archive-org.com » ORG » A » ARTHIST.ORG

Total: 981

Choose link from "Titles, links and description words view":

Or switch to "Titles and links view".
  • Lieber zu viel als zu wenig. - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Klassikern Gabi Delgado der Kommunizierende der beiden DAF gab schon einmal Auskunft in einem Gespraech mit Judith Ammann mit anderen sogenannten Post Punk Interviews in dem Buch Who s been sleeping in my brain 1987 erschienen Gefragt worum es ihm bei DAF ging antwortete er Zum Beispiel hat mich das Problem der Sprachlosigkeit Massen haben keine Sprache beschaeftigt Die Sprache wird missbraucht Die Sprache ist ja eines der wenigen Ausdrucksmittel die die Menschen noch als Selbstausdruck besitzen und auch sie wird ihnen weggenommen Diese Wiedereroberung der Sprache ist etwas das mich schon sehr lange beschaeftigt Wenn ich zum Beispiel sage Verschwende deine Jugend du bist schoen jung und stark dann versteht ein Vater das nicht und denkt Was soll denn das was fuer einer ist denn das waehrend sein Sohn oder seine Tochter das sofort verstehen Aber nicht alle Soehne und Toechter haben damals auf Anhieb verstanden bzw wollten verstehen was eine Aufforderung wie Tanz den Mussolini bedeuten soll Auch der Punk New Wave des Ostens wird besonders durch Underground Filme belegt oder findet sich in den Texten des guten Katalogs behandelt er sollte unbedingt hinzugezogen werden Die NGBK wird am 30 August eine lange Nacht gleichzeitig mit der langen Nacht der Museen veranstalten mit solchen Ueberlebenden des Aufbruchs die ihr Projekt bis heute fortsetzen Komponist Musiker und Hoerspieler Frieder Butzmann wird aus Fanzines vorlesen Reiner Wernher vom Nagel zu Haufe praesentiert sein neues Grals Buch und Thomas Meinecke Autor und Mitglied der Band F S K wird Platten auflegen Die F S K Freiwillige Selbstkontrolle kann in der Austellung zweimal angetroffen werden in einem Film mit einem anderen Mitglied Michaela Melian und in einem Fernsehmitschnitt Im Katalog finden sich Hintergruende dazu 1982 treten F S K in der Sendung Sagst was d magst im Bayrischen Rundfunk in Fantasieuniformen auf und irritieren mit Liedzeilen wie Wir steigen ein Schon ihr Name war ja Teil einer speziellen Strategie die Affirmationen einschloss indem er das was eine Institution bezeichnete die der Zensur vorbeugen wollte musste fuer ein eigenes Projekt benutzte Dazu passte es dass FSK mit einer Sekundaertugend meine peergroup die sich zu ihrem Konzert in Berlin verabredet hatte duepierten Wir mussten feststellen dass sie puenktlich wie niemand sonst aufgetreten waren und schon fertig waren Also mussten wir ihnen nach Hamburg hinterherfahren Es gibt ein Jugendwerk von Joerg Buttgereit zu sehen Der Trend Punk Rocker erzaehlen aus ihrem Leben 1980 mit Liveauftritten von Sprung aus den Wolken Soilent Gruen und den Einstuerzenden Neubauten Die Handschrift des Splatter Nekromantikers zeigt sich nur schuechtern wenn ein Punk etwas Essbares vergnuegt in der Faust zerdrueckt In den semi oder pseudo dokumentarischen Szenen werden einige Punk Themen angespielt etwa der Gebrauch von Nazisymbolen so wird ein Junge zu seiner Zimmerdeko gefragt Da ist n Hakenkreuz was solln das Scheint aber alles ganz harmlos Will ick meine Olle mit aergern denn das Kind wohnt noch zu Haus Dass die Ausstellung sich um etwas Immaterielles mit ganz bewusst unzureichenden Mitteln kuemmern will wird nirgendwo deutlicher als beim Austellungsstueck

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/496/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • "actionbutton". Neuerwerbungen zur Sammlung zeitgenössischer Kunst der BRD - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    I 1974 Ein Schlüsselwerk wurde nun in die Sammlung aufgenommen Die soziale Plastik Diese Skizze die Beuys 1973 während eines Vortrags über seinen erweiterten Kunstbegriff anfertigte ist nun mit einer Aufzeichnung des Vortrags ausgestellt Auch Martin Kippenbergers Durchgangslager Neptuns Kull und Pop it out sowie Dieter Roths Taucher wurden in den letzten beiden Jahren teuer nachgekauft Ein Klassiker wie Anselm Kiefer fehlt der Sammlung allerdings noch Nicht nur die großen Künstler der sechziger Jahre werfen ihren Blick ironisch auf nationale Themen Von dem in Berlin und New York lebenden Thailänder Rirkrit Tiravanija wurden güldene Siegerkränze angekauft Auf deren in nationalfarben gestreiften Scherpen sind noch Gratulationen zum gewonnenen Kartrennen erkennbar Aufgetürmt wirken sie wie eine Parodie des Repräsentativen In seinen Performances thematisiert Rirkrit Tiravanija multinationale Gegensätze Identität und die Rolle von Institutionen Er steht für Deutsche Kunst heute die so betont Loers im Katalogtext nur Kunst in Deutschland bedeuten kann Science Fiction und Fantasien werden aufgegriffen Erik Schmidt taucht mit der Arbeit Chat in eine virtuelle Welt ab Er übermalt Werbeposter einer H M Blondine mit Tarnmustern und überschreibt sie mit Texten aus Internetchats wie Was suchst Du Wo bist Du Willst Du Küssen Wie siehst Du aus Willst Du kommen Was hast Du an Auch die stark vertretenen Künstler der von Nicolaus Schafhausen kuratierten Ausstellung deutschemalereizweitausenddrei träumen und phantasieren Kai Althoffs Installation zu Dir erscheint als finstere und sehr nach innen gewandte Reflexion der Gesellschaft zwischen menschlicher Wärme und Abgrund Religiösität und Diabolik Der Blick wechselt besinnlich von Zeichnung zu Gemälde und Fotografie Weniger träumend eher kosmisch präsentiert Corinne Wasmuht ihre Arbeit Astronauten In leuchtenden Farben schließt sie Astronauten in Kristalle ein Eine fantastische Landschaft aus prismenartig dekonstruierten Elementen ergießt sich unter einem höhlengleichen Himmel aus Farb Stalaktiten Wieder andere Visionen entwickelt Dani Jakob mit Before my time Auf Seide zerläuft diese Malerei in grellen Farben während die Form eines Auges im Bildzentrum auf das Zeichenrepertoire des Symbolismus verweist Zwischen Science Fiction Träumereien und den ins Esoterische driftenden Seidenmalereien Dani Jakobs fehlt ein Gegenpol Zu vermissen ist beispielsweise der fotorealistische Künstler Tim Eitel Doch so unpolitisch seine neue figürliche Malerei ist schwebt über ihr noch das nationalsozialistische Erbe der deutschen Geschichte Ist die Formensprache der dreißiger Jahre wirklich noch zu präsent um nun allzu fotorealistische scharfkantige kühle Malereien auszuschließen Taugen sie nicht zur Staatsrepräsentation In noch anderen Welten bewegen sich Michel Majerus trashige Malereien actionbutton und degeneratet die Alltagskultur und Ihre Ästhetik thematisieren Sie nehmen Subkultur und Medienbilder auf wobei die Frage nach Autorenschaft an Bedeutung verliert Mit der Benennung der Ausstellung nach seinem gleichnamigen Werk zollt die Kunstwelt dem im letzten Jahr jung verstorbenen Michel Majerus besondere Anerkennung Mit Pop Trash kann auch Jonathan Meese aufwarten der den deutschen Helden Siegfried als Schaufensterpuppe mit verrutschtem Schlüpfer zeigt Seine Themen erweisen sich als ebenso vielfältig wie seine Medien Malerei Zeichnung und Schriftzüge wie Staatskannnibalismus Erzsau sind ebenso typisch wie Comic und Collage In seiner von Kinderzimmer bis Gruselkammer reichenden Ästhetik schließt er Jugendkultur Mythologie Fantasie Religion und Geschichte ein Veit

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/500/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Ernst Ludwig Kirchner. Der Maler als Bildhauer - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    von einer weiteren Stütze stablisiert würde Die im Katalog vertretene Position dass Kirchner neben Barlach und Lehmbruck der bedeutendste Bildhauer des deutschen Expressionismus war 6 ist angesichts dieser und vieler anderer ausgestellter Werke nachvollziehbar In der Ausstellung selbst sind lediglich zwei Vergleichswerke des Schweizer Künstlers Hermann Scherer ausgestellt der sich Kirchner als Schüler anschloss und Holzskulpturen in einem ähnlichen Stil schuf an anderer Stelle zeigt die Staatsgalerie jedoch auch Plastiken von zeitgenössischen Bildhauern aus eigenem Bestand um eine bessere Einordnung und Bewertung des plastischen Kirchneroeuvres zu ermöglichen Eine entscheidende Veränderung in Kirchners plastischem Schaffen stellte sich ein nachdem er sich 1917 in der Schweiz niedergelassen hatte in seinen autonomen Skulpturen dominierten nun endgültig geglättete Formen und beruhigte Körperhaltungen wie bei der glänzend polierten Figur des Bauern David Ambühl von 1918 Kat 54 Bemalte er seine Skulpturen so orientierte sich Kirchner nun zumeist am Naturvorbild in eklatantem Gegensatz zu seinen Gemälden der Zeit In seinem plastischen Werk der 1920er Jahre sind damit Übereinstimmungen mit der neusachlichen Skulptur zu beobachten Der chronologische Ablauf macht auch Brüche in Kirchners bildhauerischem Werk augenfällig das bei allen Entwicklungslinien stilistisch heterogen war Von den autonomen Skulpturen der Davoser Zeit unterscheiden sich die zeitgleich entstandenen Möbel und Gebrauchsgegenstände die in der Stuttgarter Ausstellung mit einem großen Konvolut vertreten sind insbesondere ein für Kirchners Lebensgefährtin Erna gestaltetes Bett Kat 29 sowie mehrere aus einem Stamm gearbeitete Stühle Kat 31 34 und 40 die mit figürlichen Schnitzereien versehen sind Sie sind nach wie vor eher roh behauen und setzen zeigen Einflüsse afrikanischer und polynesischer Kunst Dazu gehören auch die beiden monumentalen Figuren Adam und Eva von 1921 Kat 39a und b mit ihrer starr frontalen Haltung und den geometrisch reduzierten Körperformen die der Künstler ursprünglich als Torfiguren für sein Davoser Haus In den Lärchen konzipierte Mit der ausführlichen Darstellung der Davoser Zeit die von der Forschung oft vernachlässigt worden ist setzt die Ausstellung einen wichtigen Akzent Auch Kirchners in Davos entstandenes Spätwerk stellt sie in einem eigenen Abschnitt vor Von 1931 bis 1936 schuf der Künstler eine Reihe bildhauerischer Arbeiten die sich stilistisch deutlich von den früheren Werken unterscheidet In ihrer Abstraktion korrespondieren sie stärker als die bisherigen Skulpturen mit der Entwicklung in Kirchners malerischem Schaffen in dem zur selben Zeit eine ähnliche Tendenz hin zur formalen Abstraktion zu beruhigt ausbalancierten Kompositionen und zu gerundeten Formen zu beobachten ist so beispielsweise bei der holzsichtigen Liegenden von 1932 Kat 56 Die ausgestellten Skulpturen dokumentieren eindringlich die hohe Qualität auch dieser Phase von Kirchners Schaffen Abgerundet wird die Ausstellung durch Gemälde Aquarelle Zeichnungen und Druckgrafiken die die Bezüge zwischen den Skulpturen Kirchners und seinem übrigen Werk anschaulich machen So verwendete der Künstler seine plastischen Werke als Bildthemen für Gemälde und Aquarelle Die kleinen Schnitzarbeiten fungierten als Belebung der Atelierszenen oder auch als Vorlagen für Stillleben Größere Skulpturen wurden dagegen zu regelrechten lebenden Modellen Häufig behandelte der Künstler auch dieselben Motive in verschiedenen Gattungen Kirchners gattungsübergreifenden Gestaltungswillen veranschaulichen eindrücklich die Reliefs zweier Ziegen und einer Kuh Er ritzte sie in die Außenseiten

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/498/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Richelieu (1585-1642) – Kunst, Macht und Politik - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Richelieus Vorgehen ist allenfalls die Systematik mit der er die Kunst seinen Intentionen dienstbar macht ihr ihren Platz in seiner Vision des Staatsgebäudes zuweist sie staatlicher Kontrolle zu unterwerfen sucht Auch wenn eines seiner wichtigsten Projekte die Gründung der Académie royale de Peinture et de Sculpture erst 1648 sechs Jahre nach seinem Tod realisiert werden konnte so gingen doch von ihm die Impulse aus durch eine Reglementierung und Rationalisierung der Kunst bzw ihrer Lehrbarkeit an den entsprechenden Institutionen ihr Niveau auf breiter Basis anzuheben der Gedanke der Akademie in ihrer französischen Ausprägung wie er jahrhundertelang die Vorstellung von einer professionellen Künstlerausbildung bestimmen sollte nimmt bei einem Kunstasketen ihren Ausgang der jeder Form von Zügellosigkeit auf kulturellem und künstlerischem Gebiet mißtraute 6 Bei Richelieu der gewiß nicht ohne Vorbilder 7 oder Vorläufer im eigenen Land eine der ersten Propagandamaschinerien der Neuzeit schuf kann man eigentlich erst mit Fug und Recht von einer Kunst und Kulturpolitik sprechen die unter seinem Sohn und Nachfolger Ludwig XIV systematisch ausgebaut und meisterhaft weiterentwickelt wurde Die Ausstellung im Untergeschoß des Wallraf Richartz Museums fächert in sechs Abteilungen die unterschiedlichen Wirkungskreise des Kardinals das historische Umfeld die Lebensumstände des einfachen vom Dreißigjährigen Krieg heimgesuchten Volkes die Stadtentwicklung von Paris sowie das Nachleben seiner zum Mythos verklärten Gestalt im 19 und beginnenden 20 Jh auf wobei die Aufspaltung in staatliche kirchliche intellektuelle und mäzenatische Sphäre zwar aus ausstellungsdidaktischen Gründen sinnvoll ist aber den in der Person des Kardinal Ministers verkörperten untrennbaren Lebenszusammenhang zerreißt der sich immer als ein zugleich im Namen der Kirche und des Staates im Namen Gottes wie seines Königs Handelnder verstand Quer zu diesen Hauptabteilungen liegen Subthemen Teilaspekte verborgen wie z B Richelieu und Poussin oder Richelieu und Philippe de Champaigne die zu entdecken und denen nachzugehen sich ebenfalls lohnen würde Frankreichs Ruhm und Größe wie die erste Abteilung überschrieben ist zu mehren und zu verherrlichen stand im Zentrum aller künstlerischen Unternehmungen des Ersten Ministers und Dieners Ludwigs XIII Daß Richelieu innerhalb dieses Rahmens eine eigene glänzende Selbstdarstellung seiner Person und seiner Familie betrieb bedeutet keinen Widerspruch die Staatsräson erforderte es regelrecht selbst Staat zu machen In diesem Sinne konnte auch das Wappen des Kardinals im Giebeldreieck seines Schlosses Richelieu bei Chinon im Poitou selbstbewußt prangen solange es nur auf den König verkörpert in seiner Marmorstatü in der zentralen Nische der Fassade bezogen und ausgerichtet blieb Paradigmatisch brachte die heute zerstörte berühmte Galerie des hommes illustres im Stadtpalast Richelieus dem Palais Cardinal heute Palais Royal das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Königsschloß dem Louvre lag seine Auffassung von der monarchischen Staatsordnung zum Ausdruck und führte die seiner Meinung nach vortrefflichsten Männer Frankreichs und einer Frau nämlich Jeanne d Arc angefangen von Abt Suger von St Denis im 12 Jh bis hin zu ihm selbst in Ganzfigurenporträts vor Augen die sich vor allem durch militärische Tapferkeit Loyalität gegenüber Frankreich und Königstreue ausgezeichnet hatten und darin dem zeitgenössischen Schwertadel als leuchtende Vorbilder den Weg weisen sollten Von dem einstmals 25 Porträts umfassenden Zyklus ausgeführt von Philippe de Champaigne und Simon Vouet haben nur ganze sieben die Zeiten überdauert von denen fünf mitsamt der erhaltenen z T erst kürzlich entdeckten narrativen Begleittäfelchen von Justus van Egmont in Köln gezeigt werden können Von dem bedeutendsten königlichen Kunstunternehmen der Regierungszeit Ludwigs XIII der Ausstattung der über 400 m langen Grande Galerie des Louvre für die eigens Nicolas Poussin aus Rom an die Seine geholt wurde zeugen heute nur noch Bruchstücke Vorzeichnungen Skizzen des sich nur widerwillig der undankbaren ihm nicht angemessenen Aufgabe fügenden Künstlers sowie Reflexe in dokumentierenden Nachstichen Dieses kaum über die Anfänge hinausgekommene letztlich gescheiterte Projekt gewinnt als Dokument des Mißverständnisses zwischen Poussin und Richelieu der fehlenden Sensibilität des letzteren das Interesse des Kunsthistorikers Der zweite Ausstellungssaal versammelt unter dem Programm Für die Ehre Gottes großformatige Gemälde religiösen Inhaltes die von Richelieu François de Sublet de Noyers seinem Kunstministers und anderen für Kirchen bzw Stadtpaläste in Auftrag gegeben wurden Daneben begegnet der Ausstellungsbesucher Richelieu als Stifter der Kirche der Sorbonne die nach dem Vorbild der Peterskirche in Rom von der ersten monumentalen steinernen Kuppel in Paris gekrönt wird Ausgaben seiner theologischen Schriften von bedeutenden Künstlern mit Frontispizen versehen und in der königlichen Druckerei verlegt weisen ihn als geistlichen Lehrer und Seelenhirten aus der die ins Wanken gekommene Katholizität über seine organisatorischen Maßnahmen hinaus in den Herzen der Gläubigen zu verankern trachtet Teil 3 Richelieu und die Welt des Geistes eine Anspielung auf die Pariser Ausstellung von 1985 widmet sich seiner Patronage für Literatur und Theater Eine ganze Serie qualitätvoller Kupferstiche die als Titelblätter dem Kardinal gewidmete Dissertationen schmückten gibt Gelegenheit den beginnenden Personenkult um den für alle Segnungen des Glücks verantwortlich gemachten Minister zu studieren unverkennbar sticht das markante schon formelhaft reduzierte Konterfei Richelieus heraus allegorisch überhöht in schier unerschöpflichem Erfindungsreichtum werden die Erfolge seines segensreichen Regiments ausgebreitet In diesen Huldigungsblättern drückt sich eine uns heute befremdende Devotion und Unterwürfigkeit aus die dem Kardinal Herzog eine nahezu königsgleiche Stellung zuspricht Eminenz und Unternehmer Richelieus Mäzenatentum ist leicht irreführend der folgende vierte Themenkomplex der Ausstellung überschrieben der gleichsam ihr Herzstück bildet nicht nur weil hier die Glanzstücke des Rundgangs präsentiert werden sondern weil der Kardinal als Auftraggeber in eigener Sache auftritt und anhand seiner Schlösser und Paläste bzw deren Ausstattung einen unmittelbareren Einblick in seine künstlerischen Vorstellungen und Bestrebungen gewährt Seine wichtigsten Bauprojekte und Besitzungen die Schlösser und Gärten in Rueil und Richelieu letzteres begleitet von einer Idealstadt die ebenso den Namen des Kardinals trug das Palais Cardinal in Paris werden zwar durch weitgehend unkommentiert dargebotene Stiche und Zeichnungen vergegenwärtigt finden aber nicht die Aufmerksamkeit die der Architektur da sie im Gegensatz zu den nur einem ausgewählten Kreis zugänglichen Gemälden und Kunstsammlungen eine erheblich größere Außenwirkung entfaltet eigentlich zustünde Der architekturhistorisch Interessierte sucht vergeblich nach einer architekturikonologischen Analyse oder typologischen Einordnung der Bauten und Gartenanlagen und muß sich an den Katalog halten um sich zu unterrichten 8 Eine von Bernini 1640 41 in Rom gefertigte Marmorbüste Richelieus verdeutlicht exemplarisch welches enorme Prestige mit dem Besitz von Meisterwerken der größten lebenden

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/499/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Sand in der Vaseline. Kuenstlerbuecher II. 1980-2002 (Krefeld) - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    die harmloseseren Seiten der hier versammelten Buecher aufgeschlagen sind Die kleinen Underground Comics von Pettibon die einfach kopiert und geheftet aus dem Selbstverlag seinerzeit fuer nur einen Dollar fuenfundsiebzig zu erwerben waren reichen ueber Horror Blasphemie und Pornographie zum poetisch selbstreflexiven Sujet Auf dem Deckblatt von Poetic use of Blood von 1989 steht neben einer Zeichnung eines vornuebergefallenen in der eigenen Blutlache liegenden Mannes der Kommentar the front covering you finally made it into my book with a bang und links unten die Aufforderung but turn me over Abb 3 der Tod im Comic als Aufmacher Damien Hirsts I want to spend the rest of my life everywhere with everyone one to one always forever now von 1998 ist eines der Buecher die in einer Ausstellung so sehr sie auch umschrieben und erklaert werden wohl immer zu kurz kommen werden In diesem autobiographischen Buch Barbara Horvath 7 geht es Hirst in erster Linie um die eigene Arbeit die spielerisch von seinen Lesern durch das Ziehen von Laschen oder kleben von Stickern und das Drehen und Wenden des Buches erfahren werden kann Beim Thema Photographie in den Kuenstlerbuechern der 1980er und 90er Jahre die die folgende Sektion der Sichtbaren Welt zeigt sind Hans Peter Feldmann Martin Parr Wolfgang Tillmanns und Peter Fischli David Weiss vertreten Was sich schon auf dem Frontcover des Ausstellungkataloges so attraktiv in den Blick schiebt ist hier wiederzufinden die uebergeschlagenen in Netzstrumpf gehuellten Beine einer Frau deren Kopf jedoch immer wie unprofessionell fotografiert abgeschnitten ist Abb 4 Diese Beine die durch Kinderphotos der Fotografierten ergaenzt werden sind das bestimmende Motiv im Heft Rouge von Hans Peter Feldmann eines der Hefte die er seit 2001 zusammen mit Céline Duval in der Reihe der Cahiers d images herausgibt Bildserien die sich enzyklopaedisch ausgewaehlten Themen wie Gefuehlen oder dem Fliegen widmen Die aus verschiedenen Kontexten stammenden Bilder entbehren einer Bildunterschrift und beginnen als anonym gewordene und schlicht kopierte Bilder ein neues Eigenleben Sie formen sich im Kopf des Betrachters zu einer individuellen Vorstellungswelt zusammen 8 so Dorothea Klein im Katalog zur Ausstellung Es soll um wahre Geschichten in den Arbeiten des naechsten Ausstellungsabschnittes gehen womit nicht selten die Dokumentationen kuenstlerischer Aktionen gemeint sind von denen zwei genauer besprochen werden sollen Sophie Calles L homme au carnet Libération von 1989 und The B thing der Gruppe Gelatin von 2001 Calles Kuenstlerbuch besteht aus lose gefalteten Blaettern der Tageszeitung Libération die sich als eine Serie herausstellen in der ein Mann beschrieben wird ohne dass sein Name genannt oder sein Bild gezeigt wird Calle zeigt sich in dieser Arbeit von ihrer besten Spionageseite denn sie dokumentiert hier das was sie in wochenlanger Arbeit zusammentrug das Profil eines Mannes dessen Adressbuch sie gefunden kopiert und durchgearbeitet hat auf der Suche nach den Freunden und Bekannten die ihr ueber dessen Privatsphaere seine Identitaet Auskunft gaben Die Gruppe Gelatin hingegen war mit dem Projekt B thing auf der Suche nach einem Realitaetskick der besonderen Art Abb 5 Ihr duennes Baendchen laesst schon ertasten um was es

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/501/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Noahs Arche und das Dresdner Kupferstich-Kabinett (Dresden) - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    erstaunlicherweise bereits in den gezeigten Kupferstichen beruecksichtigt Neben dem Wasserbecken das der Kupferstecher Jan Luyken um 1697 auf einem Deck seiner Arche Noah zeichnete sah er ledige plaats vor Auf demselben Geschoss fuer vierfuessige Tiere liess er einen anderen leeren Raum um etwas zu bewahren Weiterhin finden wir einen leeren Stall und einen Platz fuer Tiere die vergessen sein moegen Die Arche Noah voll ungenutzter Tierstaelle Gottes Rettungskahn mit Platz fuer Unvorhergesehenem Haben unbekannte Arten die Sintflut ueberlebt Der Amsterdamer Kuenstler schuf eine Konstruktion die in ihrer Kastenform weniger an der Seetuechtigkeit als an der vermuteten Ordnung der Natur orientiert war Waehrend das Alte Testament die Geschehnisse nur wenig ausschmueckt untersuchten die Renaissancegelehrten bildreich die Technik der Schiffsbaus der Artenauswahl und Ordnungsbildung Ihnen war jedoch bewusst es bleiben immer Luecken Auch die populaere Bibel von Lucas Schnitzer die vor 1649 in Nuernberg entstanden ist veroeffentlichte Schnitte und Grundrisse der Arche Und auch sie kannte vier Raeume auf dem Dritten Boden des Schiffes die frei blieben weil darein noch mehr Thiere koennten gebracht und Raum zu stehen haetten Bewusst wurde Platz gelassen der erst spaeter gefuellt werden sollte um Kapitaen Noah Flexibilitaet an Bord zu ermoeglichen Da die Dresdner Sammlung nun selber unterwegs ist stellt sich die Frage ob ihre Kuratoren auch an genuegend freie Raeume gedacht haben nicht in Magazinen sondern als Repraesentationen des Unbekannten und Vergessenen des Fluechtigen und Bewegten Immer mehr Museumsneubauten beherbergen solche leeren Bereiche In der Wandelhalle der Berliner Gemaeldegalerie mag man sich Noah vorstellen wie er sich von Geschnatter und Gebruell aus den Staellen erholt Die unzugaenglichen Zwischenraeume voids des Juedischen Museums koennten die Trauer ueber die Gewalt des Staerkeren und den Tod Unschuldiger beherbergen Und der glaeserne Fahrstuhl im leeren Gasometer von Oberhausen liesse die Erforschung hoeherer Atmosphaeren zu fuer die wir landlaeufig nicht

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/526/mode=exhibitions (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • An der Wiege der Kunst. Italienische Zeichnungen und Gemälde (Dresden) - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    UV Licht erstellten Bilder mitunter größere Abbildungen oder vergrößerte Ausschnitte daraus gewünscht um die Ergebnisse der kunsttechnologischen Untersuchungen besser nachzuvollziehen zu können wofür jedoch der Blick in den ausliegenden Katalog weitgehend entschädigt 3 Chronologische Abfolge und Differenzierungen der verwendeten graphischen Mittel lassen sich auch bei den untersuchten Zeichnungen nun vielfach genauer bestimmen Die Analyse von Zeichnungen anhand nicht invasiver kunsttechnologsicher Methoden ist dabei selbst noch jungen Datums so dass hierbei wie vor wenigen Jahren bezüglich der Unterscheidbarkeit von Silber und Bleigriffellinien geschehen 4 zunehmend weitere spezifischere Methoden entdeckt werden So lässt sich nun wie Lorenza Melli S 32 39 sowie Olaf Simon und Carsten Wintermann S 26 31 in ihren jeweiligen Katalogbeiträgen darlegen bei einigen Figurenstudien Filippino Lippis der alternierende Einsatz zweier Metallstifte unterscheiden der an jeweils andere Funktionen gebunden ist Der Bleigriffel kommt für summarische Konturen der Silbergriffel für fließender zu modellierende Volumina zum Einsatz Auch funktionale Verortungen der Zeichnungen selbst werden möglich beispielsweise wenn bei einer Zeichnung Vittore Carpaccios ein zu Übertragungszwecken aufgebrachtes Quadratraster das mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen ist in der Infrarotreflektographie deutlich zutage tritt Abgesehen von der durch die Forschungsprojekte vorgegebenen Akzentuierungen erfolgt die Hängung von Tafelgemälden und Zeichnungen in der Dresdner Ausstellung weitgehend chronologisch unter lockeren thematischen Schwerpunktsetzungen wie z B den Themenkomplexen der Antikenrezeption von Bewegung und Affekt oder lokalen Sonderstellungen wie etwa der Position Venedigs und der terraferma als einer einem eigenen Einflussbereich unterliegenden Region Besonders hervorzuheben ist das geglückte Bestreben die ursprünglich liturgischen Kontexte einzelner Exponate unaufdringlich ins Bewusstsein zu rufen So wird beispielweise mittels der Rekombination des im 19 Jahrhundert in zwei Teile zersägten Vortragekreuzes Sano di Pietros auf einer stabähnlichen Konstruktion die duale Rezeption der jeweiligen Bildseiten Christus patiens und triumphans als zwei interdependente Momente des einen heilsgeschichtlichen Geschehens neu erfahrbar Analog können etwa auch die Dresdner Pilaster Luca Signorellis innerhalb alternativer auf die Wand projizierter Rekonstruktionsvorschläge wieder in ihrer ursprünglichen tragenden wie rahmenden Einbindung rezipiert werden In diesem Zusammenhang scheint auch die Reihe der Kunstgespräche mit Theologen die im Kontext des Rahmenprogramms der Ausstellung zu unterschiedlichen Themen und Exponaten angeboten werden als ein erfreulicher Brückenschlag Als größte Entdeckung im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung ist die Auffindung der linken Hälfte einer zeichnerischen Kopie Falconettos durch Olaf Simon zu bezeichnen Während die rechte Hälfte der Zeichnung nach einem Relief des Konstantinsbogens in Rom als solche bekannt und von Lorenza Melli bereits 2006 detailliert untersucht worden war fand sich das Gegenstück unter den deutschen Blättern der zweiten Garnitur des Dresdner Kupferstichkabinetts Erneut zusammengefügt und unter UV Licht besehen wird deutlich dass der Zeichnung nicht nur eine faktische Trennung möglicherweise im Zuge einer symmetrischen Anbringung in einem barocken Albumkontext zugemutet sondern auch dass die ursprünglich mittig in der Szene auf einem Podest stehende Figur kurzerhand ausradiert worden war In der Ausstellung ist die Zeichnung nun nicht nur wieder vereint auch die ursprünglich mittig angelegte Dianafigur deren flüssiges Zeichenmedium tief ins Papier eingedrungen war und nicht völlig getilgt werden konnte tritt im enthüllenden UV Licht wieder als verbindendes Glied beider Figurengruppen in

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/9004/this.href, (2016-02-12)
    Open archived version from archive

  • Freundschaftsantiqua - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    1961 als typografisches Produkt und Medium der sozialistischen Völkerverständigung die ihren nationalen Wurzeln abschwören und sich gleichzeitig widerstandslos einer fremden europäischen Schrifttradition angleichen wollte Die Ausstellung provozierte die Frage nach der Vereinbarkeit von proletarischem Internationalismus und eurozentristischem Denken in postkolonialen sozialistischen Gesellschaften Die Internationalität in Kunst Kulturpolitik und austausch in der DDR stand bisher kaum im Fokus von wissenschaftlichen und künstlerischen Untersuchungen So betreten Publikation und Ausstellung mit ihrem Schwerpunkt absolutes Neuland Die Schau präsentierte erstmals öffentlich ein ungewöhnliches Konvolut von Diplomarbeiten ausländischer Studierender der HGB der Jahre 1959 bis 1987 und konfrontierte diese mit zwei aktuellen künstlerischen Bezugnahmen Gezeigt wurden hauptsächlich fotografische und ausgewählte buchkünstlerische Projekte Der politische Kontext der Thematik wurde von der Ausstellung übersichtlich und fassbar erklärt So wurden im Rahmen bilateraler Kulturabkommen Studierende aus den sozialistischen Bruderländern der DDR und sogenannten jungen Nationalstaaten in die DDR entsandt um von Freunden zu lernen Ganz klar wird dabei dass sich der das Lernen offiziellerseits mehrheitlich als eine Art künstlerische Entwicklungshilfe gestalten sollte und weniger als Austausch zwischen den teilweise sehr fremden Kulturen gedacht wurde In den 50er und 60er Jahren wählten viele der ausländischen Studierenden der HGB das Fach Typografie Später in den 70er Jahren erfreute sich die Fachklasse Fotografie großer Beliebtheit Den Ausstellungsschwerpunkt Fotografie begründen die Kuratorinnen Julia Blume und Heidi Stecker darüber hinaus inhaltlich und formal denn Arbeiten Studierender sieht man häufig an bei welchem Professor sie studiert haben Die Frage kultureller Spezifika oder der Verschiebung von Blickwinkeln stellt sich in der Fotografie am klarsten während sich die Protagonisten in den Fachgebieten Buchgestaltung Grafik und Malerei deutlicher an ihr HGB Umfeld bzw die Lehrenden anlehnten 1 Dem Bereich der Fotografie wurde zudem nach Auffassung der Kuratorinnen eine gewisse Narrenfreiheit gewährt da sie erst gegen Ende der DDR als künstlerisches Medium offiziell akzeptiert wurde 2 Die Motivation dieser Studierenden und der Entsendeländer ist denkbar vielfältig gewesen findet aber in der Anerkennung der Einzigartigkeit und Qualität der Fotoklasse einen gemeinsamen Nenner Insbesondere bei den Delegierungen scheint jedoch auch der Wunsch nach einer eigenen propagandistischen Bildsprache stark gewesen zu sein Neben der größeren Gruppe der auf der Grundlage von Kulturabkommen entsandten Studierenden gab es solche ausländischer Herkunft mit ständigem Wohnsitz in der DDR die zu den gleichen Bedingungen wie DDR Bürger studieren konnten Erstaunlicherweise eröffneten sich seit den 60er Jahren Studienmöglichkeiten für Bürger des kapitalistischen Auslandes wenn sie denn in der Lage waren ihr Studium selbst zu finanzieren Die meisten Positionen dieser Ausstellung verdeutlichen eine starke Auseinandersetzung der Studierenden mit dem DDR Alltag und ihrer unmittelbaren Erfahrungen und zeigen weniger propagandistische Tendenzen Die künstlerischen und gestalterischen Arbeiten der Studierenden öffnen Themen die in der DDR lange Zeit ungewöhnlich waren der Umgang mit Kindern und Jugendlichen der Umgang mit Behinderten Umweltzerstörung Religiosität John Lutayas Fotografien mit dem Titel contradictions umschreibt eine Grundhaltung der ausgestellten Werke Exemplarisch für das tiefe Eintauchen in den realen DDR Sozialismus steht die Arbeit des aus Hanoi stammenden Fotografen Nguyen The Tuc der die Zerstörung des Dorfes Magdeborn bei Leipzig durch den fortschreitenden Braunkohleabbau dokumentierte Mit

    Original URL path: http://arthist.org/reviews/8224/this.href, (2016-02-12)
    Open archived version from archive



  •