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  • HELDEN DER ARBEIT – Jan Ole Arps: Frühschicht
    Agitation in der Fabrik eintauschten Der Alltag der Fabrikintervention ernüchterte die selbst ernannten Revolutionäre jedoch früh Als die Kader des Revolutionären Kampfes merkten dass sie in diesem Umfeld nicht rasch reüssieren konnten fokussierten sie ihre revolutionäre Energie auf andere Geschäftsfelder wie den Frankfurter Häuserkampf und die Jugendbewegung Die Parteikader der maoistischen Zirkel erwiesen sich dagegen als ausdauernder und anpassungsfähiger Nicht nur äußerlich glichen sie sich dem Arbeitermilieu an sondern gingen nach Jahren klandestiner Parteiarbeit der Zermürbung in der Auseinandersetzung mit den zumeist sozialdemokratisch geeichten Gewerkschaftsapparaten und einer klientelorientierten Betriebsratspolitik gänzlich im Milieu auf In den Augen Arps ist diese Zähigkeit in den vorgefundenen Verhältnissen eine gewisse Widerständigkeit auch wenn sie letztlich in Resignation und Anpassung mündete bewiesen zu haben ein heroischer Akt Die Lebenswege meiner Gesprächspartner zeigen resümiert er am Ende seines Buches dass es trotz unerwarteter Verläufe und Enttäuschungen trotz zahlreicher manchmal erschreckender Irrwege und Sackgassen trotz eines Alltags der wenig Raum lässt möglich ist eine Hoffnung zu behalten sie in Zweifel zu ziehen trotzdem nicht loszulassen und wieder neu zu finden Am Ende der Reise in die Vergangenheit kehrt der nachgeborene Aktivist mit einer tröstlichen Botschaft im Gepäck in die Gegenwart zurück und präsentiert als Resultat seiner Untersuchungen ein zwar brüchiges aber dennoch geglättetes Bild der historischen Realität Anstatt als Fremder den exterritorialen Raum der Geschichte zu durchmessen macht er sich trotz zaghafter Kritik an einzelnen Punkten letztlich gemein mit seinen Protagonisten deren Entscheidungen an den geschichtlichen Knotenpunkten nicht alternativlos waren Die politische Entwicklung gerinnt in der gerafften oft eindimensionalen Erzählung Arps zur plumpen Juxtaposition klischeehafter Episoden einer linksradikalen Seifenoper So heißt es über einen seiner Protagonisten Mitte der 1960er Jahre hatte er damit begonnen Texte von Adorno zu lesen im Zuge der allgemeinen Politisierung war er zum überzeugten Marxisten Leninisten geworden Ein kritisches Verständnis der Geschichte vermag Arps nicht zu entwickeln und so bleiben die Protagonisten die er in seinem Buch vorführt schemenhafte Ausführungsorgane jener Organisationen denen sie sich verschrieben hatten Die Motivation warum sie sich nach dem Aufbegehren gegen Autoritäten und verkrustete Strukturen entgegen Bob Dylans Warnung Don t follow leaders neuen rigiden Hierarchien unterordneten bleibt im Verborgenen Symptomatisch ist Arps Unvermögen die Geschichte der Protagonisten mit jener ihrer Organisationen zu verknüpfen So reiht er Aus und Einlassungen der vermeintlichen Revolutionäre aus dem sogenannten Sponti Theorieorgan Autonomie oder Verlautbarungen des KPD ML Wochenblattes Roter Morgen aneinander ohne sie mit den konkreten Erfahrungen seiner Protagonisten verbinden zu können die hinter dem ideologischen Wust als Komparsen eines abstrakten Klassenkampfes verschwinden Erst als sich die Phantome des Maoismus in den frühen 1980er Jahren aufzulösen beginnen gewinnen die Protagonisten allmählich wieder Gestalt kehren nachdem sich der ideologische Schleier aufgelöst hat als Individuen in die Realität zurück die um die eigene Geschichte ringen Die Problematik des Buches liegt in der Verklärung des Mythos Fabrik Zu keinem Zeitpunkt stellt Arps die Strategie der Selbstproletarisierung der studentischen Revolteure klassifizierten sie sich nun als antiautoritär oder maoistisch infrage Die Fabrik ist kein Ort der Emanzipation sondern stets die permanente Praxis der Unterdrückung Die Fabrik

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/11_06_arps.html (2016-02-14)
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  • ABENTEUER IN PARIS – Brooke L. Blower: Becoming Americans in Paris.
    An American in Paris die gängigen Klischees der Populärkultur in Technicolor und Breitbild an seine Kunden verkaufte mit einer akribischen erforschten geschichtlichen Realität in der die verlorene Zeit neu zu sich kommt ganz im Sinne Siegfried Kracauers Als Fremder in der von Quellen evozierten Welt sehe sich der Historiker schrieb er in seinem Buch G eschichte Vor den letzten Dingen 1969 vor die Aufgabe gestellt ihre Oberflächenerscheinung zu durchdringen um zu lernen jene Welt von innen her zu verstehen Diese Aufgabe hat Brooke L Blower nicht nur bravourös bewältigt sondern ein Glanzstück engagierter Historiographie vorgelegt die Schichten des Verborgenen offenlegt und neue Perspektiven auf eine historische Epoche des Umbruchs eröffnet Die zwanziger Jahre des 20 Jahrhunderts markierten die Agonie des alten Europas am Vorabend des triumphierenden Faschismus und den Beginn des amerikanischen Jahrhunderts Für Amerikaner die ihrer geistigen Enge und provinziellen Welt entfliehen wollten und von einem Gefühl kultureller Inferiorität bestimmt waren war das abenteuerliche Paris eine neue Grenze ein aufregendes Territorium das es zu erobern galt Der starke US Dollar und die Universalität der englischen Sprache halfen in Paris eine amerikanische Subkultur mit Bars Jazz und anderen Manifestationen der amerikanischen Massenkultur zu etablieren Auf der Gegenseite rief diese Amerikanisierung jedoch Ängste und Aversionen gegen die Eindringlinge hervor die mit abschätzigen Begriffen wie métèques oder indésirables belegt wurden Konservative Publizisten fürchteten dass Paris unter der Welle des amerikanischen Kommerzialismus seinen wahren Charakter seinen Charme verliere und echauffierten sich ob der Entstellung von Paris durch Plakatwände und Lichtreklame wobei sie jedoch außer Acht ließen dass das urbane Spektakel auf französischen Erfindungen beruhte Das Automobil das Kaufhaus das Werbeplakat das Kino und selbst das Neonlicht entsprangen dem Erfindergeist in der Hauptstadt der Moderne die nun mit der vulgären Massenkultur Amerikas nichts zu tun haben wollte die sie selbst entfesselt hatte Politisch artikulierte sich der Antiamerikanismus im August 1927 in den Sacco Vanzetti Krawallen als Zehntausende Menschen gegen die Hinrichtung der als Bankräuber verdächtigten italo amerikanischen Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti in Boston protestierten Neben der Zerstörung von Kiosken und dem Einwerfen von Schaufenstern und Glasvitrinen in der Pariser Innenstadt explodierte vor der amerikanischen Botschaft eine Bombe In der militanten Revolte die Erinnerungen an die Pariser Commune von 1871 in ihrem Kampf um die Vorherrschaft auf den Straßen von Paris evozierte waren Sacco und Vanzetti weniger als Repräsentanten des militanten Anarchismus für die Demonstranten von Belang denn als Symbole des Kampfes gegen die Dominanz eines konservativen militaristischen Amerikas So wurde in den Straßenkrawallen von 1927 mit symbolischen Akten wie dem Verbrennen des Sternenbanners und dem Werfen von Pflastersteinen die Ästhetik des Antiamerikanismus begründet Darüber hinaus sahen sich Amerikaner auch wenn sie den herrschenden Verhältnissen kritisch oder unbeteiligt gegenüberstanden Angriffen in Cafés und Bars ausgesetzt allein weil sie sich durch ihre Sprache zu erkennen gaben Vor allem die Kommunistische Partei versuchte das antiamerikanische Ressentiment aus opportunistischen Gründen für die eigenen Zwecke zu nutzen während in der Sowjetunion Anarchisten verfolgt wurden und Ikonen des internationalen Anarchismus wie Emma Goldman oder Alexander Berkman die linke

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/11_04_transatlantic.html (2016-02-14)
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  • ZEUGIN DER ANKLAGE – Jutta Ditfurth: Krieg, Atom, Armut.
    der Grünen als sie sich als ehemalige außerparlamentarische Opposition im deutschen Parteienspektrum etabliert hatten zum Problem Für Jutta Ditfurth die von 1984 bis 1989 zum Bundesvorstand der Grünen gehörte und 1990 der ehemaligen Anti Partei Partei wie sie Petra Kelly einmal definierte den Rücken kehrte haben die Grünen längst die Ideale ihrer Gründerzeit verraten und sich ins deutsche Machtsystem bruchlos integriert Ihre neue Anklageschrift Krieg Atom Armut knüpft an ihr Buch Das waren die Grünen Abschied von einer Hoffnung 2000 an und präsentiert noch einmal den Schimpf und Lasterkatalog der Grünen aus der Perspektive der radikalen Feministin und Ökologin in komprimierter Form Das Erfrischende an Ditfurths Aufklärungsschrift ist zweifelsohne die Demystifikation der Grünen vor allem im Hinblick auf die jüngsten Wahlerfolge nach den Ereignissen in Fukushima als radikale Gegnerin der Atomindustrie denn akribisch listet sie die realpolitischen Kompromisse des einstigen Sprachrohrs der Anti AKW Bewegung auf Stellten die Grünen zu Beginn eine Hoffnung auf eine andere Politik in Aussicht so kam diese in den Augen Ditfurths nach dem Massenexodus der Linken nach 1990 zum Stillstand Als die Linken die Partei verlassen hatten stiegen die Grünen nicht mehr aus der Atomenergie aus sondern ein An dieser Stelle wird jedoch auch das Manko dieses Buches deutlich In ihrem Furor die Grünen als Karrieristen und Opportunisten im Staatsbetrieb zu demaskieren Anspruch gegen Wirklichkeit abzugleichen ist sie zur kritischen Selbstreflexion nicht fähig Ständig ist ein scheinbar unfehlbares gegen Opportunismus und Anfechtungen des Reformismus gefeites überhöhtes Wir am Wirken Geschichte wird nicht gemacht sondern ist in Ditfurths an der Romanform des 19 Jahrhunderts ausgerichteten Darstellung eine Folge von Verschwörungen und Intrigen als wären die Ökosozialisten in der grünen Partei Reinkarnationen des Zirkels um den asketisch aufrichtigen Intellektuellen Daniel d Arthez aus Honoré de Balzacs Verlorene Illusionen während sich die weniger festen Charaktere vom durchtriebenen Agenten der Verkommenheit Étienne Lousteau ins Verderben locken lassen In Ditfurths Erzählung ist es der böse Geist Joschka Fischers der das grüne Projekt in den Abgrund riss Die abgehalfterten Figuren aus dem Milieu der Frankfurter Realo Spontis unterwanderten in einer konzertierten Aktion des Entrisme die neu gegründeten Grünen und schufen sich eine neue Machtbasis um fortan ihre Stellungen im Herrschaftsgefüge auszubauen Eine erfahrene Schlägertruppe mit alternativem Gehabe und ohne Skrupel traf auf eine basisdemokratische Partei mit offenen Strukturen fasst Ditfurth die Entwicklung zusammen Zweifelsohne repräsentierte Fischer mit seiner Gang ein klassisches Racket das die Partei der Grünen für seine Zwecke umfunktionierte doch war diese Taktik keineswegs neu Eine basisdemokratische Organisation die alle Flanken offen lässt bietet Angriffsziele für organisierte Gruppen die eine feindliche Übernahme starten und entscheidende Machtpositionen besetzen wollen Nicht allein Joschka Fischer und sein Racket bestimmten mediengerecht die an einer Basisdemokratie vorbeilaufende Entwicklung der Partei sondern auch die Repräsentanten der Gegenposition wie Jutta Ditfurth oder Thomas Ebermann wurden zu radical celebrities die den Medienapparat bedienten Die eigene Rolle in diesem Prozess reflektiert Ditfurth jedoch nicht Stattdessen porträtiert sie sich als einzig aufrechte Widerstandskämpferin die stets gegen die Lügenapparate und ihre willfährigen Helfershelfer kämpft Schon als Mitglied des Grünen Bundesvorstandes

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/11_04_ditfurth.html (2016-02-14)
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  • Utopie und Barbarei: Richard Wolin – The Wind From the East
    französische Realität einer von bürokratischen und technokratischen Verkrustungen gekennzeichneten Nachkriegsgesellschaft Zum anderen stellte sicher der Maoismus als eine revolutionäre Alternative zu den kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien des etablierten politischen Systems dar Wie die maoistischen Studenten in Godard Revolutionsfilm La Chinoise 1967 wollten die Apologeten der Kulturrevolution die bisherige Entwicklung widerrufen und zum Nullpunkt zurückkehren um einen Neuanfang zu initiieren In diesem Sinne war es für die Maoisten nur konsequent dass sie sich als Hyperrevolutionäre für die allein die Alternative Alles oder nichts zählte im Pariser Mai 1968 ins politische Abseits manövrierten und die rebellierenden Studenten als anarchistische Kleinbürger denunzierten Erst nach dem Scheitern der Revolte schwenkte die selbsternannte revolutionäre Avantgarde zum Populismus um und betrachtete sich als Agentin des Volkes die nicht allein den Klassenkampf in den Fabriken unterstützte sondern auch den kulturellen Kampf für die Gleichstellung von Frauen und Homosexuellen in der Gesellschaft Für Wolin ist das bleibende Erbe des gauchisme wie die französische Ausprägung des Maoismus genannt wurde ein antiautoritäres demokratisches Projekt in dem Politik nicht von außen oder oben oktroyiert wurde sondern in dem sich Intellektuelle tatsächlich in den Dienst des Volkes stellten An die Stelle eines politischen Messianismus trat eine verbindende Demokratie in der die Bevölkerung zur partizipatorischen Aktivität befähigt wurde Während Wolin im ersten Teil seines Buches die Rolle der Maoisten im Mai 1968 und danach beschreibt und das rasche Verschwinden der Gauche prolétarienne nach 1973 beleuchtet stehen im zweiten Teil Intellektuelle wie Jean Paul Sartre Michel Foucault und die Tel Quel Gruppe um Philippe Sollers im Zentrum des Interesses Sartre hatte sich im Mai 1968 und in den gauchistischen Kämpfen der frühen 1970er Jahre als intervenierender Intellektueller neu erfunden und sich für die Maoisten gegen die gaullistische Staatsmacht engagiert obgleich er unterstrich kein Maoist zu sein Anders als mit dem praktischen Intellektuellen Foucault der

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/10_11_wolin.html (2016-02-14)
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  • TUNNELBLICKE: »Flüchtige Tage« und »Guerilla USA«
    die zum Selbstzweck wurde und sich nicht allein gegen die Staatsgewalt sondern auch Mitstreiter richtete Ayers war wie die übrigen Angehörigen der action faction durch einen ausgeprägten Antiintellektualismus geprägt Das Kommunistische Manifest las ich vor allem weil es so kurz war bekennt er entlarvend in seinen Memoiren Das Kapital habe er dagegen nie ganz durchgeackert weil es größtenteils unlesbar und meiner Meinung nach auch unverständlich ist Dass die New York Times ihn im Januar 1970 als einen der Cheftheoretiker der Weathermen bezeichnete wirft ein bezeichnendes Licht auf den Stellenwert der Theorie des Weather Undergrounds Auch die Überhöhung Jesse James zum Sozialrebell zeugte von Geschichtsblindheit Der Outlaw enteignete nicht nur Banken und begehrte gegen die Staatsmacht auf wie die populäre Mythologie behauptet sondern terrorisierte als Mitglied der Südstaaten Guerilla im amerikanischen Bürgerkrieg den Feind und hing einer reaktionären rassistischen Konföderierten Ideologie an Ohnehin nimmt es Ayers mit der historischen Wahrheit nicht so genau und zieht sich mit einem postmodernen Relativismus aus der Affäre Die Erinnerung ist ein Scheißding im Original Memory is a motherfucker eröffnet Ayers seine Erinnerungen und räumt ein dass er sich selbst an fast nichts erinnere Dieses Nichts breitet er dann über nahezu vierhundert Seiten aus Bereits vor Jahren bezeichnete der linke Historiker Jesse Lemisch in der Zeitschrift New Politics Ayers Autobiografie als fragwürdige Erzählung und wies darauf hin dass der Autor sich ungenannter sekundärer Quellen bediene um über Ereignisse an denen er nicht beteiligt gewesen sein konnte zu berichten sie aber als Teil seiner Erinnerungen ausgebe Darüber hinaus deckte Lemisch eine Reihe von historischen Fehlern auf wobei jedoch Ayers Versuch den Weather Underground als Refugium des libertären Widerstandes zu mythologisieren weitaus gravierender ist Ayers zeichnet nicht nur eine groteske Unaufrichtigkeit aus in Jean Paul Sartres Diktion wäre er als salaud zu titulieren sondern er ist sprachlich und intellektuell in der Zeit stecken geblieben unfähig zur kritischen Selbstreflexion Mit Recht warf ihm die Feministin Katha Pollitt in der New Yorker Wochenzeitung The Nation vor er sei ein unbelehrbarer Weißwäscher der mit einem Schwall von Plattitüden und Unwahrheiten Geschichtsklitterung betreibe Der Weather Underground stand da wie ein Leuchtturm schwadroniert Ayers ein extremes Beispiel an dem andere ihr Engagement und ihren Mut messen konnten Kein Wort verliert der rasende Mitläufer aus der Oberschicht Chicagos über die bizarren Herrschaftsmethoden innerhalb des Kollektivs das keineswegs die Zelle des Besseren in sich trug sondern vielmehr den Keim des Alten Weather schreibt Lemisch mit Recht tötete und begrub das basisdemokratische Projekt SDS und bereite so das Terrain für den konservativen Rollback der 1970er und den Triumph des Reaganismus im darauffolgenden Jahrzehnt Anders als die jüngeren weitaus lesenswerteren Autobiografien ehemaliger Weather Mitglieder wie Cathy Wilkerson Flying Close to the Sun My Life and Times as a Weatherman 2007 oder Mark Rudd Underground My Life with SDS and the Weathermen 2009 verliert Ayers das ehemalige Mitglied des Zentralkomitees des Weather Undergrounds kein Wort über die zynischen Positionswechsel vom Pop Maoismus der späten 1960er Jahre zum proletophilen Marxismus Leninismus der 1970er Jahre oder über die stalinistischen Methoden

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/10_11_guerilla.html (2016-02-14)
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  • André Schiffrin: Paris, New York und zurück | Klaus Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers
    seine Existenz als Jugendlicher der nichts dabei gefunden habe als Dreizehnjähriger Wahlversammlungen und Kundgebungen zu besuchen Die Problematik besteht darin dass Schiffrin nie der Erfahrungswelt und Sinnlichkeit des Kindes Raum gibt sondern seinem Leben die greisenhafte Summe aus der Existenz eines intellektuellen Chefs aufschlägt Eine Entwicklung findet kaum statt Immer schon lugt der abgeklärte Verleger hinter der Ecke vor der Pubertät und persönliche Irrungen und Wirrungen dank der großzügigen Aussparung persönlicher und damit privater Entwicklungen überspringt So geraten die Lebenserinnerungen zu einer unaufrichtigen Zurschaustellung des vorgeblich richtigen Lebens im Falschen Einerseits geriert sich Schiffrin als Nonkonformist am Rande des Mainstreams der die Privilegien der Ausbildung an Elite Universitäten wie Yale und Cambridge genoss andererseits aber als antikommunistischer Sozialist gänzlich ins System integriert war Wir waren zwar Nonkonformisten doch keineswegs Extremisten erklärt er womit er sich von den radikalen Kritikern der US amerikanischen Gesellschaft distanziert Er fühlte sich einer moderaten sozialdemokratischen Linken verpflichtet die sich in Organisationen wie der Student League of Industrial Democracy SLID zu artikulieren versuchte aber bei den Studenten der späten 1950er Jahre auf wenig Gehör stieß Obwohl die SLID die organisatorische Speerspitze für die späteren Students for a Democratic Society SDS darstellte für die Tom Hayden 1962 mit dem Port Huron Statement das Manifest für eine Generation schrieb waren SLID Funktionäre wie Schiffrin für jüngere Aktivisten wie Hayden lediglich Überbleibsel einer toten Vergangenheit einer überkommenen Linken In seinen Memoiren versucht sich Schiffrin jedoch in einer fragwürdigen Operation Rewrite indem er sich und seine SLID Genossen nach dem Motto Wer hat s erfunden als wahre SDS Gründer darzustellen versucht Die Jahrzehnte in denen ich gelebt habe waren politisch gesehen keine glücklichen bilanziert Schiffrin Ähnliches trifft auf die Entwicklung der Verlagssituation nach 1960 zu Nach seinem Einstieg beim Taschenbuchverlag New American Library wurde er Lektor bei Pantheon dessen Niedergang er kritisch begleitete Nachdem er im Jahre 2002 die Verantwortung für den Verlag The New Press in jüngere Hände legte pendelt Schiffrin zwischen New York und Paris den kritischen Kulturen der beiden Kontinente und agiert weiterhin als Lektor für seinen Verlag Man lebt unabhängig weitaus besser und glücklicher als wenn man sich von den Großen schlucken lässt lautet sein Resümee wobei er die Vergangenheit des Verlagswesens angesichts der Vorherrschaft großer amorpher Medienkonzerne wie Bertelsmann verklärt Betrachtet man sich die marktmäßige Zurichtung von Literatur wie sie beispielsweise die New American Library mit ihrer Marke Signet betrieb ist die Schiffrins Trauer um das vorgebliche Goldene Zeitalter oder das verlorene Paradies der seriösen Literatur fehl am Platz Nicht von ungefähr monierte Theodor W Adorno nach einem Besuch der Frankfurter Buchmesse im Jahre 1959 dass die Bücher nicht mehr aussehen wie Bücher Im Gegensatz zu seinem Kollegen verknüpft Klaus Wagenbach in seiner Textsammlung Die Freiheit des Verlegers das Persönliche mit dem Politischen und damit gelingt ihm eine weitaus aufrichtigere Bestandsaufnahme des eigenen Lebens 1930 in Berlin geboren verbrachte Wagenbach seine Jugend in den tristen hessischen Landschaften ehe er nach dem Studium der Germanistik als Lektor im Verlag S Fischer arbeitete Nachdem der Holtzbrinck Konzern

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/10_08_verleger.html (2016-02-14)
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  • Tom Cerasulo: Authors Out Here. Fitzgerald, West, Parker and Schulberg in Hollywood
    Dennoch ist Fitzgerald von allen Autoren Protagonisten des Buches die tragischste Figur da er im Gegensatz zu West Parker und Schulberg sich am wenigsten mit dem industriellen Prozess des Schreibens arrangieren konnte Die Hollywood Studios pflegten eine Verachtung gegenüber der Hochkultur als deren Repräsentant Fitzgerald galt Wenn sie renommierte Autoren wie Fitzgerald oder William Faulkner einkauften stellten sie sie zum einen als Beute im Oberflächenzirkus zur Schau und demütigten sie indem sie sie zu austauschbaren Angestellten in ihren Schreibfabriken degradierten Sie wollen keine Autoren heißt es in Fitzgeralds Pat Hobby Stories 1940 Sie wollen Schreiber wie mich Der Autor beschwor die Autorität während der Schreiber sich als fungibles Partikel in einen gleichförmigen Prozess einfügte in dessen Verlauf ein Stoff in mehreren Stadien geschrieben überarbeitet und neu geschrieben wurde Selten vermochten Drehbuchautoren einem Film ihren Stempel aufzudrücken Als inferiore Figuren im industriellen Prozess mussten sie stets darum kämpfen dass ihre Namen in den Credits auftauchten Erst die Gewerkschaft der Screen Writers Guild konnte in den 1930er Jahren im Kampf mit den Studios den Stellenwert der Drehbuchautoren erhöhen Während West an zweitrangigen Filmstoffen arbeitete und ein groteskes Hollywood in seinem Roman Der Tag der Heuschrecke 1939 schilderte die New Yorker Autorin Dorothy Parker als Drehbuchautorin für den Oscar prämierten Film A Star is Born 1937 reüssierte und Schulberg Hollywood zunächst in seinem Roman What Makes Sammy Run 1941 anprangerte und später als Drehbuchautor für Elia Kazans On the Waterfront 1954 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde blieb Fitzgerald ein Verlierer in der Glitzerstadt da er sich nicht den dortigen Verhältnissen anzupassen verstand Psychologie und Adjektive ließen sich nicht einfach in die Filmsprache übersetzen und erst nach und nach eignete er sich die Grammatik des Films an Oft beklagte er sich über die Arbeitsweise in Hollywood und bemängelte dass untalentierte Schreiberlinge seine Arbeit beurteilten

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/10_07_cerasulo.html (2016-02-14)
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  • Mark Terkessidis: Interkultur
    über alltägliche Diskriminierung die Selbstentwürfe von anderen Deutschen oder die Probleme auch von nicht muslimischen Migranten im Bildungsbereich gesprochen werde Federführend war Mark Terkessidis gemeinsam mit der Publizistin und Professorin für Erziehungs und Bildungswissenschaften Yasemin Karasoglu Interkultur ist Terkessidis erste Buchveröffentlichung nach dem offenen Brief Es ist zugleich die wissenschaftliche Untermauerung der dort vertretenen Thesen Der Titel bezeichnet dabei eine mögliche Form der Gesellschaft welche es zu erreichen gilt Der grundlegend neue Gedanke besteht in der Beschreibung des Ist Zustands als eine Situation in der verschiedene in sich äußerst heterogene Gruppierungen aufeinandertreffen im Gegensatz zu dem gängigen Modell nach welchem es eine alteingesessene Gruppe die sogenannte Mehrheitsgesellschaft gibt und eine von außen hinzukommende Diese divergierenden Grundannahmen lassen unterschiedliche Schlüsse auf die von Gesellschaft und Politik zu lösenden Aufgaben zu Im zweiten Fall gelte es von beiden Seiten eine möglichst harmonische Integration der hinzukommenden Gruppe in die etablierte Gruppe zu bewirken Der von Terkessidis proklamierte Fall versteht sich als konstruktivistischer Ansatz der seine Legitimation ausschließlich aus der Gegenwart bezieht und bei dem die aufeinandertreffenden Gruppen und Untergruppen als in sich heterogen begriffen werden Es gilt den Ist Zustand als solchen zu erkennen und etwas völlig Neues zu erschaffen Einwanderung wurde oft als eine Art Störung der Harmonie in Deutschland betrachtet Doch diese Harmonie hat nie existiert Und Harmonie muss auch nicht immer das Ideal sein aktuell haben wir es mit Dissonanz und Brechung mit Unreinheit und Improvisation zu tun Das bedeutet nun nicht dass sich langfristige Planung nicht mehr lohnt im Gegenteil Sie muss aber flexibler werden Wir stehen vor der großen Aufgabe einer interkulturellen Alphabetisierung Und dabei lernen wir alle eine neue Sprache Die Lösung liegt weder in einem einseitigen Anpassungsprozess noch in einem Nebeneinanderherleben wie es aktuell häufig praktiziert wird sondern in einem Erkennen der Heterogenität der Gruppe der

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