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  • Spiegelung des Inneren: »Fräulein Else« von Manuele Fior
    von seiner Familie bedrängt wird bei einem alternden Lebemann um Ausgleich einer Schuldenlast zu bitten entlarvt die nur vordergründige Biederkeit der wohlhabenden Bürgerschicht In Elses Zweifeln und ihrem schlussendlichen Suizid entwirft Schnitzler das Psychogramm einer heranwachsenden Generation Bereits 1929 als Stummfilm verfilmt wurde die Novelle auch mehrfach auf die Bühne gebracht Der innere Redefluss Elses ist weniger episch als dramatisch und drängt sich somit für eine Theateraufführung auf Nun erschien im Berliner Avant Verlag Manuele Fiors Comicadaption von Fräulein Else Ob Fior die Verfilmung oder die Dramatisierungen kannte darf bezweifelt werden zumindest trägt die Adaption keine offensichtlichen Spuren von Stummfilm oder Theater Interessant ist hier eh wie die Überführung des inneren Monologs in das Comicformat gelang Also wie es gelang die Literarizität zu transformieren Fior entscheidet sich dafür Else als Figur selber darzustellen ihren Monolog bettet er als Gedankenblasen ohne Docht in die Panels später besonders während ihrer Erinnerungen an Jugendzeiten auch als Blocktext unter das Panel schließlich zum Ende hin wenn die junge Frau den Druck kaum mehr aushält Schnitzlers Zeitgenosse Freud hätte wohl von Hysterie gesprochen beginnen die Panels zu schwimmen lediglich die Gedankenblasen scheinen sie noch zusammenzuhalten Das ist alles sehr schön arrangiert und wirkt gemeinsam mit den feinen teilweise flüchtig anmutenden Aquarellen die an eine bravere Version von Jules Pascins Alltagszeichnungen erinnern hervorragend komponiert Gemessen an seinen bisherigen Publikationen besonders erwähnenswert das feinfühlige Menschen am Sonntag Avant 2005 wird hier eine enorme Entwicklung des Zeichners sichtbar Allerdings wünschte man sich Fior hätte sich stärker auf die Möglichkeiten des Comics eingelassen und auch den literarischen Wagemut seiner Vorlage ernst genommen Die komplette Innensicht einer Figur beschränkt sich eben nicht nur auf ihre Gedanken sondern auch auf ihre Wahrnehmung Konsequenterweise hätte der Comic also aus der subjektiven Perspektive Elses gezeichnet werden müssen Sie selbst gesehen hätten wir dann

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_11_else.html (2016-02-14)
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  • QUERGELESEN
    in ihren Graphiken stellen Sinn und Zweck des alltäglich gegenständlichen infrage und offenbaren eine Welt die weniger funktional kalt als vielmehr organisch erscheint Wie surreale Traumbilder blitzen die Bilder auf und lassen ein Anderes hinter dem Augenscheinlichen vermuten Hubert Kerascoët Fräulein Rühr mich nicht an Die Jungfrau im Freudenhaus Band 1 Blut an den Händen Band 2 Reprodukt Reprodukt Fräulein Rühr mich nicht an Nach einem Szenario von Hubert schaffen Kerascoët erneut einen schaurig schönen Comic Die junge Blanche versucht im dekadenten Paris der 1930er Jahre den brutalen Mord an ihrer Schwester auf eigene Faust zu lösen Die Behörden schenken ihr keinen Glauben und so führen sie ihre Ermittlungen ins Pompadour einen der angesehensten Edelpuffs der Stadt In diesem Sodom und Gomorrha in Gebäudeversion finden sich die gut Betuchten ein die von Reichtum und Überfluss des Alltäglichen überdrüssig geworden sind Hier finden sie im Absurden und Perversen ihre Befriedigung Die gouvernantenhafte Blanche wird schnell zur begehrten Domina ihre Peitsche ist weniger gefürchtet als begehrt Inmitten dieses Mikrokosmos macht sie sich Freunde aber auch eine Vielzahl Feinde und sie findet Spuren den Mord an ihrer Schwester zu klären Fräulein Rühr mich nicht an ist mal wieder endlich möchte man schreiben ein richtig unterhaltsames franko belgisches Comicabenteuer Hubert liefert keine wirklich umfassende oder tiefsinnige Beschreibung des Zeitgeschehens und auch nicht des Bordells aber darum geht es auch gar nicht Ihm dienen die Zeit und die Umgebung um seine Figuren zu entwickeln Es geht ihm wie es in allen guten Geschichten darum geht um die böse und unmoralische Seele des Menschen Denn auch Blanche unser Fräulein Rühr mich nicht an ist keine Heilige Kerascoët finden für dieses Freudenspiel mit ihrem schnellen an Joann Sfar erinnernden Strich genau die richtigen Bilder Am Ende von Band zwei wird Blanche den Mord an ihrer Schwester aufklären können und im Dezember geht es bei Reprodukt schon mit dem dritten Teil weiter François Craenhals Roland Ritter Ungestüm Band 1 Cross Cult Cross Cult François Craenhals Roland Ritter Ungestüm Ja Ritterepen Hoffentlich kommen Ritter nie aus der Mode Als Kind begeisterten sie mich in den Filmen Ivanhoe Der schwarze Ritter und Die Ritter der Tafelrunde später erschien dann der erste Band der Carlsen Werksausgabe von Prinz Eisenherz und ich war offiziell Comicsammler Eisenherz wird mittlerweile in einer hinreißenden Ausgabe bei Bocola neu herausgegeben Ritter sind eh immer gut und Gesamtausgaben sowas wie ein neuer Trend Da schien es für den Cross Cult Verlag naheliegend einen Rittercomic als Gesamtausgabe zu verlegen Roland Ritter Ungestüm von François Craenhals ist erzählerisch sicher nicht die Neuerfindung des Rades doch ist die graphische Umsetzung durch Craenhals handwerklich sehr gelungen und mag auch nach 50 Jahren noch zu gefallen Erinnert Roland besonders in der ersten der drei hier gesammelten Abenteuer doch noch sehr an Hal Fosters Eisenherz besonders in den Charaktereigenschaften des hitzköpfigen Wildfangs Eisenherz aus dem Sumpf Roland hingegen aus gediegenen Ritterverhältnissen löst sich Craenhals bald von diesem Einfluss Beachtlich sind in dem Zusammenhang des Rittercomics regelrecht psychedelisch anmutende Sequenzen wenn Roland im Zustand

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  • Jenseits des Fanzines: Comicgate-Magazin 5
    Jahr auf dem Comic Fest in München gab für die Nummer 3 sogar einen ICOM Preis Wurde damals besonders gewürdigt dass es sich um ein rein idealistisches Projekt handelt No Budget ist auch besonders zu unterstreichen dass man es geschafft hat sich sowohl online als auch im Printbereich eine kleine Nische zu erobern Heutzutage heißt das schon etwas Pünktlich zu Erlangen erschien jetzt die Nummer 5 und mit vier Jahren Verzögerung habe ich endlich einen näheren Blick gewagt Mein Glück Auffällig mag direkt das Format erscheinen A 5 ist in diesem Bereich doch eher den Fanzines vorbehalten Doch hat man so ein handliches Heftchen das sich gut mit auf Reisen nehmen lässt Der Inhalt ist hiervon natürlich gänzlich unbenommen Man setzt auf eine Mischung aus längeren meist thematischen Artikeln Portraits Kurzinterviews und natürlich Comics Auf eine herkömmliche Rezensionsstrecke verzichtet man diese ist ja online viel aktueller zu gestalten Stattdessen findet sich eine Empfehlungsliste für den einsamen Inselaufenthalt die Klassiker Aktuelles Unbekanntes und Selbstverlegtes mischen soll allerdings überwiegen dann doch die Novitäten Für einmal im Jahr ist das sicherlich machbar meines Erachtens könnte man die Rezensionen aber auch gänzlich rauslassen und lieber einen Artikel mehr aufnehmen Soviel zu den Rahmenbedingungen was ist nun mit dem Inhalt Die Stärke sind sicherlich die meist zehnseitigen Artikel fünf an der Zahl Ob man mal wieder etwas über Nicolas Mahler lesen muss in diesem Fall ein Portrait weiß ich nicht so produktiv wie der Österreicher ist ist er ja eigentlich dauerpräsent Interessanter ist da schon ein Überblick über die Veröffentlichungen deutscher Zeichner im Ausland Nicht erst seit den Erfolgen von Kleists Cash und Uli Lusts Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens werden ansässige Zeichner im Ausland wahrgenommen manche wie Barbara Yelin oder Jens Harder waren sogar zuerst im Ausland publizistisch erfolgreich Andreas

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_09_comicgate.html (2016-02-14)
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  • Das dekadente Leben der Poeten: »Barbara« von Osamu Tezuka
    Ende der 1960er Jahre mit so eigenwilligen Samurai Erzählungen wie Dororo 1967 68 und fand mit einem Titel wie eben Barbara 1973 74 dann schon beinahe wieder ihr Ende In kurzen Episoden erzählt Tezuka aus dem Leben des Erfolgsautors Mikura Yosuke Dieser sammelt eines Tages ganz unvermittelt die Säuferin Barbara am Bahnhof ein und nimmt sie bei sich auf Zwischen den beiden entsteht nun ein nicht unkompliziertes Verhältnis Mikura sieht sich zu Frauen hingezogen und gilt gemeinhin als idealer Partner oder Schiegersohn groß mit dichtem Bart und ständig mit einer Sonnenbrille im Gesicht entspricht er dem Typen des erfolgreichen Poeten in den 1970ern auch optisch Barbara breitet sich nun in seiner Wohnung aus führt ein regelrechtes Pennerdasein und verwahrlost Mikuras Wohnung was ihrem Wohltäter natürlich auch immer wieder die Tour bei Frauen vermasselt In der Folge kommt es immer wieder zu Streitigkeiten an deren Ende der Autor die junge Frau nicht selten auf die Straße setzt Jedoch sind diese Zäsuren immer nur von kurzer Dauer Mikura entdeckt nämlich plötzlich dass er ohne Barbara nicht mehr schreiben kann die maßlose Frau ist seine Muse geworden Doch darüber hinaus noch mehr Mikura hat eine offensichtliche sexuelle Störung immer wieder bringt ihn diese in bedrohliche Situationen aus denen ihn Barbara erlöst Ob diese Geschehnisse dabei überhaupt real sind wird oft genug nicht deutlich wenn Mikura sich etwa auf eine große und schlanke Frau einlässt und diese sich nach Barbaras Intervention als Windhund entpuppt In diesem uneigennützigen Eingreifen Barbaras entpuppt sich die besondere Rolle der Frau in diesem Manga Anfang der 1970er Jahre brach auch in Japan das weibliche Geschlecht auf und stellte die tradierten Geschlechterrollen in Frage Tezuka trägt diesem gesellschaftlichen Phänomen hier Rechnung wenn er seine Muse Barbara Hosen tragen freizügig und alkoholisiert feiern lässt und sie sich im Zusammenleben mit dem

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  • »Offene Arme« von Melanie Gerland
    zu sein Wie stark sich indes das letztlich folgenlose pubertäre Aufbegehren als Lebensphase zur handfesten Entfremdung zur bedrohlichen Identitätskrise und zum vergeblichen Kampf gegen die Illusion der eigenen Austauschbarkeit verdichten kann lässt sich mit gnadenloser Härte an dieser Geschichte nachvollziehen die sich ebenso als Chronik eines Charakters lesen lässt der die partiell unbeeinflussbare Eigendynamik von Selbst und Fremdwahrnehmung nicht über den Mittelweg Verdrängung zu vergessen schafft Ablehnung ist quasi das leitmotivische Scharnier der Erzählung Die 15jährige Melanie buhlt erfolglos um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern ist in der Schule isoliert und immer wieder dem Gespött der Klasse ausgeliefert Außerhalb der Schule versucht sie regelmäßig den aggressiven und gewalttätigen Attacken zweier besonders verhärteter Mitschülerinnen zu entkommen über allem schwebt die Unfähigkeit das Leid in adäquate Worte zu fassen Zusammen mit ihrer Freundin Nicole wird stattdessen an Suizidfantasien gefeilt in denen sich beide selig grinsend gemeinsam in den Tod stürzen Als die zwei in einem leerstehenden Fabrikgebäude zufällig den Proberaum einer Metalband entdecken tritt zur Ablehnung der Faktor Liebe als Refugium der inneren Machtlosigkeit hinzu Melanie verliebt sich in den älteren Sänger Lewin realisiert aber nicht dass dieses Gefühl nur einseitig bleibt Fortan besucht sie regelmäßig die Bandproben versucht das Mobbing in der Schule mittels Imaginationen von Zweisamkeit mit Lewin zu ertragen blondiert sich die Haare nachdem sie hört dass dies seine favorisierte Farbe ist besucht die Konzerte wartet stundenlang vor seiner Wohnung um spontan auf ihn zu treffen und sich nach Hause fahren zu lassen und beginnt sich die Arme zu ritzen um so einen Liebesbeweis von ihm zu erhalten Das Ritzen wird schnell zur Gewohnheit wächst bald zum zweisamen Ritual mit Nicole und die Situation eskaliert vollends nachdem sie am Telefon eine endgültige Abfuhr von Lewin erhält BALANCE buch medien verlag Die Bildsprache die Gerland wählt ist schwarzweiß wie das Wahnsystem dem sich ihre Figuren aussetzen müssen Hintergründe werden gelegentlich rudimentär angedeutet oft bleiben sie auch leer Das erhöht nicht nur den Eindruck von der mangelnden Sinnlichkeit dieses Kleinstadtkosmos sondern macht auch immer wieder mit der Umweltwahrnehmung der Figuren gemeinsame Sache Wenn Melanie beispielsweise zum ersten Mal den Proberaum verlässt und ihr Bauchkribbeln bemerkt wird aus dem Schneetreiben und den skizzierten Häusern ringsum urplötzlich ein Frank Capra artiges Bild der Vorstadtromantik und sie wandelt in dem Schein einer Straßenlaterne mit weit geöffneten Armen in einem Splashpanel dem Betrachter förmlich entgegen Das Bild will also weniger einen Sachverhalt dokumentieren wie man es bei einer autobiographischen Erzählung und dem ihr eben stets inhärenten trügerischen Versprechen auf Authentizität erwarten würde sondern ordnet sich den Emotionen der Figuren unter In diesem Sinne bleibt der Ort einer übergeordneten Erzählerinstanz diffus und wir blicken auf die als auch mit der Figur So geraten die Gefühlswelten und die Frage nach ihren Funktionen in den erzählerischen Fokus Und da wird schnell deutlich dass das Versprechen auf Glück in einer rundherum glücklosen und abweisenden Welt über Projektionsleistungen erfüllt werden soll die in ihrer steigenden Intensität einer Art innerem Exil ähneln So wie das bösartige Mobbing der Mitschüler mit Schweigen und

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  • Klaus Schikowski: Die großen Künstler des Comics
    auch Teams wie die Schöpfer von Superman oder Asterix Dabei schlägt er einen illustren Bogen von den frühen Zeitungscomics bis in die Gegenwart des modernen Autorencomics Neben der Ausstattung ist der Unterschied zu solchen Büchern wie Andreas Platthaus Im Comic vereint Eine Geschichte der Bildgeschichte oder Andreas C Knigges 50 Klassiker Comics der Unterschied in der Anlage Ersterer betrachtet Zeichner und Werke in einem kunst und gesellschaftshistorischen Zusammenhang zweiter stellt 50 Comic Werke hermetisch vor Klaus Schikowski nun nimmt sich gezielt die Künstler des Comics vor diejenigen also die hinter den Werken stehen Dabei geht er streng chronologisch vor und teilt dabei sogar Will Eisners Schaffensphase auf Ein Vertrag mit Gott gehört schließlich in eine ganz andere Phase des Comics als sein Spirit Wer nun wirklich die großen Künstler des Comics sind darüber herrschte noch nie Einigkeit Schikowskis Buch wird daran nichts ändern Das muss es aber auch nicht denn jedwede Auswahl muss schließlich subjektiv bleiben Unbestreitbar werden die Zeichner aus den Aufbruchsjahren sein Rudolph Dirks George Herriman u a bei den jüngeren und jüngsten Zeichnern wird es sicherlich andere Ansichten geben Jedoch erfüllt die gebotene Auswahl eine umfassende Einführung in die Vielfalt des Comics und das ist ja auch das Hauptanliegen des Buches Das Format der prägnanten Essays ist immer das gleiche Es werden biographische und schaffensrelevante Punkte angesprochen und anekdotenhaft ausgeführt Dabei sind sie gut lesbar und geben eine Andeutung dessen was noch hätte alles geschrieben werden können wenn denn nur mehr Platz gewesen wäre Um diesem großen Wissen Raum zu schaffen finden sich nämlich außerdem in jedem Kapitel große Sprechblasen die zusätzliche Informationen zu Künstlern ihrem Werk oder ihrem Einfluss auf den Comic und andere Comiczeichner ausführen Überraschen mag lediglich dass sich mit Osamu Tezuka und Jiro Taniguchi nur zwei Mangaka in der Auswahl finden Beide sind

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  • Der alte Mann und der Krieg: »Alans Krieg« von Emmanuel Guibert
    der gesamten Zeit seines Dienstes Einmal gilt es sich in ein Loch zu verkriechen über das ein Panzer rollt dabei wird er beinahe zerquetscht Als er im Februar 1945 nach weitern Wirrungen der Ausbildung nach Frankreich verschifft wird ist der Krieg beinahe schon zu Ende die Absurditäten jedoch nicht Ohne Landkarte kreuzt er auf einer eher undurchsichtigen Mission mit seiner Einheit quer durch halb Europa Zunächst in die Tschechoslowakei später nach Regensburg Bad Wiessee und nach Sonthofen Der Schock von Pearl Harbor sorgt dafür dass Alan wie so viele andere junge Amerikaner eingezogen wird Guiberts einzigartiger Technik aus mit Wasser aufgetragener Tusche ist es zu verdanken dass beeindruckend plastische Bilder entstehen Die Anlage der Geschichte scheint bis zu diesem Punkt nicht ohne Reiz Abseits blindwütiger Zerstörung Materialschlacht und Tod zeigt Guibert das Leben eines einfachen Soldaten und dessen Heranwachsen mit Kameradschaft militärischer Hierarchie Langeweile und Kontakten zur Zivilbevölkerung Eingefangen in teilweise beeindruckenden Zeichnungen die durch Guiberts Technik aus mit Wasser aufgetragener Tusche plastische Struktur gewinnen Naiv nähert sich der 20jährige dem Krieg wenn er feststellt Die Kämpfe hatten Spuren hinterlassen aber man konnte sehen dass sie hübsch waren wenn sie sich einst vom Krieg erholt haben würden und schließlich sagt Für mich als Amerikaner war alles malerisch Trotz des Krieges war für mich jeder Tag eine abenteuerliche Reise Gerade hier hätte sich Potential entfalten können als Reflexion eines 69jährigen Kriegsveteranen den der ihm freundschaftlich verbundene Emmanuel Guibert lange Jahre immer wieder in seinem Haus in Frankreich besucht und interviewt hat Der Comic ist jedoch nicht nur eine Beschreibung der Kriegserfahrungen Copes Vielmehr ist es seine ganze Lebensgeschichte sein Kampf mit dem Heranwachsen und seiner Suche nach Identität in der Adoleszenz und später weit darüberhinaus wenn er nach dem Krieg erst Theologie studiert sodann in eine Glaubenskrise gerät und später zurück

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_08_alan.html (2016-02-14)
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  • Welcome to the Horror Show: »R.I.P. – Best of 1985-2004« von Thomas Ott
    Großstadt schnell zu einem markanten und immer wiederkehrenden Sujet Will Eisners The Spirit setzte hier Maßstäbe und fand mit seinem noir Setting in Frank Miller Sin City Batman The Dark Knight seinen derzeit wohl prominentesten Nachfolger Die Geschichten des Schweizers Thomas Ott sind thematisch ähnlich gelagert Mord Egoismus Wahnsinn Macht und Ohnmacht sind die treibenden Elemente seiner Kurzgeschichten die gerade in Form von zwanzig Kurzgeschichten im Sammelband R I P Best Of 1985 2004 bei der Edition Moderne erschienen sind Zeit und Ort sind unbestimmbarer die klassischen Sets des film noir sind es derer sich Ott bedient sakrale Elemente anonyme Städte einsame Motels und dunkle Hinterhöfe Die längsten Geschichte The Millionairs lässt all dies geballt aufeinandertreffen Ein Koffer voller Geld ist der Protagonist Zunächst von zwei Männern in einem verunfallten Wagen gefunden in dem sie den schwerverletzten Fahrer am Graben zurücklassen wird er zum Auslöser zwischenmenschlicher Grausamkeiten Er wandert durch unzählige Hände und fordert immer mehr Tote da der Wahn nach Reichtum jeglichen Ethos erstickt Freundschaften und Liebesbeziehungen brechen auseinander durch ihn er säht Zwietracht und treibt zum Äußersten Die Ironie will es nicht anders dass der Koffer am Ende wieder dort angelangt wo er seinen Ausgangspunkt genommen hat am Straßenrand in einem zerstörten Wagen Keiner hat gewonnen alle sind zugrunde gegangen Grieslig unruhig und zerfurcht sind Otts Bilder Das physische Moment des Entstehungsprozesses scheint nahezu greifbar Doch es sind nicht die morbiden Geschichten alleine die Ott über die Jahre eine große internationale Fangemeinde eingebracht haben Es ist vor allem die Technik und der Stil durch den er seine Gedanken in Bilder fasst Otts Werkzeug sind Schabmesser nicht der Stift Kein Blatt sondern der Schabkarton Unzählige kleine Kerben schneidet und kratz er in die dünne Deckschicht der Kartons um zur weißen Schicht darunter vorzudringen Was sich thematisch in den Geschichten

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_08_ott.html (2016-02-14)
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