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  • satt.org: Gesellschaft: Grimme-Preis, Bachmann-Preis, Weltherrschaft: Die Zentrale Intelligenz Agentur verändert unser Leben.
    ersprießlich Doch davon ließen sich die ZIA Leute nicht entmutigen sie bauten weiter ihr Netzwerk auf und aus bastelten an ihrer hübschen Internetseite und trugen das dazu passende T Shirt selbstbewußt zur Schau Der Weltherrschaft entscheidend nähergekommen ist die ZIA schließlich dank zweier Phänomene Im Juli 2003 veranstaltete die ZIA im Kurvenstar Die letzte lange Nacht der Popliteratur zu Ehren Joachim Lottmanns der angeblich seinen fünfundvierzigsten Geburtstag und damit gleichzeitig Ausstand als Pop Literat feierte und an diesem Abend erstrahlte zum ersten Mal der Stern des Supatopcheckerbunnys am Berliner Bühnenhimmel Der kurze Lesungsauftritt begeisterte so nachhaltig dass dann als am 19 Dezember 2003 unter großem Mediengejammer die Harald Schmidt Show eingestellt wurde und ein Massensuizid unter deutschen Intellektuellen unabwendbar schien das Supatopchecherbunny in die Bresche sprang und Schlimmeres verhinderte Von Januar 2004 an moderierte die charmant charismatische Ulrike Sterblich in Gestalt des Supatopcheckerbunnys gemeinsam mit dem Hilfscheckerbunny Stese Wagner einmal im Monat im NBI die von der ZIA realisierten Berlin Bunny Lectures Die unterhaltsame ebenso kluge wie ironische Themenshow wurde ein Publikumsmagnet und die beiden Bunnies Kultfiguren des kulturellen Off Die ZIA konnte ihren ersten großen Erfolg verbuchen auch weil das geschickt gesponnene Netzwerk sich bewährte In Tageszeitungen interviewten sie einander und bewarben und besprachen die Veranstalter ihre eigenen Attraktionen die Einladung von Gastexperten führte zu Aufwertung und Ausweitung des eigenen Mitarbeiterpools Der zweite wichtige Schritt zur Erlangung der Weltherrschaft war die Inbetriebnahme des Weblogs Riesenmaschine im Juni 2005 Der aus dem Umfeld der ZIA hervorgegangene täglich aktualisierte Blog hat sich der Ästhetik des Alltags und der Technik und Warenwelt verschrieben Aufgrund der originellen äußerst witzigen Beiträge von handverlesenen Autoren wurde Riesenmaschine zu einem der beliebtesten Webblogs der Republik und erhielt in diesem Jahr verdientermaßen den angesehenen Grimme Online Award Auch wenn es noch schwer ist aus einer Internetseite mit

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  • satt.org: Gesellschaft: Markt Literarisch. Herausgegeben von Thomas Wegmann
    Kraft ökonomischer Theoriemodelle Nullmeier sprechen die die Realität nach ihren Ansprüchen eines Effizienzdenkens handelns ausrichtet Doch die Autoren wollen exakt das Gegenteil nämlich nicht die Individuen als Objekte von System Zwängen sehen als Gutmenschen die selbstlos der Öffentlichkeit dem hehren Kulturbetrieb und dem Publikum zugetan sind sondern als eigeninteressierte Individuen Unterboten wird dieser wenigstens in einigen Punkten bereichernde und schlau beobachtete aber den Kern verfehlende Beitrag vom ebenfalls ganz hinten im Buch angesiedelten Norbert Bolz Wenn jemand im Jahr 2005 Mitte des Jahres war Redaktionsschluss des Buches das aus einem Symposium 2004 hervorging Immunität gegen jede Form von Political Correctness als auszeichnend hervorhebt eine immer schon reaktionäre Geste die aber seit Ewigkeiten auch noch völlig leer und ziellos scheint dann scheint es schlecht bestellt zu sein um Literarisches Kultmarketing Wie Bolz sich immer noch an Zynismus Opportunismus Eskapismus beim Markenartikel Hans Magnus Enzensberger delektieren seine Künste der Aufmerksamkeitssteuerung preisen ihn dann zum Dichter als Unternehmer küren kann das ist schon kurios altbacken Wenn dann noch postuliert wird Enzensberger dessen Verdienste im Düpieren und Fintieren von Ressentimentlinken sowie Oberseminarlinken nicht zu kurz kommen beweise dass links sein und intelligent sein sich nicht ausschließen müssen möchte man gar nicht mehr nach Punkten suchen welche man Bolz als innovativ und durchdacht auslegen könnte Wie Sonja Eismann neulich im Zusammenhang mit Pop und Provokation schrieb Wenn ich noch einmal eine Formulierung wie herrlich politisch unkorrekt lesen muss die nur aus Denkfaulheit Frische und Frechheit mit Diskriminierung und Stumpfsinn assoziiert muss ich kotzen Oder gähnen Bei Bolz muss man leider beides Aber das war es jetzt auch weitgehend mit dem Gemecker Denn ansonsten zeigen viele Aufsätze einfach interessante und nicht auf billige Effekte setzende Perspektiven auf Die Metaphern des Ökonomischen in der Ästhetik nutzt Rainer Leschke zu grundsätzlichen Blicken auf Meilensteine dieses alten Abgrenzungsverhältnisses Kommen Leschkes Gedanken zu der Funktion der negativen Repräsentation des tyrannischen Jochs des lärmenden Markts als Kontrastfolie und Resonanzboden auf dem sich dann das interesselose Wohlgefallen als positive Ästhetik inszenieren kann nicht wirklich überraschend so sind seine Nachbetrachtungen zur Entwicklung dieser Differenz in der Postmoderne doch sehr erhellend Alle möglichen Unterscheidungen implodieren hier zwar auch Begriffe des Ästhetischen werden unscharf und trotzdem kollabiert die hier unter Beobachtung genommene Differenz nicht ja sie erfährt sogar wie bei Wolfgang Welsch oder in der Debatte um Horst Köhlers Museumsreformpläne Revitalisierungen wie Leschke zeigt Differenzen spielen auch bei Norbert Christian Wolfs Ausführungen zu Goethes Produktionsethos eine zentrale Rolle Kann er doch jene von Bourdieu für Frankreich herausgearbeiteten Konturen einer doppelten Ökonomie auch in der Positionierung Goethes ausmachen vor allem in der Orientierung auf die Kriterien reiner Kunst die in Abgrenzung zu als leicht konsumierbar verworfener Massenkultur entworfen werden Die beobachtete Herausbildung einer gegenläufigen Ökonomie die äußere Autonomisierung und innere Differenzierung des Feldes einschließt wird maßgeblich auf Goethes Markenwert und seine Fähigkeit zur Konvertierung des durch Insistieren auf Interesselosigkeit und Eigengesetzlichkeit reichlich angehäuften symbolischen Kapitals in ökonomische Werte zurückgeführt Der symbolische Wert Goethes undenkbar ohne sein strenges Selbstsortieren in und Eintreten für das Subfeld der eingeschränkten

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  • satt.org: Literatur: Thomas Kling, Gesammelte Gedichte
    wäre es nicht doch sinnvoller gewesen das Kling sche Archiv mit einzubeziehen und gleich eine wirkliche Gesamt ausgabe seiner Lyrik vorzulegen CHRISTIAN DÖRING Es gibt vergriffene Bücher gerade diese Bücher die mit Ute Langanky zusammen entstanden sind diese Kunstbücher und das waren ja teilweise auch Kleinauflagen Kleinstauflagen unter 100 Exemplaren so dass man da dann oder der ein oder andere Gedichte lesen kann die er von Thomas Kling noch nicht kannte aber Sie haben grundsätzlich recht es ging um eine Bestandsaufnahme des vorhandenen Werkes Für Döring erschließt sich der Sinn dieser Publikation jedoch allein schon aus der Bedeutung des Lyrikers Thomas Kling die er als gar nicht hoch genug zu veranschlagen sieht CHRISTIAN DÖRING Ich glaube das liegt auf der Hand und darüber kann es keinen Streit geben er hat mit seinen Gedichtsprachen die junge Generation enorm beeinflusst und jedes von ihm erschienene Gedichtbuch hat eine neue Rezeption ausgelöst er war ein Impulsgeber im Bereich des Lyrischen Döring hat Thomas Kling nahezu seine gesamte Schaffenszeit lang betreut wie gestaltete sich das Verhältnis zu diesem schwierigen Autor der vielen Menschen gerade auch Veranstaltern nicht zuletzt durch lautstarke Ausbrüche bekannt gewesen ist CHRISTIAN DÖRING Thomas Kling war ein sehr impulsiver ein das wissen wir liebenswerter geradezu zärtlicher Autor sowohl im Umgang mit nahezu täglichen Anrufen Telefonaten Erkundigungen nach dem Wohlbefinden dem Durchsprechen von Kritiken Büchern anderer Autoren das Sichten sozusagen der Konkurrenz das auf der einen Seite Nehmen wir sein Schreiben den Schreibprozess das Entstehen seiner Manuskripte so war er hier ein Lyriker mit dem man auch sehr leicht umgehen konnte in dem Sinne dass er aller Kritik gegenüber sehr aufgeschlossen war sehr hellhörig war Und er hat niemals um ein Gedicht gestritten wenn ich der Meinung war das passt hier nicht rein oder das fällt ab oder das ist schwächer Wie

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  • satt.org: Literatur: Andreas Gläser: DJ Baufresse
    die Lebenswelt der Bauarbeiter vorgenommen nach und vor der Wende Meine Kollegen wollten ihre Ruhe haben Schlechtwettertage waren besonders gefragt Als mit dem Sommer die Studentinnen flöten gingen lauerten wir zum jeweiligen Tagesbeginn auf den großen Regen damit wir die Baracke nicht verlassen mußten Wir soffen als wären wir uns bewußt daß wir damit den Untergang der DDR beschleunigten Die Alten spielten Skat frühstücken wollten sie trotzdem Stift wofür biste Stift Bier holn Wir waren zehn Leute für ein Frühstück mit Bier mußte mir jemand tragen helfen Dirk der Jungfacharbeiter rief Ich hab schon ausjelernt Rainer antwortete Aber trinken willste ooch wat oder biste schwul Nicht nur die Seelenzustände des Berufsstandes Baufacharbeiter werden von Andreas Gläser fesselnd ausgeleuchtet Der rote Faden in Gläsers Geschichtensammlung ist der Durchschnittsmensch Baufresse gefangen zwischen Kleinfamilie merkwürdigen Jobs und Freizeitvergnügen Das ist bei Gläser natürlich in erster Linie Fußball Hörn Se mal Mein Vater stand an der Mauer mein Onkel is bei der Stasi ick jeh zum BFC Ick krieg schnell raus ob dit hier allet nach Vorschrift abläuft Der BFC Dynamo wird ausführlich berührt natürlich auch Baufressens anderes Hobby die Schallplattenunterhaltung Tanzwütiger zu später Stunde Denn nicht umsonst trägt Herr Baufresse den schönen Vornamen DJ Jemand beugt sich übers Pult beginnt zu gestikulieren als wäre er nach dem Millennium nicht mehr zum Stich gekommen Sein Basecap hängt ihm tief ins Gesicht seine Augen sind bei der dezenten Beleuchtung nicht zu sehen Wie ick heiße wiederhole ich seine Frage genervt DJ Baufresse Er hakt nach Von Taufe oder spitze Name Vom hartn Schicksalsschlach Im anmutsvollen Berliner Dialekt murmelt sich der DJ durch Berlin Er trägt das Scheitern der Beziehung zu seiner Freundin standhaft und resümiert lakonisch über sich die Freundin und deren Ansprüche ans Leben im allgemeinen und besonderen Das Buch ist eine wunderbare Geschichtensammlung

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  • satt.org: Literatur: Heinz Strunk: Mit Hass gekocht
    ist Schauspieler Gründungsmitglied des Projekts Studio Braun und hatte eine eigene Show bei VIVA Sein erster Roman Fleisch ist mein Gemüse verkauft sich immer noch prächtig übrigens auch als Lesung auf CD Mit Hass gekocht vereinigt nun 26 Kurzhörspiele des Ausnahmekünstlers auf einer CD entstanden zwischen 1992 und 2004 Dabei hat Strunk alles kurzerhand selbst erledigt Aufnahme Schnitt Produktion auch und vor allem die Sprecher 100 Prozent er selbst Mithilfe der Technik s Pitching wird seine Stimme lediglich den verschiedenen Bedürfnissen angepasst Wie von Strunk gewohnt erwartet den Hörer ein Einblick in die Niederungen des menschlichen Lebens Da darf man Zeuge eines Krankenhausbesuchs werden bei dem die Familie dem verunglückten Opa ganz eigene Weisheiten an den Kopf wirft Vadder immer dran denken Airbag is kein Schmusekissen ne da wird im Titelstück die normale Ehevorhölle exerziert Mir schmeckt das Essen nich Wieso das denn nich Weil du es gekocht hast und der schonungslose Mitschnitt einer Analfissur Behandlung geliefert inklusive minutenlangem schmerzgeplagtem Gejammere Überhaupt bringt Heinz Strunk den Furz und Rülpswitz zu neuen Ehren Lachen muss man darüber nicht man kann auch von sich behaupten sich für Texte wie Die Hackfahne oder Arschbrand zu schade zu sein Meistens wird man aber doch

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/06_05_strunk.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Literatur: Thomas Kapielski: Anblasen
    in den Sachbuchspalten der Feuilletons gelobt Die Welt ist schön und gerecht Thomas Kapielski ist ein Multitalent der in vielen künstlerischen Sparten tätig ist Er musiziert mit dem Genialen Dilletanten Frieder Butzmann und dem Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester er knipst verwundete Autos und traurige Müllkörbe er produziert Objekte Collagen und Gemälde und war von 1998 bis 2004 Dozent für Spiel Bühne und Performance an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig Thomas Kapielski so West Berlin wie der Checkpoint Charlie steht Künstlern wie Martin Kippenberger oder Werner Büttner nahe sein Schaffen ist oft eine Meta Kunst die auf originelle und ironische Weise die Bedingungen ihrer Entstehung und Rezeption thematisiert Kapielski grölt auf CD a cappella ein Kneipenschlagermedley er verewigt seine Buchcover als Ölbilder und präsentiert in einer Ausstellung die vollständig im Dunkeln gezeigt wird einen Kühlschrank den er so umbauen ließ daß er nur bei geschlossener Tür innen beleuchtet war Sein jüngstes Kunsterzeugnis heißt Gesamtluftwerk und besteht aus dem Taschenbuch Anblasen einem schwarzen Schuber und einem dazu gehörigen aufblasbaren Objekt das sein gedrucktes Werk neben und teilweise aufeinander angeordnet darstellt nebst Luftpumpe Das Gesamtluftwerk ist auf dreißig Exemplare limitiert und kostet 1 800 Euro der Merve Band Anblasen ist zum Leserglück auch einzeln und für wesentlich weniger Geld erhältlich Gesamtluftwerk In dem Buch zum Werk erzählt Kapielski u a die Entstehungsgeschichte des Gesamtluftwerks Der Kunstsammler Aldo Frei forderte ihn auf eine Kunstbuchedition herzustellen Kapielski glaubte daß in diesem Bereich bereits alles schon ausprobiert wurde etwa von Dieter Roth der eine zwanzigbändige Werkausgabe von Hegel in Schnipsel zerkleinerte und in Wurstdärme abfüllte oder von Richard Olson der ein an beiden Seiten gebundenes und mit Rücken versehenes Buchobjekt herstellte bis ihm in der Kneipe beim Anblick einer riesigen aufblasbaren Bierflasche die entscheidende Idee heimsuchte Man merkt ja sofort ob ein Einfall ein besonderer

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  • satt.org: Literatur: Tanja Dückers, Bertram Denzel: Mehrsprachige Tomaten
    das Sich wieder verlieren Vom brandenburgischen Sand ans Mittelmeer und wieder zurück Der sympathische Verlag St Oberholz aus Berlin der im Jahr scheint s nicht mehr als ein zwei Veröffentlichungen auf den Markt bringt diese aber mit viel Liebe zum Detail ausstattet hat diese schöne CD Edition herausgebracht Tanja Dückers muss man nicht mehr gesondert vorstellen ihre Stellung im deutschen Buchmarkt ist gerade nach Erscheinen ihres kontrovers diskutierten Romans Der längste Tag des Jahres gesichert Bertram Denzel hingegen dürfte den wenigsten Leuten bisher weiter aufgefallen sein Dabei war Denzel schon bei der ersten Buchpräsentation der Autorin Morsezeichen 1996 als Musiker beteiligt Denzel hat bei den Film Soundtracks zu Paul is dead und Liegen lernen mitgewirkt und ist Teil des Musikduos Denzel Huhn Seine Elektronikspielereien vertragen sich aufs Beste mit den zum Teil lakonischen Texten Man weiß trotz wiederholtem Hören nicht was einem besser gefällt die Musik oder die Texte die Tanja Dückers angenehm unangestrengt und unprätentiös spricht Wahrscheinlich ist es aber doch das Zusammenspiel aus beidem das den Reiz ausmacht Es ist natürlich eine Mär dass es sich bei Mehrsprachige Tomaten um Gedichte handelt Vielmehr schließen sich die durchaus im Prosastil geschriebenen Texte nur der Zeilenumbruch macht sie zu Gedichten

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  • satt.org: Literatur: Ror Wolf: Gesammelte Fußballhörspiele
    der leicht zu befriedigenden Bedürfnisse unserer heutigen Spaßgeneration geht Das zweite Hörspiel Die Stunde der Wahrheit Eine gekürzte Fassung gibt die Atemlosigkeit der guten alten Radioreportage wieder untermalt und geschnitten mit Fan Gesängen und Fußballer Interviews Es gibt sie noch immer ein Relikt für jene die Premiere nicht bezahlen wollten oder Samstagnachmittags ihre Autos waschen Was hat sich geändert Im Kern nichts Kontinuität ist eine Basis des Fußballs der Tradition liebt und lebt Rückblick auf große Tage lässt wie der Name schon sagt die WM 1974 in 22 Minuten akustisch an uns vorüberziehen Besonders hier kommt Wehmut auf In der Collage Die alten Zeiten sind vorbei verspricht der Titel weniger als das Stück hält Erneut dominieren die bereits erwähnten Trainingsbesucher und kommentatoren die Szene Es geht um das Schicksal auch guter Fußballer dem Vergessen anheim zu fallen darin die be klagende Stimmung von Heiße Luft thematisch konzentriert aufnehmend Fünfzehn Minuten wird es uns erlaubt Ausführungen von Sprechern zu lauschen die selbst vielleicht bereits vergessen sind hier aber so echt und unmittelbar klingen wie es in der heutigen Zeit kaum noch produziert und gesendet wird Ältere Herren allesamt eine unbestimmte Zahl die in Rede und Gegenrede Widerrede und Monolog frisch und frei vor allem unzensiert und nicht glattgebügelt wirken In diese Betrachtung möchte ich das Stück Expertengespräche mit einflechten hier werden durch dieselben Personen die Anforderungen an einen guten Fußballer definiert Doch wie werden diese Themen sprachlich gelöst Das ganze klingt wie eine Mischung aus Godot und Badesalz Zahlreiche redundante Äußerungen Wort und Satzwiederholungen Halbsätze ohne zum eigentlichen inhaltlichen Klimax je zu gelangen Vergleiche die in ihrer scheinbaren Abwegigkeit an die Sonette der Metaphysical Poets des 16 Jahrhunderts erinnern wenn auch nicht immer in ihrer Tiefe so doch in ihrer Kühnheit All das mag man verlachen und abtun als Geschwätz Ich glaube vieles davon entspricht tatsächlich in großem Maße den Gesprächen die alle Fußballfans immer und überall führen Gebauer schreibt in seiner eindrucksvollen Poetik des Fußballs dass es in der Welt des Fußballs keine objektive Erinnerung gibt Wenn man dessen Geschichte und geglaubte Größe darstellen will muß man die emotionale Sprache und typischen Ausdrücke der Liebhaber des Spiels aufnehmen Hier sei gesagt dass die Sprache des Fußballfans nicht unbedingt grammatikalisch korrekt ist noch sind seine Darlegungen stets kohärent und wohl strukturiert In beiden Stücken begegnen wir Beispielen in den der Hörer selbst die sinnstiftende Verknüpfung einzelner Äußerungen zu leisten hat Aber kommunikativ wirksam ist diese Sprache allemal Das Thema bringt die Menschen zum Reden und Zuhören ungeachtet der sozialen Stellung der politischen Überzeugung und des Lebensalters Wenige Themen können das derart bewirken Man wird kein Fußballfan weil man Rhetorik anwenden kann Aber viele werden Rhetoriker weil sie nicht Fußball spielen können Ich lauschte diesen älteren Herren gerne Schwierigkeiten beim Umschalten wirkt heute wie eine zärtliche Reminiszenz an den stellenweise altväterlichen Stil damaliger Kommentatoren und den heute beinahe unvorstellbaren Tücken der Technik Im siebten Stück Merkwürdige Entscheidungen steht natürlich der Schiedsrichter im Mittelpunkt Doch nicht zuletzt das Publikum wird hier Träger der

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