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  • Jane Eyre (Cary Joji Fukunaga)
    durch eine clevere Drehbuchstruktur und vereint die Gothic Novel Wurzeln des Buchs mit dem frühen und hier modernisierten feministischen Geist auf ohne es sich mit dem Zielpublikum all jener BBC und Austen Verfilmungen zu verscherzen Und neben Michael Fassbender dem düsteren Colin Firth einer neuen Generation überzeugt auch Mia Wasikowska die als Alice in Wunderland noch eher blass und deplaziert wirkte Wo die Buchvorlage von Charlotte Brontë streng chronologisch vorgeht und somit eine jüngere Schauspielerin für die ersten 20 30 Minuten ins Rampenlicht stellen würde beginnt Fukunaga bzw seine Drehbuchautorin Moira Buffini zuletzt für Tamara Drewe also um zwei Ecken eine Thomas Hardy Modernisierung verantwortlich mit einem späten Moment der Verwirrung und des möglichen Niedergangs seiner Heldin reißt uns mit seiner Handkamera in medias res und könnte die Zuschauer ohne Textsicherheit auch ein wenig verwirren doch diese Verwirrung passt natürlich großartig zur Geschichte Erst in Rückblenden erfahren wir von den Ungerechtigkeiten gegenüber der mittellosen Waise ihrem beschwerlichen Weg ihre Hysterie aufgrund eingebildeter Geistererscheinungen all jene zentralen Elemente der Geschichte die aus der späteren Romanze mit dem barschen Hausherren doch eher einen frühen Prototyp für Thomas Hardy machen als eine Jane Austen Variation Und diesen etwas düstereren Geist behält die Geschichte und der Film bei bis dann das für historische Romanzen wie moderne RomComs quasi unumgängliche Missverständnis und das bei frühen Gothic Novels obligate dunkle Geheimnis des kalten Gemäuers fast im gleichen Augenblick offenbart werden Und der Film ermöglicht es den ganz auf Romanze versessenen BetrachterInnen sogar die Gruselgeschichte um Geheimtüren und Mordanschläge fast zu übersehen nur die dunklere und klamme auch im Sinne von nasskalt Atmosphäre verglichen zu den doch eher lichtdurchfluteten frühlingshaften Austen Filmen die man auch in den Plakatmotiven wiederfindet könnte dem Erfolg des Films vielleicht im Wege stehen obwohl sie aus künstlerischer Hinsicht das Werk sehr schön

    Original URL path: http://www.satt.org/film/11_11_eyre.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Film: I'm not There (R: Todd Haynes)
    hervorgingen Einer der schönsten Momente der Oscar Verleihung war der entgleiste Gesichtsausdruck von Tilda Swinton als sie erfuhr dass sie und nicht die durch die Golden Globe Auszeichnung als klare Favoritin gehandelte Cate Blanchett als beste Nebendarstellerin prämiert wurde I m not there war wie der Schmetterling einer der Verlierer des Abends Wo No Country for Old Men in bestmöglicher Weise vom Start in der Nach Oscar Woche profitiert und selbst Michael Clayton noch im Fahrwasser der Swinton Auszeichnung einige zusätzliche Zuschauer locken wird hat I m not There das Nachsehen hätte man doch von der Golden Globe Prämierung und selbst dem Tod von Heath Ledger der zugegebenermaßen schlecht in die PR Planung integriert werden kann weitaus mehr Medieninteresse geschickt auf den Film leiten können Aber kommen wir zum Film selbst Das Prinzip von Todd Solondz Palindromes wurde auf ein Biopic übertragen in der Rolle von Bob Dylan sieht man nicht weniger als sechs Darsteller unterschiedlichen Geschlechts und Hautfarbe einzig ein übergewichtiger Bob Dylan kommt im Film nicht vor Noch kunstgewerblicher wird das Ganze durch die Wahl unterschiedlicher Namen für diese Facetten Dylans wobei Woody Guthrie oder Arthur Rimbaud zwar dem Geiste Dylans gut entsprechen aber dennoch auffallend plakativ wirken Leider ist I m not there nicht annähernd so unkonventionell wie er gern wäre denn abgesehen von den sich abwechselnden Hauptdarstellern und einigen Planspielen und Rätseln um diesen Kniff entspricht der Film doch recht stark dem Muster üblicher Musiker Biographien was mir persönlich noch stärker auffiel weil einige Tage vor der Pressevorführung dieses Films Walk Hard The Dewey Cox Story gezeigt wurde eine Parodie auf Biopics wie Walk the Line Ray etc die etwa das Auftreten des jungen Michael Carl Franklin als musikalisch erstaunlich begabten Knaben in irgendwelchen Güterwaggons relativ lächerlich erscheinen liess Und ehrlich gesagt fand ich die Bob

    Original URL path: http://www.satt.org/film/08_02_not-there.html (2016-02-14)
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  • Brokeback Mountain (R: Ang Lee)
    Selbstreflexion von ihren Gefühlen überrumpelt werden Hilflos wirken sie in ihrer Liebe und völlig von der Welt abgeschnitten denn da ist niemand dem sie sich offenbaren können Nun ist Wyoming ohnehin keine Gegend in der man auf Schritt und Tritt einem Menschen begegnet In dieser Weltverlassenheit auch noch eine zusätzliche Isolierung erfahren zu müssen macht die Tragik der Helden aus Dazu kommt die ständige Gefahr entdeckt zu werden Ennis weiß aus seiner Jugend dass seine Liebe zu Jack ein Spiel mit dem Tod ist und Jack muss es am eigenen Leibe erfahren Mit seinen poetischen Bildern formuliert der Film eine bittere Anklage gegenüber einer intoleranten konservativen Gesellschaft die keine Abweichungen gelten lässt Nicht überraschend entsteht ein solcher Film in der Bush Zeit und will die Amerikaner darauf hinweisen dass sich nicht nur in der vom Film beschriebenen Phase zwischen den sechziger und den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts nichts geändert hat sondern dass sich die Intoleranz bis in die heutige Zeit gehalten hat und im Gegenteil von oben her geradezu gefordert und gefördert wird Ein immens politischer Film dem seine Gegner aber wegen seiner großen Kunst die Anerkennung nicht werden versagen können Passend zur beeindruckenden Bildregie die diskrete Musik von Gustavo Santaolalla nie aufdringlich aber angemessen das Geschehen kommentierend Und die Schauspieler die beiden Helden überzeugen sowohl als milchbärtige Neunzehnjährige wie auch als gereifte Familienväter Michelle Williams Darstellung der einfachen Supermarkthilfe die von ihrem Mann mit einem anderen Mann betrogen wird ist absolut authentisch Bedrückend die kurze Szene von Ennis Besuch bei den Eltern seines verstorbenen Freundes die verarmt griesgrämig aber rechtschaffen das Klischee der American Gothic ausfüllen Warum leben in einem so weiten leeren wunderschönen Land Leute deren Gemüter so verklemmt und eng sind die sich selbst durch rigide Regeln der Freiheit berauben denen die Großzügigkeit der Natur sich nicht mitgeteilt hat Ang Lee kann die Frage nicht beantworten aber sein Plädoyer für eine menschlichere offenere tolerantere Welt ist ergreifend Ein Film und seine Vorführung Brokeback Mountain beim Mongay Kommentar von Kathi Hetzinger Bei Brokeback Mountain handelt es sich wohl um den am sehnsüchtigsten erwarteten Film der jüngeren Filmgeschichte Bereits vor seinem Kinostart in Deutschland kann man zu Recht von einem Mythos oder Kult sprechen ausgelöst durch die allgemeine Kenntnis des provokanten Inhalts des Films durch Berichte über Reaktionen auf den Film in den USA seine bereits beachtliche Anhäufung von Preisen sowie durch die größtenteils enthusiastischen Besprechungen Die erste offizielle öffentliche Vorführung in Deutschland fand nun endlich am 27 Februar um 22 00 Uhr im Kino International in Berlin statt im Rahmen der vom Stadtmagazin Siegessäule und dem Filmpreis Teddy veranstalteten schwul lesbischen Filmreihe Mongay und war erwartungsgemäß komplett ausverkauft Bereits eine halbe Stunde vor Filmbeginn hatten sich riesige Trauben vor den Eingängen zum Kinosaal gebildet das zu ca 90 männliche Publikum hatte es eilig sich einen guten Platz zu sichern Es wurde viel spekuliert über die nötige Anzahl von Taschentüchern oder die äußerst geringen Chancen der Anwesenheit von Heath Ledger der immerhin zwei Wochen vorher in der Stadt

    Original URL path: http://www.satt.org/film/06_03_mountain.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Film: Catch me if you can (R: Steven Spielberg)
    ein Buch über seine kriminelle Vergangenheit geschrieben haben Um sich zu belasten und seine Verfolger über die Tantiemen Schecks an sein Versteck kommen zu lassen Wohl kaum Und der Film macht dies auch gleich klar in dem er mit einer Gameshow à la Was bin ich beginnt in der sich der etwas gealterte Abagnale seiner Taten rühmt Und obwohl man weiß daß es zwei bis drei Jahre dauern wird bis Dauerverfolger Hanratty alias Tom Hanks seinen Widersacher dingfest machen wird kann der Film eine Spannung aufbauen die man in den letzten sicher mehr auf Spannung aufgebauten Filmen Spielbergs teilweise vermisst hat Ich würde nicht soweit gehen Catch me if you can eine Gaunerkomödie zu nennen aber mitunter ist der Tonfall schon recht amüsant Der minderjährige Abagnale gibt sich nacheinander als Lehrer Pilot Arzt usw aus und lässt sich dabei inspirieren von Helden wie Barry Allen Dr Kildare oder James Bond Insbesondere letzterem scheint er nachzueifern wenn er seine gefälschten Schecks bevorzugt bei gutaussehenden jungen Bankangestellten einlöst die er dann danach auch noch zum verlängerten Abendessen überredet Dabei braucht Mädchenschwarm DiCaprio sich nicht besonders zu verstellen Doch neben dem jungen Gentleman Gauner wie er in den Sechzigern verteufelt oft in Kinofilmen auftauchte ist Abagnale auch ein Heranwachsender der unter der Trennung seiner Eltern leidet und dem amerikanischen Staat vertreten durch seine Bankhäuser heimzahlen will was dieser in Form der Steuerbehörde seinem Vater antat Christopher Walken als Abagnale sr überzeugt durch eine ungewohnt menschliche gar zerbrechliche Darstellung während die von Nathalie Baye gespielte Mutter größtenteils damit beschäftigt wird typische Vorurteile gegen Französinnen zu bestärken Die andere positive schauspielerische Überraschung ist Tom Hanks der sich diesmal nicht selbst zu ernst nimmt sondern den FBI Verfolger der immer wieder nasgeführt und gedemütigt wird ebenso verzweifelt wie psychologisch nachvollziehbar darstellt Und wenn er hin und

    Original URL path: http://www.satt.org/film/03_03_catchme_1.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Film: Zeiten des Aufruhrs (R: Sam Mendes)
    denn Sam Mendes ist kein Schmuse Regisseur Wie schon in seinem bekanntesten Film American Beauty und auch Jarhead und Road to Perdition waren nicht eben romantisch schildert Mendes wieder eine im Straucheln begriffene Ehe im spießigen Suburbia es gibt auch eine Duschszene die ein wenig an Kevin Spacey Höhepunkt des Tages erinnert bis die Ehepartner durch neue Impulse ihre Ehe zu retten versuchen Dies ist im Fall der Verfilmung von Richard Yates seinerzeit erschien 1961 der Film spielt in den 1950ern berüchtigten Roman eine Auswanderung nach Paris denn Leonardo DiCaprio als unglücklicher Bürokarrierist schaut bereits einer Schriebkraft hinterher und Kate Winslet als gescheiterte Schauspielerin die sich mit ihrem Hausfrauendasein nicht abfinden mag träumt von einem gutbezahlten Job als Sekretärin irgendeines Oberen der United Nation der im vermeintlichen Entwicklungsland Frankreich tätig ist damals war der Dollar natürlich viel stärker als die Währungen im Kriegsgebiet Europa An dieser Stelle will ich nicht allzuviel darüber verraten inwiefern diese Pläne aufgehen wie geplant aber man kann zumindest andeuten dass das Happy End auch nicht viel gelungener ist als damals auf der Titanic Mit Hilfe einer ausgezeichneten Crew die Kostüme Bauten und die Kamera von Roger Deakins wären hervorzuheben gelingt es Mendes vorzüglich die 50er

    Original URL path: http://www.satt.org/film/09_01_aufruhr.html (2016-02-14)
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  • Paranormal Activity (R: Oren Peli)
    Übernatürliches empfänglichen Experten in Anspruch der dem den Spuk auf den Grund gehen wollenden Micah den Rat gibt das dämonische Geisterwesen nicht zu provozieren oder zu Spielchen herauszufordern Außerdem sollen die beiden durch gewollte Kontaktaufnahmen das Ganze nicht eskalieren lassen negative Energien sollen vermieden werden und die Nummer eines auf Dämonologie spezialisierten Kollegen gibt der hilfsbereite Herr auch noch ab Und so schaukelt sich der über 21 Nächte ziehende Grusel langsam nach oben von zunächst rein akustischen Wahrnehmungen kommt es zu einem Schlüsselbund das am Morgen nicht mehr da liegt wo es gegen Abend lag eine sich um 10 Zentimeter auf und zubewegende Tür und vor allem um den ausbrechenden Streit zwischen der verängstigten Katie und dem testosterongesteuerten Micah der sich nicht so einfach einschüchtern lässt What the fuck was that Nobody comes into my house and fucks with my girlfriend Nacht für Nacht zeigt die Kamera das schlafende Paar und die links daneben offenstehende Tür die sich auf der Leinwand zum Augenmagneten entwickelt auch wenn zunächst nur viel Gerumpel zu hören ist Doch nach und nach gehen auch Lichter an und aus man sieht schemenhafte Schatten und im zu Beweiszwecken verstreuten Mehl tauchen eindeutige Spuren auf Gegen den expliziten Wunsch seiner Freundin besorgt sich Micah ein Ouija Board um endlich zu erfahren was der ruhelose Geist eigentlich will doch der bruchstückhafte Name D I A N N E und eine im Internet ausfindig gemachte Dame die in den 1960ern ganz ähnliche Erfahrungen machte helfen nicht wirklich weiter und wenn dann der Psychic ein zweites Mal bestellt wird und nur noch meint er müsse den Ort schnell verlassen könne den beiden nicht helfen und auch eine Flucht würde ihnen nichts bringen da das Wesen irgendwie auf Katie abonniert ist da ist der Terrorpegel bereits auf etwa 70 Paranormal Activity ist

    Original URL path: http://www.satt.org/film/09_11_paranormal.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Film: Sein und Haben (Être et avoir)
    Être et avoir ist der zurückhaltendste und stillste dieser Filme aber in seiner ruhigen Beobachtung liegt eine inszenatorische Kraft die den Film auch ohne spektakuläre Bilder oder Inhalte zu einem der schönsten Dokumentarfilme der letzten Zeit macht Regisseur Nicolas Philibert beobachtete für einige Monate den Lehrer und die 13 Schüler einer kleinen französischen Dorfschule die wegen der geringen Bevölkerungsdichte fünf Klassenstufen im selben Raum von Vorschulaktivitäten wie Malen bis zu Diktaten und ersten Bruchrechnen Aufgaben nebeneinander ausführen Hierbei geht es dem Regisseur nicht darum Nutzen oder Schaden einer aussterbenden Erziehungsform vorzuführen sondern er nimmt sich ebenso wie der Lehrer Zeit für seine Schüler Und jeder der Kinder mag und die anderen sind es eh nicht wert ihre Meinung zu berücksichtigen wird an diesem Film seine helle Freude haben Da ist etwa Jojo der eigentliche Star des Films der es sogar auf das Plakat gebracht hat Ein kleiner Spitzbub der lieber seinen Bleistift aus dem Nasenloch hängen lässt als bis zur Pause seine durchaus zu bewältigenden Aufgaben zu erledigen Wenn der Lehrer versucht ihn trotz diverser Ablenkungen zum Waschen seiner Hände zu animieren oder Jojo auf eigene Initiative die Funktionsweise des Kopierers erkundet ist dieser ca 4 jährige Rabauke der lebende Beweis dafür wie wichtig individuelle Beschäftigung mit den Kindern sie zumindest bei diesem Lehrer der mit sanfter Autorität seinen ihm Anvertrauten auch viel Liebe entgegenbringt trotz aller Unwilligkeit zu kleinen Menschen macht die Respekt für andere entwickeln was in der heutigen Zeit in überlaufenen Stadtschulen sicher nicht mehr so einfach zu vollbringen ist Doch dem Film geht es weniger um solch erziehungspolitische Fragen als um seine kleinen Stars und das winterliche Landleben das sie umgibt Philibert gelingt es selbst einer Routine Busfahrt eine Bedeutung zu verleihen der Film verkommt nicht zu einer Dingsda Sendung sondern Interviews mit dem Lehrer beleuchten

    Original URL path: http://www.satt.org/film/03_02_sein-haben_1.html (2016-02-14)
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  • Von Mussolini zu Berlusconi: »Rom, Träume« von Maike Albath
    Amico das für Roman Holiday von Ben Hecht verfasste Originaldrehbuch dem nach Wylers Meinung das römische Flair fehlte Sieben Jahre später griff Flaiano das Thema der Boulevardmedien in schärferer und kritischer Form für den epochalen Film La dolce vita auf in dem Federico Fellini die römische Mediengesellschaft attackierte Die Ironie des Films lag freilich darin dass das süße Leben auf der Via Veneto in Rom eine Erfindung Fellinis war und aufgrund des phänomenalen Erfolgs des Films wurde die Straße in den 1960er Jahren zum Ziel des kulturindustriellen Personals So trugen Fellini und Faiano zum Fortbestand von Zuständen bei die sie bloßstellen und kritisieren wollten Der ironische Titel La dolce vita galt bald international als Chiffre für das ganze Land und steht heute für italienische Lebensart und Stilbewusstsein schreibt die Literaturkritikerin Maike Albath in ihrem Buch Rom Träume Kritik wurde in Affirmation umgemünzt Noch Silvio Berlusconi rechtfertigte seine Taten am Rande der Illegalität mit dem Hinweis er liebe nun einmal la dolce vita Albath möchte in ihrem Buch ein Epochenbild zeichnen und schildert am Beispiel ihrer fünf Protagonisten Alberto Moravia 1907 1990 Elsa Morante 1912 1985 Pier Paolo Pasolini 1922 1975 Carlo Emilio Gadda 1893 1973 und Ennio Flaiano 1910 1992 unterschiedliche Facetten in der kulturellen Entwicklung Italiens vom Ende der faschistischen Herrschaft bis zum prolongierten Niedergang des demokratisch parlamentarischen Systems in den 1970er Jahren In ihrer mehrschichtigen Erzählung versucht sie den Weg von der italienischen Kulturlandschaft zur Mediengesellschaft nachzuzeichnen wobei sie neben Büchern Essays und Filmen ihrer Protagonisten auch Zeitgenossen und die urbane Topografie Roms einbezieht In ihrem Vorgängerbuch Der Geist von Turin über den Aufstieg und Fall des Verlagshauses Einaudi ging Albath nach einem ähnlichen Schema vor und entwarf anhand der Biografien von Einaudi Autoren wie Cesare Pavese Natalia Ginzburg und Italo Calvino sowie dem Einaudi Verleger Giulio Einaudi ein konzentriertes und stichhaltiges Porträt eines kulturellen Unternehmens das schließlich aufgrund individueller gesellschaftlicher und ökonomischer Faktoren in den Abgrund gerissen wurde In Rom Träume ist nicht nur die Perspektive ausgeweitet sondern auch der Anspruch Albath möchte mit ihren fünf Protagonisten eine Entwicklung beschreiben die sich aus individuellen Blickwinkeln allein nicht stimmig beschreiben lässt Was bei der Geschichte Einaudis aufgrund des klar umgrenzten Themas funktionierte scheitert in der Beschreibung der ausgeweiteten Zone der römischen Mediengesellschaft Zum einen fehlt eine theoretische Grundstruktur der politischen ökonomischen und kulturellen Prozesse welche eine Analyse der Entwicklung zur Mediengesellschaft zur Kultur des Spektakels jenseits des Starkults den Albath mit ihrer Beschwörung des kreativen Subjekts in Zeiten der Massenkultur betreibt ermöglichte Zum anderen verschwendet sie keinen Gedanken darauf wie Autoren als Intellektuelle in einer Landschaft der Rackets operierten wie sie den Widerspruch zwischen Wahrheit und Glauben wie Jean Paul Sartre in seinem Plädoyer für die Intellektuellen schrieb auflösten Stattdessen verharmlost sie das organisierte Racketwesen das die gesamte italienische Gesellschaft in ihren politischen ökonomischen und kulturellen Strömungen umgreift als Klientelismus Charakteristisch für Albaths apolitische Perspektive ist die Gegenüberstellung der beiden Autoren Gadda und Moravia Während Gadda frühzeitig auf den faschistischen Zug sprang bereits 1921 trat er der faschistischen

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/13_12_rom.html (2016-02-14)
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