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  • satt.org: Literatur: Es waren einmal … Zahl und Zombie
    Es waren einmal viele Zahlen die konnten nicht aufhören denn ein Erfinder erfand immer neue Zahlen Eine Zahl ging mal zum Friedhof und sah einen Zombie Der Zombie wollte die Zahl zerfetzen und sie auseinander reißen Doch die Zahl bricht ihm den Arm ab Der Zombie hatte doch noch zwei Beine und einen Arm Er hatte so Angst dass er die Zahl fragte ob sie mit ihm tanzen würde Die Zahl sagte Okay Dann haben sie getanzt Als sie aufhörten zu tanzen stellte sich raus dass die Zahl ein Weibchen war und der Zombie ein Männchen Dann fragte der Zombie ob die Zahl ihn lieben würde Die Zahl hat gesagt Ja du hässlicher Fliegenschiss Und dann fragte die Zahl ob er sie liebte Der Zombie hat Ja gesagt So heirateten sie Und dann stritten sie sich Die Zahl sagte Du Schwein Lass dich hier ja nie wieder blicken in Zombieland Dann ließen sie sich scheiden Der Zombie ging zur Zahl Familie und er sah auch den Professor der die Zahlen erfunden hatte Der Zombie sagte Ich werde euch alle vernichten Da kommen alle Zahlen und zerfetzten ihn in Stücke und keiner sah ihn wieder Und die Zahl hat auch keiner mehr gesehen denn sie ist von den Zombies zerfetzt worden Derart dichte Texte sind selten Da gibt es keine Füllsel nur klare Sätze und Worte mit einer Treffsicherheit und einem allegorischen Überschuss die einem Angst machen können Was für eine Story Schon der Beginn ist eine perfekte literarische Variation auf das Thema Unendlichkeit Die Zahlen hören nie auf und erklärt wird das damit dass ein nachgerade göttlicher Erfinder immer neue erfindet Das ist in seiner kindlichen aber stichhaltigen Erklärung besser als Peter Bichsel Dann wird aus der unendlichen Menge an Zahlen eine Zahl herausgegriffen Man mag dabei an Individualisierungsbestrebungen des Subjekts denken doch nimmt der Satz sofort eine andere Wendung Unsere Zahl begegnet einem Zombie Was für eine Themenkonfrontation Ein Zeugma aller erster Güte noch dazu ein Stabreim Zahl Zombie Man möchte zu gern wissen um welche Zahl es sich nun eigentlich handelt aber dieses Geheimnis bewahrt der Text Dass der Zombie die namenlose Zahl erwartungsgemäß zerfetzen und auseinander reißen will könnte darauf hindeuten dass die Zahl aus mehreren Ziffern besteht Jedenfalls scheint sie mächtiger zu sein und bricht dem Angreifer den Arm ab Da der Zombie nun doch noch zwei Beine hat kann er die ihm überlegene Zahl noch zum Tanz auffordern seine Form des Winselns um Gnade und eine weitere überraschende Volte des Textes Im Zeichen des Sieges nimmt die Zahl das Angebot das ja auch eine Falle sein könnte an Dass sie dazu ganz unumwunden lässig Okay sagt erinnert an wortkarge Actionfilme Gemäß den Artikeln der Substantive stellt sich heraus dass die Zahl ein Weibchen war und der Zombie ein Männchen Bezeichnenderweise erst nach dem Tanz bei dem der Zombie geführt und so ein wenig an Würde zurückgewonnen haben mag Jedenfalls getraut er sich die Frage der Fragen zu stellen Die Antwort der Zahl ist eine hinreißend

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_12_zahlundzombie.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Dath total - Dietmar Dath im Interview
    300 Hefte lang Vor zwei Jahren erschien die letzte Ausgabe DD An und für sich finde ich solche Langzeitselbstverpflichtungen schädlich Dave Sim etwa war dadurch an bestimmte Figuren Rahmenerzählungen und so fort gebunden von denen er sich andernfalls vielleicht mit Gewinn emanzipiert hätte Andererseits hat er das Allergroßartigste daraus gemacht und hätte anders vielleicht gar nicht arbeiten können Also auch hier wieder Das Resultat rechtfertigt den Plan Beharrlichkeit allerdings also daß man fertig macht was man anfängt schätze ich immer Nur sollte man bestimmte Dinge eben nicht unbedingt anfangen MD In Cordula killt Dich hast Du auch über Dein Rainald Goetz Problem geschrieben und Eure unglücklich verlaufenen Begegnungen Die späteren Treffen waren hoffentlich erfreulicher Jetzt veröffentlicht Ihr beide im selben Verlag Steht Ihr in Kontakt zueinander DD Sehr gelegentlich Früher habe ich ihn bewundert aber nicht gekannt jetzt bewundere ich ihn und mag ihn MD In Deinen Romanen gibt es viele verwickelte Handlungsstränge Zeitsprünge Intertextualität Physik Mathematik Theorie Man muß die Leser fordern Hast Du manchmal auch Sorge die Leser Deiner Bücher zu überfordern DD Nein Den modernen Nahverkehr das Fernsehprogramm und den Arbeitsmarkt kriegen sie ja auch geregelt und was da an verwickelten Handlungssträngen Zeitsprüngen Intertextualität Physik Mathematik Theorie Biologie Islamismus und Mehrwertsteuer geboten ist damit können meine simplen Liebesgeschichten sich nicht messen MD Du hast ein Sachbuch über Computer geschrieben Schöner rechnen und in Enzensbergers Anderen Bibliothek das Buch Höhenrausch mit dem Untertitel Die Mathematik des XX Jahrhunderts in zwanzig Gehirnen veröffentlicht In allen Besprechungen die ich kenne wurde Dir ein großes Lob für die phantasiereiche stilistisch vielseitige literarische Umsetzung der Mathematiker Biographien ausgesprochen der Rezensent von Spektrum der Wissenschaft monierte allerdings fachliche Fehler Andere Rezensenten kritisierten daß Du Mathematik nicht erklärst und sich mathematische Sachverhalte durch die Lektüre nicht erschließen Haben die Kritiker Recht DD Wenn einem etwa für mathematische Größen die kommutieren sollen das an dieser Stell völlig sinnlose Wort kommunizieren reinlektoriert wird oder wenn die Endkorrektur derartiges anstellt weil sie den betreffenden Ausdruck nicht kennt ist das natürlich bitter Wenn es Rezensenten merken regt man sich zum zweiten Mal auf Und daß man bei zwanzig Porträts von Genies aus einem der spannendsten Jahrhunderte in der Wissenschaftsgeschichte auch ein paar tatsächliche Schnitzer baut die selbst die Filter befreundeter Fachleute ungehindert passieren ist wohl unvermeidlich Diese Sorte Kritik höre ich gern man lernt daraus und ich hätte mir jene Themen ja nicht ausgesucht wenn s mir nicht drauf ankäme über Sachen zu schreiben bei denen der Unterschied zwischen richtig und falsch eine Rolle spielt Unleidig wird es aber wenn die Literaturkritik wegen Mathematikhaltigkeit eines Textes passen muß und das Ding dann an einen Menschen weitergibt der sich ereifert man lerne daraus nicht rechnen vor allem wenn mehrfach drin und draufsteht etwa in Vor und Nachworten daß das nicht intendiert ist Daher jetzt die Klarstellung im Dirac Nachwort Es ist nicht Sinn und Zweck des Gemäldes der Alexanderschlacht Betrachtern den Geschichtsunterricht zu ersparen Peter Hacks hat sehr zu recht darauf hingewiesen daß Dichtung weniger Kenntnisse über die Welt als vielmehr Haltungen zu ihr mitteilt Dabei können Kenntnisse freilich nützlich sein MD Sehr beeindruckt hat mich Dein Buch Sie ist wach über die TV Vampirjägerin Buffy Du analysierst die TV Serie nicht nur oder goutierst sie augenzwinkernd sondern nimmst sie ernst und beschreibst warum wie und was Dir zu Herzen ging Findest du daß das in der Auseinandersetzung mit Populärkultur zu selten geschieht DD Es geschieht in der Auseinandersetzung mit JEDER Form von Kultur zu selten Die Kritik begreift nicht oft genug daß ihr Anlaß ein unkritischer ist und verstopft mit diesem Unverständnis eine wichtige Erkenntnisquelle MD Kürzlich war ich auf einer sehr gediegenen Lesungsveranstaltung auf der Stephen Kings On writing als eines der besten Bücher über das Schreiben gepriesen wurde Die Frau des Veranstalters eine Buchhändlerin konnte überhaupt nicht begreifen wie man Bücher von Stephen King lesen kann Ärgern Dich solche Vorurteile DD Absolut nicht wozu auch Wer etwas nicht versteht hat Pech gehabt aber die Welt ist ja voll von dergleichen und ich selber begreife schließlich auch nicht ein Hundertstel dessen was ich gern begreifen würde Friede den Unkundigen MD Stehen King ist ein Autor auf den Du in Deinen Büchern oft zu sprechen kommst Was fasziniert Dich an seinem Werk DD Das Bestürzende und Bestrickende an King ist doch daß sich in Gestalt seiner Laufbahn erleben läßt was einer heutzutage für ein guter Schriftsteller sein kann ohne daß es irgendjemand merkt außer der Leser Ob Charles Dickens Klassikerstatur hatte darüber hätte man im viktorianischen neunzehnten Jahrhundert nicht lange nachdenken müssen Aber das viktorianische neunzehnte Jahrhundert war ja auch der Gipfel der menschlichen Zivilisation Marx Darwin Maxwell Jack the Ripper während wir traurigen Pappnasen unseren Größten dazu verdammen als Bestsellermillionär ungetröstet vor sich hin zu rackern Der Himmel mag s ihm lohnen MD Science Fiction und Horrorliteratur erfährt in Amerika ebenso wie Comics eine viel größere Akzeptanz als in Deutschland Glaubst Du daß sich das in naher Zukunft wie beispielsweise beim Film oder Fotografie ändern wird DD Ist mir vollständig egal Ich will doch nicht die Akzeptanz von Genres fördern sondern dazu beitragen den Unterschied zwischen guten und schlechten Sachen in ALLEN Genres deutlicher zu machen MD Du hast die Horrornovelle Die Ehre des Rudels im MAAS Verlag veröffentlicht und den Science Fiction Roman Am blinden Ufer im Verbrecher Verlag Sicherlich gibt es in Deutschland einschlägigere Verlage für Horror und Science Fiction Literatur Wie werden in diesen Leserkreisen Deine Bücher aufgenommen DD Das weiß ich nicht weil ich mit dieser Szene wenig mehr gemeinsam habe als einige Vorlieben Die Zeitschriften Websites und so fort die mir meine Informationen und Kritiken zu solchen Genres liefern sind fast alle englisch das heißt amerikanisch MD Auch viele Schriftsteller die Dir wichtig sind kommen aus Amerika Stephen King Harlan Ellison Norman Mailer William T Vollmann Woran mag das liegen DD Am Imperialismus natürlich Der hat nämlich auch gute Seiten Man lernt viel über die Wechselwirkung von Weltmacht und Weltliteratur Das bildet einen eminent politischen Literaturbegriff heran und stellt auch an den

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_12_dath.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Genie trifft Wahnwitz: Daniel Kehlmann zu Besuch in Göttingen
    im Sportunterricht in die Mannschaft gewählt wurden schreiben Mit dieser wenig befriedigenden und eher ausweichenden Aussage stellt Kehlmann humorvoll dar dass es keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gebe Seiner Meinung nach seien Übung und die Erkenntnis dass Lernen nicht kontinuierlich sondern in Sprüngen erfolge evident Auch er selbst fange bei jedem Roman von vorne an und müsse sich erst vortasten da es das professionelle Schreiben als solches nicht gebe Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt Rowohlt 2005 304 S geb 19 90 amazon Bezogen auf sein eigenes Schreiben von Prosa spezifiziert er alsdann diese sehr allgemein gehaltenen Aussagen Perfekte Formalia seien natürlich wichtig aber Details sind alles Im Erzählprozess seiner Werke stehe die Visualisierung im Vordergrund Es gehe auch darum dort einen Bogen zu spannen wo keiner vorhanden sei So appelliert Kehlmann an die Fantasie des Lesers der dazu angehalten wird die eingewebten Bilderwelten zu erkennen Doch warne er auch vor metaphorischer Überladung um dem Leser interpretatorische Freiräume zu lassen Aus diesem Grunde fordere er für seine Werke eine aufmerksame Leserschaft die Wahrheit und Dichtung voneinander trennen könne Er verweist auf den gern vergessenen Umstand dass ein als Roman bezeichnetes Werk in erster Linie als Fiktion zu betrachten sei unabhängig davon ob und in welcher Quantität reale Bezüge tatsächlich enthalten sind Kehlmann selbst beschreibt seine Art der Prosa als gebrochenen Realismus womit er eine neue Stilrichtung begründete In Anlehnung daran ist Die Vermessung der Welt als ein genaues Gegenteil zu einem authentischen Geschichtswerk zu verstehen Das literarische Thema ist das Zusammenspiel von Genie und Wahnsinn wobei somit die Hochbegabung der Besessenheit ambivalent gegenübersteht Dies verdeutlicht er anhand seiner beiden Wissenschaftler Gauß und Humboldt Literatur soll nicht die Regeln der Syntax brechen sondern die der Wirklichkeit Soviel zu den Idealen eines Autors Ob diese von allen Lesern jedoch wahrgenommen werden

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_12_kehlmann.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Ursula Heuenkamp, Peter Geist (Hg.): Deutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts
    Jahre hinein war es doch in besonderem Maße auch die ältere Generation die sich in den 90ern noch einmal als äußerst lebendig und wirkmächtig präsentierte Friederike Mayröcker und Oskar Pastior beispielsweise Oskar Pastior ist im vorliegenden Band ein sehr instruktiver Beitrag gewidmet verfasst von Friedrich W Block Leider gibt es weder über Block noch über die anderen Beiträger biographische Hinweise hinter dem jeweiligen Namen steht lediglich der Wohnort des Autors Das aber ist Augenwischerei denn es handelt sich bei diesem Buch nicht um eine wissenschaftliche Publikation bei der durch die Ortsangabe zugleich die Universitätszugehörigkeit bezeichnet wird Es finden sich zwar hauptberufliche Germanisten unter den Verfassern doch auch nicht wenige freischaffende Autoren Hier beginnt das Dilemma dieses Buches die Uneinheitlichkeit Leider haben die vielen Autoren mit ihren unterschiedlichen Ansätzen kein spannendes Ganzes geschaffen Ganz im Gegenteil Die Beiträge sind in einem Maß unterschiedlich sowohl was die Qualität als was den Aufbau angeht dass sich die Frage stellt für wen dieser Sammelband überhaupt bestimmt und von Nutzen sein soll Die Art der Beiträge ist bunt gemischt es finden sich sowohl Essay als auch Abhandlung und Proseminarsarbeit häufig Mischungen aus allen dreien Es ist bei weitem kein Lexikon in dem man zielgerichtet nachschlagen könnte zum einen Dichter etwa findet man viel Biographisches zum anderen kaum etwas bei einer Dichterin steht vor allem die Interpretation des Werkes im Vordergrund bei einer anderen lediglich die literaturgeschichtliche Einordnung hier beschränkt sich der Beitrag darauf die Bedeutung des Dichters zu beschwören dort fehlt einem Artikel jegliche Richtung Man findet verlässliche Übersichtsbeiträge von Hermann Korte etwa oder Erk Grimm daneben aber auch schlicht unsinniges Geschreibsel zum Beispiel Antonella Garganos Beitrag über Gertrud Kolmar Von einer Logik der Metamorphose ist da ohne Erläuterung die Rede oder es wird von einer Fremdheit geraunt die eine deutliche schmerzliche Spur in den

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_11_lyrik.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Blätterwald 2 – Deutsche Kulturzeitschriften im Überblick
    Disco Fieber nur noch wenige Monate um beide Hemisphären zu überziehen Das ist die Einleitung des Aufsatzes Disco Studio 54 revisited von Ulrich Raulff erschienen 1979 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift Tumult Der kluge hellsichtige und durch die zeitliche Distanz stellenweise recht komische Aufsatz des heutigen Direktors des Deutschen Literaturarchivs Marbach wird u a von einem Gespräch mit Paul Virilio einem Porträt der Zeitschrift Traverses einem tollen Text über Kierkegaards Ende und begeisterten Sätzen zur Geilheit der Brandstiftung flankiert Euphorie Naseweisheit und Missionierungsdrang kennzeichnen die erste Tumult Ausgabe die durch eine geschickte Textzusammenstellung den damals herrschenden Zeitgeist in sich speichert Zeitlos dagegen präsentiert sich die jüngst erschienene dreißigste Tumult Jubiläumsausgabe Der Ton ist abgeklärt an einigen Stellen zu selbstgewiß die Autorenauswahl hochkarätig das Thema gediegen Römisch Was sollen emeritierte Professoren auch über Tokio Hotel schreiben Überrascht liest man im Autorenverzeichnis daß der zu Tumult beitragende Mailänder Professor für Ästhetik Massimo Cacciari gleichfalls auch Bürgermeister von Venedig ist Großartig sind die Artikel die weniger mit Prunkwissen als mit enormer Sachkenntnis aufwarten etwa Nadine Grotkamps pointierte Überlegungen zur antiken Praxis internationale Verträge mit Geiseln abzusichern Dazu kommen wunderbare Erkenntnisse wie die von Paul Veyne Manche Forscher empfinden eine heftige Sympathie für die Zivilisation die sie studieren Wie viele Arabologen und Japanologen sind mit ihrem Forschungsgegenstand geradezu verheiratet Wenn es in 1000 Jahren Nazilogen geben wird werden sie Zuneigung zu den Nazis empfinden Höhepunkt des Heftes ist für mich Wilhelm Blums konzentrierter Aufsatz zur Rom Idee im Zentrum und an den Rändern Europas ein Parcours Ritt durch fast zweitausend Jahre Geschichte der bis zur Gegenwart und Jacques Chirac führt Um den deutsch französischen Gedankenaustausch macht sich seit 2004 die großformatige durchgängig zweisprachige Zeitschrift La mer gelée verdient Die dritte Ausgabe widmet ihr Dossier dem außergewöhnlichen Thema Gefangenschaft und noch außergewöhnlicher sind die essayistischen und künstlerischen Beiträge zum Thema die von lyrischen Innenschauen origineller Kurzprosa bis hin zum bewegenden auf Gesprächen mit Inhaftierten beruhenden Artikel Die Auswirkungen von Inhaftierung auf den Körper und das Selbstwertgefühl reichen Ein Essay über Terézia Moras Roman Alle Tage und die phantastischen Zeichnungen von Annika Müll runden das Bild ab La mer gelée ist eine der schönsten und bemerkenswerten Literatur und Kulturzeitschriften die ich kenne Anders als viele multikulturelle Zeitschriften Projekte beschreibt La mer gelée nicht die Andersartigkeit sondern demonstriert in der Praxis wie bereichernd und inspirierend andersartige Sichtweisen sind La mer gelée wurde im Jahre 2000 als Internetmagazin gegründet sich fortan auf ihren Internetauftritt konzentrieren wird die von Peter Schaden herausgegebene in Wien erscheinende fast 15 Jahre alte Zeitschrift frei zeit art Die letzte in klassischer Fanzineaufmachung als doppelgeklammertes DIN A5 Heft veröffentlichte Printedition ist eine Doppelnummer und richtet ihren focus Teil mit Kurzbesprechungen und einem Gespräch auf den österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch während die labor Rubrik hauptsächlich Beiträge eines von der fza ausgelobten Lyrik und Kurzprosapreises präsentiert Peter Schaden erklärt die Einstellung der Printausgabe mit finanziellen und zeitlichen Gründen angesichts der durch den Mix sehr gelungenen letzten Ausgabe ist dieser Verlust äußerst bedauerlich 1996 wurde das

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_11_blaetterwald.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Ariane Grundies: Am Ende ich
    Sparkassendirektor noch eine Rede gehalten Und der hat dann der Giro äh Jury gedankt und diese 100 000 Männer in Anzügen und die arme Sarah Kirsch dazwischen Ariane Grundies freut sich über solche Geschichten und es hat nie den Anschein als wolle sie sich über das Provinzielle lustig machen ihr geht es nur darum zu sagen So ist es da Darüber hinaus denkt man sich dann auch Ulrich Wickert Stefan Aust der Sparkassendirektor und der Streit um den neuen Radarwagen Das ist Deutschland Otterndorf ist überall Und das ist irgendwie auch Ariane Grundies Thema Denn ein bisschen Otterndorf ist auch in Grundies neuem Roman Am Ende ich Es geht um einen altklugen geschwätzigen jungen Mann um Lutz der seinen Zwillingsbruder Max in Verdacht hat die im Wachkoma Mutter lag umgebracht zu haben Am Ende ist aber alles ganz anders Und zwischen Anfang und Auflösung geht es um allerlei Verstrickung in der engen Familie um Ausbrüche und deren Scheitern Und dann geht es auch noch um den ganzen Quatsch eines leeren Alltags um die Wonnen und Gefahren des Coca Cola Trinkens ums Handballspielen und als Gipfel der Leere um Kommunismus als Beispiel für eine Art Privatphilosophie deren Weisheiten die Tante des Ich Erzählers unablässig im Munde führt beim Abspülen beim Essenmachen beim Kaffeetrinken und die über all den leeren alten verbrauchten Sätzen völlig das Leben ihr Leben übersieht Politik findet in der Familie statt sagt Grundies Die Politik in Am Ende ich ist ein ständiges leeres Palavern gegen die Stille Es wird unablässig gesprochen denn wie der Ich Erzähler am Anfang sagt Das große Nichts das wartet Mit dieser Erkenntnis lebt es sich entschieden leichter Es scheinen alle gegen die Leere ansprechen zu wollen Ich Erzähler Lutz seine Tante Das ist manchmal enervierend oft komisch immer trefflich beobachtet Und es endet

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_11_grundies.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Stefan Heuer: favoritensterben
    differenter Blick des Dichters auf Irrsinn Leichtsinn und vielleicht auch Tiefsinn unserer modernen Gesellschaft Das alles bewerkstelligt Heuer geboren 1971 in der Nähe von Hannover lebend mit großem Feinsinn und einer erstaunlichen Beobachtungsgabe Aber auch mit einem Humor und einer Überzeugungskraft die nachwirken Stefan Heuer ist leise wird lauter verstummt Er hinterlässt seltene Bilder mit Doku Charakter er geht dahin wo Schmerzhaftes gerade anfängt wenn die sonne explodiert bleiben acht minuten Zeit noch für z B folgendes das letzte make up ein walzer leiser furz als letzte handlung Noch nie in einem Gedicht nicht einmal im wahren Leben fand ich einen Furz jemals so anrührend nun fallen die kastanien auch nachts von den bäumen Und so sammelt Stefan Heuer die kleinen Dinge die nicht jeder sieht Er erhellt uns das Dunkel ein wenig aber er erhält uns das Dunkel auch denn spätestens in der letzten Zeile eines Gedichtes ist er schon wieder weg und beobachtet bereits auf irgendeiner anderen Seite fische die schweben und sei es in höchster gefahr Heuer lockt den Leser fast durchgehend mit kurzen Gedichten aber die haben es in sich schließen selten einen Kreis sondern führen fort Ich habe anfangs geschrieben man kann darf und sollte sich einlassen auf diese Texte Wahrscheinlich muss man das sogar sich einlassen damit man wirklich drin sein kann Das ist hier anders als beim Poetry Slam bei dem man umzingelt wird mit dem was man kennt und das einen letztlich nur dadurch erstaunt dass man darüber noch lachen kann Stefan Heuer setzt nicht auf das Altbekannte er setzt auf volles Risiko um Alltag und jüngsten Tag zu beschriften Da macht es mir dann auch nicht ganz so viel aus dass mich so manche Metapher zwischen die Augen traf weil sie so aus heiterem Himmel kam dass ich sie nicht ganz

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_11_heuer.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Musik: George Lindt: Provinzglück (Interview mit dem Autor)
    ganz anderen und viel umfangreicheren Form als Buch geben vorstellbar wäre aber auch ein Dokumentarfilm zu dem Thema Ich könnte nicht darauf verzichten Ideen in Konzepte umzusetzen Vielleicht ist das Buch aber das unabhängigste Medium und mir zur Zeit das liebste Solch aufwendige Projekte wie Dein Provinzglück gibt es sonst nirgends wie kamst du auf die Idee Hörbuch DVD Livelesung etc zusammenzupacken Ein anderes Label würde abwinken und sagen das ist ruinös GL Der Hintergrund ist daß ich nur CDs Bücher und Filme produzieren möchte die ich mir auch selber kaufen würde Ich finde nichts schlimmer als lieblos produzierte Veröffentlichungen Sich ständig am Rande des Ruins zu befinden ist für mich nichts neues Beschissener würde ich mich fühlen wenn ich mit Schrott viel Geld verdienen würde Meine Veröffentlichungen sollen Leute auf eine Entdeckungsreise schicken und das Interesse nachfühlen können was ich damit verbinde Schön würde ich es finden wenn sich die großen Medien TV Radio Print es eher schätzen und beachten würden in Ihrer Arbeit Leider gilt ja aber immer mehr das Gesetz Artikel gegen Anzeige Schlußendlich liegt der Ruin in dieser Medienpolitik und in Handelsketten wie Saturn Geiz ist geil die alle Veröffentlichungen die nicht in ihre Schemata passen grundsätzlich nicht ins Programm nehmen Das führt zur Deichmannisierung Wie autobiographisch ist Provinzglück GL Sicherlich steckt in Provinzglück viel von mir und meinem Leben drin Man sollte aber nicht immer versuchen den Autor hinter dem Buch zu sehen sondern die Inhalte des Romanes für sich stehen lassen Die ganze Kritik und Ambivalenz die in dem Buch stecken kann man vielleicht nicht gleich erkennen Ich denke es ist ein ganz stilles Buch Thomas Brussig hat es ganz gut erkannt Brussig lobt Provinzglück in einem Interview ausführlich Anm cm Das Hörbuch mit DVD geht da noch ein ganzes Stück weiter und bringt die visuelle Seite in Spiel und natürlich die Meinung anderer wie Stereo Total Schneider TM Christian Ulmen usw Wie kamst du mit Christian Ulmen zusammen seid Ihr befreundet GL Christian war mein absoluter Favorit für dieses Hörbuch Ich finde ihn in seiner Arbeit und vor allem persönlich einen sehr interessanten und symphatischen Menschen Während der Produktion von Provinzglück war gerade Premiere von Elementarteilchen und er drehte währenddessen FC Venus Vielleicht haben wir während der Aufnahmen fürs Hörbuch zu viel Currywurst gegessen Auf jeden Fall möchte ich ihn nicht als Mein neuer Freund Was macht Berlin so anziehend Ich habe den Eindruck als würden alle Kreativen aus ganz Deutschland dorthin abwandern entsteht in Berlin ein Künstlerghetto GL Ich denke es gibt anteilig genauso viele kreative Berliner wie es anderswo kreative Menschen gibt Schlußendlich bin ich aus meiner Heimatstadt Marburg weg weil man dort auf wenig Gleichgesinnte trifft und die Möglichkeiten extrem begrenzt sind Es kann keinen großen kreativen Ausstausch geben und alle finden einen immer exotisch man wird eher kritisch beäugt als daß sich vielleicht mal die Oberhessische Presse oder das Stadtmagazin freut daß da mal jemand ist der was macht In Berlin und vielleicht auch in Hamburg findet man sofort

    Original URL path: http://www.satt.org/musik/06_11_provinz.html (2016-02-14)
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