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  • satt.org: Literatur: Neue Gedichtbände, für die, die keine Gedichtbände kaufen.
    Gedichten assoziative Wahrnehmungs und Bewußtseinsketten spielerisch miteinander zu verbinden ich singe den grund mauernblues den glut shuffle für den außen bezirk für die vorstadtpomeranze und die glockenblume milch weißer arsch und milch weißer blütenkelch Hören wir da etwa so was wie Groove in einem deutschsprachigen Gedicht im Gegensatz zu den sonst vorherrschenden restaurativen Tendenzen die so gern preisberühmt von schmalstirnigen Kritikern gerühmt werden Nun Stefan Schmitzer muss ja nicht gleich den Großen Österreichischen Staatspreis um den Hals gehängt bekommen bleibt zu hoffen denn seine Gedichte zielen nicht auf Mumifizierung oder Kanonisierung ab sie sind vielmehr ein lebendiger Ausdruck des nicht vereinnahmt werden wollens ein klopfen zwischen den wänden etwas anderes als das hier hinter den wänden aber mein herzschlag unsere zauberkörper das beben geh eine gerade linie folge einem strich auf der karte in die stadt Der Autor nimmt seine Leser mit in den rasenden Puls der Sprache zum Herzschlag der besseren Musik Allerdings Einige Gedichte strotzen nur so vor Attitüde was den Texten eher an Facettenreichtum und Möglichkeiten nimmt dass man sich erinnert fühlt an Nachmittage in den frühen 90er Jahren als das Heimgras noch gut war als die Haus apotheke noch half und Gedichte von Rolf Dieter Brinkmann haltbar erschienen Allenthalben Respekt gilt dem droschl Verlag aus Graz für diese wagemutige Veröffentlichung in Zeiten zunehmend apolitischer Verleger und eines fast schon servil zu nennenden Literaturbetriebs Jörg Schieke Count down Ein Reisegedicht MDV Halle 2007 11 Euro amazon Als Jörg Schiekes Gedichtband die Rosen zitieren die Adern 1995 herauskam war eine kleine Schar von Lyrikkennern nahezu verzückt Der 1965 geborene Autor legte seinerzeit eine außergewöhnlich stimmige und gelungene Auswahl an poetischen Texten vor Nach einer weiteren kleinen Veröffentlichung erscheint nun zehn Jahre später endlich ein neuer Textband des Wahlleipzigers Das Reisegedicht Count down zählt fünf Abteilungen à zehn Gedichte die vor der Kulisse eines touristischen Unorts irgendwo im Meer der Globalisierung spielen Südlich versetzt in die fiebernden Tropen scheint das reisende Ich am oft zitierten Ende der Welt eines Robinsonclubs angelangt Das beliebte Motiv des Reisenden Schieke spielt es intelligent auf fünfzig Seiten mit geringfügigen Längen durch und wie könnte es anders sein als von Anfang an europäisch desillusioniert Man hat gelernt den Koffer wie im Schlaf wie einen Koffer voller Schnee zu tragen Es ist Zeit als Paradoxie die in einer endlosen Auslaufrille rauscht Geschichte als Loop die in diesen lyrischen Stücken sichtbar wird Resümierend heißt es zum Schluss Die Wochen vergehen ohne dass jemals ein Ort oder ein Datum durchsickert Die Lektüre sei hiermit Zeitreisenden empfohlen die ihre Version von Atlantis jetlag technisch auffrischen wollen anhand gut geübter lyrischer Simulation Florian Voß Schattenbildwerfer Lyrikedition 2000 München 2007 9 50 Euro amazon Florian Voß Jg 1970 hat seinem zweiten Gedichtband Schattenbildwerfer zumindest partiell eine Frischzellenkur verordnet Eine Erweiterung der Themen und Stimmlagen ist erkennbar mitunter sogar ein Kalauern über der Bewunderungspfalz Der deutsche Himmel ist aus Puffreis dahinter lauern Nazi Engel Es bleibt dem Leser überlassen seine eigene politisch unkorrekte Lesart zu finden wenn Voß zwei Zeilen aus

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  • satt.org: Literatur: Zum Auftakt der neuen Atlan-Taschenbuchreihe
    der Atlan Taschenbücher bildet die Lepso Trilogie deren erster Band Totentaucher von Wim Vandemaan d i der Wissenschaftsjournalist Hartmut Kasper verfasst wurde und Ende Oktober 2006 erschien Vandemaan hatte vorher zwei Hefte zu Atlan beigetragen die nicht nur zum Besten der neuen Serie gehörten sondern auch zu den besten Heftromanen der letzten Jahre Beispielgebend waren die Ökonomie und Durchdachtheit der Handlung die sprachliche Vielfalt und der leicht ironische Umgang mit den Sujets die bei den zwei Heften aufhorchen liessen Totentaucher stellt dahingehend leider eine Rückentwicklung dar Geschildert werden die Abenteuer des unsterblichen Arkoniden in seiner Phase als Chef der United Stars Organisation einer Art interstellarer Geheimdienst der Bedrohungen für Perry Rhodans Solares Imperium beseitigen soll bevor sie entstehen Atlan persönlich verfolgt einen seltsamen Fall die galaxisweite Übertragung seiner Ermordung auf dem Planeten Lepso der gefährlichsten Spiel und Drogenhölle der Galaxis Die Handlung zielt natürlich stark auf Altleser ab die sich die nicht übermässig billigen Taschenbücher leisten können Zeitlich ist die gesamte Trilogie in der Frühzeit der Rhodan Serie angesiedelt Lepso selbst war damals öfter Schauplatz swowohl von Perry Rhodan wie auch Atlan Vandemaan scheint vor allem Probleme mit dem Umfang des Romans zu haben der bei diesem Taschenbuch knapp das Dreifache des herkömmlichen Heftromans beträgt Viel zu oft schweift der Autor ab lässt umständliche Erklärungen vor allem aus dem Bereich der Naturwissenschaften einfliessen oder baut unnütze Ellipsen in die Handlung ein unterhaltsame aber in Bezug auf die Haupthandlung sinnlose Episödchen die in ihrer Häufung die Handlung zerfasern Deutlich geglückter ist Christian Montillons Fortführung des Handlung in Die acht Namenlosen Montillon der eigentlich vom Horrorroman Professor Zamorra kommt und bei Basteis SF Serie Sternenfaust schon mal deutlich am Sujet gescheitert war hat sich in den letzten Jahren überraschend gut und gründlich in die Rhodan Materie eingearbeitet Zwar weisen seine Romane weiterhin

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  • satt.org: Literatur: Treffen junger Magazine. Eine Ankündigung.
    werden oder wenigstens innerhalb der Schneekugel der Literaturwelt Furore machen nehmen ihren Anfang oft im Kleinen Halböffentlichen Im besten Fall werden literarische Positionen in unsichtbaren Bezügen von Bekanntschaften halbgar prämierten Wettbewerben Wohnzimmerlesungen und nicht zuletzt ersten Veröffentlichungen in Zeitschriften ausprobiert trainiert entwickelt In der Vorwelt des Anschubs und der Diskussion noch vor der ersten Buchveröffentlichung spielen Zeitschriften noch grundsätzlicher als Stipendienstifter und Preisauslober eine Entdeckerrolle da sie die Essenz der Autorschaft bereits früh in den Fokus rücken Den Text und nichts als den Text Obwohl die Höhe der Fördersummen die in Deutschland in die Zeitschriftenszene investiert wird bereits im Vergleich zu direkten Nachbarländern gering erscheint gibt es gerade hierzulande eine vitale und vielschichtige Subkultur von Zeitschriften die mit ihren eingeschränkten Mitteln auf eine solche Art und Wiese die möglichen Literaturen von morgen vorbereiten Dazu zählen so traditionsreiche Zeitschriften wie das Schreibheft die horen Akzente oder Sprache im technischen Zeitalter die sich der Bergungsarbeit bereits seit vielen Jahren verschrieben haben aber dazu zählt eben auch eine erstaunliche Anzahl von Neugründungen seit dem Ende der 90er Jahre Neugründungen die sich besonders für die nachwachsenden Autorengenerationen zu zentralen Räumen der Erprobung und Selbstverortung entwickelt haben Abseits etablierter Wege und institutionalisierter Abläufe gibt es damit seit einigen Jahren etwas Neues Bewegliches Eine Independent Kultur wenn man so will Die Autorengenerationen dieser Jahre werden ganz selbstverständlich von ihren eigenen Verlagen ihren eigenen Diskussionsforen und eben auch ihren eigenen Zeitschriften begleitet Die Literaturzeitschriften die sich nun beim Treffen junger Magazine erstmals gemeinsam präsentieren werden haben hierbei längst in eine Mittlerrolle hineingefunden die dem Literaturbetrieb insgesamt nützt Sie sind die stillen Agenten im Spiel rund um die Literatur Ihre Währung besteht nicht in größeren Auflagen und bekannten Namen sondern in Enthusiasmus und Entdeckerfreude Finanziell gesehen rechnet sich die Herausgeberschaft einer Literaturzeitschrift mit Sicherheit nicht Lohnenswert ist sie

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  • satt.org: Literatur: Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind. Roman.
    Hilfestellung doch der Rat auf keinen Fall zur Polizei zu gehen Als man ihm nicht glaubt bricht er aus der scheinbar auswegslosen Situation aus indem er einem Hinweis aus seinen Unterlagen nach Texas folgt Im Dorf Marfa droht er sich und den Bezug zu Liz und seinem ungeborenen Kind zu verlieren Der Hinweis verläuft im Wüstensand Kalf trifft faszinierende Menschen und ist kurz davor sein bisheriges Leben zu verraten und hinter sich zu lassen Doch dann treten Gewalt und Tod in sein Leben Er beginnt wieder zu handeln muss um sein Leben kämpfen und stößt dabei zufällig auf eine unglaubliche Spur Die Handlung von Woraus wir gemacht sind ist die eines Thrillers Dabei ist Niklas Kalf alles andere als ein dynamischer Retter Trotzdem oder gerade deswegen entwickelt der Roman einen starken Sog Denn die Figur Kalf erzeugt durch ihre Lethargie teilweise eine solche Wut dass man gar nicht anders kann als weiter zu lesen Hettches Protagonist erzeugt gleichzeitig Mitleid und entsetztes Unverständnis er kann nichts tun aber soll gefälligst etwas tun Er ist ein passiver Held der sich nicht entscheiden kann ob er sich oder Liz suchen soll Er hat mit seiner Frau die Orientierung verloren Und muss sie in sich wieder finden bevor er handeln kann Das deutet sich schon kurz nach der Entführung an als Kalf sich fragt Es ging um Liz Und zugleich ging es nicht um Liz Worum ging es Mehrdimensionalität findet sich auch im Stil von Hettche Ein angenehm klarer nüchterner Tonfall bestimmt das Buch Er verändert sich fließend wenn Emotionen bebildert werden So wechseln sich beschreibende Außen und psychologische Innenschau gekonnt ab Die roten Ziffern des Digitalweckers neben dem Bett zeigten exakt elf Uhr vier Erst jetzt realisierte Niklas Kalf wirklich dass Liz verschwunden war und dieses Wissen flutete ihn kalt und schwarz schäumte es durch alle Räume seiner Erinnerung und Selbstgewissheit nichts als brackige ölschlierige Angst die ihn lähmte und in der er widerstandslos und still ertrank bis noch jener feine leuchtende Punkt an der Spitze der Zunge mit dem man Ich sagt einfach verlosch Seine Hand strich über ihr Kissen bis nichts mehr darin war vom Abdruck ihrer Gestalt Hettches überwältigenden Landschaftsbeschreibungen bestechen derweil durch gewagte und gelungene Metaphern Das Blau des Himmels war dunkel und kalt als sei die schützende Membran zum Weltraum weg geschmolzen Ein weiteres wichtiges Element ist der Einsatz von philosophischen Betrachtungen und antiken und modernen Mythen Zum Beispiel ist Rom die Ewige Stadt für Kalf das Sinnbild für Europa Rom ist dass Du mit Geistern schläfst In jedem Raum in dem du übernachtest Und bei jeder Frau die du küsst Dagegen ist Marfa für ihn der Ort der Amerika am besten repräsentiert Wenn Du hier ein paar Meilen aus dem Ort hinausfährst bist du an einem Platz an dem höchstwahrscheinlich noch niemals ein Mensch gewesen ist Hier ist jedes Kind das erste Kind der Welt treffender kann man die Gegensätze zwischen dem alten Europa und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kaum beschreiben Auch der Gegensatz zwischen gut

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  • satt.org: Literatur: Max Goldt: QQ | Wolfgang Herrndorf: Diesseits des Van-Allen-Gürtels
    Max Goldt Max Goldt QQ Rowohlt Berlin 2007 160 S Hc 17 90 Euro 31 70 sFr amazon Wolfgang Herrndorf Diesseits des Van Allen Gürtels Erzählungen Eichborn Berlin 2007 192 S 17 90 Euro 29 90 sFr amazon Mit QQ was für quiet quality steht also die Kunst nicht zu schreien und zu spritzen legt Goldt im Rowohlt Berlin Verlag wieder einmal eine Sammlung von Kolumnen vor die zum Teil in vorläufiger Version und unter anderem Titel in den Jahren 2005 und 2006 in der Satirezeitschrift Titanic erschienen sind Die Qualität der Goldtschen Texte liegt immer wieder in der Verquickung scheinbar völlig unabhängiger Themenkreise miteinander weshalb er leicht vom Hölzchen aufs Stöckchen und zurück auf Hölzchen kommt Und genau das ist die Kunst er kommt leicht dahin zurück ohne viel Gewolltheit etwas was den guten Humoristen schon mal vom gemeinen Kabarettisten unterscheidet Goldt will nie etwas er will nichts beweisen er will nichts bewirken er schreibt einfach darüber was ihm beim leben so vor die Linse kommt Natürlich ist er trotzdem der Moralist den viele in ihm schelten Max Goldt liebt es sicher nicht wenn nichtsnutzige Bahnfahrer ihn ob seines quietschenden Koffers bezichtigen in Ein Querulant hört was knarren oder wie in dem vielleicht schönsten Text des Bandes Preisung der grotesken Dame alte versponnen herumlaufende Frauen aus Berlin verspottet werden In seiner Verurteilung von gewissen kleinbürgerlichen Praktiken ist Goldt sehr harsch und genau Aber einer muss es ja machen Und nie hebt er den Zeigefinger sondern höchstens mal dezent das Bein Wolfgang Herrndorf macht es etwas anders In den Geschichten von Diesseits des Van Allen Gürtels nimmt er jeweils eine Situation des Alltagslebens zum Beispiel die Folgen eines Autoklaus inmitten einer nächtlichen Waldkulisse und strickt daraus einen slapstickartigen oft auf gewollte Komik hinarbeitenden Witz Die Situationen dieses Alltagslebens sind allerdings

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  • satt.org: Literatur: Enno Stahl über Lyrik heute
    geben kann so hat auch ein Gedicht mehrere Ebenen das können sprachliche Ebenen sein oder Denkebenen auf jeden Fall ist dieses eindimensionale Gedicht passé Eine recht selbstbewusste Aussage Wenn das eindimensionale Gedicht passé sei wie ist dann die Konzeption des neuen Gedichts wie es sich Tom Schulz vorstellt Tom Schulz Das Vorrangige in der Lyrik ist die Sprache oder das Spiel mit der Sprache ja es hat nicht diesen klaren Rahmen und es gibt auch keine Antworten und stellt auch keine Fragen es hat mit so einem Moment der Sprache zu tun und vielleicht auch mit dem Versuch die Möglichkeiten die der Autor hat in Richtung Sprache oder Form die irgendwie zu erweitern oder auch Schritt für Schritt zu erweitern und irgendwo auszureizen Das bleibt vage Während er in früheren Texten schon thematisch deutlich soziale Positionen bezog mag Tom Schulz hier nicht recht sagen was seine spezifischen Themen sind Tom Schulz Im Grunde sind es ja überwiegend Liebesgedichte auch wenn sie vielleicht vorgeben Reisegedichte zu sein Die Themen finden sich von ganz allein Also die Herangehensweise ist ja eher so dass man von der Sprache ausgeht also die Themen spielen eigentlich gar nicht so eine große Rolle das Thema findet einen selber Monika Rinck Ah Das Love Ding Ein Essay Kookbooks 2006 200 Seiten 18 90 Euro amazon Monika Rinck zum fernbleiben der umarmung Kookbooks 2007 80 Seiten 14 90 Euro amazon In dieser Beziehung hält sich also der Dichter des Jahrs 2007 ähnlich bedeckt wie seine Vorgänger Mitte des letzten Jahrhunderts Ebenfalls bei Kookbooks erschienen ist der Essayband Ah das Love Ding von Monika Rinck die vor allem als Lyrikerin in Erscheinung getreten ist Die Art wie sie hier das Thema Liebe in ihrer Generation behandelt ist allerdings tatsächlich mehr poetisch denn auf Verständigung ausgerichtet was man ja von Essays für gewöhnlich erwarten dürfte Im Frühjahr 2007 erschien jetzt ihr nächster Lyrikband bei Kookbooks in dem sie die bislang für filigran hermetische Verse bekannt war durchaus etwas deftiger daher kommt meine stumme fresse feige vor tristesse DA fiel mir die fresse runter wo ich als eine andere unbeirrt und ohne wimpernzucken weitermachen würde das allerdings in einem schrank wo ich nicht alleine sondern unter priestern wäre zwischen jogginghosen frotteemänteln negligées könnte ich dort alles sagen es käme frisch aus mir heraus als wäre ich gedüngt Adrian Kasnitz innere sicherheit Yedermann 2006 126 Seiten 10 Euro amazon Während die Kookbooks Publikationen große Kunstanstrengung verraten und sich im übrigen weitgehend aus der jungen Berliner Lyrikszene speisen orientiert sich der Yedermann Verlag geografisch wie inhaltlich anders Der Kölner Lyriker Adrian Kasnitz etwa legt in seinem Band innere sicherheit einen ziemlich ungeschminkten sozialen Realismus an den Tag barackenwhiskey hinter butzenscheiben krepieren die alten seit jahr und tag Das kölsch nährt sie der rauch verlängert ihr leben solange bis heike klaren nachschenkt Das sind Töne die man von seinem ersten Gedichtband her nicht kennt Adrian Kasnitz Es ist natürlich eine Zusammenstellung von Texten die ich halt bewusst so gewählt habe Ich hab jetzt nicht

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  • satt.org: Literatur: Antje Rávic Strubel: Kältere Schichten der Luft
    leugnen und je länger und öfter sie sich treffen desto mehr bemerkt auch Anja wie sie sich in Schmoll verwandelt Ich stand vor diesem Spiegel in einem blaugestreiften Hemd in dem ich einen Vierzehnjährigen sah Und es war nicht mehr albern Es war eine Möglichkeit Wer den Anfang des Buches aufmerksam verfolgt wird überrascht von dem plötzlichen Einbruch eines sprechenden Ichs Dieses Ich der Erzählerin Anja taucht zum ersten Mal auf nachdem sie von dem Mädchen angesprochen wird bis dahin entsteht der Eindruck man habe es mit einer personalen Erzählweise zu tun Schon hieran wird deutlich wie ernst die Autorin die Vorstellung nimmt dass wir nur durch Sprache existieren und nur durch ein uns adressierendes Gegenüber Es war eine Möglichkeit Vielleicht ist das der Schlüsselsatz des Buches in dem es darum geht zu zeigen wie man durch Worte Realität erschafft Realität in einem nicht nur rein positivistischen Sinn Denn auch Anja verwandelt sich nicht einfach in einen Jungen Er bleibt jedoch eine Möglichkeit diffus verborgen wie eine zweite Haut unter der ersten aber in den entscheidenden Momenten zum Leben erweckbar Die entscheidenden Momente Die Entscheidungen die immer erst im letzten Moment fallen Die Welt die ist was der Fall ist Eine Möglichkeit von Tausenden Sieht man sich den Namen an den Anja ihrer Lichtgestalt gibt wird einiges klar Siri Es war der einzige Name der überhaupt in Frage kam er begann mit S S wie surprise wie Schlüsselblume Schafsgarbe wie Spinnerei und Sehnsucht Für mich war sie das Später wird Anja klar dass sie den Namen wie in Spiegelschrift las und er eigentlich Iris heißen sollte I R I S I R I Wo könnten da noch Zweifel herrschen dass in Kältere Schichten der Luft die Sprache die Hauptrolle spielt die Sprache und das Licht das irisierende Licht des schwedischen

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  • satt.org: Literatur: Ingo Schulze: Handy - dreizehn geschichten in alter manier
    Welten Wobei letztere erneut die besten Storys liefern etwa wenn uns In Estland auf dem Lande ein bemerkenswerter Bär aufgebunden wird eine wahrhaft amüsante Geschichte wie man sie als Provinz Pendant der urban legends eben nur an den Wodkatresen östlich der Oder hören kann Oder wenn in der letzten Geschichte quasi nebenbei berichtet wird wie der Autor auf Lesereise mit seinem St Petersburg Buch 33 Augenblicke des Glücks in St Petersburg selbst plötzlich dazu verdammt zu sein scheint all das Unglück das seinen Figuren darin widerfährt nun auch am eigenen Leibe durchleben zu müssen Charakteristisch für Schulze ist dass der Erzähler prinzipiell im Bezug auf ein Du erzählt Auch noch der Einsame spricht existiert und denkt grundsätzlich auf eine geliebte an oder abwesende andere Person hin eine Erkenntnis über die menschliche Verfasstheit die selten so konsequent literarischen Ausdruck findet Und egal wo die Geschichten spielen ob in Dresden Petersburg Kairo oder Budapest immer erfahren wir etwas über die Gefühle einzelner Personen kleine Mosaiksteinchen statt großer Panoramen Das Leben als Summe kleiner Schritte die jeder zu einer Geschichte zusammenaddieren muss Autor Figuren Leser nicht als Breitwandformat mit literarischer Soundsoße Selbst von New York zeigt Schulze uns keine Wolkenkratzerschluchten mit Polizeisirenen sondern einen seltsamen alten Mann der Möhrentorte liebt Wie immer bei Ingo Schulze wird die Technik der erzählenden Fiktionalisierung in den Geschichten selbst thematisiert das geschieht ganz nebenbei man liest es als organischen Teil des Erzählens es schmälert das Lesevergnügen keineswegs sondern steigert die natürliche Lust am Zuhören ganz so wie wir einen Erlebnisbericht mit Floskeln wie Stell Dir vor beginnen und damit die Aufmerksamkeit des Zuhörers steigern In manchen Texten wird die literarische Verkleidung ganz aufgegeben wie etwa in der liebenswert unliterarischen Epiphanie am Sonntagabend mit den realen Mitgliedern von Schulzes Familie als Figuren die man z T deutlich als

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