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  • Sigrid Hauser: Kafkas Raum im Zeitalter seiner digitalen Überwachbarkeit.
    Demokratisierung der Information geht einher mit der Demokratisierung der Überwachung Alle sind verdächtig und müssen überwachbar sein Die Ubiquität der Kontrolle trifft nicht allein den entflohenen Mörder sondern jeden der allein durch seine Existenz verdächtig ist Frappant an Hausers Darstellung ist ihre weit gefächerte Perspektive der es gelingt nicht lediglich einen kritischen Blick auf die digitale Überwachungsindustrie zu werfen und einen verdichteten Überblick über die aktuellen Erscheinungsformen der Observations und Verfolgungssysteme zu geben Zu den bizarren Entdeckungen Hausers gehört das Unternehmen Digital Angel das seine Überwachungstechnologien nicht allein ökonomischen und militärischen Unternehmungen zur Verfügung stellt sondern auch die permanente Überwachung von Ehepartnern im privaten Sektor ermöglicht In der Fusion von Schrift Bild und Ton zum Bit potenzieren sich Kontroll und Überwachungsmöglichkeiten Zugleich bilden sich in der globalen Vernetzung gigantische kaum überschaubare Weltkonzerne heraus die nicht allein die Konsumenten an die Industrie verkaufen sondern zugleich den rechtsstaatlichen Schutz des Individuums aushebeln Benjamins Forderung Jeder heutige Mensch kann einen Anspruch vorbringen gefilmt zu werden wird heute zur zynischen Prämisse des Überwachungsapparats der jede Regung digitalisiert und in die globale Zirkulation transferiert Ob Soldaten in Internierungslagern freischwebende Hobbyfilmer der Boulevardpresse oder professionelle Roboter der Überwachungsindustrie die Reproduktionstechnologien für ihre Zwecke nutzen nichts entgeht dem Kamera Auge das einmal in der Vision Dziga Vertovs Nachrichten von der Revolution an das Weltproletariat kommunizieren sollte In die Strukturen der gegenwärtigen Überwachungsgesellschaft sind Szenen aus den Romanen Kafkas montiert in denen die jeweiligen Protagonisten Karl Rossmann Josef K oder der Landvermesser K sich einer undurchschaubaren Architektur der Autorität mit ihren Herrschaftstechnologien ausgesetzt sehen wobei die Hierarchie im Machtgefüge unklar und undurchsichtig bleibt Kafkas Protagonisten sind mit Hannah Arendt gesprochen Parias Ausgestoßene Flüchtlinge Asylanten die um Aufnahme ins Gefüge nachsuchen und mit Handlangern und Mundstücken des sozialen Überwachungsapparats konfrontiert sind Durch die Architektur der Herrschaft hallt Kafkas Lachen

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  • Die Frankfurter Schule und Frankfurt
    der Bundeswehr wobei es diejenigen Offiziere beriet und schulte welche die Bewerber auswählten Monika Boll und Raphael Gross Hg Die Frankfurter Schule und Frankfurt Die Rückkehr nach Deutschland Wallstein Göttingen 2009 304 Seiten 24 90 Euro Der im Wallstein Verlag erschienene Ausstellungskatalog besticht durch sein opulentes Bildmaterial jedoch weniger durch die Beiträge welche oft im Stil und Duktus einer Vereinsgeschichte daher kommen Herausragend ist sicher ein Beitrag des amerikanischen Historikers Martin Jay zur Antisemitismus Analyse der Kritischen Theorie der jedoch bereits dreißig Jahre alt ist oder der Essay Anson Rabinbachs über den Einfluss der subversiven Kraft des Judentums Der Akt des Nichtbenennens das Verbot Gottes Name auszusprechen sei eine verborgene jüdische Tradition in der Kritischen Theorie lautet das Argument das bereits Horkheimer vorgebracht hatte In seinem Beitrag über das gespannte Verhältnis Horkheimers zu Kollegen wie Henryk Grossmann die nach dem Krieg die DDR der Bundesrepublik vorgezogen hatten thematisiert Hendrik Niether den autoritären Wesenszug des Institutsdirektors der sich von seiner radikalen Vergangenheit distanzierte um sich mit der westlich demokratischen Welt zu arrangieren Dagegen fällt Detlev Claussens Beitrag über Adornos Heimkehr enttäuschend ab Ausgiebig teilweise seitenlang zitiert er aus den Texten Adornos um ihnen ehrerbietig seine Erläuterungen anzufügen wobei der Duktus des eilfertigen durch zahllose Seminarexerzitien geadelten Schülers der als Mundstück seines Lehrers fungiert vorherrscht Wer diesen Satz nicht versteht begreift den ganzen Adorno nicht konstatiert Professor Claussen der priesterlich über die korrekte Exegese wacht Leider fehlt im Ausstellungskatalog der letzte Teil der Ausstellung in dem der Umgang der Kritiker der Kulturindustrie mit den Massenmedien in den 1960er Jahren vorgeführt wird So lauscht Adorno etwa in einem Filmbeitrag der DDR Nationalhymne um anschließend ihre Wirkung zu analysieren während der Hessische Rundfunk Horkheimer beim Telefonieren filmte und Horkheimer in Dagobert Lindlaus ARD Reportage Frankfurt und die neue Gesellschaft aus dem Jahre 1964 als intellektueller Experte auftrat Thomas Wheatland The Frankfurt School in Exile University of Minnesota Press Minneapolis 2009 415 Seiten 39 95 Dollar Während Horkheimer in der Ausstellung als humorvoller menschenfreundlicher leutseliger Geist in der Adenauer Republik erscheint zeichnet ihn Thomas Wheatland in seinem Buch The Frankfurt School in Exile als paranoiden geheimniskrämerischen Verwaltungsaristokraten der im amerikanischen Exil alles dem Weiterbestand seines Zirkels opferte und seine Herrschaft innerhalb des Instituts gegen unbotmäßige Mitglieder wie Erich Fromm oder Franz Neumann die sich den amerikanischen Gegebenheiten assimilieren wollten ruchlos verteidigte In den Augen Wheatlands war der Horkheimer Kreis wie Wheatland die Frankfurter Schule etikettiert isoliert und in einen teutonischen Kokon eingesponnen attackierte Vertreter des amerikanischen Pragmatismus wie Sidney Hook John Deweys Pitbull wie Wheatland ihn nennt aufgrund ihres antidemokratischen höchst antiliberalen und mandararinenhaften Charakters Ähnlich argumentiert Wheatland wenn es um die Kritik der Massenkultur geht die in seinen Auge eine Demokratisierung der Kultur bewirkt habe Kritik an ihr ist gleichbedeutend mit einer antidemokratischen Haltung ohne dass er die gesellschaftlichen Verhältnisse in Rechnung stellt Der Kampf gegen die Massenkultur besteht in der Aufdeckung des Zusammenhangs zwischen ihr und der schlechten Herrschaft schrieb Horkheimer 1942 Wheatland kontrastiert die Kritik der Kulturindustrie wie sie Horkheimer und Adorno

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  • Volker von Wegen: Eichendorffs politischer Wald. Ein Beitrag zur grünen Geschichte der deutschen Lande
    Werke zum Kauf anbieten 5 Vgl dafür die Selbstdarstellung des Wagner Verlages 6 Vgl Umberto Eco Das Foucaultsche Pendel München Wien 1989 S 281 294 Eichendorffs politischer Wald Die Sehnsuchtslandschaft deutscher Wald war eines der beliebtesten Motive der romantischen Literatur Malerei und Musik um 1800 1 Dichter wie Ernst Moritz Arndt 1769 1860 Ludwig Tieck 1773 1853 und Joseph von Eichendorff 1788 1857 beschworen gefühlvoll das Idyll der Waldeinsamkeit das jedoch bereits damals im Kontrast zur forstlichen Realität eines nutzenorientierten Wirtschaftswaldes stand Im Pathos der Naturverklärung entstand bald schon die Vorstellung einer spezifisch deutschen Beziehung zwischen Volk und Wald Deutscher Wald und deutsche Eiche entwickelten sich zum Kriterium und Symbol nationaler Selbstvergewisserung vornehmlich in Abgrenzung zu Frankreich als dem Land von Aufklärung und Revolution 2 In diesem thematischen Zusammenhang verspricht der Titel der zu besprechenden Publikation Einblicke in die politischen Implikationen von Eichendorffs Waldpoesie Dem Autor geht es dabei erklärtermaßen um eine Verteidigung der arg geschmähte n Romantik und des Dichters dem der deutsche Wald Symbol für Föderalismus und kulturelle Vielfalt gewesen sei Vor allem soll der Nachweis erbracht werden dass entgegen der 1987 in der West Berliner Akademie der Künste gezeigten Ausstellung Waldungen Die Deutschen und ihr Wald der deutsche Wald der Romantik nichts mit dem der Nazis zu tun hat 3 Wer nun eine detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung mit Eichendorffs Waldbild oder mit möglichen Parallelen zwischen romantischem und nationalsozialistischem Walddenken erwartet sieht sich leider schnell und gründlich enttäuscht Stattdessen folgt auf knapp 110 Seiten eine wirre Mischung aus assoziativen Gedichtinterpretationen sowie Nacherzählungen etwa von Erlebnissen im Getränkemarkt Jugenderinnerungen und psychotischen Träumen Ergänzt wird dies um Gedankensprünge zu aktuellen politischen Fragen wie dem Irakkrieg oder der Legehennenverordnung die allerdings keinerlei Bezug zum Gegenstand des Buches erkennen lassen Anstelle von Belegen und Fußnoten finden sich meist nur vage Formulierungen wie meine

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/09_09_eichendorff.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Kunst: In Grenzen frei. Mode, Fotografie, Underground in der DDR 1979-89
    wird Das klingt nach süßem Nichtstun war aber höchst produktiv Marquardt gehörte zu einer Szene aus Modemachern Fotografen Künstlern im allgemeinen die in der späten DDR in Eigenregie Klamotten nähten Modeschauen und Kunsthappenings veranstalteten und aus freien Individuen ungenormte Kollektive wie chic charmant und dauerhaft ccd Stattgespräch Allerleihrauh bildeten Unter den Akteuren waren auffallend viele Frauen Was sie taten kann man sich jetzt gleich zweimal anschauen Die Berliner Ausstellung In Grenzen frei zeigt noch bis Mitte September rund 150 Aufnahmen bedeutender Fotografen wie Tina Bara Sibylle Bergemann Ute und Werner Mahler Sven Marquardt Roger Melis Helga Paris Robert Zayd Paris und Frieda von Wild originale Modellkleider Videos Dia Projektionen und Publikationen ccd chic charmant und dauerhaft im HdJT Berlin 1984 Jürgen Hohmuth In Grenzen frei Kerber Verlag Bielefeld 2009 101 S geb 28 90 Parallel dazu ist ein sehr schönes Fotobuch erschienen In Grenzen frei Mode Fotografie Underground DDR 1979 89 versammelt Texte und Fotografien zum Thema Mitherausgegeben von den Leuten die schon Too Much Future Punk in der DDR kuratierten verlegten und auf die Leinwand brachten zeigt es eins und noch viel mehr Wer wollte war in der DDR nicht dazu verdammt sich zu verstellen Wer wirklich wollte konnte sich in ästhetischer Dissidenz seine Freiheit nehmen Ein unpolitischer Akt der vor dem konkreten Hintergrund schon wieder politisch war Die Bilder rufen zurück Lahmgelegte Viertel darin Morbidität Glanz und Glamour Pelzbesatz und Leder umfunktionierte Jacketts und Unruhe statt Langeweile Was die Models auf den Fotos tragen wie sie sich geben ihre Gesichter das ist selbstbewusst und faszinierend Und meilenweit von dem entfernt was man auf den zwei staatlichen Fernsehkanälen zu sehen bekam Ein Modefoto Sibylle Bergemanns für die Zeitschrift Sibylle die Texte im Buch erklären die Querverbindungen zur Szene zeigt Marisa Jacobi und Liane Sommerlatte 1981 in Sellin an der

    Original URL path: http://www.satt.org/kunst/09_09_grenzen.html (2016-02-14)
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  • Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene
    moralische Wildnis und wahr naturwissenschaftliches Ökosystem Die einzelnen Aufsätze gehen anschließend überwiegend quellennah mannigfachen Naturverständnissen nach deren Spektrum örtlich von Europa über China bis in die USA sowie zeitlich von 1500 bis zur unmittelbaren Gegenwart reicht Als Untersuchungsgrundlage dienen unter anderem Architekturkonzepte Gemälde Landschaftsgärten naturwissenschaftliche Veröffentlichungen und philosophische Texte Da eine Besprechung aller Beiträge den Rahmen dieser Rezension überschreiten würde sollen im Folgenden drei besonders anregende Ansätze herausgegriffen werden Mit bemerkenswerter Sprachkompetenz untersucht die Landschaftsplanerin Dóra Drexler die Landschaft als komplexes kulturelles Symbol in vier europäischen Sprachräumen Während im deutschen Begriff Landschaft und im ungarischen táj geographische und ästhetische Aspekte zusammenfielen fänden sich im Englischen und Französischen seit dem 16 Jahrhundert verschiedene Worte für diese Bedeutungsnuancen land und landscape bzw pays und paysage Grund für diese begriffliche Ausdifferenzierung waren Drexler zufolge politische Entwicklungen in deren Verlauf sich in England und Frankreich neue Gesellschaftsvorstellungen gegenüber den älteren ständischen durchsetzten Hingegen sei in Deutschland und Ungarn der vorher geographische Landschaftsbegriff ästhetisch aufgeladen worden was nach 1800 die Bedeutungserweiterung um eine organische Vorstellung von Landschaft als Heimat ermöglicht habe In seinem methodisch inspirierenden Aufsatz zeichnet der Geograph Klaus Dieter Hupke die Etappen einer Erfindung des tropischen Regenwaldes nach Solche Konstruktionen verrieten stets mehr über die kulturellen Vorstellungen der Interpreten selbst als über das interpretierte Naturobjekt So stehe die Vorstellung einer darwinistischen Regenwaldwildnis und des unerbittlichen Kampfes der Lebewesen gegeneinander im Zusammenhang mit der Evolutionslehre die in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts zunehmend Verbreitung fand Für die Zeit um 1900 beobachtet Hupke eine sexuell konnotierte Feminisierung des Tropenwaldes der als schöne und jungfräuliche Natur zum Unterwerfungsobjekt männlicher Tropenforscher erklärt wurde Die vorläufig letzte Imaginationsstufe sei der virtuelle Regenwald der Gegenwart in Literatur Spielfilmen und Spaßbädern welcher allerdings kaum noch einen Bezug zur tropischen Realnatur aufweise Die Landschaftsökologen Sylvia Haider und Thomas Kirchhoff widmen sich dem aktuell vieldiskutierten Phänomen biologischer Invasionen also der zunehmenden Ausbreitung gebietsfremder Organismen Hinter deren negativer oder positiver Bewertung stünden nicht konträre naturwissenschaftliche Erkenntnisse sondern die kulturelle Ambivalenz von Biodiversität sowie die ihrem Verständnis zugrunde liegenden Gesellschaftsvorstellungen Derlei Vorannahmen der Naturwissenschaftler prägten so Haider Kirchhoff unvermeidlich bereits die Fragestellungen was sich ebenso auf die Ergebnisse der vermeintlich wertfreien empirischen Forschungen auswirke Während invasive species für Anhänger eines organizistischen Welt und Naturbildes eine Bedrohung des stabil gedachten Ökosystems darstellten sähen Vertreter einer elementaristischen Welt und Natursicht sie als Bereicherung eines dynamisch verstandenen Artengefüges Mit seinen vielfältigen Ansätzen und Themen ist der Band eine wahre Fundgrube Eindrucksvoll wird in der interdisziplinären Herangehensweise die prinzipielle Vieldeutigkeit der Natur und der diesbezüglichen kulturellen Konstruktionsmechanismen deutlich In vielen der untersuchten Beispiele diente die Natur an sich nur mehr als metaphorischer Ausgangspunkt für bereits weitgehend von der Realität losgelöste Naturimaginationen Am überzeugendsten wirken die diachron angelegten Beiträge die Wandel und Weiterentwicklung von Naturvorstellungen anhand eines längeren Untersuchungszeitraumes verfolgen Für zukünftige Forschungen viel versprechend erscheint eine Ausweitung der geographischen Perspektive über Europa hinaus für die der Band in den Aufsätzen zu China und den USA aufschlussreiche Beispiele liefert Gegenüber dem positiven Gesamteindruck fallen die Kritikpunkte weniger ins

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/09_08_natur.html (2016-02-14)
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  • 9/11 als kulturelle Zäsur
    sich selbst genügende Gedankendeklinationen fragt Schüller während Koch auf den neokonservativen Gegendiskurs zum liberalen Säkularismus hinweist der die islamistischen Anschläge zu einer christlich geprägten Refundamentalisierung der westlichen Gesellschaften im Sinne autoritärer Gemeinschaften zu funktionalisieren sucht Leider führen die nachfolgenden Beiträge diesen kritischen Faden nicht weiter Wie schon in dem ähnlich gestalteten Band Amerikanisches Erzählen nach 2000 Edition Text Kritik 2008 verharren die Autorinnen und Autoren weitgehend in ihrem abgeschotteten akademischen Territorium ohne Interesse an einem kritischen Austausch mit der Außenwelt Vorgeblich setzen sie sich mit der Vielschichtigkeit der erschütterten Kultur nach den Terroranschlägen des 11 September 2001 auseinander analysieren in literaturwissenschaftlicher Hinsicht Trauer und Traumageschichten Brüche in der mimetischen Darstellung den Tod als Event oder das Ereignis 9 11 als Fortsetzung des Holocausts spüren die Auseinandersetzung mit dem Terror in der Pressefotografie im Kino Fernsehen Theater Internet und in Comics auf wobei jedoch das akademische Räsonnieren weitgehend im selbst formulierten Einbruch des Realen in die Fiktion und in der Selbstreferentialität stecken bleibt Man muss nicht so weit gehen wie Russell Jacoby der den akademischen Adepten der Cultural Studies attestierte keinen Satz jenseits der vom Jargon approbierten Grammatik schreiben zu können Tatsächlich bewegen sich die der Post 1989er Generation entstammenden Autorinnen und Autoren in einem grellen Ausstellungsgelände der Massenkultur deren Führer die üblichen Verdächtigen in diesem Milieu sind Jean Baudrillard Slavoj Žižek und Jacques Derrida In erster Linie will der Akademikernachwuchs demonstrieren dass er sich im kulturwissenschaftlichen Vorrat auskennt und mit den Sprachregelungen des Betriebes konform geht So wird der französische Romancier Frédric Beigbeder in mehreren Beiträgen als Skandalautor und Provokateur tituliert um per Klassifikation das Urteil zu sprechen Die Texte als sinnstiftende Lektüre der popkulturellen Massenproduktion bewegen sich innerhalb eines geschlossenen Systems in dem die Sprache zu einer desensualisierten Zeichenmechanik geronnen ist und treten dem Leser als eine Zermürbungsmasse entgegen

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/09_05_911.html (2016-02-14)
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  • Der „Deutsche Herbst“ und die RAF in Politik, Medien und Kunst
    reduzieren unternimmt der Band Der Deutsche Herbst und die RAF in Politik Medien und Kunst den Versuch dem Phänomen wissenschaftlich auf die Spur zu kommen und den Blick aus der verengten personalisierten Perspektive nach außen zu richten Grundprämisse des Buches das Beiträge von Zeithistorikern Politologen Kultur und Literaturwissenschaftlern versammelt ist dass Terrorismus eine soziale Konstruktion ist die erst durch einen Kommunikationsprozess zwischen den Terroristen und dem Rest der Gesellschaft entsteht Im Zentrum des ersten Teils stehen internationale Aspekte der RAF Rezeption In den Niederlanden herrschte zunächst führt Jacco Pekelder aus eine Sympathie für die deutsche Stadtguerilla wobei weniger die RAF Ideologie eine Rolle spielte als ein geschichtlich begründetes Misstrauen gegenüber dem als autoritär verschrienen deutschen Staat Dabei spielte der engagierte Journalismus in den niederländischen Medien eine nicht unbeträchtliche Rolle wie Janneke Martens in ihrem Beitrag unterstreicht Ohne weitere kritische Recherchen wurden Aussagen der RAF in der niederländischen Öffentlichkeit verbreitet um der eigenen vorurteilsbeladenen Position Nachdruck zu verleihen Nachdem aber die RAF ihre Kampfzone auf das niederländische Territorium ausweitete kühlte sich das Wohlwollen der Niederländer vor allem nach der Erschießung eines Polizisten durch ein RAF Mitglied rasch ab In einer anderen Analyse vergleicht Beatrice de Graaf den Terrorismus in den Niederlanden den USA und der BRD wobei der komparatistische Blick zuweilen eine gesellschaftskritische Perspektive vermissen lässt So schreibt de Graaf über die US Guerillaorganisation Weather Underground Effiziente Sicherheitsmaßnahmen der Weatherman verhinderten eine Unterwanderung ihrer Organisation durch das FBI und es gelang ihnen über lange Zeit unentdeckt in der Illegalität zu leben Dabei unterschlägt de Graaf freilich den Racket Charakter der Organisation der von ehemaligen Mitgliedern und Unterstützern als Fortführung des repressiven Systems kritisiert wurde das die Militanten vorgeblich zu attackieren versuchten Dagegen gelingt es de Graaf überzeugend die Zersetzungsmethoden der Staatsapparate aufzuzeigen deren Ziel es war den einzelnen Terrorist aus dem

    Original URL path: http://www.satt.org/gesellschaft/09_02_raf.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Gesellschaft: Pierre Bourdieus Konzept der symbolischen Gewalt
    was sich gehört Bei den Beherrschten muss es ein Einverständnis geben d h sie müssen einen Sinn für diese Gewalt entwickelt habe der es ihnen ermöglicht die entsprechenden Signale oft nur Blicke kleine Gesten beiläufige Bemerkungen die Körperhaltung die Intonation zu dekodieren ohne zu bemerken dass diese Gesten Blicke Worte Gewalt darstellen Unterdrücker und Unterdrückte wirken gemeinsam an der Herstellung und Reproduktion von symbolischer Gewalt mit nur dass es von Seiten der Erleidenden dieses Gewaltverhältnisses keine willentliche bewusste Zustimmung gibt sie aber dennoch an ihrer Beherrschung mitwirken Davon legen die empirischen Anwendungen dieses Sammelbandes hervorragend Zeugnis ab So zeigt Angela McRobbie in ihrem Text auf wie in Stilberatungsprogrammen des britischen Fernsehens Frauen aus der Arbeiterklasse und unteren Mittelschicht durch Demütigung Beschämung und Belehrung auf eine der Arbeits und Konsumgesellschaft dienliche Linie gebracht werden Zur Verbesserung ihres Status und ihrer Lebenschancen unterwerfen sich die Probanden der Stil und Lebensberatung und orientieren sich an den Standards der Mittelklasse Jene Umformung wird in extremer Fügsamkeit mitgetragen Dankbarkeit gegenüber den als sozial höhergestellt empfundenen und im Dispositiv der Sendung auch so installierten Frauen wird ausgestellt Die Differenz zur mühelosen Eleganz zum schlichten Schick der Mittlerinnen welche der Mittel oder Oberschicht angehören wird allerdings nie aufgehoben Im Gegenteil die harte Arbeit ist der Transformation stets eingeschrieben was Klassengrenzen auf einer anderen dem Arbeitsmarkt bequemeren Ebene fortschreibt Spannende Anschlüsse an Bourdieus Idee der symbolischen Gewalt wurden bereits in den letzten Jahren gesucht so von Tilman Brand der es mit Gramscis Konzept des spontanen Konsensus kurzschloss der zum Gelingen von kultureller Hegemonie welche eben auch auf Zustimmung der Herzen und Köpfe jenseits von direkter Gewalt aufsetzt wesentlich ist Oder von Lars Schmitt der Bourdieu konflikttheoretisch brauchbar zu machen versucht und dabei die Analogie zu Johan Galtungs klassischer Idee der kulturellen Gewalt aufzeigt welche als legitimierende Kraft im

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