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  • Geschichten zeichnen. Erzählung in der zeitgenössischen Grafik
    Ebene lässt sich von einem transkulturellen Netzwerk sprechen das unter anderem durch Festivals oder Publikationen eine vielfältige Zeichnungs und Comickunst kreiert die ganz verschiedene mediale Ausdrucksformen gleichberechtigt umfasst Allerdings fehlen allenthalben der Mut und vielleicht auch das Wissen diese Verbindungen als ein wesentliches künstlerisches Prinzip unserer Zeit zu begreifen und dementsprechend museal zu würdigen Die Ausstellung Geschichten zeichnen Erzählung in der zeitgenössischen Grafik im Museum Folkwang in Essen machte da keine Ausnahme 19 Mai bis 15 Juli 2012 Die vorliegende Kritik richtet sich aber weniger gegen die Ausstellung selbst die vor allem durch ihre minimalistische Inszenierung überzeugen konnte sondern möchte sich dem dazugehörigen Katalog widmen der die reduzierte Gestaltung in seiner Aufmachung fortführt Nach einer kurzen Einführung über das Thema der Erzählung in der Kunst folgen knappe Kapitel zu den insgesamt zwölf Künstlern und Künstlerinnen die in der Ausstellung zu sehen waren Neben illustren Namen wie Marcel van Eden Amy Cutler oder Marcel Dzama finden sich dort auch weniger bekannte wie Jana Gunstheimer oder Karen Scheper Neben einem Werkverzeichnis wird der Katalog durch eine Liste von Animationsfilmen abgerundet die während der Museumsschau gezeigt worden sind Hier deutet sich an was oben bereits gesagt wurde ihre Urheber empfinden die filmischen Arbeiten als gleichrangig zu den Zeichnungen auf dem Papier Dennoch wird diese mediale Koexistenz in den Katalogtexten selbst kaum reflektiert geschweige denn abgebildet und sei es im Idealfall durch eine beigefügte DVD Trotz der vorbildlichen zweisprachigen Ausgabe in Deutsch und Englisch fehlt der analytische Tiefgang der diesen Katalog zu einem Referenzwerk über die zeitgenössische Erzählung in der Grafik hätte machen können Die wenigen kursorischen Bemerkungen des Kurators Tobias Burg über die theoretische Beschäftigung mit der Erzählung in Literatur und Kunst vermögen kaum zu erklären warum denn nun angeblich dieses Thema in der Grafik der letzten zwölf Jahre eine immer stärkere Rolle

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/12_09_zeichnen.html (2016-02-14)
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  • Precious Lies. Lying Mii-kun and Broken Maa-Chan
    nicht an sondern glaubt die einzig Normale in einer Welt voller Lügner zu sein Doch dreht sich die Geschichte neben der Wiedervereinigung der beiden traumatisierten Jugendlichen auch um einen in ihrer Nachbarschaft umherstreifenden Serienkiller der fast täglich ein neues Opfer auf grausame Weise ermordet Zur selben Zeit wurden zwei Geschwister entführt und sind seit mehreren Wochen verschwunden und Mii kun entdeckt sie in der Wohnung von Maa chan Der Leser ist somit vor mehrere Rätsel gestellt Ist Maa chans psychische Krankheit derart drastisch dass sie die Entführung aus Kindheitstagen nachspielen muss Ist sie die gesuchte Mörderin oder ist es doch Mii kun der sich durch seine Lügen und seine nächtlichen Spaziergänge verdächtig macht Diese Ungewissheiten sowie die unvorhergesehenen Wendungen machen die narrative Stärke der Geschichte aus sie halten die Spannung stets hoch und sorgen dafür dass man den Manga zunächst kaum aus der Hand legen mag Auch das bruchstückhafte Auflösen der Geschehnisse bei der Entführung und das tatsächliche Ausmaß der Quälerei durch den Entführer die an Grausamkeiten kaum zu überbieten sind gehören so man nicht allzu zart besaitet ist zu den positiven Aspekten der Geschichte Precious Lies basiert allerdings auf einer elfbändigen Light Novel Reihe kurze Romane bzw Romanreihen mit Illustrationen im Manga Stil und die Adaption in einen One Shot wird der Geschichte nicht recht Während sich Autor Hitoma Iruma in seiner Vorlage elf Bände lang für die Ausarbeitung und Entwicklung sowohl seiner ProtagonistInnen als auch der Nebenfiguren sowie der verschiedenen Handlungsstränge Zeit lassen kann wirkt die Geschichte auf den etwa 180 Seiten eingeengt Die Figuren bleiben oberflächlich und es fällt schwer ihnen Empathie entgegen zu bringen Die emotionslose Darstellung der Figuren mag aufgrund ihrer psychischen Defizite gewollt und als Stilmittel eingesetzt worden sein doch wirkt es mehr wie ein durch den geringen Platz bedingtes Unvermögen ihnen Leben einzuhauchen Diese Leere wird auch durch den Zeichenstil verdeutlicht Nur selten finden sich detailliert ausgearbeitete Hintergründe zumeist bleiben sie gänzlich ausgespart Die nüchterne Einrichtung von Maa chans Zimmer spiegelt jedoch ihr psychisches Innenleben wider das ebenfalls gänzlich leer und unbewohnt ist Auch der Einsatz von comic relief in seriösen Szenen wirkt in Precious Lies eher befremdlich denn spannungslösend Es ist eine permanent unangenehme und zuweilen verstörende Atmosphäre die den Manga dominiert und den Tenor der Geschichte unterstreicht Das Charakterdesign von Hidari gehört zu den positiveren Aspekten des Mangas wenngleich es wenig innovativ anmutet zu stark fügt sich insbesondere Maa chan in den Mainstream von Horror und Mystery Manga mit weiblichen Protagonistinnen ein die wie aus Werken wie Elfen Lied oder Doubt bereits altbekannt in die von Manga Forscher Shiokawa als Cute but Deadly bezeichneten Stereotypen eingeordnet werden können Auch die älteren Figuren insbesondere die Ärztin Dr Koibi Sakashita sowie die Polizistin Natsuki Kamiyashiro erwecken sowohl optisch als auch von ihrem Verhalten her den Anschein nicht wesentlich älter zu sein als die beiden psychisch kranken Protagonisten Auch anhand dieser beiden durchaus interessant konzipierten Nebenfiguren zeigt sich die Schwäche des Mangas allzu deutlich Er ist zu kurz um ihnen die nötige Tiefe zu

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  • Erlangen 2012: »Die Ballade von Seemann und Albatros« von Nick Hayes und »Packeis« von Simon Schwartz
    Henning Ahrens vielleicht auch gerne den Text von Nick Hayes gerne im Original kennen würde zumindest ich als Anglist und bekennender Snob denn zumindest die Seiten die man davon leicht im Netz einsehen können reimen sich in der poesiefreundlichen englischen Sprache natürlich viel sauberer als bei einer Übertragung in eine Fremdsprache noch dazu Deutsch wenn man nicht nur die Handlung rüberretten muss sondern durch die komplexe Verbindung des Textes mit dem Bild neben dem Versmaß und Reimschema auch noch auf die Buchstabenzahl usw achten soll In Ketten kann man schlecht Bodenturnen Das zweite Problem wiegt aber noch schwerer und darunter wird auch die Originalversion des comic ähnlichen Werkes leiden Zwar ist die Idee den Fluch des geschossenen Albatross mit der Thematik der Umweltverschmutzung zu vermengen interessant und die Geschichte entwickelt eine monströse Sogwirkung doch rein graphisch überzeugt die Umsetzung des Seemanns als Platzhalter für den Leser nicht wirklich Scott McCloud hatte ja mal die durchaus umstrittene These aufgestellt dass in Comics eine möglichst einfach designte fast symbolische Hauptfigur Tim Micky den Leser besonders zur Identifikation einlädt während die Gestaltung der Umwelt durchaus auch komplexer und realistischer geraten darf Nick Hayes hält beides etwa auf dem gleichen Level aber sein Problem bzw das meinige als Leser ist es dass der Seemann fast die komplette Geschichte begleitet man aber sehr schnell das Gefühl bekommt dass sein mimisches Spektrum sehr eingeschreckt ist Er kann verblüfft schauen geschockt und dann meinethalben noch sehr geschockt aber um die Dramaturgie der Geschichte zu vertiefen in der teilweise Schock auf Schock auf Riesenschock trifft reicht dies nicht aus Das ist so ein bisschen wie Jack Nicholson in The Shining Sein Wahnsinn umfasst nur anderthalb Oktaven es bedurfte aber eines Pavarotti des Wahnsinns Oder im Falle modern Mariner hätten es schon drei bis vier Oktaven an Geschocktheit gebraucht Ich gebe zu dass dies ein hoher Anspruch ist und das man weder im Film noch im Comic nur wenige Talente findet die gleichzeitig mit dem Understatement eines Buster Keaton und der explosiven Gesichtsakrobatik eines Jim Carrey aufwarten können aber wenn sich zwischen dem was man voller Ambitionen anstrebt und dem was man dann ganz bescheiden auch erreicht eine Kluft auftut die unübersehbar ist dann darf man dies auch nicht verschweigen Simon Schwartz Packeis Avant Verlag 2012 176 S 19 95 Verlag amazon Im Packeis wäre eine solche Kluft natürlich lebensgefährlich aber Simon Schwartz der neueste Max und Moritz Preisträger vom avant verlag geht bescheidener zu Werke leistet dafür aber mehr Schwartz erzählt vom bekannten Wettrennen zum Nordpol einer der großen Abenteuergeschichten der Menschheit zu Beginn des 20 Jahrhunderts deren bekannteste Protagonisten jahrzehntelang Roald Amundsen Robert Peary und Frederick Cook waren Doch die Hauptfigur von Packeis ist Matthew Henson der als Bediensteter Pearys noch dazu mit dunkler Hautfarbe von der Geschichte und ihren kaukasischen Schreiberlingen zuvorderst Peary der in Packeis gar nicht gut wegkommt einfach unterschlagen wurde Packeis ist ein Plädoyer gegen den Rassismus neben Henson nimmt das Buch auch die Inuit sehr ernst die es in der Spätphase des

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  • Paul Hornschemeier: Mein Leben mit Mr. Dangerous
    Dinge zu zeichnen das starre Gerüst der Narration zu durchbrechen und einen lichten Moment der Hoffnung zu erzeugen Mein Leben mit Mr Dangerous schließt da nahtlos an die bereits zuvor im Carlsen Verlag publizierten Werke von Hornschemeier an Komm zurück Mutter und Die drei Paradoxien Gleichsam vertraut und doch irritierend wirkt der Gestus dieser Alltagsgeschichten Wer ist dieser Mr Dangerous der uns als Figur einer äußerst schrägen TV Serie begegnet Und welche Rolle spielt er in der Fantasie und den Träumen von Amy der weiblichen Hauptfigur von Hornschemeiers neuestem Comic Man kann Mein Leben mit Mr Dangerous als eine einsame Novelle über die Kindheit und das Erwachsenwerden lesen doch es lohnt sich der Blick hinter die Kulisse dieser grafischen Maskerade Ein Hauptelement ist das Spiel mit den Paradoxien von Raum und Zeit Die Erinnerung überlagert die Gegenwart und wird dabei wie ein farbloses Theaterstück in Szene gesetzt Die Zukunft kündigt sich in Form von Paketen an die eigens gebastelte Figuren und kryptische Botschaften enthalten Der Fernseher öffnet sich und wird zum Einfallstor in eine andere Dimension Dagegen wirken der Job und das Privatleben von Amy wie eine auffällig inszenierte Langeweile Welchem Fetisch der Objekte wird hier im Comic gehuldigt Auch wenn das Ende von Mein Leben mit Mr Dangerous ein Teil dieses Rätsels löst vieles bleibt interpretationsbedürftig Zum Beispiel das pinkfarbene T Shirt mit dem Aufdruck eines Einhorns das Amy von ihrer Mutter zum Geburtstag geschenkt bekommt Nur ein simples Märchenmotiv oder doch symbolträchtig verankert in der christlichen Ikonographie als Hinweis auf die Jungfräulichkeit Mariens Eine Stärke Hornschemeiers liegt in solchen sinnhaften Widersprüchen und visuellen Puzzleteilen die den Intellekt des Betrachters herausfordern Obwohl der zeichnerische Stil an die Arbeiten von Daniel Clowes Chris Ware oder Charles Burns anschließt ist seine reduzierte Linie einem bestimmten philosophischen Programm verpflichtet das sich so

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  • Alfonz - der Comicreporter (1/2012)
    es neben Infos und Statistiken nahezu Nachhilfeunterricht für rückständige Verlage die hier über markttechnische Möglichkeiten aufgeklärt werden Aus meiner Sicht einer der interessantesten Artikel des Heftes weil er zumindest ansatzweise die Verflechtung von PR und journalistischer Arbeit untersucht dazu später noch mehr Ebenfalls schon auf dem Cover umworben sogar mit Bild Ein etwas anderer Relaunch vorgestellt auf vier Seiten angereichert um weitere vier Seiten über ein beteiligtes Zeichnerpaar Bei Spirou hat man einige der bekanntesten Figuren in Kinderversionen reanimiert Insbesondere bei Gaston bzw Gastoon und Lucky Luke Lucky Kid ist dies natürlich auch eine clevere Taktik einerseits Respekt gegenüber den verstorbenen Schöpfern André Franquin und Morris zu üben andererseits aber seine Gewinnmöglichkeiten nicht auf Nachdrucke zu beschränken P tit Boule Bill Marsu Kids und der bereits etablierte kleine Spirou sind auch dabei und die ersten Ableger dieser Art gibt es jetzt auch in deutscher Übersetzung Hier jetzt minutiös jeden Artikel zusammenzufassen ist mir zu mühselig jeder kann ja selbst am Kiosk nachschauen ob der Mix als ansprechend erachtet wird aber die Vielfalt ist schon erstaunlich Fünf Seiten teilweise aus Frankreich übernommen über Comic Originale und unterschiedliche Praktiken hierzu ein Tagebuch aus der Schöpfungsphase des Ehapa Comic Stipendium 3 Seiten das Comic Festival in Luzern die Tour de France im Comic eine frankobelgische eine Superhelden Kolumne eine als Kampf aufgemachte Doppelrezension zweier Autoren jeweils zwei Seiten einige weitere Kurzvorstellungen News und Neuerscheinungen und natürlich leider nur vier Seiten mit Rezensionen Eine nette Idee aus dem Stern übernommen ist außerdem die Rubrik Was macht eigentlich in der ich gerne etwas über das Verbleiben von Debbie Drechsler erfahren würde Die manchmal eher populistisch als elitäre Herangehensweise womöglich ist das auch einfach modern zeigt sich etwa in Listen diesmal zu den beiden erwähnten Relaunchs oder bei den Neuerscheinungen die kleinen Kästchen mit Alfonz meint die mich an die Bild Zeitung erinnern Damit kann man aber durchaus gut leben Die Texte sind größtenteils ansprechend und gut recherchiert dass man für die Vergabe von Stipendien nicht das Alphabet kennen muss hatte ich bereits befürchtet S 16 hihi aber dem schlimmsten Satz des Heftes möchte ich mich noch kurz annehmen auf S 76 ein unbekannter Autor zu Marzi Die Zeichnungen sind nicht der Burner wie es in neudeutschem Jugendsprech wohl heißt Dass man nicht genau weiß ob sich der Autor von der Jugendsprech distanzieren will oder er sich bei der möglichen Leserschaft anbiedern will ist die eine Sache aber eigentlich uninteressant Doch ungeachtet der Coverabbildung des besprochenen Bandes will man doch nicht wissen ob der vermeintliche Rezensent die Zeichnungen gut oder weniger gut findet sondern WARUM Welchen Zeichenstil pflegt man was daran ist nicht der Burner Die Proportionen die Hintergründe die Mimik die Koloration Wenn mir der Autor unbekannt ist ich also somit auch seine Vorlieben nicht kennen kann bedarf es schon mehr als so eines nichtssagenden Statements Ich persönlich habe Marzi übrigens noch nicht gelesen aber es fällt mir leicht zum Beispiel folgendes zu den Zeichnungen zu sagen Die Hauptfigur Marzi ist einem eher kindlichen frankobelgischen

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/12_07_alfonz.html (2016-02-14)
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  • Auf dem Weg nach unten: »Niemandsland« von Blexbolex
    Phantasie verstanden wird Hier gibt es einerseits den Gestiefelten Kater den Hasen Gregory Rabbit sowie den Werkunterrichts Lehrer die sich vor allem durch eines auszeichnen ihre unbändige Brutalität Ihr wahlloser Terror richtet sich gegen alles und jeden Wenngleich einerseits klar wird dass die genannte Gruppe um den Protagonisten in der Geschichte die direkten Gegenspieler des totalitären Banks verkörpert bleiben ihre konkreten Ziele stets unklar Dies liest sich mitunter wie eine extreme Karikatur der Pariser Unruhen von 2011 Im Dienste Banks soll der Protagonist die Gruppe unterwandern aushorchen und liquidieren Hierbei wird bald klar dass es sich bei ihm weniger um einen Kämpfer für Banks Ideologie handelt als vielmehr um eine tief gespaltene Persönlichkeit die weder der einen noch der anderen Seite besonders nahesteht Niemandsland lässt sich auf vielfältige Art und Weise deuten Etliche Erzähl und Handlungsebenen die oft kaum oder allenfalls andeutungsweise aufeinander Bezug nehmen lassen einen wirklichen narrativen Zusammenhang zunächst nicht erkennen Vielmehr scheint es sich hier um eine Reise in oder durch die Tiefen des menschlichen Bewusstseins zu handeln das Erzählte vermittelt den Eindruck des Halluzinatorischen Episodenhaft werden Ausschnitte dargeboten die weder auf räumlicher noch auf zeitlicher Ebene eine feste Reihenfolge zu haben scheinen Immer tiefer taucht der Erzählende ein in oft verwirrende Erinnerungs und Assoziationsfetzen Träumend findet er sich beispielsweise plötzlich in einem Raum voller Haifische wieder als schließlich ein Fliegenmensch an der Decke erscheint um ihm in diesem Traum eine weitere Geschichte von seinen Kriegserfahrungen zu erzählen nur damit in dieser wiederum ein Feldwebel von seinen spirituell motivierten Drogentrips berichten kann In den untersten dieser Erzählebenen fühlt man sich selbst wie in einen Drogenrausch versetzt Die Grafiken erzählen die Geschichte auf ihre eigene Art Figuren und Formen erscheinen beinahe ikonisch häufig werden nur Umrisse abgebildet und auf Details wie Mimik wird nahezu gänzlich verzichtet Die Motive wirken fast ausnahmslos sehr flächig und zweidimensional durch die Farbauswahl rot blau grün und schwarz zusätzlich künstlich und abstrakt Einzelne Bildelemente wirken verwischt oder verschmiert in der Regel allerdings nur hintergründig auch lässt sich schwer sagen ob dies gewollt oder lediglich der angewandten Siebdrucktechnik geschuldet ist Die Bildgestaltung setzt sich größtenteils aus Totalen und Halbtotalen von einzelnen Figuren zusammen die jedoch immer wieder unterbrochen werden von Landschaftsabbildungen und Nahaufnahmen Die Hintergründe sind teilweise schlicht und lenken die Aufmerksamkeit auf den Vordergrund Teilweise jedoch sind sie auch sehr komplex und üppig ausgestaltet und liegen mit vielen Farbschichten beinahe über dem Geschehen sodass die einzelnen Bildebenen ähnlich den Erzählebenen stark ineinander übergehen Die kunstvollen Siebdrucke die jeweils einen Großteil der Seite einnehmen bestehen aus vier teilweise übereinander gedruckten Farbschichten Hierdurch entstehen zusätzlich weitere farbliche Abstufungen Der handwerkliche Aspekt des Drucks lässt sich durch kleinere Ungenauigkeiten wie unsaubere Ränder stets herauslesen Das Abgebildete selbst bedient sich einer schier endlosen Fülle von Verweisen und Zitaten aus Literatur Kunst und Zeitgeschichte Deutlich wird dies zum Beispiel bei der Figur des Gestiefelten Katers die hier wie ein böser Zwillingsbruder der Originals auftritt Andere Bezüge offenbaren sich allerdings erst bei genauerem Hinsehen hier sei zum Beispiel ein

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/12_07_blexbolex.html (2016-02-14)
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  • »Roxanne & George« von Carolin Walch
    figürlichen Ebene bereits in groben Zügen angelegt war findet nun in Roxanne George seine Fort oder eher logische Weiterführung Carolin Walch bedient sich für ihre Geschichte verschiedener etablierter Erzählformate der Populärkultur und spinnt daraus ihr Hohelied der Rock und Pop Society Sie erzählt von Roxanne und George den Kindern zweier alternder Rockstars die ihr Hipsterleben als Dokusoap an MTV verkauft haben Die Anspielungen dürften hinlänglich bekannt sein und auch die Gesichter der Väter und weiterer Rockmusiker lassen sich unschwer zuordnen Die Geschichte geht dann ungefähr so Die Exzesse der Kinder werden den Vätern irgendwann zu viel sie begraben alten Streit und setzen ihre Blagen kurzerhand vor die Tür Die leben nun in einer MTV Villa zusammen mit anderen coolen Kids während die Alten an einem Comeback Album arbeiten Carolin Walch macht nun zweierlei wobei ihr Mittel der Darstellung immer die feinsinnige Überspitzung ist So leben die Kinder in einer viel zu coolen viel zu abgebrühten Welt mit viel zu hübschen und viel zu gestylten Menschen in viel zu schicken Klamotten denen es lediglich um eine Selbstinszenierung vor einer der unzähligen Kameras geht Die Bilder dieses vermeintlichen Scheinlebens werden hier nur vordergründig unentscheidbar zwischen Realität und Fernsehbild in der inszenierten der scripted reality verschmelzen sie und werden indifferent Das mag in der Außensicht genauso fake sein wie der Mitbewohner den George und Roxanne aus ihrer WG werfen aber für die beiden ist es offensichtlich real Die alten Männer hingegen werden als rechtschaffene Musiker beschrieben die aus Liebe zur Musik mit Schweiß und harter Arbeit und auch einigen Drogen eine neue Platte zimmern Das auch sie natürlich Teil einer aufmerksamkeitsgierigen Verwertungsindustrie sind wird etwas unter den Tisch gekehrt aber auch das ist Teil von Carolin Walchs Überhöhungsstrategie Beide Lebensweisen werden gleichzeitig als ultracool aber durch die Zuspitzung auch als Parodie dargestellt Diesen

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  • Erlangen 2012 - Die Comics, Teil 2: »Kitsch für Mädchen«
    Inspiration für Winkler sein konnte man irgendwo lesen geht es auch extrem kitschig zu vom He s coming bis zur Makramee Sammlung Hier zeichnet der Kitsch das Werk aber durchaus aus weil der Kitsch dazu verwendet wird die Situation Erstaunen angesichts einer Lava Lampe und die Soap Vorlage unbelehrbares Reinfallen auf immer dieselbe Tussi zu parodisieren Bei Grablicht Band 2 hingegen fand ich auch einiges an Kitsch doch seltsamerweise erinnerte mich dies allenfalls in unschöner Weise an Twilight Film 1 danach habe ich mich ausgeklinkt ein Werk von dem ich durch die Preisverleihung wusste dass Daniela Winkler höchst allergisch auf Vergleiche damit reagiert Aber wer in seinem Vampir Comic Dialogzeilen wie Bitte lass mich bei dir schlafen Ich mach mich auch ganz klein es geht um einen Sarg den ein junges Mädchen mit ihrem Vampir Herren teilen möchte einbaut die Beziehung zwischen einer 16jährigen und einem jung wirkenden aber älteren Vampir ganz unschuldig erotisiert Vampirbisse sind immer wie Küsse oder Sex mich stört nur die aufgesetzte Unschuldigkeit oder das Werk dann auch noch erstaunlich ähnlich benennt Grablicht hieß ursprünglich anders der hat es einfach nicht anders verdient Ergänzung Die zeitliche Abfolge der Erschaffung und Benennung der beiden Werke ist fraglich Daniela Winkler impliziert dass sie den Titel Grablicht bereits gewählt hatte als ihr Twilight noch komplett unbekannt war nicht originell okay bei so scharf umrissenen Regeln wie bei einigen Manga Subgenres ist es schon schwer originell zu sein Auf wie viele Arten kann man einem jungen Mädchen zeichnerisch unter den Rock linsen Doch darum geht es ja bei Grablicht Band 2 nicht Daniela Winkler variiert immerhin die bekannten Vampirregeln wie es auch bei Twilight und vielen anderen aktuellen Vampirgeschichten passiert bei Sonnenlicht stirbt man nicht sofort Kreuze und Knoblauch funktionieren nicht bei jedem Vampir usw Doch dummerweise ist das alles so unendlich banal und uninteressant was viel schlimmer ist als nur unoriginell zu sein für einen visuell orientierten Manga eher schlecht gezeichnet an dieser Stelle muss ich zugeben dass ich nicht wusste dass es auch Mangas gibt die nicht visuell orientiert sind Ich nehme an dass diese dann ihre Geschichte mit den immer selben talking heads erzählen Wobei ich sagen muss dass Grablicht Band 2 davon auch nicht weit entfernt ist Mangas wie ich sie kennengelernt habe größtenteils Jungs Zeugs von Katsuhiro Otomo Keiji Nakazawa Kazuo Koike Ryoichi Ikegami oder Goseki Kojima zeichnen sich ja unter anderem dadurch aus dass sie die Narration auch gerne mal für anderthalb Seiten beiseite lassen und stattdessen beispielsweise die Umgebung zeigen Scott McCloud hat das in seinem Understanding Comics als eines der Merkmale des Manga zu Beginn seines Triumphzugs in den Westen beschrieben und selbst bei nordamerikanischen Ablegern wie Jill Thompson oder Bryan Lee O Malley findet man trotz aller Geschwätzigkeit immer mal wieder dialogfreie Seiten oder gar Doppelseiten Gibt es auch in Grablicht Band 2 aber die Autorin weiß dieses Stilmittel nicht wirklich gewinnbringend einzusetzen sie treibt ihre Handlung vor allem durch Dialoge voran ich konnte nur wenige Momente finden wo die Interaktion

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