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  • Rainer Krispel (»Der Sommer als Joe Strummer kam«) im Interview mit Thomas Backs
    zu Gegen den Tag ein wenig hm leichtgewichtig war Die Auslöschung von Thomas Bernhard das hilft immer wieder gegen zuviel Österreich Oder Elfriede Jelinek letztes Jahr habe ich eine brillante Aufführung ihres Stücks Die Kontrakte des Kaufmanns in Wien gesehen das war food for thought in full effect und gleichzeitig sehr sinnlich ja tröstlich Tendenziell viele US amerikanische AutorInnen Stewart O Nan geht immer Elmore Leonard Wie hast Du als Sänger den Wechsel in die Rolle des Erzählers zum Aufnehmen deines eigenen Hörbuchs erlebt Ohne Koketterie Die Stimme zu erheben mich auszudrücken ist ewas Vertrautes sowohl beim Schreiben als auch beim Einlesen des Hörbuches habe ich das als eine logische Konsequenz von etwas erlebt dass ich für mich ohnehin schon immer gemacht habe mit einer neuen Qualität nicht an eine musikalische Umsetzung eines Kurztextes denken zu müssen nicht gegen laute E Gitarren anbrüllen zu müssen oder darauf Rücksicht nehmen zu müssen was meine Mitmusiker von irgendwelchen Texten halten mögen Befreiend Aufregend Logisch Dein Verlag mcpublish ist auf digitale Hörbücher im MP3 Format und eBooks spezialisiert Liegt dort die Zukunft der Verlagsbranche Die Verlagsbrache als solche liegt mir in etwa so am Herzen wie die Musikindustrie Interessant wird es dann wenn es gelingt to cut out the middleman sprich die Kommunikation AutorIn LeserIn ohne Zwischenhändler passiert Aber da faire ökonomische Modelle zu entwickeln die gleichzeitig nicht AutorInnen automatisch in eine UnternehmerInnen Parallelexistenz zwingen Davon abgesehen fühle ich mich von mcpublish gut und fair vertreten und kann nachvollziehen was die Beteiligten in ihrem Geschäftsmodell sehen und wünsche Ihnen nicht gänzlich uneigennützig viel Glück dabei Gleichzeitig scheitert eine mögliche Buchausgabe meines Romans bestimmt nicht an mir und glaube ich auch nicht dass das Buch verschwindet Aber wer weiß was der unmittelbar bevorstehende Kollaps des Kapitalismus alles verändern wird Linz und seine Punk und Alternative Szene bilden in weiten Teilen den Handlungsort des Romans Die Stadt war einmal das Zentrum der alternativen Musikszene Österreichs Was ist in der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 heute davon geblieben Da ich seit 1995 in Wien lebe fühle ich mich bedingt berufen das zu kommentieren Das Jahr als Kulturhauptstadt war sicher für den Intendanten dieses Jahres gut und für Menschen die Kultur als Wirtschaftsfaktor sehen und deren einziger Zugang zu Kultur über das Wort Umwegrentabilität funktioniert Budgetär auf Subventionsebene ist der Kahlschlag nach dem Kulturhauptstadtjahr auf jeden Fall passiert und strukturelle Einschnitte verändern natürlich eine Szene Aber warum von Kulturpolitikerinnen oder Kulturamts BeamtInnen mehr erwarten als von PolitikerInnen an sich Im Roman wird von Auftritten in Berlin England und Polen berichtet Wie war das eigentlich im Linz der 1980er Haben auch deutsche Bands des Punk und Wave bei Euch Stahlstadtkindern in Österreich gastiert Die 80er als Zeitrahmen stimmen nicht ganz in etwa hat sich das von 1984 85 bis 1994 abgespielt Deutsche Bands Ich erinnere mich an ein phantastisches Konzert von Wirtschaftswunder Der Moderne Mann aus Hannover waren auch ganz großartig Abwärts leider nicht ganz so knusprig Die Neubauten bei einem frühen Konzert in der Stadtwerkstatt habe ich persönlich nicht

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/11_03_krispel.html (2016-02-14)
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  • Peltzer lässt denken: »Angefangen wird mittendrin« von Ulrich Peltzer
    kritisch daher kommt doch letztlich die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse in einer gefälligen Form darstellt in der sich Politik und Engagement mit Michael Schneider gesprochen lediglich aus dem Krähwinkel akademischer Abstraktionen vermittelt Symptomatisch ist die Popularität von Peltzers letztem Roman Teil der Lösung bei Feuilletonisten von der FAZ über Zeit Freitag und taz bis hin zur Jungle World die ob Peltzers Beschreibung des Berliner Kulturprekariats und seiner Verbindung zwischen altlinkem Terrorismus der Überlebenden der Roten Brigaden und neuen Widerstandsagenturen aus dem Attac Umfeld in Lobeshymnen überschlugen die Klischees angeblich marginalisierter Mitläufer des akademischen und medialen Betriebs und arrivierter Ex Revolutionäre als geniales Roman Design ans Publikum verhökerten und aus freien Stücken für den Autor als Marketing Agenten agierten Es gibt sie doch titelte die Zeit die Überraschung des Herbstes Ulrich Peltzers grandiosen politischen Liebesroman während der Rezensent der Jungle World jubilierte Ulrich Peltzer hat einen großartigen Roman über das linksradikale Milieu in Berlin Kreuzberg geschrieben Rasende Mitläufer huldigen einem rasenden Mitläufer Der plakative Nonkonformismus ist ein Attribut in der Selbstvermarktung der im Betrieb Steckengebliebenen die sich nie entscheiden konnten ob sie konkret das Ticket Widerstand oder Mitmachen ziehen wollten Der Mut zur Konsequenz fehlte ihnen So kaprizierten sie sich auf die Wahrheit die der Romancier Peltzer ihnen anbot Weder Teil des Problems noch Teil der Lösung zu sein Peltzer verstümmelte die schlussendliche Logik von Holger Meins den er in seiner Entpolitisierung ausschlachtet Im Raf Info schrieb Meins über die Waffe Mensch 1973 entweder du bist ein Teil des Problems oder du bist ein Teil der Lösung DAZWISCHEN GIBT ES NICHTS Später radikalisierte sich für Meins die Frage entweder mensch oder schwein entweder überleben um jeden preis oder kampf bis zum tod entweder problem oder lösung dazwischen gibt es nichts Die Popularität Peltzers bei den Feuilletonisten liegt in der Folgelosigkeit des Handelns

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  • Mordsmäßig Folge 61: »Blinde Zeugen« von Stuart MacBride
    2010 Tb 606 S 14 99 Verlag amazon Stuart MacBride hat das Versprechen das er in seinem letzten Krimi gegeben hat gehalten Das neue Buch spielt im Hochsommer Aberdeen ist getaucht in Sonnenschein und Hitze Der Granit glänzt golden in der Sonne Doch die Sonnenstrahlen lassen die Abgründe der schottischen Stadt nur umso deutlicher hervortreten Und auch Detective Sergeant Logan McRaes Gemütsverfassung steht im deutlichen Gegensatz zum schönen Wetter Seit der Serienmörderjagd im letzten Krimi Blut und Knochen 2009 aus nur zu verständlichem Grund Vegetarier von Schlaflosigkeit geplagt überfallen ihn sogar tagsüber Alpträume und Panikattacken Am liebsten würde er sich nur noch betrinken um nichts mehr zu spüren Der einzige Lichtblick in diesem Sommer ist die Stelle eines Detective Inspector die es neu zu besetzen gilt McRae hat durchaus Chancen auf diese Beförderung wenn er nicht allzu viel Mist baut Eine Chance sich zu profilieren bietet der neue Fall der Aberdeen erschüttert Jemand schneidet Mitgliedern der polnischen Gemeinde bei vollem Bewusstsein die Augen heraus Die Opfer überleben die Blendung zwar wollen aber starr vor Angst nicht sagen wer ihnen das angetan hat Eine Spur darf DS McRae bis nach Polen verfolgen Dies bringt ihn nach Nova Huta einem Stadtteil von Krakau und hier regnet s dann auch wieder Doch statt wirklich hilfreicher Erkenntnisse beschert dieser Dienstausflug dem reichlich angeschlagenen DS vor allem weitere Alpträume Und zu allem Überfluss rutscht er in eine fatale Zwickmühle Blinde Zeugen im Original Blind Eyes von 2009 ist MacBrides fünfter Krimi um den vom Pech verfolgten DS Der ist eigentlich recht clever und innerhalb der Gurkentruppe der Aberdeener Polizei einer der wenigen die etwas hinbekommen Aber irgendetwas läuft immer quer sodass für ihn am Ende nur wenige Lorbeeren übrig bleiben Diesmal steht McRae sich wegen seines Alkoholkonsums und seiner Traumatisierung selbst reichlich oft im Weg

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/11_03_krimi-61.html (2016-02-14)
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  • Martina Hefters Lyrikdebüt »Nach den Diskotheken«
    Gedicht ist ein neu zu bewertendes Unikat ein Novum in dem man sich nicht auskennen kann ein neues Feld das es mit Herz und Hirn zu erkunden gilt Nun gibt es Autorinnen und auch Autoren die sich in ihren Gedichten monopoetisch einem Thema widmen Unglücklicherweise führt diese Spezialisierung oftmals dazu dass sich große Teile einer potentiellen Leserschaft als unwürdiger Laie vorkommen und damit ausgeschlossen und oder ausgeladen fühlen Martina Hefters bei kookbooks erschienener Gedichtband Nach den Diskotheken ihr Lyrikdebüt nach drei vorangegangenen Romanen in anderen Verlagen begeht diesen Fehler nicht Die von ihr in den Mittelpunkt ihrer Gedichte gestellte Differenz die an vielen Stellen mit dem für sie bedeutsamen Körpergefühl des Tanzens eine Komplizenschaft eingeht lässt den Leser erstaunlich nah an Körper und Seele heran Die im Allgäu aufgewachsene Martina Hefter die in München und Berlin in zeitgenössischem Tanz ausgebildet wurde präsentiert ihre Gedichte eben so tänzerisch nur wenigen Einschränkungen unterworfen im stetigen Wechselspiel von Bodenständigkeit und dem Griff in den Himmel ernst und bedeutsam und gleichzeitig spielerisch und offen Offen für alle Tanz als Lehrstoff bleibt außen vor eins zwei Wechselschritt wie man es in der der Konfirmation vorgeschalteten Tanzstunde über sich ergehen lassen musste immer wieder der gleiche Blues zu In the army now von Status Quo getrost kann man das vergessen wenn man es nicht längst getan hat Hier geht es um das wahre Leben um das Daherschreiten der Pfauen um Bewegungen in der Natur und in Gesellschaft Hier geht es um das Tänzerische in Mensch und Tier um fliehende Huftiere und das Gefühlsleben der Pflanzen um geistige und manchmal sehr reale Differenzen eben auch mal um den nächtlichen Nachhauseweg nach der Disko Man muss Pina Bausch nicht den Tee in die Garderobe gebracht haben um von Hefters persönlicher Note beeindruckt und an vielen Stellen gefangen zu

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/11_02_hefter.html (2016-02-14)
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  • Gespenster der Sprache – Kafkas Erzählung »Unglücklichsein«
    Für einen pathologischen Fall sprechen eine Reihe von Indizien Auf seine starke psychische Belastung weist der Erzähler schon gleich eingangs mit dem Bekenntnis hin es sei unerträglich geworden wobei offen bleibt was genau ihm unerträglich ist Seine Einsamkeit vielleicht Das erscheint naheliegend lässt sich aber nicht mit letzter Sicherheit sagen denn der Text schweigt sich über den Grund aus Der Grad seines Leidens ist so groß dass der Erzähler sogar aufschreit um nur den Schrei zu hören Kurz darauf betritt das Gespenst sein Zimmer Wenn die Ursache dieser Erscheinung auch unklar bleibt so erfahren wir doch immerhin zweierlei Erstens Der Erzähler hat den Besuch des Gespensts längst erwartet Zweitens Beide kennen sich außerordentlich gut ja der Erzähler erklärt dem Gespenst gegenüber sogar Ihre Natur ist meine und wenn ich mich von Natur aus freundlich zu Ihnen verhalte so dürfen Sie nicht anders Medizinisch gesehen handelt sich offenbar um eine schizophrene Halluzination Und literarisch In literarischer Hinsicht gestaltet sich die Angelegenheit komplizierter vor allem dann wenn man die Erzählung nicht nur isoliert sondern auch in Korrespondenz mit anderen Texten der Sammlung betrachtet Ein Gespenst ist eine schillernde Erscheinung ist sozusagen die Inkarnation des Scheinbaren und von etwas Scheinbaren war in den Erzählungen zuvor schon öfter die Rede So beginnt wie bereits erwähnt Das Unglück des Junggesellen mit der Feststellung Es scheint in dem Text Die Bäume werden zwei gegensätzliche Zustandsbeschreibungen beide als scheinbar deklariert und auch die Erzählung Der plötzliche Spaziergang handelt davon was es heißen kann wenn man sich am Abend endgültig entschlossen zu haben scheint zu Hause zu bleiben Hier trügt der Schein dort trügt er nicht Zwischen diesen beiden Polen von Schein und Anschein Trug und Wirklichkeit nimmt das Auftreten eines Gespensts mit seinem Changieren zwischen Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit als Wirklichkeit von etwas Unwirklichem eine ambige Mittelstellung ein und gleicht damit auf verblüffende Weise einer Metapher Denn auch jedem metaphorischen Sprechen wohnt ein Moment des Scheins und der Täuschung inne Metaphern ließe sich bildlich sagen sind Gespenster der Sprache 8 wie umgekehrt Gespenster als Metaphern für Einbildungen das Phantastische Gegenwelten das Numinose oder so bei Marx und Engels für den Kommunismus fungieren können 9 Kafka macht sich diese Übereinstimmungen in den Charakteristika von Gespenstern und Metaphern in seinem Text Unglücklichsein zunutze und inszeniert das Gespenst als Metapher und umgekehrt die Metapher als Gespenst Sofern man nicht an die Existenz von Gespenstern glaubt ist das als Gespenst erscheinende Kind eine imaginierte Materialisierung eines Hirngespinsts zu einem Alter ego des Erzählers Auf diese Weise kristallisiert sich eine Kopfgeburt heraus und naturgemäß ist das so gezeugte Kind schon ganz erwachsen Wie der Erzähler ist es nicht weiblich Wenn Sie ein Mädchen wären dürften Sie sich nicht so einfach mit mir in einem Zimmer einsperren was aber wie das Gespräch mit dem Nachbarn erhellt so wenig zwingend ist wie das behauptete generell hohe Maß an Hinfälligkeit von Gespenstern Ich habe aber gehört weiß nämlich der Nachbar daß man sie auffüttern kann Da sind sie antwortet der Erzähler gut berichtet Das kann man Aber wer wird das machen Warum nicht Wenn es ein weibliches Gespenst ist zum Beispiel Ach so erwidert der Erzähler aber selbst dann steht es nicht dafür Die Bedeutung dieser Redewendung ist davon abhängig ob man den Akzent auf nicht oder auf dafür setzt Im ersten Fall wird ein Substitutionsverhältnis negiert im zweiten stellt sich die Frage wofür es denn statt dessen steht wenn nicht dafür 10 Warum fragt sich dann auch sollte es sich nicht zum Stellvertreter eignen Weil ein Gespenst wie der Erzähler versichert nur ein Gespenst ist etwas halb An und halb Abwesendes ein metaphorischer Spuk Dennoch will sich der Erzähler sein Gespenst auf keinen Fall nehmen lassen Aber trotzdem ruft er seinem Nachbarn zu wenn Sie mir dort oben mein Gespenst wegnehmen dann ist es zwischen uns aus für immer Damit sind der Fragen noch nicht genug Denn worauf bezieht sich das es in der Wendung dann ist es zwischen uns aus Und worauf bezieht sich das es des Eingangssatzes dieser Erzählung Als es schon unerträglich geworden war In beiden Fällen bleibt die Referenz wie im eingangs zitierten Vers von Franz Josef Czernin völlig unklar Das Eigentümliche ja gespensterhaft Erschreckende an dieser Verwendungsform des Pronomens es wird schon im von Jacob und Wilhelm Grimm herausgegebenen Deutschen Wörterbuch vermerkt Dort heißt es allen sprachen sind aber auch verba eigen die hauptsächlich in der dritten person des s in g ular gebraucht werden und wesentlich ein neutrum neben sich erfordern durch dies neutrum soll angegeben werden was sich nicht näher bestimmen läszt sei es dasz man mit dem vollen eigentlichen ausdruck zurückhält oder ihn überhaupt nicht weisz unsre sprache setzt alsdann zu dem verbum ein es und jedwedes verbum im grunde geht damit in einen unpersönlichen begrif über Die hauptarten dieser impersonalien sind folgende 1 sie drücken das geisterhafte gespenstige unsichtbare ungeheuere aus wobei fast immer eine räumliche beziehung stattfindet oder leicht hinzuzudenken ist es geht hier des nachts um es wandert um es geht irre im haus es spukt es wabert wafelt dort in der ecke ists nicht geheuer 11 11 Bd 3 Sp 1104 12 Das Urübel aller Kafka Interpretation so Politzer sei die unmittelbare Übersetzung der dichterischen Bilder in die Sprache der Theologie der Philosophie oder der Psychologie und die damit zwangsläufig verbundene Verflachung des dichterischen Werts Heinz Politzer Probleme der Kafka Forschung in Monatshefte 42 1950 S 273 280 zit n Heinz Politzer Hg Franz Kafka Darmstadt 1973 Wege der Forschung 322 S 214 225 hier S 216 13 Günter Anders Kafka Pro und Kontra München 1951 14 Vgl Friedrich Beißner Der Erzähler Franz Kafka und andere Vorträge Frankfurt am Main 1983 S 46 Vgl auch Wilhelm Emrich Franz Kafka 9 Aufl Königstein Ts 1981 S 74 79 15 Franz Kafka Briefe an Milena erw u neu geordnete Ausg hg v Jürgen Born und Michael Müller Frankfurt am Main 1986 S 301 f 16 Oliver Jahraus Kafka Leben Schreiben Machtapparate Stuttgart 2006 S 155 Man kann irre werden beim Nachdenken über die gespensterhafte Natur

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  • Mordsmäßig Folge 60: »Blut vergisst nicht« von Kathy Reichs
    Sciences Judiciaires et de Médecine Légale in Montréal tätig Das spiegelt sich in ihren Krimis wider Reichs weiß wovon sie schreibt Eher unaufgeregt als bluttriefend sind ihre Beschreibungen von Obduktionen Knochenanalysen oder Gewebeextraktionen eine detailreiche aber dennoch meist unterhaltsame Lehrstunde in Anatomie Forensik Anthropologie und und und In ihre Romane fließen Fälle ein an denen sie mitgearbeitet hat das macht es oft sehr lebensnah mit einem guten Blick für Zusammenhänge und Hintergründe Als externe Beraterin war Reichs auch tätig für das JPAC das Joint POW MIA Accounting Command mit Sitz auf Hawaii dessen Aufgabe die Suche nach Kriegsgefangenen und vermissten Soldaten der Streitkräfte der USA sowie deren Identifizierung ist In erster Linie geht es um verschollene Armeeangehörige aus dem Zweiten Weltkrieg dem Koreakrieg dem Kalten Krieg und den Kriegen in Südostasien Das bildet den Hintergrund für Reichs neuesten Krimi Blut vergisst nicht Spider Bones 2010 In dessen Nachwort schreibt die Autorin sie wollte vermitteln was sie empfunden hat bei der Identifizierung von Männern und Frauen die vor langer Zeit und weit weg von zu Hause im Dienst an ihrem Land umgekommen waren Ein durchaus ehrbares Anliegen Aber leider auch ein bisschen erzwungen denn die Umsetzung ist über weite Strecken steif und belehrend an anderen Ecken wiederum so krampfhaft auf Spannung gebürstet dass das neue Buch ein wenig zusammengestoppelt und überladen wirkt Und etwas pathetisch Dr Temperence Brennan die den gleichen Beruf ausübt wie ihre Schöpferin hat es diesmal mit einer Wasserleiche zu tun die aus einem See in der Nähe von Quebec gezogen wird Offenbar ein reichlich bizarrer autoerotischer Unfall nur wenige Stunden zuvor Doch die Fingerabdrücke der frischen Leiche gehören zu einem US amerikanischen Soldaten der angeblich 1968 in Vietnam gefallen ist und in seinem Heimatort in den USA begraben liegt Um der Sache auf den Grund zu gehen

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  • »Die Schöne und der Tod« von Bernhard Aichner
    aber nicht denn nach einem kurzen und wortkarg geführten Telefonat ist alles anders und alles andere als entspannt Emma Max große Liebe vergangener Tage mit der er damals nach Wien gegangen war er um Publizistik zu studieren sie um in Mode zu machen Emma jene Frau die er in Wien zurückgelassen hatte um seinen kranken Vater zu betreuen und schließlich nach dessen Tod im Dorf zu bleiben und die Tätigkeit des Vaters fortzuführen Und eben diese Emma kündet nun ihren Besuch an und das aus erschütterndem Anlass der Beerdigung ihrer Schwester die sich von einem Dach gestürzt hatte und auf dem heimatlichen Friedhof begraben werden soll Des öfteren hatte sich Max ein Wiedersehen ausgemalt aber nicht so nicht unter diesen Umständen Schlagartig nüchtern geworden entspannt sich das Leben der verstorbenen Schwester Marga schon früh ein international gebuchtes Model dann Zusammenbruch Suizidversuch und Anstalt das große Medien Comeback nach ihrer Teilnahme bei Bauer sucht Frau ihre Hochzeit mit Schweinebauer August der für sie seinen Hof verkauft hatte und samt Mutter bei Marga eingezogen war Und nun also die Beerdigung für die Max das Grab auszuheben hat gepaart mit dem ersten Zusammentreffen mit Emma seit Jahren bei dem sich schnell zeigt dass die Glut noch nicht gänzlich erloschen ist Und tatsächlich verbringen die beiden die Nacht nach der Beisetzung sowie beinahe den gesamten nächsten Tag zusammen im Bett bis Max einen Blick auf seine Uhr werfen möchte und feststellt dass sie nicht da ist und eigentlich nur an einem Ort sein kann im frisch zugeschaufelten Grab Gegen den Protest der fassungslosen Emma holt Max den Sarg wieder ans Tageslicht und ja dieser Sarg ist jetzt deutlich leichter als beim Herablassen denn er ist leer Immerhin seine Uhr findet Max tatsächlich im Sand wobei man bei der Passage mit der verschwundenen Uhr unverzüglich

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  • ichotomische bücher über die taubheit, die einen von der welt scheidet
    keine ahnung was er mit dem baren anfangen soll seine geschäfte laufen mehr als schlecht die firma jedoch ist nicht zu erreichen Kopps eigene lage wackelt die ehe mit seiner hypersensiblen frau steht vor dem aus Kopp leidet unter dem verlust seiner sicherheiten was liest du da die wand was das ist der titel die wand und obgleich alle drei bücher mit dem Haushoferschen thema der unsichtbaren mentalen sperre der jeweils midlife crisis geplagten protagonisten umgehen tun sie das auf ganz unterschiedliche weise Mora arbeitet sehr stark mit abbreviationen gedanklichen aufzählungen listen und ähnlichem und erreicht nicht zuletzt dadurch eine angenehm unprätentiöse aber längst fällige aktualisierung auch im konventionellen erzählen Stefan Heuers firnis nimmt sich im ersten kapitel dagegen wie eine leicht biedere zdf komödie aus die familie versammelt sich am krankenbett der mutter Maria die mutter jedoch sonst die zügel fest in der hand haltend wird durch ein loch in der wahrnehmung absorbiert man erwartet eine lockere abendunterhaltung die situation schwenkt jedoch um und Heuer erzählt in gelassenem ton die geschichte einer männerfreundschaft die eher auf einem nebeneinander als einem miteinander basiert sogar zwei sich ähnlich sehende teller hatte er gefunden heisst es an einer stelle in einem anderen zusammenhang erwartete man die beiden hätten sex stattdessen haben Joachim und Michael frühstück Heuer gerät nicht in grössere gefahr stereotype zu bedienen die hauptfiguren ein penetranter literat den stört dass drittweltländer kein flaschenpfand haben und ein schweissfüsziger maler der zustand des gartens war seit jeher der zuverlässigste indikator für den seelenzustand seines freundes gewesen sind durchweg unsympathisch nicht nur dem leser sondern auch sich gegenseitig ihre freundschaft besteht aus der spiegelung von bedürfnissen Joachim war für gewöhnlich die erste anlaufstelle wenn Michael etwas geschrieben hatte und dieser Joachim der sein geld mit blumenserien verdient ist nicht nur von sich sondern auch von seinem scheinbar einfallslosen freund so gelangweilt dass er eines tages auf einen perfiden vorschlag hereinfällt während Michael mit der geschichte um die im krankenhaus liegende Maria nicht wirklich weiter kommt taucht Judith auf die Joachim verliebt macht mit Michael aber einen coup ausheckt wie man ihn aus livres noirs kennt sie ermutigen Joachim den blumenkram sein zu lassen und grosse meister zu kopieren die er dann für gutes geld an ärzte und anwälte verkaufen soll nach und nach geht Joachim aber ein licht auf Judith und Michael zocken ihn ab während sie wirklich an Joachims kopien verdienen ist das was er selbst als lohn bekommt bloss ein almosen Heuer dreht die schraube noch ein wenig weiter denn am ende stellt sich heraus dass Judith auch den schreiberling betrogen hat im grunde ist noch nicht einmal ganz klar ob es jene Judith überhaupt gab oder ob es sich dabei nicht um die beste figur handelte die der sich mühende Michael je ausgedacht hat dies zu verraten tut der story keinen abbruch denn es geht hier nur vordergründig um eine Ripley variante sondern in der hauptsache um die entwicklung der eheähnlichen freundschaft was ist fragte Michael fahren wir zurück heisst

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/11_01_heuer.html (2016-02-14)
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