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  • Baru: Elende Helden | Nicolas de Crécy: Prosopopus
    persönlichen Ebene abspielt die Ohnmacht gegenüber den Machthabern zeigt sich auf der Ebene des verschwundenen Jungen als Ohnmacht gegenüber der Natur und dem Weltenlauf Das Kind kann nur verlieren Das alles zeichnet Baru in seinem bewährten rauen streckenweise dreckig kantig anmutendem Strich nur um es direkt mit seinen weichen Pastellfarben wieder zu brechen Wenn am Ende alles in Flammen aufgeht dann erscheint dieser Ausweg reichlich pathetisch Doch das satte Rot des Bluts und das warme Schimmern der Explosionen sind zumindest auf den Comicseiten eine zufriedenstellende Purifikation Was Barus Figurenzeichnungen so besonders macht ist seine Fähigkeit das menschliche Seelenleben in den Gesichtern darzustellen Ohne Gedankenblasen oder Blockkommentar gelingt es ihm dass Gefühlsleben bildhaft zu fassen Das Elend des jungen Mannes der so gerne die Schuld der Anstaltsleiterin gesühnt wüsste die Angst der jungen Frau weil sie nun den Kopf hinhalten muss Baru offenbart sie uns aber wahrt ihre Würde indem er uns nicht verrät was tatsächlich in ihnen vorgeht Mitunter sieht man sich dabei einer sehr düsteren Welt gegenüber Eine ähnliche Welt und ein ähnliches Vorgehen findet der Leser in Nicolas de Crécys Prosopopus Vollkommen ohne Worte früher nannte man solche Comics fälschlicherweise Pantomimenstrips entwirft der Zeichner einen visuellen polar de force Ein Mord ist geschehen und da keine der Figuren spricht und sich auch kein Erzähler zu Wort meldet nutzt de Crécy ein klassisches Mittel der Rhetorik die Prosopopoeie Dem Tod des Mannes ob schuldig oder unschuldig zu Tode gekommen verleiht der Zeichner somit ein Gesicht und seiner Geschichte eine erste Überraschung Denn die personalisierte Anklage sieht aus wie eine Figur aus einem Sonntagmorgen Cartoon Geschickt ist die Wahl eines solch klassischen Stilmittels denn ansonsten wäre es wohl schwer geworden den Schuld und Sühne Komplex der Geschichte zu entzwirbeln So hat man in dem gelben dickbäuchigen zigarrepaffenden Wesen wenigstens einen

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_03_abgrund.html (2016-02-14)
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  • Robert Venditti & Brett Weldele – The Surrogates
    Straße zu betreten der Sex wird mittels der Maschinen absolviert sie sind schöner altern nicht und haben keine Krankheiten man liegt daheim und verfettet die wenigen Polizisten wären zu einem echten Einsatz ohne ihr Duplikat kaum mehr fähig Aber Das Leben ist gefahrlos solange für eine medialisierte Interaktion gesorgt ist Trotzdem hat sich der Klassenantagonismus nicht aufgelöst Er wird stattdessen medial fortgesetzt Denn die Surrogaten existieren in unterschiedlichen Größen Fähigkeiten und Schönheitsvarianten die sich selbstverständlich am Preis bemessen Wer arm ist bleibt es auch und wird seiner Einsamkeit einzig durch Verschuldung entgehen können Dies wäre der ideale Nährboden für das Spiel mit der Neujustierung von Identitäts und Realitätskonzepten wie es beispielsweise David Cronenberg in eXistenZ durchexerziert Denn deren Auslöschung scheint zumindest stilistisch bereits eingetreten zu sein ohne ihre schmutzigen skizzierten Umrisse würden die Figuren mit ihrer Umgebung bis zur Unkenntlichkeit verschmelzen Die Farben dominieren die Sequenzen in einem gleichhaltenden Ton sodass die Transparenz der Akteure buchstäblich zur Ankündigung ihres vergeblichen Kampfes um ihre identitäre Selbstbehauptung oder zum Zeichen ihrer Kapitulation wird Und dann kommt der Konflikt Und mit ihm der Noir Thriller Anteil der das Gerüst zum Nachteil oszillieren lässt Der personifiziert sich in Harvey Greer der aufgrund seines neusten Falls in den Widerstreit mit seiner Funktion als Repräsentant der Ordnung und den idealistischen Motivationen des unbekannten Täters gerät Denn Surrogate werden zerstört offensichtlich mit dem Ziel dieses Leben zweiter Ordnung wieder rückgängig zu machen Für Harvey führt dieser Konflikt schließlich dazu die Operation nach einer für seinen Surrogaten tödlichen ersten Begegnung mit dem Technoterroristen trotz körperlicher Gebrechen fürderhin ganz real life fortzusetzen Die Ermittlung oder vielmehr die Kongruenz der Absichten führt zu der Binnenstruktur einer religiös militanten Sekte die unter der Führung des asketisch auftretenden Propheten Zaire Powell III einem dem Täter vergleichbaren Credo gehorcht Aber so simpel ist

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  • Esoterisches Flaschendrehen: Neil Gaiman, Dave McKean – Black Orchid
    ökonomische Fallhöhe war also ziemlich gering und tatsächlich ist an diesem Frühwerk höchstens auffällig dass Gaiman seinen Hang zu esoterischen Minimalweisheiten später in den Welten des märchenhaften Sandman Kosmos besser verstecken lernen sollte Dass McKean hingegen seinen visuellen Eklektizismus auch dem Plot unterordnen kann ist auch an Cages überprüfbar Sicher ist Die 1980er waren das einzige Jahrzehnt in dem die Superhelden am radikalsten ihre reaktionäre Kehrseite offenbarten und wäre dieser Strang der Kritik ernsthaft weiter verfolgt worden hätte er früher oder später nur in ihrer Auflösung münden können dann sprächen wir an dieser Stelle posthum von einem Kuriosum der Kulturindustrie The Dark Knight Returns und Watchmen waren Meilensteine und im Vorwort versucht Mikal Gilmore recht großspurig Black Orchid in deren Tradition einzureihen Von dem Umstand abgesehen dass die Titelheldin zu Beginn ermordet wird und sich nach ihrer Wiedergeburt mühsam ihre Biographie und Identität zusammen puzzeln muss ist das schlicht Unfug Das Duo nutzt das Setting sehr straight für eine Revitalisierung des Pathos im Genre und mehr gibt die Erzählung auch nicht her Dazu dient als konsequent angewandtes Mittel die Dichotomisierung von Mensch und Natur Wie ihr Leben so sind auch die Menschen und ihre Umgebung ausnahmslos grau einzig unkontrollierbare Naturerscheinungen Blut Feuer Pflanzen erstrahlen im Aquarell und Tuschespiel in charakteristischen und ausdrucksstarken Farben Dann dehnen sich die Panels zur herzergreifenden Kontemplation Enfremdet korrupt und machtgierig bewegt sich der Mensch durch eine zur Utopie geronnenen Romantik der Unschuld und Barmherzigkeit Da blicken scheue Äffchenkulleraugen zum Betrachter wenn die Identitätssuche bis in die Tiefen des Urwalds führt wo sich der Trupp krimineller Jäger als ignorante Kolonialmacht beweist Die Ermordung eines gutmütigen Dschungelbewohners fehlt selbstredend nicht Reinheit ist das Signum der Natur Zivilisation kann lediglich mit Barbarei kontern Der Weg zur Ökoparabel ist dazwischen überschaubar gespickt mit diversen Recken des DC Inventars der

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  • Die Romantik der Szene: Jeff Jordan – Gesamtausgabe
    Meist findet sich ein kurzes Vorwort in welchem aufgelistet wird wann der Autor bzw Zeichner was und wo veröffentlicht hat Eine biographische oder werkanalytische Zusammenschau findet nicht statt Ein wahrer Lichtblick in diesem Bereich ist daher die Gesamtausgabe von Maurice Tillieux Jeff Jordan eine klassischen Detektivgeschichte der späten 1950er frühen 1960er Jahre In einem lesens und sehenswerten knapp 30seitigen Vorwort zeichnet der Comic Journalist und Szenarist José Louis Bocquet das Leben und die Entwicklung des Comiczeichners Tillieux nach und führt die biographischen Notizen gekonnt mit dessen Werken eng Beeindruckend ist dabei nicht nur das Wissen Bocquets um Tillieux sondern auch der Umstand dass er Zugang zu den Archiven des 1978 gestorbenen Zeichners erhielt So ist das Vorwort mit einer Vielzahl an Skizzen Aquarellen Frühwerken Fotos und allerlei Werbezeichnungen gespickt Das dieses jedoch nicht zu einem überbordenden Layout führt wie das leider sehr häufig der Fall ist entspricht auch der ansonsten geglückten Aufmachung des Buches mit festem Einband und in bestechender Qualität gedruckt auf nostalgisch anmutendem Kunstdruckpapier Jeff Jordan war Tillieux erfolgreichste Figur Entstanden war sie in der vorliegenden Form jedoch durch einen Wechsel seiner Arbeitsstätte 1956 begann er die Arbeit für das Spirou Magazin nachdem er zuvor knapp zehn Jahre für Heroïc Albums die Serie Félix in Szene gesetzt hat Figureninventar und Setting waren bei Spirou gleich bzw doch sehr ähnlich und nach dem Wechsel wurde aus Félix Gil Jourdan so der französische Name des jungen Detektivs Mit seinem teilweise karikaturesken semirealistischen Strich war Tillieux zusammen mit André Franquin der wichtigste Vertreter der École Marcinelle im Nachkriegs Frankreich Wie auch bei Franquins Spirou und Fantasio so sind auch die Dialoge zwischen Jeff Jordan und seinen Nebenfiguren namentlich der kauzige Inspektor Stissel sowie der ehemalige Einbrecher Teddy geprägt von Humor und slapstick haften Momenten Im Unterschied zu Spirou ist Jeff Jordan

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_03_jordan.html (2016-02-14)
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  • Peter Newells Bildwelten
    unkonventionellen Schritt der Umgestaltung damit dass Newell zwar ein talentierter Illustrator war aber seine Comics eher nicht funktionieren Dass scheint recht widersprüchlich und wenig befriedigend denn so viel ist nach der Lektüre von Pollys Traumabenteuern sicher Peter Newell war tatsächlich ein herausragender Zeichner seiner Zeit dessen Arbeiten bis heute nachwirken Auch wenn sie teils vergessen sein mögen Grund genug sich Peter Newells Arbeiten einmal genauer zu betrachten Bereits seit den 1880er Jahren veröffentlichte Newell regelmäßig Illustrationen und kürzere Comicstrips in Wochen und Monatszeitschriften des Verlagshauses Harper Machte er sich mit diesen Arbeiten bereits einen Namen als herausragender humoristischer Zeichner so befestigte er seinen Status 1901 mit dem Erscheinen einer Alice Edition mit komplett neuen Illustrationen Kurz nach Abschluss dieser Ausgabe muss die Entstehungszeit des Comicstrips The Naps of Polly Sleepyhead liegen und man kann nur vermuten wie der arrivierte Zeichner Newell versuchte an den beinahe sofortigen Erfolg solcher Serien wie The Yellow Kid und Little Nemo in Slumberland anzuschließen Betrachtet man eine der Originalseiten so erkennt man die klassische Struktur eines One Pagers eines einseitigen in sich geschlossenen Comicstrips Dabei ist die Handlung immer die gleiche Polly schläft bei einer beliebigen Tätigkeit ein und wird von den Gerätschaften ihrer Tätigkeit in der Traumwelt übertölpelt Die Parallelen zu Lewis Carroll s Alice sind offensichtlich die Pointen die oft genug schlichten Erklärungen gleichen ähneln sich nach einer gewissen Zeit jedoch sehr Das der Witz dabei stets aus der Unzulänglichkeit des immermüden Mädchens erwächst ist dabei sogar eher unterhaltsam und die didaktische Note der Zeit geschuldet Da Newell sich aber streng an das einmal gewählte drei Mal drei Panel Format hält erwächst aus dem Seitenlayout keinerlei zusätzliche Spannung Ist ein festes Panel Layout bei heutigen Comiczeichnern vielfach üblich experimentierte doch gerade Winsor McCay auf dieser Ebene und ist hierin bis heute ungeschlagen Newell kann dem nicht folgen und so ist tatsächlich interessant zu sehen wie die einzelnen Zeichnungen ihre Wirkung entfalten Gleich einem sehr dicken Daumenkino kann man durch die Geschichtchen blättern Und wie bei einem Stummfilm werden die Texttafeln dazwischen geblendet Doch nach 50 Folgen für die Sonntagsbeilage des New York Herald war bereits wieder Schluss mit Polly Über die Ursachen mag man spekulieren jedoch sollten ihm seine folgenden Projekte mit ihrem Erfolg für diese Entscheidung Recht geben Bereits 1893 versuchte Newell sich äußerst erfolgreich an einem Bilderbuch und schuf mit Topsys and Turveys ein Wendebuch welches in den USA zu einem Klassiker wurde Was von französischen Comicavantgardisten der Oubapo ab den frühen 1990er Jahren teilweise versucht wurde Geschichten richtig herum und auf dem Kopf lesbar zu gestalten hat Newell hier bereits umgesetzt Nach den Illustrationen für die Lewis Carroll Bücher und den Polly Comicstrip schien er sich auf das Gestalten von Bilderbüchern und das Ausloten der Buchform zurückzubesinnen und schuf in der Folge drei zeitlose Bilderbücher für deren besondere Formate er sogar Patente anmeldete The Hole Book erschien 1908 Ein Loch zieht sich durch die Umschlagblätter und alle Seiten und verfolgt und visualisiert somit den Weg einer Pistolenkugel Zwei Jahre später

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_02_newell.html (2016-02-14)
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  • Comics am Stück 13: Orang #8: Neverending Stories
    ORANG ein steter Wechsel zwischen realem und phantastischem Erzählen Reich ist der Ideenkosmos aus dem die Beiträger sich dafür bedienen und bietet so ein buntes Potpourri des Erzählens von Geschichten Das erste Mal seit Nummer 5 2005 findet man wieder eine Geschichte von Line Hoven In gewohnt feiner Schabtechnik gestaltet ist Forever Yours eine doppelte Liebesgeschichte die in ihrer jeweiligen Aussichtslosigkeit im Möbiusband auf der Bildebene eine symbolische Entsprechung findet Eine junge Frau liebt einen Mann von dem sie nur die tätowierten Unterarme kennt Um diesem wenigstens teilweise nah sein zu können beschließt sie sich ebenso wie er die Endlosschleife tätowieren zu lassen Das es sich bei der Tätowiererin die sie aufsucht um die Mutter des ersehnten Mannes handelt offenbart sich dabei nur dem Betrachter Die angedeutete ödipale Beziehung von Mutter und Sohn stellt die zweite Liebesgeschichte dar Und eine dritte und vielleicht eine vierte deutet Line Hoven dann sogar noch am Ende an Eine ganze Spur phantastischer sind dagegen großteils die Comics der asiatischen Beiträger So etwa die surrealen Traumabenteuer eines anthropomorphen Elefantenjungen in den Bildern des jungen Chinesen Yan Cong Die Zeichnungen bieten trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer klaren Linie und der streckenweise flächigen Darstellung der Figuren eine Verspieltheit die überrascht Dabei sind Träume Geschichten und sogar ein Computerspiel so stark erzählerisch miteinander verwoben dass schwer auszumachen ist wo diese endlose Geschichte ihren Anfang haben mag Einen klaren Kontrast hierzu bietet etwa Shintaro Kagos Rubik s Cube Der Japaner ist ein routinierter Mangazeichner dessen Stil an traditionelle Science Fiction Mangas erinnert So muss man bei seiner grotesken Interpretation des Zauberwürfels unwillkürlich an die Kurzgeschichten Katsuhiro Otomos AKIRA denken der sich ebenfalls immer wieder in die Abgründe der menschlichen Psyche vorwagte Die größte Neuentdeckung dieser Ausgabe im deutschsprachigen Raum dürfte unbestreitbar die Südkoreanerin Ancco sein Auch stellt ihr

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_02_cas-13.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Comic: Orang # 7: The End of the World
    Schweiz den USA und Hongkong Das Niveau der einzelnen Comics ist schon seit den ersten Ausgaben gleich bleibend hoch Das erschwert wirkliche Überraschungen natürlich Umso erfreulicher ist dass dies teilweise immer noch gelingt So etwa in dem Comic Nona von Marijpol Die Wucht und Dramatik welche die Geburt eines Kindes für ein gesamtes Umfeld haben kann versinnbildlicht sie hier auf wenigen Seiten Ihre flüchtigen und kräftigen Zeichnungen verschaffen dem Betrachter einen Einblick in eine seltsame im Entstehen befindliche Künstlerwelt mit ihren Figuren Man darf gespannt sein auf mehr Eine weitere Überraschung ist Das Ende meiner Welt von Hok Tak Yeung aus Hongkong Die schwarz weißen expressiven Aquarell Bilder stellen einen angenehmen Kontrast zu sonstiger Fernost Comicware dar Gleiches gilt für seine Geschichte die mit der Erzählung über den letzten Tag eines zum Tode Verurteilten fernab etablierter Manhua Wege steht Inhaltlich stellt Orang somit nach wie vor das Flagschiff der deutschsprachigen Comic Anthologien dar Nicht desto trotz seien Überlegungen angestellt redaktionell weiter zu gehen Neben knappsten biographischen Angaben zu den Beiträgern findet sich gerade einmal noch eine editorische Notiz am Ende des Bandes Wäre es nicht angebracht wenn man seine erarbeitete Position im deutschsprachigen Comicbetrieb ausbauen würde und etwa zusätzliche Informationen

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/08_09_cas-1.html (2016-02-14)
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  • satt.org: Comic: Kerascoët und Fabien Vehlmann: Jenseits | Winshluss: Pinocchio
    Gerätschaften aus dem gesunkenen Schiff bergen kann und den Überlebenden des Flugzeugsabsturzes bei Lost welche Teile der Maschine nutzen so nutzt auch Robinsonne Utensilien ihres gestrandeten Vehikels Nur dass es sich hierbei eben um ein Mädchen handelt Doch wie bereits angedeutet ist dieses zu Beginn der Handlung verstorben Kerascoët finden für ihre Bilder einen sehr expressionistisch naturalistischen Stil welcher eine starke Naturverbundenheit offenbart Weiche Wasserfarben geben dem Band einen jahreszeitlichen Rahmen beginnend mit satten Frühlingsfarben sommerlich grellem Leuchten herbstlichem Glühen und kaltem Winter Auf der direkten Bildebene zeigt sich dies wenn immer wieder in Anschnitten das tote Mädchen gezeigt wird und dabei der voranschreitende Verwesungsprozess zu erkennen ist Das sich hierbei beim Leser einstellende mulmige Gefühl wird durch ein Gewusel von Maden und später Fliegen noch erheblich verstärkt Spätestens an dieser Stelle wird klar dass der kinderliterarische Einfluss überschritten wurde Zu dem Grauen über das tote Mädchen gesellt sich noch die Ungewissheit über dessen Todesursache Immer wieder taucht ein Riese in der Szenerie auf eines der Wesen hat einen Fiebertraum von einem Mädchen welches der Leiche gleicht das im frühlingshaften Wald eingenickt ist Ob es einen Zusammenhang gibt erfährt der Leser nicht Vermutungen werden schnell obsolet denn immer mehr wird klar dass herkömmliche Moralvorstellungen von den Überlebenden sukzessive abgelegt werden So das mit fortschreitender Handlung der Einfluss eines der wichtigsten Romane des 20 Jahrhunderts durchscheint William Goldings Lord of the Flies Die kulturpessimistische Gesellschaftskritik liest sich als Gegenentwurf zur calvinistischen Sendungsgeschichte Coral Island in welcher die gestrandeten Jungen jegliche erstrebenswerten Tugenden der viktorianischen Epoche erlangen Nicht so bei Golding der vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg den Menschen aufgrund seines Handelns zum Scheitern verurteilt sieht Im Roman wird diese Auffassung durch Jacks Gruppe veranschaulicht deren atavistisches Treiben sämtliche Überlebenden beinahe in den Tod treibt In Jenseits ist es nun nicht mehr das kriegerische Handeln einer Männerclique sondern Auroras Heilsbegehren wird durch die narzisstische Stella unterwandert Dieser gelingt es mit ihren hohlen Phrasen die an das süßliche Geschwafel von Castingshows erinnern nach und nach alle Überlebenden auf ihre Seite zu ziehen das Stella dabei selber nur wie ein dummes Kind wirkt welcher den Heidi Klums dieser Welt nacheifern will wirft einen düsteren Blick auf die Mediengesellschaft Winshluss Pinocchio Aus dem Französischen von Kai Wilksen Lettering von Céline Merrien avant 2009 192 Seiten 29 95 Euro avant amazon Pinocchio Boy Was Jenseits für dieses Jahr zu wünschen ist gelang Winshluss Adaption von Carlo Collodis Pinocchio bereits im vergangenen Jahr es wurde als bestes Album in Angoulême ausgezeichnet Wie auch Jenseits ist Winshluss Comic keineswegs mehr kindertauglich dient der Stoff Vincent Paronnaud so Winshluss bürgerlicher Name doch viel eher einer visuellen Dekonstruktion der allgemein bekannten Bilder Pinocchios die sich in einem überbordenden apokalyptisch subversiven Bilderstrudel offenbart War Pinocchio ursprünglich als Fortsetzungsroman entstanden legte Collodi nach Abschluss bald eine Buchfassung vor In Italien avancierte der Roman umgehend zum Klassiker was natürlich eine Vielzahl Nachahmer nach sich zog Bei den Übersetzungen wurde oftmals eine Freiheit bis hin zur Nachdichtung an den Tag gelegt

    Original URL path: http://www.satt.org/comic/10_01_kinder.html (2016-02-14)
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