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  • Der politische Warburg - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    zu kurz griff An diesem Beispiel wurde deutlich wie die Bildwissenschaft der KBW fruchtbare Denkräume auch für die Philosophie eröffnete In der zweiten Sektion Zeichnen und Schreiben stellte Barbara Wittmann vom Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin in ihrem Vortrag Hans Guck in die Luft in Amerika Aby Warburg und die Kinderzeichnung ein Experiment mit christianisierten Indianerkindern vor bei dem Warburg Kinderzeichnungen als Erkenntnismittel für seinen Vortrag zum Schlangenritual einsetzte Den Kindern wurde die Aufgabe gestellt zu einer Erzählung ein Bild zu malen in der ein Gewitter vorkam Einige der Kinder malten den Blitz als eine Schlange die sich in die Erde bohrt Das ließ sich durch die Mythen der indianischen Kultur erklären der diese Kinder zwar entstammten in der sie aber eben nicht mehr aufwuchsen Damit wurden sie für Warburg zum Beleg für das Fortleben mythologischer Formen Holger Brohm vom Seminar für Ästhetik der Humboldt Universität in Berlin zeigte in seinem Vortrag Verschiebung der Perspektive Pierre Bourdieus soziologische Panofsky Lektüre wie Bourdieu sich Erwin Panofskys Gothic Architecture and Scholasticism 1951 methodisch zu nutze machte und in der Auseinandersetzung mit diesem seinen Habitus Begriff entwickelte Panofsky der ebenfalls zum engeren Kreis der KBW zählte hatte die Prinzipien gotischer Baukunst mit der Scholastik verglichen In der strukturellen Vergleichbarkeit von Architektur und Philosophie sah Bourdieu Brohm zu Folge sowohl eine strukturalistische Kritik am Positivismus als auch eine historische Kritik am Strukturalismus Der Philosoph Ulrich Johannes Schneider aus Leipzig stellte in seinem Vortrag Foucaults Bildpolitik heraus dass Foucault zwar Velázquez Las Meninas 1657 in Die Ordnung der Dinge 1966 beschrieben und interpretiert hatte eine vom Bild ausgehende Methode aber weder entwickelt noch gebraucht hat Eindrucksvoll inszenierte Schneider die Abbildungslosigkeit von Foucaults Werk indem er Material zeigte das sich angeboten hätte darin abgebildet zu werden Selbst in seinem einzigen reich illustrierten Buch Überwachen und Strafen 1975 ging Foucault nicht analytisch auf sein Bildmaterial ein Die dritte Sektion Fotografieren und Filmen eröffnete der Kunsthistoriker Thomas Hensel mit einem Beitrag über Warburgs politische Kinematographie der Warburgs Beschäftigung mit dem dänischen Film Das Himmelsschiff 1917 von Holger Madsen ins Zentrum stellte Der Film lief 1918 im Frontkino der österreichisch ungarischen Armee Er zeigt die Begegnung mit einer außerirdischen Kultur die ihre Kriege hinter sich gelassen hat Warburg bescheinigte ihm einen friedensagitatorischen Grundgedanken auch wenn er nicht direkt auf den Weltkrieg eingeht Hensel konnte aufzeigen wie Warburg die Außerirdischen des Filmes analog zu den Indianern in seiner Studien zum Schlangenritual 1895 1896 betrachtete Im Stummfilm seiner Zeit sah Warburg eine universelle Kunst die auf der überall verständlichen Gebärdensprache als einer Art Ursprache oder Muttersprache des Menschen basierte Ingeborg Villinger Politikwissenschaftlerin und Leiterin eines Medienanalysezentrums an der Universität Freiburg sprach über Ernst Cassirer und die Medien des Politischen Sie hob hervor dass Cassirer von der Dualität Mythos gegen Aufklärung geprägt war Ihm galt der Mythos als unüberwindbar und im Untergrund immer vorhanden die Politik stets in die Gefahr versetzend sie zu sich hinabzuziehen Villinger zeigte wie sich Cassirers Kategorien auch heute noch für eine Medienkritik fruchtbar machen lassen

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  • Junges Forum für Bildwissenschaft 2006 - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Bacons Der Nachweis malerischer Übernahmen von Rissen Faltungen oder Beschädigungen der Photographien durch Überlagerung in seine Personendarstellungen ist zweifellos ein wichtiger Beitrag zum Werkverständnis und die performativistische Perspektive darauf fraglos originell doch die Wahl der theoretischen Garanten wie auch die Hintanstellung der Rezipientenseite ließen bildtheoretisch durchaus noch Fragen offen Gleiches gilt für den Beitrag Jan Behrendts Hamburg zum Thema Propagandabilder Über die Selbstdarstellung der DDR in der Dritten Welt In seinem Vortrag über das von der DDR in Dritte Welt Staaten vermittelte Deutschlandbild vermischten sich der metaphorische Sprachgebrauch vom Image eines Landes und der faktisch produzierten Bilder in Schulbüchern Ausstellungen oder auf Plakaten Eine solche großzügige Verwendung des Bildbegriffs mag zwar im Rahmen des historisch außenpolitischen Argumentationsinteresses der vorgestellten Forschungsarbeit zulässig sein erscheint in bildwissenschaftlicher Hinsicht aber als unterkomplex Zwar unterschied Behrendt zwischen den drei Bildzuständen von institutioneller Vorstellung Imagination Darstellung Realisation und dem daraus resultierenden Image Rezeption insistierte aber mit feiner Provokation darauf dass ausnahmslos alle außen und kulturpolitischen Maßnahmen als bildkonstituierend anzusehen seien Die Argumente derer die dem eine differenzierte Eingrenzung des Bildbegriffs entgegensetzen wollten zeigten jedoch dass exaktes Redenkönnen über Bilder noch ein Desiderat bildwissenschaftlicher Konkretisierungsvorhaben wie dieser Tagung ist Angesichts der herrschenden Sprachlosigkeit hat es sich Klaus Sachs Hombach Magdeburg zur Aufgabe gemacht mit Hilfe der analytischen Philosophie das Reden über Bilder auf eine gemeinsame fächerübergreifende Basis zu stellen Mit Was ist eine allgemeine Bildwissenschaft Über einige philosophische Grundlagen der bildwissenschaftlichen Forschung überschrieb er seinen Abendvortrag der als Stufenweg von Bildbeschreibung über Bildwirkung zur Bildtheorie konzipiert war Das Bemühen von Sachs Hombach um eine Kommensurabilität der bislang getrennten fachinternen Bilddiskurse ist fraglos anerkennenswert zu einem überzeugenden Haltepunkt ist die vorgetragene Anleitung zum Weiterfragen allerdings nicht gelangt Denn es ist nicht einsichtig warum man von der rhetorisch kommunikationstheoretischen Frage nach den generellen Bedingungen von Bildwirkungen gleich auf die anthropologische Problematik der logischen Voraussetzungen für Wesen mit Bildfähigkeit geraten sollte Schon der Begriff Bildfähigkeit warf mehr Fragen auf als er als methodischer Ansatzpunkt beantworten konnte Und dennoch das mit beachtlicher Hartnäckigkeit verfolgte Projekt einer Allgemeinen Bildwissenschaft das von Anfang an mit stärksten Vorbehalten sämtlicher sie betreffenden Disziplinen rechnen musste leistet in Gestalt von Sachs Hombach einen unverzichtbar gewordenen Dienst zum Selbstverständnis bildwissenschaftlicher Forscher wenn oftmals auch nur als Wetzstein der eigenen auf größere Differenziertheit oder gegen metadisziplinäre Vereinnahmung gerichteten Argumente Den zweiten Teil des Jungen Forums eröffnete Viktor Bedö Budapest mit seinem Beitrag über Landkarten als Werkzeuge des Denkens Die Vermessung von Terrain und dessen Sichtbarmachung durch artifizielle Sehwerkzeuge wurde bereits in einigen anderen Beiträgen thematisiert Bedö ging es jedoch um eine andere Dimension der kartographischen Vermessung ihre Auswirkungen auf das Denken Ausgehend vom Wittgensteinschen Begriff des Musters ist die Landkarte das Spielfeld von Sprache und Bildern die in einem Netz von Familienähnlichkeiten miteinander verbunden sind Da wir Gesehenes in Wissen umwandeln müssen sich mit der Veränderung der Muster etwa durch Änderung der Skalierung auch unsere Denkstrukturen ändern Umgekehrt sagt aber die Wahl der kartographischen Parameter etwas über das Informationsinteresse des Kartennutzers aus Diese zunächst triviale Tatsache erhält

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  • Zwischen Neugotik und Klassizismus - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Vordergrund wobei es um Fragen wie die beginnende Wertschätzung mittelalterlicher Monumente den Handlungsspielraum staatlicher Baubeamter und die Entwicklung der Denkmalpflege ging Reinhard Strecke arbeitete die Rolle von Oberbaudeputation 1809 gegründet und Bauakademie im zeitgenössischen Baubetrieb heraus der zunehmend von ökonomischer Vernunft und Sparsamkeit sowie einer rasch voranschreitenden Verwissenschaftlichung bestimmt wurde beispielsweise die Vereinheitlichung von Fachbegriffen und Maßeinheiten Nicht mehr die Praxis war es an der sich die Baubeamten orientierten sondern die Mathematik die sich sozusagen zwischen Neugotik und Klassizismus die beiden Stile die den ästhetischen Bezugsrahmen abgaben schob Strecke illustrierte dies anschaulich an Hand einer Festdekoration die die Oberbaudeputation zum Einzug des Königs in Berlin nach den siegreich beendeten Befreiungskriegen entworfen hatte Darauf war zwischen den Architekten Vitruv und Erwin von Steinbach der Mathematiker Archimedes dargestellt und damit in die Reihe der Vorväter der Baukunst aufgenommen In dem Vortrag wurde Schinkel in seinen vielfältigen Verflechtungen mit rivalisierenden Ideologien und Institutionen und den darin agierenden Personen präsentiert und seine Zeit in ihrer ganzen Vielschichtigkeit dargestellt in der das Gegensatzpaar Neugotik und Klassizismus nur eines von vielen war das von anderen wie dem von Nutz und Repräsentationsstil überlagert wurde Welche Rolle das erwachende Nationalbewusstsein bei der Institutionalisierung der Denkmalpflege spielte dieser Frage ging Axel Klausmeier nach Er führte aus dass sich das Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit historischer Bauwerke angesichts der großen materiellen Verluste durch den Eroberungskrieg des französischen Heeres sowie die Aufhebung der Klöster und Stifte entwickelt hatte Denkmale wurden zunehmend als Geschichtszeugnisse und somit materielle Beweisstücke der eigenen Geschichte angesehen 1829 Aufruf zur Rettung des Mainzer Domes In Verbindung mit einem antinapoleonischen Nationalismus war diese Entwicklung somit von Beginn an patriotisch eingefärbt Schinkel dessen Engagement für die Denkmäler genau in diese krisengeschüttelte Zeit fällt war seit 1809 in der Oberbaudeputation unter anderem für die Altertümer zuständig Er wird von Klausmeier als konzeptionell denkender Wegbereiter der Denkmalpflege gewürdigt der sich bereits 1815 für die systematische Erfassung und Auflistung der Denkmale einsetzte und der wenn er beispielsweise vor zeitgeistbedingten Urteilen warnte sich als überraschend vorausblickend erwies Ausgehend von einer 1776 durch das preußische Generaldirektorium gestellten Preisfrage zur Dauerhaftigkeit mittelalterlichen Mauerwerks warf Christof Baier in seinem Vortrag einen Blick auf den Wandel des Mittelalterbildes der sich innerhalb der preußischen Bauverwaltung vollzog Zunächst galt die Wertschätzung welche die Bauverwaltung den alten Gebäuden entgegenbrachte ausschließlich ihrem soliden Ziegelmaterial das man aus Abbrüchen gewann und im Interesse des angestrebten dauerhaften ökonomischen Bauens in Neubauten wieder verwendete Erst um 1800 einhergehend mit dem erwachenden Nationalbewusstsein setzte eine umfassende Neubewertung gotischer Baukunst ein die nun als gleichwertig mit der Antike Gotik als vaterländische Antike und Zeugnis einer großen nationalen Vergangenheit angesehen wurde Deutlicher als am Beispiel von David Gilly und seinem Sohn Friedrich kann sich dieser Umschwung hier zugespitzt als Generationenkonflikt kaum präsentieren Will Vater Gilly die mittelalterliche Marienburg noch abreißen lassen um Material für Neubauten zu gewinnen ist der Sohn angesichts der großartigen gotischen Konstruktion von einer patriotischen Mittelalterbegeisterung ergriffen und will das gesamte Bauwerk für die Nachwelt retten Auch in zeitgenössischen Bauten wie dem Landirrenhaus Neuruppin und

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  • Inszenierungen der Küste - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    Grenzziehungen in der Küstengesellschaft Diskrepanzen in der Wahrnehmung der Natur auf Verweisen die Verfechter des Nationalparks Wattenmeer auf eine ursprünglich amphibische Landschaft als Leitbild einer noch nicht gezähmten Natur in der Zeit vor dem Deichbau so wird von anderer Seite etwa den Marschenbauern die vermeintliche technische Notwendigkeit der Deiche für den Küstenschutz akzentuiert Beide Gruppen bedienen sich in ihrer Argumentation der Mythenbildung Anknüpfend an den vorangegangenen Vortrag verdeutlichte Jakubowski Tiessen dass sich diese Gegensätze bereits in der Frühen Neuzeit herausgebildet hatten In den aktuellen politischen Diskussionen um den Nationalpark Wattenmeer würden demnach langfristige Mentalitäten sichtbar und wirksam Otto S Knottnerus Zuidbroek betrachtete die Küste unter dem Aspekt der zunehmenden Grenzauflösung und Entmythologisierung Eine gefahrvolle Existenz Zur inhärenten Ambivalenz der mittelalterlich frühneuzeitlichen Gesellschaft Dabei thematisierte der niederländische Soziologe und Historiker den bis in die Frühe Neuzeit als gefahrvoll erlebten Umgang mit dem Meer der sich allegorisch in den Darstellungen der Meerungeheuer niederschlug Das Misstrauen der abendländischen Kultur gegenüber dem wilden Meer habe relativ abgeschlossene Küstengesellschaften hervorgebracht Knottnerus beschrieb das Leben an der Küste als betwixt and between voller Gefahren und Widersprüche einerseits mit vielfältigen vor allem im Verlauf der Frühen Neuzeit zunehmend genutzten Chancen für Wirtschaft und Handel andererseits Die Säkularisierung und Entmythologisierung der Nordseeküste vollzog sich regional unterschiedlich wie Knottnerus im Vergleich zwischen den norddeutschen und nordniederländischen Küstenregionen zeigte Der zweite Tagungstag begann mit zwei kunsthistorischen Referaten die sich mit niederländischen Landschaftsbildern des 17 Jahrhunderts als Quellen zur zeitgenössischen Wahrnehmung und Deutung von Küstenlandschaften befassten Tanja Michalsky Frankfurt M setzte sich in ihrem Vortrag Sandige Wege Zur Imagination niederländischer Dünenlandschaften mit dem Verhältnis von Landschaftsmalerei und Kartographie im 17 Jahrhundert auseinander Sie verknüpfte die Entwicklung der Landschaftsmalerei als Repräsentationsform nationaler Inhalte mit Kartenwerken deren Aufgabe nicht auf topographische und geographische Darstellung bestimmter Landstriche beschränkt war sondern die auch deren Geschichte bildhaft vergegenwärtigten und verständlich machten Dünenlandschaften wie die Jan van Goyens bildeten eine komplementäre Ergänzung der durch die weitverbreiteten kartographischen Bilder vermittelten Vorstellung der Niederlande Die Gemälde boten eine natürlich wirkende ästhetische Erfahrung des Landes das durch Karten formelhaft beschrieben war Darüber hinaus zeigte Michalsky daß die Maler künstlerische Verfahren entwickelten mit denen sie oft ohne direkten Realitätsbezug authentisch wirkende Darstellungen schufen in denen die Alltagserfahrung zu einem Landschaftserlebnis gesteigert wurde Die Kunsthistorikerin Susan Müller Wusterwitz Hamburg befasste sich in ihrem Beitrag Felsige Küsten als Projektionen der Fremde in holländischen Landschaftsbildern des 17 Jahrhunderts zunächst mit Repräsentationen der holländischen Küste als Ideallandschaft Der Strand durch Genreszenen thematisch erweitert wurde zur Bühne einer horizontal gegliederten Gesellschaft die in Frieden Freiheit und innerer Einheit zu existieren schien Bedrohliche Themen wie Sturm und Schiffskatastrophen wurden nicht am Strand gezeigt sondern stets vor felsenbewehrten Küsten dargestellt Die Vorstellung von der bedrohlichen und zugleich reizvollen Fremde so Müller Wusterwitz wurde nicht zuletzt durch Illustrationen der um 1600 populären Reisebeschreibungen geprägt deren Phantasielandschaften häufig durch Schilderungen von Felsen als nicht holländisch gekennzeichnet waren Die Genres Strandbild und Sturm und Schiffbruch vor felsiger Küste die in der Forschung bislang getrennt verhandelt werden bilden zwei Seiten einer Medaille

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  • Grab, Kult und Memoria - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    rein typologischer Kategorisierung der Grabstätten hin zu einem sphärischen oder konzentrischen Modell anhand dessen Körpergebiete im Sinne Helmuth Plessners in ihrem Herrschaftsanspruch analysiert werden können Die Verräumlichung von Herrschaft durch die Besetzung des Raumes mit vom Körper abgelösten Zeichen genealogischer Identität spielt gerade bei den lutherischen Fürstengräbern eine herausragende Rolle anhand derer Heck sein Paradigma der gleichermaßen raumschaffenden wie identitätsstiftenden Sphärenbildung erläuterte Die hier aufgeworfene Grundsatzfrage wo denn das Grab beginne und wo es aufhöre wurde unter den in vieler Hinsicht anders gearteten Vorzeichen des römischen Hochbarock auch im Vortrag von Peter Stephan Jena aufgegriffen In einer erhellenden Interpretation der genitilizischen Kodierung der urbs eterna durch die Grabmäler Sixtus V und Alexander VII gelang ihm eine interessante Rekonstruktion päpstlicher Strategien der Aneignung und Überschreibung von Emblemata und ihrer sinnfälligen Positionierung innerhalb des römischen Stadtraumes Die Ortswahl der Monumente und Wappenembleme markierte dabei wie Horst Bredekamp bemerkte regelrechte Heilsitinerare der Päpste und ihrer Nepoten Um Fragen von Status und Legitimation ging es in der dritten Sektion an deren Beginn ein Beitrag von Carolin Behrmann Berlin stand Sie lenkte den Blick von Rom nach Paris um anhand zweier Fallstudien der Frage nachzugehen wie römische Kardinäle angesichts ihrer engen Beziehungen zum französischen Königshaus in der Gestaltung ihrer Grablegen von römischen Repräsentationsstandards abwichen und ihren Status in einem anderen kulturellen Kontext verdeutlichten Birgit Emichs Freiburg i Br Untersuchung der Gräber römischer Staatssekretäre des 17 und 18 Jahrhunderts unternahm den Versuch einer entwicklungsgeschichtlichen Einordnung dieser bislang noch nicht als Gruppe erfassten Monumente auf breiter Datenbasis Zwar konnte festgestellt werden dass sie primär als Zeichen der erfolgreichen Amtsführung des Individuums jenseits seiner klientelären Bindungen konzipiert sind die Geschichte der Entwicklung des Amtes jedoch spiegelt sich nicht immer in der Gestaltung der Grabmäler wieder Hier konnte Volker Reinhardt die Berechtigung seiner Forderung nach differenzierter Fallanalyse dann bestätigt sehen Der Vortrag von Martin Gaier Basel ging auf die Gründe der Entstehung und Popularität des Bildformulars der halberhobenen Liegefigur im oberitalienischen Cinquecento ein das einerseits auf etruskische Grabbilder rekurriert zum anderen ein dezidiert humanistisches Anspruchsdenken und die Zugehörigkeit zum hohen Klerus dokumentiert Oberitalienische Protonotare konnten sich hier auf römische Kardinalsgrabmäler beziehen um ihren Status zu signalisieren Der demi gisant geriet so zu einer propagandistischen Chiffre des Erfolges und der gelebten virtutes der Verstorbenen Dem spannenden Feld der Familienkonkurrenzen und seiner Auswirkung auf die Sepulkralkunst widmete sich die vorletzte Sektion Konkurrenzen genealogische Defizite und Legitimationsdruck sind dies wurde auf der Tagung erneut klar die mächtigsten Schubkräfte zur Aufwandssteigerung an Grabmälern Einen solchen Fall defizitärer Abkunft und der damit verknüpften Nobilitierungsversuche führte anschaulich Leon Lock London am Beispiel der Brüsseler Grablege des Lamoral des Tassis Thurn und Taxis vor Mit ihr offenbart sich ein Anspruchsdenken das sich über die Rückbindung an barocke römische Grabkapellen allen voran der Cappella Chigi bewußt deviant und international gibt um das Prestige der Familie zu erhöhen Eine Rechnung die aufging da Lamorals Sohn zum Reichsfürsten avancierte Als Paradefall einer politischen Instrumentalisierung des Grabmals für dynastische Ansprüche präsentierte Julian Blunk Dresden Paris die spektakuläre Doppeldecker Grablege Ludwigs

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  • Kunstgeschichte im Nationalsozialismus - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    das Seminar deutlich an Bedeutung Das Münchner Institut besaß bis 1935 mit Wilhelm Pinder eine prominente Gestalt nach 1935 prägte Hans Jantzen das Institutsgeschehen dessen Rolle allerdings zurzeit noch schwierig einzuschätzen bleibt In München stellt sich vielleicht noch stärker als an anderen Universitäten zudem die heikle Frage nach der Kontinuität einer nationalsozialistisch durchdrungenen Kunstgeschichte bis weit in die fünfziger Jahre hinein Doch was bietet die Datenbank genau Das Material stammt bislang aus den Universitätsarchiven in Berlin Bonn Hamburg und München dem Bundesarchiv Berlin sowie den Staatsarchiven in Hamburg und München Alle diese Dokumente werden erstmals in einem System zusammengeführt und können durch eine sehr differenzierte Verschlagwortung in neuer Form sinnvoll miteinander verknüpft werden Seitens der Informatik wird durch die GKNS WEL eine auf den Prinzipien der erprobten Warburg Electronic Library beruhende innovative Kommunikationsplattform bereitgestellt Hans Werner Sehring Hamburg Harburg erläuterte eingangs die technischen Herausforderungen dieses dynamischen Systems die vor allem in den auf Erweiterbarkeit hin angelegten multimedialen Inhaltsbeschreibungen und ihre kontextabhängige Verwendung sowie die verteilte Kommunikation liegen Damit können nicht nur neue Dokumente der interessierten Fach Öffentlichkeit präsentiert sondern auch Verflechtungen Kooperationen und Netzwerke innerhalb des Wissenschaftssystems Kunstgeschichte per Mausklick hergestellt werden Ruth Heftrig Bonn stellte anschließend den Systemaufbau im Überblick vor erklärte die Kurzansicht verschiedene Kartentypen Korrespondenz Sachakte etc sowie die einzelnen Felder einer Karte Titel Zusammenfassung Standort etc Einzelnen Dokumenten werden Schlagworte beigegeben die den Inhalt kurz charakterisieren und Verwandtschaften herstellen sollen Dadurch geht die GKNS WEL über herkömmliche Datenbanken hinaus die keine schlagwortbasierte Navigationsmöglichkeit bieten Ein weiterer Vorteil liegt in der strukturierten Suchmöglichkeit bei der die verschiedenen Kartentypen miteinander kombiniert werden können um die Trefferliste weiter einzugrenzen Danach erläuterte Sabine Arendt Berlin die zugrunde liegende anspruchsvolle Schlagwortsystematik Der Schlagwortbaum enthält derzeit dreizehn Oberbegriffe bzw Themenbereiche die dann näher untergliedert und in allen Bereichen erweiterbar sind So ermöglicht das Schlagwort Rolle eine Unterteilung in die verschiedenen Wirkungsbereiche einer Person z B universitär außeruniversitär auch kann mit den Rollenschlagwörtern der zeitlich bedingte Wechsel der Rollen Tätigkeitsbereiche und Funktionen berücksichtigt werden Unter Rolle finden sich auch Museumspersonal oder Verleger wodurch die engen Beziehungen zwischen Universität Museumswesen Verlagswesen oder Ausstellungswesen widerspiegelt werden können Die Erfassung verschiedener Rollen der Fachvertreter kann sich zu Lebensläufen verdichten und ihr Agieren in verschiedenen Kontexten aufgezeigt werden Dabei werden an verschiedenen Orten befindliche Dokumente erstmals online zusammen geführt und erlauben somit zum Beispiel die aufschlussreiche Rekonstruktion eines Karriereweges Außerdem ermöglicht die Datenbank eine Kommunikationsinfrastruktur zum Austausch über die recherchierten Quellen Abschließend wies Daniela Stöppel München im Zusammenhang mit dem Unterschlagwort Denkmalpflege daraufhin dass das ganze Projekt ausdrücklich auf Erweiterbarkeit angelegt ist und die GKNS WEL grundsätzlich für verschiedene Fragestellungen offen gehalten wird Dabei könnten nicht nur die Quellen streng wissenschaftshistorischer Projekte sinnvoll integriert werden sondern auch Projekte zu Kunst und Künstlern während des NS Hierbei bleibt grundsätzlich zu wünschen dass dieses ambitionierte ausgesprochen verdienstvolle Projekt auch über die von der DFG bislang anvisierte Laufzeit von zwei Jahren weiter wissenschaftlich angemessen betreut werden kann Der anschließende Abendvortrag Was könnte kunsthistorische Vergangenheitsbewältigung heißen von Willibald Sauerländer dem langjährigen

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  • Bild und Bildung im Mittelalter III - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    von den zeitgenössischen Hochzeitsritualen beeinflusst wurden Eigenwillige Bildlösungen präsentiert die Prachtausgabe des libro de las leyes in ihren 27 Miniaturen London Brit Library Add Ms 20782 Diese Sammlung kanonischen und kastilischen Volks Rechts wurde zwischen 1254 und 1261 im Auftrag und unter Mitwirkung Alfonsos X des Weisen von Kastilien Léon angefertigt Susanne Wittekind Köln analysierte das Text Bild Verhältnis ausgewählter Miniaturen In diesen tritt der König als Konfliktlöser und Mittler zwischen den Vertretern des geistlichen und weltlichen Standes sowie als Rechtsgarant und Gesetzgeber im kirchlichen Bereich selbst dort in Erscheinung wo er in den jeweiligen nachfolgenden Gesetzen gar nicht zur Sprache kommt Im Vergleich mit thematisch verwandten Gesetzen und Darstellungen in den illuminierten Handschriften des Decretum Gratiani wurde deutlich dass für den libro zwar eine geistige Schulung am Dekret hinsichtlich der Argumentationsweise scharfer Begriffsdefinitionen und verschiedener inhaltlicher Bestimmungen angenommen werden kann dass jedoch die jeweiligen Bildlösungen für ähnliche Sachverhalte bewusst anders gestaltet werden Sehr wahrscheinlich ist dieses einzige illuminierte Exemplar des libro welches in seiner Bildausstattung die ordnende königliche Gewalt propagiert in der innenpolitischen Krisenzeit seit den 1290er Jahren zu verorten und für den königlichen Hof bestimmt gewesen Ein Großteil der Beiträge beschäftigte sich mit den illuminierten Handschriften des Decretum Gratiani einer thematisch geordneten Sammlung fiktiver kirchenrechtlicher Fälle die der Kamaldulensermönch Gratian um 1140 für den Unterricht im kanonischen Recht an der Universität in Bologna zusammengestellt hatte Auf der Basis der Heiligen Schrift der Schriften der Kirchenväter der Canones der Konzilien sowie päpstlicher Erlasse erörterte er hierin 36 Rechtsfälle causae indem er durch strukturierende wie differenzierende Überlegungen distinctiones Probleme und Entscheidungen argumentativ herleitete und gestützt auf die Aussagen verschiedenster Autoritäten diese begründete und kommentierte Robert Gibbs Glasgow und Karl Georg Pfändtner Wien untersuchten die Anfänge der illuminierten Handschriften des Decretum Gratiani Pfändtner fragte nach dem Beginn der textbezogenen Ikonographie im Decretum Gratiani Er verwies auf die frühe mit Randillustrationen versehene Bologneser Handschrift Ms Ripoll 78 Barcelona Archivo de la Corona de Aragon die noch vor 1150 entstanden sein muss Ein anderes Illustrationskonzept verfolgen drei aus Süddeutschland und Österreich stammende Codices des späten 12 Jahrhunderts mit historisierenden Initialen zu verschiedenen causae teils in Federzeichnung Schäftlarn Admont teils in Deckfarben Salzburg Obwohl die Initialen jeweils einen direkten Textbezug aufweisen und obgleich die Handschriften in einer relativen räumlichen und zeitlichen Nähe zueinander entstehen weisen sie doch sehr unterschiedliche Bildlösungen auf sie differieren insgesamt jedoch noch deutlicher von den in den Produktionszentren Bologna und Paris gefertigten Decretum Handschriften Welchen Beitrag diese monastischen Illustrationsprogramme zur Entwicklung der Ikonographie in den Decretum Gratiani Handschriften leisteten gilt es noch zu untersuchen Gibbs verfolgte hingegen die stilistische Herkunft und Genese der ersten illuminierten Decretum Gratiani Codices in den Skriptorien von Pisa und Bologna und machte auf motivische ikonographische und stilistische Parallelen zu bestimmten theologischen und Bibelhandschriften des 12 Jahrhunderts aufmerksam Am Beispiel der Eröffnungsminiaturen in spätmittelalterlichen Handschriften des Decretum Gratiani analysierte Kristin Böse Köln das sich darin widerspiegelnde Selbstverständnis der Kanonistik Die Eröffnungsminiaturen beziehen sich weniger auf die distinctiones d h den Prolog des Dekrets Sie thematisieren stattdessen

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  • Women at the Burgundian Court - ArtHist: H-Net Information Network for Art History / Recensioni
    dem Jahr 1537 Die 32 Spielsteine und 16 Szenen auf den Brettinnenseiten sind hingegen moralischen Themen gewidmet Sie stellen einen umfassenden Katalog weiblicher und männlicher Verhaltensweisen auf die als positive bzw negative Exempla gedeutet werden können Dagmar Eichberger Universität Heidelberg legte dar dass das Brett mitsamt seinen Spielsteinen nicht allein für Ferdinand I von Österreich sondern gleichermaßen für seine Gemahlin Anna von Ungarn Böhmen konzipiert worden sei Sie stützte sich dabei auf die Auswertung der Wappen und eine ikonographische Analyse der Bilder wobei sie die prinzipielle Angemessenheit erotisierender Darstellungen auch für weibliche Rezipienten betonte Die Rolle von Stundenbüchern als Ausdruck einer dezidiert weiblichen Frömmigkeit und Lesekultur war Thema von Andrea Pearson Bloomsburg University of Pennsylvania Im Besitz und Vererben von Stundenbüchern ebenso wie im gemeinsamen Lesen sah Pearson den Ausdruck einer generationenübergreifenden Lese bzw Sehgemeinschaft Diese soll die weibliche Identität bei Hofe nachhaltig geprägt und es den Frauen ermöglicht haben in der religiösen Praxis eine relative Autonomie von patriarchalen Strukturen zu entwickeln Neben kunsthistorischen Analysen gab es auch Beiträge die auf der Auswertung schriftlicher Quellen basierten Anhand von Rechnungen und anderen Einträgen des Chambre de Comptes konnten die besonderen Beziehung Margarethes von York mit den Bewohnern der Inseln von Voorne die fast die Hälfte der Einkünfte ihres Witwenguts beisteuerten genauer beschrieben werden Mario Damen Universiteit Leiden Über Margarethes Mittelsmänner wurden Abgaben geregelt während die Bewohner von Voorne im Gegenzug ihre Privilegien bestätigt sahen Margarethe von York stiftete außerdem verschiedene Glasfenster in Kirchen und unterstützte das Klarissen Kloster in der Stadt Brielle Über die Auswertung des Briefverkehrs von Isabella von Portugal der dritten Frau Philipps des Guten konnte ein genaueres Bild der politischen Aktivitäten der Herzogsgattin gezeichnet werden Monique Sommé Université d Artois Ihre Einflussnahme erfolgte auf ganz verschiedenen Wegen über direkte Anweisungen die Isabella in Abwesenheit des Herzogs und gleichsam als seine Stellvertreterin oder im diplomatischen Auftrag verfügte sowie als indirekte Intervention in der persönlichen Korrespondenz mit dem Herzog und anderen Familienmitgliedern Am Beispiel der Maria von Ungarn wurde über Rechnungen und Korrespondenzen die Zusammensetzung und verschiedenen Funktionen des Hofstaats rekonstruiert Jacqueline Kerkhoff Museum Catharijneconvent Utrecht Das um die 300 Personen umfassende Gefolge war klar in verschiedene Tätigkeitsbereiche chapelle chambre hôtel und Hierarchien gegliedert z B chambre des dames grande dame d honneur dames d honneur demoiselles d honneur femmes et filles de chambre Die Frauen am Hof waren auch selbst literarisch tätig Aus der Feder Margarethes von Österreich hat sich beispielsweise die Complainte de Marguerite d Autriche erhalten Die 400 Verse sind in der Tradition der französischen höfischen Dichtung des 15 Jahrhunderts verfasst und bedienen sich der literarischen Stilmittel des Planctus der Wehklage und der Allegorie Catherine Müller Université de Fribourg In einer diskursive Auseinandersetzung werden die positiven und die negativen Seiten des Lebens und der Liebe einander gegenübergestellt Obwohl die Initialen ALCH in den Seitenrahmungen des Manuskripts auf Antoine de Lalaing compte de Hoogstraeten als Adressaten der Complainte verweisen betonte Müller die Qualitäten des Textes als literarisches Werk das auch ohne biographischen Hintergrund in einem universalen Sinn gelesen

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