Jahrhundert hinein verlängerte hatte eigentlich schon Goethe geklärt indem

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/337 (2016-02-12)
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  • Tobias Vogt: Untitled - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    des Betrachters und Bedeutungsbegrenzung 100 betrachtete wird von Vogt in diesem Band als wichtiger Pionier des Titelverzichtes in der jüngsten Moderne geschildert Während Still Ende der 40er Jahre anfing seine Gemälde zu nummerieren ging Ad Reinhardt eher spielerisch vor indem er zu seiner Ausstellung von 1948 auf Anfrage eine Liste mit von den eventuellen Käufern auszuwählenden Titeln herstellte Bei den Titeln handelt es sich um Metatitel wie zum Beispiel painting idea und sensuous surface remark die vor allem auf den Akt des Betitelns hindeuten Sowohl Still wie auch Reinhardt und der nur am Rande erwähnte Lee Hersh der sich aber schon früher als Still zur Titellosigkeit bekannt haben soll dürften heute in Deutschland und in Europa einem weitaus weniger breiten Publikum vertraut sein als Pollock Newman und Rothko Jackson Pollock der den Wünschen der Guggenheim schen Galerie möglicherweise aus finanziellen Gründen schon früh nachgab und seine Werke erst bei Betty Parsons zu nummerieren begann anstatt sie zu betiteln gehört heute zweifelsohne zu den bekanntesten Künstlern der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts Ähnliches kann über Barnett Newman gesagt werden der von den New Yorker Nachwuchskünstlern am häufigsten an die Öffentlichkeit trat indem er zum Beispiel das Vorwort zur ersten Gemeinschaftsausstellung der Gruppe schrieb Pollock Newman und Rothko versahen ihre großformatigen Gemälde gemäß den Erwartungen des damaligen Publikums und der Kunstkritik anfänglich meistens noch mit traditionellen biblisch mythologisch oder natürlich konnotierten Titeln Wie Vogt festhält übersah die Forschung die neue Betitelungsweise die sich beginnend mit Still und Reinhardt von 1947 an durchsetzte 111 was aber zugleich das Gelingen der neuen Betitelungsstrategie bezeugt indem die visuelle Autonomie der Kunstwerke relativ uneingeschränkt blieb Für die betreffenden Künstler und ihre Kunstwerke hatte dies jedoch zu Folge dass sich ihr Renommé weniger leicht verbreiten ließ als dasjenige Jackson Pollocks und Barnett Newmans Die Titellosigkeit ihrer Werke gewährleistete zwar die visuelle Autonomie der Kunstwerke erschwerte aber zugleich die Möglichkeit von ihnen zu sprechen oder über sie zu schreiben Vogts Band wirft ein neues Licht auf den abstrakten Expressionismus und das künstlerische Streben der Protagonisten dieser Strömung indem er die unterschiedlichen Betitelungsstrategien aus verschiedenen Perspektiven fokussiert und dem Leser die überdurchschnittlich große Bedeutung weniger bekannter Künstler erschließt Interessant sind die vom Autor hergestellten Bezüge zwischen der Titellosigkeit einerseits und Konzepten wie der Erhabenheit dem Sublimen der Kunstwerke der Entstehungszeit nach Auschwitz oder Hiroschima und schließlich dem Bourdieu schen Konzept des Feldes der kulturellen Produktion andererseits Auf diese Art und Weise bekommt die künstlerische Praxis der New Yorker Nachkriegsmoderne einen umfassenden Rahmen und werden die Kunstwerke erhellt ohne dass sie auf eine bestimmte Bedeutung reduziert werden Im 4 Kapitel des vorliegenden Bandes kommt Vogt auf die zweite Generation der New Yorker Nachkriegskünstler zu sprechen Vogt beschreibt wie sie sich von ihrer Vätergeneration distanzierte und konzentriert sich dabei auf die Betitelungsstrategien von Künstlern wie Jasper Johns Robert Rauschenberg Frank Stella Donald Judd und Dan Flavin Von Interesse ist dabei dass Vogt zeigt wie sich die Einflussangst anxiety of influence 3 ein Begriff der von Harold Bloom für die Literaturtheorie geprägt

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/178 (2016-02-12)
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  • Petra ten-Doesschate Chu: The most arrogant man in France - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Reviews
    unlike the newspaper in which artists competed for public attention 77 Entsprechend meint sie auch strukturelle Analogien zwischen dem Aufbau einer Tageszeitung und dem Werk Gustave Courbets erkennen zu können Demnach komme Courbets skandalträchtigen Salonwerken eine ähnliche Aufgabe wie dem Aufmacher einer Zeitung zu habe doch Courbet mit ihnen in erster Linie Aufmerksamkeit auf sich und sein Werk zu ziehen beabsichtigt Dagegen seien seine unspektakulären Jagd und Landschaftsbilder dazu gedacht gewesen seinen Lebensunterhalt zu sichern Sie werden von Chu mit Artikeln über Sport Mode und Reisen verglichen welche die hinteren Seiten der Tageszeitungen füllten und mit denen eine Reihe mit Courbet befreundeter Schriftsteller ihr Geld zu verdienen pflegten S 140 f Ob sich allerdings ein Salongemälde derart geschmeidig mit der Titelseite einer Tageszeitung gleichsetzen lässt ist wohl zu hinterfragen Das Salongemälde war ja an einen Ort nämlich den Salon gebunden während eine Zeitung allerorts gelesen werden konnte Gewiss auch Bilder konnten dank der neuen Reproduktionsmöglichkeiten in bis dato unbekannter Weise in Zirkulation gebracht werden doch war es wiederum gerade diese Entwicklung die entscheidend zur allmählichen Bedeutungserosion der Institution des Salon beitrug Chu geht auf die durch die neuen Reproduktionstechniken angefachte Zirkulation von Bildern nur kurz und einzig im Zusammenhang mit Courbets celebrity portraits ein S 67 f Tatsache ist indes dass Courbet die Öffentlichkeit vor allem über Ölgemälde zu erreichen suchte die er im Salon oder auf den beiden von ihm anlässlich der Weltausstellungen von 1855 und 1869 organisierten Ausstellungen zeigte Zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings eine Reihe anderer Künstler längst damit begonnen die ihnen durch die technische Reproduzierbarkeit dargebotenen Möglichkeiten effektiv für die Popularisierung ihrer Werke zu nutzen Hier ist vor allem Léon Gérôme zu nennen von Zeitgenossen gern als Gegenspieler Courbets herausgestellt von Chu jedoch mit keinem Wort erwähnt der durch die photographischen Reproduktionen seiner Gemälde und ihren Vertrieb durch den Kunsthändler Goupil einen neuen und sehr lukrativen Markt für seine Bilder erschließen konnte 6 An seinem Beispiel hätte sich leicht zeigen lassen inwieweit die technische Vervielfältigung den Charakter der Malerei veränderte und dies sowohl formal als auch thematisch Die in Gérômes Werk konstatierbare Dominanz von antiken und orientalischen Sujets die sich der Kategorie Sex and Crime zuschlagen lassen dürfte in einer wesentlich engeren Verwandtschaft zu den in der Tagespresse so beliebten Fortsetzungsromanen stehen als wie Chu dies nahe legt die Malerei eines Gustave Courbet Doch gehört es zu den Schwachstellen von Chus Buch dass die Autorin nahezu gänzlich darauf verzichtet die Selbstvermarktungsstrategien Gustave Courbets mit denen anderer zeitgenössischer Künstler zu vergleichen Neben Léon Gérôme hätte sich hier auch Ernest Meissonier als Kontrastfolie angeboten ebenso wie dieser ein Künstler der im Horten von Ruhm und Geld Courbet mehr als die Waage halten konnte 7 Schwerwiegender ist es jedoch dass Chus Vergleich zwischen Courbets Malerei und dem Zeitungswesen immer wieder der Gefahr erliegt die Eigenheiten des jeweiligen Mediums zu negieren Die spezifischen malerischen Qualitäten die Courbet den Ruf eines Meistermalers maître peintre einhandelten ein Prädikat dass der Künstler selbst lancierte werden von Chu geradezu unterschlagen wenn sie meint bei

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/24 (2016-02-12)
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