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  • Arbeit am Comic-Mythos: »Unterwegs mit Samuel« von Tommi Musturi
    der kryptischen Mytho Poetik der Bilder und Geschichten scheint immer wieder das finnische Nationalepos die Kalevala durch Bis heute reicht die Wirkungsgeschichte tief hinein in die finnische Kunst und Literatur Musturi ist wohl nur der erste der Elemente in Comics verarbeitet Eine Ähnlichkeit zwischen der Kalevala und dem Comic zeigt sich neben dem einleitenden Schöpfungsmythos und dem Topos des Reisenden in den jeweils grundlegenden Stilfiguren Die Erzähler des ursprünglich nur mündlich überlieferten Epos waren darauf angewiesen den Text eingänglich also leicht erinnerbar zu halten und bedienten sich daher wiederholender Rhetorik Der Comic eine zwar nicht zwingend erzählende Kunstform ist doch fast immer auf Figuren angewiesen und zwar in permanenter Wiederholung was durchaus als rhetorisches Ausdrucksmittel des Comic verstanden werden kann Dies schafft dem Comicmythos eine ganz eigenständige Poetik Besonders beeindruckend ist wie es Musturi gelingt sich gezielt als Schöpfer seinem Werk einzuschreiben Von Gott erbeten so eine Übersetzung des biblischen Namens Samuel ist der kleine Kerl und mit ihm kann der Zeichner machen was er will Da bohrt sich des Zeichners Finger in Samuels Kopf oder er wird mit dessen flacher Hand zerschmettert Doch sind es überhaupt Musturis Hände die wir auf den Seiten sehen Fraglich mag das sein dennoch wird hier eine Reflexionsebene eröffnet die allem Erzählen innewohnt der Erzähler ist für seine erzählte Welt gleichsam ein göttliches Wesen welches dort schalten und walten kann wie es ihm gefällt Wie es der Figur dabei ergeht ist die eigentliche Geschichte Den biblischen Traditionen seines Namens gleich wächst Samuel an seinen Leiden und wird letztlich zu einem nachdenklichen klugen und zutiefst menschlichen Wesen das geduldig der Kraft der Schöpfung vertraut Das alles spricht aus den Bildern für sich selbst Text ist bei Musturi nicht mehr von Nöten Anders als etwa bei Donald Duck hat die Figur jedoch kein sonderlich großes Mimik

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_05_musturi.html (2016-02-14)
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  • Aktuelles aus dem Hause Zwerchfell: »Zuckerfisch« & »kleiner vogel rot«
    Projekt dort nicht so recht seither hat Fearn bei Zwerchfell eine vertrauensvolle Heimat gefunden Und eigentlich hätte sie für Zuckerfisch mal den Comic Strip Preis der Max und Moritz Jury verdient Veronika Mischitz und Christopher Bünte kleiner vogel rot Zwerchfell 2009 88 Seiten 14 EURO Zwerchfell amazon Was wäre wenn so heißt nicht nur eine früher mal ziemlich gute Comicserie bei Marvel Comics sondern in diesen drei Wörtern offenbart sich auch immer wieder der zutiefst menschliche Selbstzweifel das kritisch sich selbst gegenüber sein Längst haben solche Überlegungen im Zuge der possible worlds theory Einzug in die Wissenschaften gefunden und die Frage Was wäre wenn es wirklich Zeitmaschinen gäbe ist nun nicht mehr nur Nerds vorbehalten Aber gemeint ist damit auch der immer leicht revoluzerhafte Ruf nach Veränderung Was wäre wenn wird somit zum Aufruf zum Weckruf wenn man so will für die lethargischen Massen So auch für die junge Mari die in einem namentlich nicht näher genannten grauen Land lebt auch wenn hier das Grau sehr nach Ostblock ausschaut Ein Was wäre wenn Graffiti löst bei ihr den erhofften Relfexionsprozess aus Sie erinnert sich besonders an den Großvater der nun verschwunden ist und an dessen folkloristischen Lebensweisheiten Als dann der Onkel ihres Freundes verschwindet sucht sie im Schreiben ein Ventil über einen ehemaligen Freund findet sie eine illegale Druckerei Es folgt der Gang in den Untergrund die Ablösung vom Umfeld bald dann auch schon die Festnahme Christoph Bönte lässt in seinem Szenario sofort erkennen dass Einmischen immer auch gefährlich ist Die Handlung von kleiner vogel rot beginnt mit dem Erinnerungsprozess Maris in einer Gefängniszelle sie endet mit ihrer Hinrichtung Doch so fatalistisch dies Geschehen auch anmuten mag umso poetisch naiver gelingt gerade auch die graphische Gestaltung durch Veronika Mischitz Zwar kann man gerade bei diesem Thema bei einem schwarz weiß

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_05_zwerchfell.html (2016-02-14)
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  • Hisashi Sakaguchi: Ikkyu
    Besprechung zu Kirihito durch Christopher Pramstaller und man muss den Verlagen dankbar sein dass sich endlich dem umfangreichen Werk des Manga Ahnherren angenommen wird Es fällt jedoch auf dass gerade Tezuka und Taniguchi jeweils auf der Welle der Graphic Novelisation mitschwimmen und davon profitieren Daher erscheinen diese Titel auch im Format etwas vergrößert und teilweise auf eine westliche Lesart gespiegelt Das sie dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten ist wünschenswert dass aber direkt alle anderen Mangas im herkömmlichen Taschenbuchformat kaum wahrgenommen werden ist hingegen ein Trauerspiel Ikkyu von Hisashi Sakaguchi wäre zu wünschen dass es großen Erfolg hat Die vierbändige und seit kurzem komplett auf Deutsch vorliegende Serie ist ein Meisterwerk des biographisch historischen Erzählens Die verbürgte Figur des Ikkyū S jun war ein japanischer Zen Meister im 15 Jahrhundert Er gilt als einer der größten Dichter seiner Zeit und wird besonders wegen seiner rebellischen Haltung gegenüber dem etablierten System des Buddhismus mit seinen unterschiedlichen Tempelrängen Riten und Bräuchen verehrt Besonders in seiner Lyrik offenbart er sich als großer Mystiker der die Erleuchtung im Alltagsleben in der Natur oder in Bordellen auf der Spur ist In neuerer Zeit erstmals populär wurde die Figur 1975 durch die fast 300 Folgen umfassende Serie Ikkyū san eine der beliebtesten Anime Serien aller Zeiten Verantwortlich für die Idee zeichnet ebenfalls Hisashi Sakaguchi der zu Beginn seiner Karriere im Animationsstudio von Osamu Tezuka arbeitete womit sich ein Kreis dieser Rezension schonmal schließt War diese ihrem äußeren Erscheinungsbild nach sehr dem Stil ihrer Zeit geschuldet kindlich naiv so verfolgte Hisashi Sakaguchi zwanzig Jahre später einen sehr viel realistischeren Anspruch Akribisch ist das Wissen über das mittelalterliche Tempelsystem Japans in die Handlung eingearbeitet wenn der junge Ikkyu seine Laufbahn als Mönch beschreitet Fällt so in den ersten Bänden ein kritisches Licht auf das teils verlogene und dekadente dortige Leben

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  • Comics. Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums
    Eindrucks einer hochgradig beklommenen Sublimierung für die Beschäftigungsfreude mit einem vermeintlich niedrigwertigen Kulturphänomen der Moderne nehmen konnten setzt man mittlerweile die Dringlichkeit der kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Comic als bekannt voraus Schließlich ist er da Das Anknüpfen an die Tradition der cultural studies vermerken die Herausgeber entsprechend im Vorwort Und bieten anschließend in Form von insgesamt 12 Aufsätzen ausreichend methodischen Raum für genealogische formalästhetische sozialgeschichtliche und einzelanalytische Erörterungen Ein Vergleich zum ebenfalls im letzten Jahr veröffentlichten Sammelband der Edition Text Kritik drängt sich allenfalls der Form wegen auf Dort standen die Inhalte in einigen Fällen etwas unvermittelt nebeneinander Dem vorliegenden Buch hingegen ging 2008 eine Ringvorlesung an der Universität Göttingen voraus was eine stärkere Bezugnahme der einzelnen Beiträge zur Folge hat Stephan Packards Frage Was ist ein Cartoon erklärt zugleich mit psychosemiotischen Instrumentarien implizit den interdisziplinären Zugriff Ein Medium das mit Bild und Wort arbeitet ist vielleicht gewinnbringender als zeichensystemische Erscheinung zu dekodieren anstatt voreilig der Literatur oder Kunstwissenschaft zugewiesen zu werden Auf welchen erzählerischen Prinzipien diese Wort Bild Verknüpfung fußt versuchen anschließend Stephanie Hoppeler Lukas Etter und Gabriele Rippl mithilfe einer intermedialen Narratologie anhand von Neil Gaimans Sandman zu erläutern Dahinter steht natürlich auch immer die stets faszinierende Frage woraus der Comic seine Attraktivität als leicht verständlicher Bedeutungsträger speisen konnte und speist Das gilt für serielle Ästhetik der amerikanischen Zeitungscomics ebenso wie für die narrative Struktur der Superheldencomics denen sich Frank Kelleter und Daniel Stein bzw Stephan Ditschke und Anjin Anhut widmen Dass die Problematik der Frage wie der Symbiose von Text und Bild adäquat zu begegnen sei nicht ausnahmslos eine akademische ist zeigen sehr schön auch Beiträge von denen man es im ersten Augenblick vielleicht nicht vermuten würde In Stephan Ditschkes Untersuchung zur Etablierung des Comic im deutschsprachigen Feuilleton der überregionalen Tagespresse wird beispielsweise deutlich dass dessen Literarisierung

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_04_comics.html (2016-02-14)
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  • Mark Millar und Steve McNiven: Old Man Logan
    Geschichte seit langem an und fährt eine ganze Batterie von Vergleichen fast ausnahmslos aus dem Filmbereich an Gleich vorweg das erstere scheint mir reichlich hochgegriffen das andere wird wohl stimmen Intertextualität nennt man so was ja heute Allerdings dürfte Old Man Logan wohl nur für Fans der Figur und des Genres echtes Popcorn Kino sein auch wenn Millar ein paar wirklich nette Ideen einbringt Wir sind also 50 Jahre in der Zukunft und irgendwas scheint passiert zu sein denn es gibt anscheinend keine Superhelden mehr und die Welt das heißt in Marvel Comics immer die USA wird werden von Superschurken regiert Und wie es dazu gekommen ist ist das eigentlich witzigste an der ganzen Sache Denn jeder Comicleser wird sich irgendwann gefragt haben warum die Bösewichte nie darauf kommen sich allesamt zusammenzuschließen und die Guten endlich quitt zu werden Denn auch das wird einem schnell klar es gibt einfach mehr böse als gute Figuren was letztlich nur logisch ist da ja alle paar Monate die Helden auf neue Gegner treffen müssen auch wenn jeder natürlich seine Erzrivalen hat In dieser Geschichte haben sie das nun endlich getan und jede Menge Nerds werden es Millar danken Und eigentlich konnten so einen Plan auch nur zwei Schurken aushecken ich hätte auf Dr Doom getippt aber eigentlich hätte klar sein müssen dass es natürlich ein Nazi sein muss genauso natürlich wie der Verlag wieder harte Selbstzensur an den Tag gelegt hat und alle Swastika durch kreative andere Symbole ausgetauscht hat Red Skull malträtiert als Marvel Obernazi normalerweise ja Captain America den er hier in einem mittelmäßig pathetischen Kampf in den Trümmern des Capitols tötet diesmal darf er gleich flächendeckend unterdrücken Natürlich sind aber nicht alle Helden verschwunden der Rächer Hawkeye etwa war es einfach nicht wert umgebracht zu werden und manche haben das

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_04_snikt.html (2016-02-14)
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  • Die Wende – Drei Comics zum Jubiläum
    tatsächliche Ereignis geht dessen Jubiläum gefeiert wurde 40 Jahre Teilung geben schließlich genug andere Erzählungen her um spannende Comics zu zeichnen Was alle drei Comics nämlich vereint ist dass sie sich gerade nicht den Ereignissen von 1989 widmen sondern sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit Lebensentwürfen und Erfahrungen in der DDR auseinandersetzen Der eindeutig überzeugendste der drei Titel ist drüben von Simon Schwartz Als Diplomarbeit an der HAW in Hamburg entstanden setzt er sich darin in sehr persönlicher Art mit der Geschichte seiner Eltern in der DDR auseinander Zunächst träumen diese noch von einer Karriere im SED Staat wollen an die Hochschule gehen und mithelfen die sozialistische Idee zu stärken Bald jedoch merken sie dass Überwachung und Bespitzelung ihre eigene Freiheit zunehmend einschränken Unglücklich über ihre Situation stellen sie schließlich einen Ausreiseantrag der 1984 bewilligt wird Mit starken und plakativen Bildern erzählt Simon Schwartz die Geschichte seiner Eltern und damit auch seiner eigenen Wurzeln Immer wieder spielt er mit den Zeitebenen und lässt so eine vielschichtige und äußerst persönliche Erzählung entstehen spannend aufgebaut und flüssig zu lesen Ganz anders hingegen zeigt sich Da war mal was Erinnerungen an hier und drüben von Flix der mit seinen mehr oder weniger autobiographischen Comics unter anderem held und sag was schon vor geraumer Zeit große Publikumserfolge feiern konnte In Da war mal was versammeln sich Comicstrips die bis zum Sommer im Berliner Tagesspiegel erschienen sind Kurz knapp und mit Witz auf die Pointe hingearbeitet lautet das Grundschema So lässt er Freunde Bekannte und Fremde von ihren ganz persönlichen Erinnerungen in und mit der DDR erzählen Flix verarbeitet diese zu dreiseitigen Strips die zwar meist ein Schmunzeln auf die Lippen bringen mehr aber leider auch nicht Man könnte fast den Eindruck gewinnen Zeitungsstrips seien nur auf tumbe Unterhaltung angelegt Die Strips sind schlicht zu kurz um wirklich in die Tiefe gehen zu können doch das scheint auch gar nicht das eigentliche Anliegen von Flix gewesen zu sein Handwerklich ist bei Flix wie immer alles richtig Doch in den engen formalen Grenzen konnte er anscheinend nicht mehr ausrichten als im Endprodukt nun nachzulesen ist Beim Publikum kommt seine Stripsammlung jedoch ganz ohne Frage sehr gut an Nach nur ein paar Monaten musste mittlerweile schon die zweite Auflage gedruckt werden und bescherte Flix seinen bisher größten Verkaufserfolg mittlerweile gibt es den Comic auch auf polnisch history sells Claire Lenkovas Grenzgebiete Eine Kindheit zwischen Ost und West macht schon durch die Ankündigung des Genres klar dass es hier nicht darum geht formale und stilitische Experimente einzugehen handelt es sich dabei nämlich um einen Sachcomic Auch sie verarbeitet wie Simon Schwartz eigene Erinnerungen und die ihrer Familie in der DDR kurz nach dem Mauerfall zog sie mit ihren Eltern von Thüringen nach Bayern doch entsteht durch den didaktischen Ansatz verschiedene Facetten des Alltags in der DDR anhand zwei bis vierseitiger Kurzepisoden darzustellen eine sehr brüchige Geschichte Was gar noch etwas störender ins Auge fällt als die erzählerischen Defizite sind die lexikalischen Erklärungen die sich passend zu den Geschichten

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_03_wende.html (2016-02-14)
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  • Lina Walde – The great Love’n Romantic Swindle
    2007 in Kassel gegründete Rotopol Verlag beispielsweise der von ehemaligen Absolventen der dortigen Kunsthochschule ins Leben gerufen wurde ist ein gutes Indiz für die Bemühungen einiger Comicschaffender jenseits der konventionellen Veröffentlichungspolitiken trotz ungewohnter Formate und kleiner Auflagen ein Forum für das Sperrige zu präsentieren Vieles davon ist mit einer Abkehr von narrativen Formen verbunden und integriert stattdessen angrenzende Bereiche wie Design und Illustration Das kann sich indes dann als problematisch erweisen wenn das Design zum puren Fetisch gerinnt das Aufbrechen der Form zur verspielten Präsentation dessen wird was eben noch so möglich und bislang unerprobt geblieben ist Dann lautet das Ziel schlicht und ergreifend kontemplative Überwältigung und warum ausgerechnet die frenetischen Jubel benötigt kann wohl nur ein zutiefst bürgerliches Herz beantworten das bei der Rezeption erregt schlägt während es die mit identischen Standards hantierende Superheldenstory verächtlich rügt Wollte man diese Dichotomie einen Augenblick aufrecht erhalten dann wäre das selbstverlegte Debüt von Lina Walde die ebenfalls als Illustratorin die Kunsthochschule Kassel besucht so etwas wie der narrative Backlash an dem sich wunderbar ablesen lässt inwiefern die Verbindung von Unterhaltung und formaler Ambition Bedeutung transportiert ohne zuvor als habituelle Ausweisung der Exklusivität das obligatorische Päckchen der Kunstbeflissenheit schnüren zu müssen Optisch ist das Werk ganz klar ein Kind der D I Y Kultur Hinter dem sehr schönen Siebdruckcover verbirgt sich ein schwarzweißer im besten Sinne dreckiger und rauer Strich der seine skizzierten Ursprünge nicht leugnet sondern förmlich ausstellt Vielleicht liegt es am Inhalt dass er an den Mythos der Perfektion denken lässt denn der Plot erzählt gleich von zweierlei Mythen dem der Liebe und dank des Vermerks des Autobiographischen auch von jenem der Authentizität Die Geschichte beginnt wie gesagt dort wo nichts mehr zu retten ist Gedankenverloren erklimmt die Hauptfigur die verwinkelte Treppe zu ihrer Wohnung wo sie ihrem Freund unterbreitet dass sie endlich ausziehen wird Der will sein Unglück nicht verstehen und so wandelt sich die anfängliche Irritation in pure Abscheu Es wird ein lauter Abschied Zum Schluss schreit er ihr auf den Treppen die nun eine expressionistisch bedrohliche Architektur angenommen haben hilflos Und das war mein Opera Poster hinterher Ein schönes Beispiel für den mentalen Ausnahmezustand den unglückliche Liebe eigentlich bedeutet Plötzlich werden banale Alltagsgegenstände mit einer peinigenden Historie ausgestattet und der Zwang zu kränken kanalisiert das Wissen darum dass ohne ihn nur noch Gleichgültigkeit den Gefühlshaushalt dominieren wird Für den Verlassenen gerät jede Handlung seines einstigen Partners zur narzisstisch codierten Chiffre und so werden wir ausgiebig Zeugen davon wie diese Prozedur abläuft Die Hauptfigur flieht zu den Eltern und Freunden derweil sie ihre Aufgaben für die Uni zu bewältigen versucht Die Perspektive des Freundes kommt nicht vor trotzdem bleibt er konstant in Gestalt unbeholfener wie dramatischer Telefonanrufe die in der Regel zwar mit Ignoranz abgekapselt werden aber natürlich dennoch Spuren hinterlassen präsent Das Umfeld reagiert mit Küchentischweisheiten auf die Situation die individuelle Spezifik der Tragik bleibt unvermittelt Erträglich wird das Ganze nur durch Momente von Situationskomik aber auch die täuscht nicht über das Geflecht aus Abhängigkeit und Fluchtversuchen hinweg

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  • 100.000 Supermenschen und die Stadt
    Gerade auch der urbane Raum in den Superheldencomics ist derzeit in einem spannenden Stadium Die beiden amerikanischen Großverlage DC und Marvel loten derzeit in ihren Heften die Auseinandersetzung mit dem Fremden als urbane Irritation aus Bei Marvel ist es die Götterstadt Asgard die Thor im Post Ragnarök Zustand mitten im Nirgendwo von Oklahoma erneut erschaffen hat Dort schwebt sie nun knapp über der Erdoberfläche und versinnbildlicht so den unüberwindbaren Unterschied zwischen ihren göttlichen Bewohnern und der irdischen Restbevölkerung Die Angst einer Überfremdung durch zuwandernde Volksgruppen und die vermeintliche Bedrohung des eigenen Lebensraumes durch dieselbige wird hier mittlerweile soweit durchgespielt dass sich Asgard gleich einem Szenario von Hal Fosters Prinz Eisenherz in einem Belagerungszustand befindet Doch egal wie die Story ausgehen wird das zugrunde liegende Misstrauen ist zu groß und wird sich als unüberwindbar erweisen Denn und das sieht man in der gerade auf Deutsch erschienen Superman Geschichte New Krypton ganz wunderbar die Angst vor potenten Migranten sitzt tief Das dies im Fall von 100 000 latent faschistoiden Kryptoniern die alle nach und nach ähnliche Kräfte wie der Mann aus Stahl entwickeln auch begründet zu sein scheint darf man wohl getrost als der amerikanischen Xenophobie geschuldet betrachten Doch der Reihe nach Bevor Supermans Heimat Krypton unterging gelang es dem intergalaktischen Bösewicht Brainiac die Hauptstadt Kandor der Oberfläche zu entreißen Er verkleinerte sie und steckte sie in eine Flasche soviel zum historischen Nerdwissen In seiner letzten Auseinandersetzung mit Brainic gelang es Superman nun endlich Kandor wiederherzustellen und die Stadt am Nordpol anzusiedeln Dies ist für Autor Geoff Johns der Ausgangspunkt für den aktuellen Abschnitt in Supermans Leben Ohne sich hier nun in nerdige Details zu verlieren ist das spannende an der Geschichte zu sehen wie auch im Comic die Reflexmechanismen funktionieren Während die amerikanische Regierung offiziell um freundschaftliche Beziehungen bemüht ist die

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