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  • Dietmar Dath, Kleine Polizei im Schnee. Erzählungen.
    außer Doros Körper sogar die wichtigste Erziehungsregel der Mutter verletzten nämlich dass draußen auf dem Spielplatz und in der Stadt niemand sehen sollte wie die Mutter mit ihrer Tochter verfuhr wenn es etwas zu erklären einzuschärfen oder abzustrafen gab Dath überzeugt hier mit einer unsentimentalen Sprache die einigen Autoren besonders in Krisengebieten deren Erzählen vielleicht eine ähnliche Konstellation aufweist indem es sich einer weiblichen Perspektive bedient abgeht Ein Beispiel Eine Georgierin schreibt aus der Sicht eines Mädchens das alles andere als abgebrüht wirkt einen Roman über den georgisch russischen Krieg im Jahr 2008 und räumt damit einen wichtigen Literaturpreis des Landes ab den SABA Preis für das beste literarische Debüt Warum aber ein Mädchen zur Hauptfigur machen um über ein so hoch emotionales Thema wie einen Krieg gegen eine Weltmacht zu schreiben Steckt hinter dieser Figurenwahl am Ende verbrämter Nationalismus Wie läse sich dieselbe Geschichte aus der Sicht eines vielleicht gar russischen Soldaten Dietmar Daths Kleine Polizei im Schnee hilft mir den Witz in all dem Schrecken der Zeit wiederzufinden Dath schrieb immer auch journalistisch was sich in den kleinen Erzählungen sehr schön niederschlägt sie verbinden das enzyklopädische Wissen eines Popgeschulten mit dem Blick für das alltägliche Detail Doro das Mädchen hat die entwaffnende Antwort auf jene Art von Literatur parat die den Alltag schildern möchte und ihn doch nur dummdreist verklärt Wie häufig wird das Leben als Kern und Inhalt von Literatur proklamiert und was kommt dabei heraus Memoiren einer verlebten Existenz oder teenagerfeuchte Erlebnisberichte Persönlich kann ich mich nur schlecht damit anfreunden Aber so sehen die Buchregale aus Unterhaltung ist gefragt die Weltgeschichte in verdaulichen Prosastücken zum Beispiel oder die neuesten wahnwitzigen Begebenheiten des Mobilfunks im Kontext des großstädtischen Beziehungsgeflechts Bleibt die Flucht in die Theory Fiction die zumindest dies Menscheln in der Literatur verhindern kann Plots die sich mit und um Theorie Wissenschaft Philosophie drehen und in denen die Grenze zwischen Fiktion und Fakt zuweilen bewusst verwischt wird Der Essay eignet sich hervorragend für diese Art Literatur eine Literatur die angesichts der Weltkatastrophen möglicherweise als einzige noch Interesse verdient die es wert ist dass man mit ihr die knapp bemessene Lebenszeit verbringt Natürlich gibt es auch positive Beispiele Anders ließe sich nicht erklären wieso Lebensnähe gern als Maßstab für außergewöhnlich gute Literatur ins Feld geführt wird Samuel Beckett beschrieb die Desillusion existenzielle Dürftigkeit Selbstbeschränkung Henry Miller das Schnorcheln im Hedonismus und Streunen in Feuchtgebieten Franz Kafka die Absurdität der modernen Welt die Tücken der Bürokratie und so weiter Es beruhigt in einer Rezension derartige Floskeln zu finden und sich einen Reim auf das vorgestellte Buch machen zu können Ich würde aber frech behaupten dass dies bei Dietmar Daths Literatur nicht interessiert Noch das schlimmste Klischee das die Leitlinie Leben zu konterkarieren scheint ist ja tatsächlich nichts weiter als eine Übertreibung und Überhöhung des Lebens umgekehrt kippt akkurate Beobachtung in Überzeichnung und Karikatur Was heißt das konkret auf Daths Erzählungen bezogen mit ihren durch die Bank ehrlichen Figuren Ich führe als Beispiel eine Art der zwischengeschlechtlichen Beziehung an

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/13_02_dath.html (2016-02-14)
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  • Marcus Roloff, im toten winkel des goldenen schnitts. Gedichte
    auf den ich über eine der zahlreichen von Axel Kutsch herausgegebenen Lyriksammlungen aufmerksam geworden bin im toten winkel des goldenen schnitts ist nach Herbstkläger Connewitzer Verlagsbuchhandlung 1997 und gedächtnisformate 2006 Roloffs drittes Gedichtbuch es ist wie der Vorgänger in der von Sascha Anderson und Bert Papenfuß herausgegebenen black paperhouse Reihe des Gutleut Verlags erschienen Beide fungierten schon bei Roloffs Debut als Herausgeber Äußerlich schlicht hat es eine klare in hellem Grauton gehaltene Umschlagtypografie und verzichtet auf jeglichen Firlefanz außergewöhnlich und ansprechend oder besser außergewöhnlich ansprechend ist sein vom DIN Format abweichender beidseitig bedruckter Plakatumschlag Er zeigt ein Aquarell von Trevor Gould sechs Köpfe die wie abgeschlagen in einem Meer aus Milch zu schwimmen scheinen und wartet innen mit einer großzügigen Bio Bibliografie des Autors und ausführlichen Informationen zu black paperhouse auf Die Schlichtheit der Aufmachung sorgt dafür dass nichts von den Gedichten ablenkt und tatsächlich ist Konzentration ebenso notwendig wie geboten denn Roloff macht es dem Leser nicht zu leicht Die Gedichte die auf fünf kurze Kapitel verteilt sind werfen sich niemandem an den Hals aber wie die eingangs erwähnten Zeitschriften und Anthologien ist auch im toten winkel des goldenen schnitts eine formidable Fundgrube Fundgrube für schön gewählte Titel steile Einstiege stimmungsvolle plastische Bilder für Passagen mit phonetischem Wohlklang für stimmige und gleichzeitig überraschende letzte Zeilen balcke heym überm winter die landschaft durch watte licht schrulle leer eisiger werder er wolle den raureif feiern wenn er sterbe seien die menschen tot wie stottern sei das nur dass nichts hängen bleibe denn da werfe man ja die silben in eine art doppelten boden die welt klappe nach hinten aber eigentlich stottere niemand das sei nur reminiszenz an die rememorierte gegend zwischen havel havel Es gibt viele schöne gelungene Szenen Schnitte Stills Ein einziger Kritikpunkt nur Roloff versieht viele seiner Gedichte mit

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/13_01_roloff.html (2016-02-14)
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  • EIN BUCH aus Fritz Widhalms Wiener Wohnzimmer
    der Gegenfrage der schönen Technik des Paragramms bedient und das Paragramm wird nirgends glaube ich so sehr geliebt wie im Sistiger Lyrikkabinett und im fröhlichen Wohnzimmer und natürlich in der Wiener Hauptgasse der Poesie in der Christel Fallenstein lebt und Friederike Mayröcker schreibt bisweilen auch umgekehrt Ja das federleichte Paragramm Ich tausche einen oder zwei Buchstaben aus und schon haben Max von der Grün und ich und du und fritz und Fritzi und ilse und frilse ein neues Wort ein ganz ganz anderes Wort denn zwischen schreiben und scheißen und heißen und reiben und reißen und beißen usw liegen ja jeweils Welten 9 Und nun diese radikale Unterbrechung Aus dem Treppenhaus erschallt Mrs Columbos Stimme sie habe Wasser aufgesetzt Wasser aufgesetzt Wasser kann nicht anbrennen und beim Gedanken an die mit sprudelnd heißem Eifelwasser gefüllte Riesentasse mit dem darin dahin wohin ziehenden schwarzen Tee aus Darjeeling läuft mir das Wasser im Munde zusammen was so appetitlich gar nicht ist wenn ich mir das bewußt mache Mein Gott hier kommt doch eine ganze Menge an vegetativen Reaktionen zusammen woran wir leicht erkennen wie gut es mir in diesen Minuten die hoffentlich Stunden werden obwohl Dieser Essay ist auf allerhöchstens drei Seiten angelegt da werden s wohl keine Stunden schade geht Während ich den Tee Schluck für Schluck und zwar sehr heiß genieße blicke ich in den sonnenbeschienenen Garten in dem die Bäume tropfen denn eben ist hoppla eine dolle Ladung Wasser vom Himmel gefallen jawoll buchstäblich vom Himmel gefallen innerhalb weniger Minuten eine Unmenge Wasser was doch eigentlich eine Menge ist ja oder und schon scheint die Sonne wieder ich bin ein Regenmensch ein Rainman aber in diesem Augenblick liebe ich das wundersame Spiel von Sonne und Blättern und Wind und Blumen und Tropfen was habe ich vergessen 10 Es sei herrlich in diesen Garten zu blicken sage ich wie jeden Tag mehrfach zu Mrs Columbo und sie lächelt mich an und entblößt naturgemäß die schönen Zähne Nun sprechen wir Sie sehen auch das normale Leben ist wie Literatur organisiert man sagt ja auch daß das Leben die besten Romane schreibe wie jeden Tag über Geld eine Zahnarztrechnung mit einer Summe in vierstelliger Höhe ist am Morgen gekommen das Schöne daran ist daß die Summe um mehr als hundert Euro niedriger ist als veranschlagt wenn das kein Grund zum Feiern ist und nun darf der Leser sich fragen wie zuverlässig ich wer ist ich hier erzähle ob ich etwa das Blaue vom Himmel herunter erzähle eine weitere sehr schöne Vorstellung denn schreiben heißt doch in erster Linie erfinden oder welche Art Zusammenhang zwischen Autor Theo Breuer und essayistischem Erzähler Theo Breuer besteht Wird der Autor TB so einfältig sein hier Details aus dem wahren Leben zu verraten die ihn in Teufels bzw Mrs Columbos Küche bringen könnten 11 Apropos Küche bzw küche Auf Seite 116 lese ich im kapitel siebenundzwanzig alltag ich betrachte die küche amüsiert hmmm sage ich niemand hat versucht die küche aufzuräumen Ich greife zum Mobilteil 2 das

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_12_widhalm.html (2016-02-14)
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  • Fliegergarn. Teresa Präauers »Für den Herrscher aus Übersee«
    ist Indiz dafür dass das Buch seine eigene Wirklichkeit hat seine eigenen Möglichkeiten ausspielt die zwar Wirklichkeitsfarben tragen und doch wie frisch aus dem Bilderbuch geschnitten erscheinen Drittens und schließlich geht es um den Großvater als jungen Mann und eine notgelandete japanische Pilotin um ihre Erlebnisse zu Lande und in der Luft ihrer beider Liebesgeschichte um die unendliche Reparatur des lädierten Unglücksflugzeugs Der Großvater erzählt selbst davon er war ja dabei aber er gestattet sich Freiheiten die ihn als Geistesbruder des Barons von Münchhausen oder Käpt n Blaubärs ausweisen Da kann er auch mal selber Lausbub eine Kinderstimme haben Die Japanerin spielt eine wichtige Rolle Weit mehr als nur die Liebschaft des Größte n Dunkelste n und Tapferste n zu sein ist sie Allegorie des Fremdländischen zu dem man nur mit dem Flugzeug gelangen kann oder in der Phantasie oder durch Älterwerden denn das fremde Land steht auch für die Liebe von der die Kinder noch nicht viel wissen der Großvater aber sehr wohl F üll diese Geschichten lieber in deine Einweckgläser und geh jetzt ins Bett neckt die Großmutter als der Großvater wieder einmal von der Japanerin anfängt die Kinder können nicht genug davon kriegen Der Großvater ist ein ruppiger Mann der sein Bier mit dem Messer öffnet den Kronkorken durchs Zimmer schnippt seine Zigarette an der Kerzenflamme entzündet irgendwo wird ein Seemann sterben und auf dem Fußboden ausdrückt zwischen unseren Gesichtern wie das Erzähler Erzählerinnen Ich vermerkt das mit seinem Bruder rücklings auf der Erde liegt nachdem der Großvater sie beide an seiner Zigarette hat ziehen lassen Es dreht uns vom Sessel wie zwei Propeller Die Flugübungen die er seinen Enkelkindern abverlangt sind auch nicht von Pappe Und dann gibt es noch eine andere Großvater Geschichte die sich vor dem Hühnerverschlag abspielt und mit der Frage an die Enkel beginnt Welchen Vogel habt ihr am liebsten Präauers Freude an den Wörtern ist allenthalben zu greifen in einem rhythmisierten Satz wie Zum Schluss tunken wir unsere Daumen in Tinte mit seinem schönen Wechsel von T zu D zu T und dem wiederkehrenden auf die betonten Silben fallenden U in den zahlreichen Farbadjektiven die den Text stellenweise der Malerei oder Collage annähern Farben die auch Heimat bedeuten in Wortreihen wie Rollfeldbesitzer Rollfeldbesitzerin Rollfeldbesitzerpaar in Dopplungen wie put put doch doch klack klack klick klick in der Weise wie Perspektiven kopfunter am Arm des Großvaters hängend und Arten der Fortbewegung beschrieben werden holpernd aufschlagend torkelnd patschend fast waagerecht in einem Hui über die Wiese rennend fliegend Auch syntaktische Frei und Feinheiten sind hervorzuheben so in einer Unterhaltung der Kinder über ihren Vater der nichts Japanisches an sich habe er sei aber doch ein Freund des Tees Ja sagt der Bruder und ein Liebhaber der japanischen der Bruder macht seine Stimme beim nächsten Wort glockenhell Kunst des Papierfaltens Wie bei einer Bastelei die über den ganzen Tisch gebreitet ist greifen in Für den Herrscher aus Übersee Ordnung und Unordnung ineinander Es geht planvoll zu im Sinne der Autorin aber es geht auch

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_11_herrscher.html (2016-02-14)
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  • Im Stellwerk der Poesie: »Wechselgetriebe« von Hans Georg Bulla
    ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Orte hat als du leicht durch den Garten gingst sah ich endlich dass er wie er blühte und ich wusste wohin du gehen wolltest drüben am Zaun fielen ein paar Vögel ein wie zu Hause Ende des Gartens Als minimalistischer Komponist braucht Bulla nur wenige Worte um die Essenz einer Situation zu beschreiben Die Gedichte sind s w Aufnahmen in denen das Subjekt ausgespart wird und sich so in der Vorstellung des Lesers um so deutlicher formen kann sie sind Bühnen nach oder vor der Aufführung des Stücks Das zu Erfahrende verbirgt sich in den Dingen die uns umgeben folglich überfrachtet Bulla sie nicht mit Bildern vielmehr isoliert er sie durchleuchtet sie bis auf den Grund Daß es einen Grund gibt für alles weiß ich Ich kenne ihn nicht Sie räumen pünktlich die Tische ab während wir bleiben wollen das alte Radio holt mich näher an den Sänger aber kein Lied macht uns tanzen Am See Wenn auch nicht alle Gedichte Dialoge mit einem Maler sind so könnten doch die meisten diese Lesart haben Es sind Inszenierungen Anordnungen Feststellungen Eine nüchterne Melancholie zieht sich durch die Verse Ist eine Art Grundthema auszumachen Ich denke an den Gang der Dinge es Schicksal zu nennen würde der zuweilen wie eine Maschine voranschreitenden Unausweichlichkeit Vergänglichkeit eine höhere Absicht unterstellen Aber um Erklärungen geht es nicht Wechselgetriebe herausgegeben von Gerd Kolter mit Zeichnungen von Peter Marggraf und einem Nachwort von Hermann Kinder ist als Chronologie gestaltet Der Band zeichnet die Entwicklung von dreißig Jahren nach Er wendet sich sowohl an den Kenner als auch an den Neuleser der Bullas Gedichten zum ersten Mal begegnet Die fünf Kapitel in die das Buch eingeteilt ist und die lediglich nummeriert sind möchte ich versuchsweise untertiteln Am Abend frühe Gedichte Hierzu gehört

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_11_bulla.html (2016-02-14)
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  • Crauss, Lakritzvergiftung. juicy transversions. Gedichte
    in insgesamt zehn andere Sprachen enthält Manche Gedichte werden nicht übersetzt andere hingegen zwei oder dreifach Opitz zieht daraus den Schluss der Inkonsequenz und geißelt die Übersetzung in Sprachen wie Moselfränkisch oder Georgisch als überambitionierte Polyphonie ohne Erkenntniswert Er moniert eine prätentiöse Mehrsprachigkeit die nicht erhellend wirkt sondern nur dem Pump up the volume Prinzip zu dienen scheint Das aber heißt Crauss Beliebigkeit und konzeptuelle Willkür zu unterstellen Wer sich nur ein wenig mit dem Werk von Crauss auskennt weiß dass man ihm eines sicher nicht vorwerfen kann und das ist Beliebigkeit Es gibt wohl nur wenige Autoren die sich so skrupulös mit dem eigenen Output beschäftigen wie er Nicht umsonst existieren von zahllosen seiner Texte eigene Alternativ Versionen und Remixe verändert er manchmal noch nach Jahren einige Worte auch ganze Passagen Es ist höchst unwahrscheinlich dass sich in seinen Gedichten auch nur ein Wort befindet das nicht mehrfach geprüft und auf seine Berechtigung im Text hin befragt wurde Wer das weiß kann nicht ernstlich annehmen dass die Auswahl der Übersetzungen ohne Konzept ausgeführt oder gar zum Seitenschinden genutzt wurde wie Opitz böse behauptet wenn dem so wäre hätte Crauss ja auch alle Gedichte in sämtliche Sprachen übersetzen und auf diese Weise den Seitenumfang problemlos vervielfachen können Es wird einen Grund haben warum ein Gedicht ins Englische und eben nicht ins Französische übertragen wurde Erinnerungen Verbindungen zu dem jeweiligen Übersetzer phonetischer Schönklang oder die pure Lust ein Gedicht in eben jener Sprache verewigt zu sehen Opitz tut so als sei ein Autor seiner Leserschaft oder ihm als Kritiker eine Erklärung schuldig und das sehe ich anders Dass Opitz in seiner Kritik besonders auf die Phallusgedichte zeigt und sie als vitale Kraftgebärde abtut geschenkt Wer Gedichte aber auch die Prosa von Crauss liest der weiß worauf er sich einlässt weiß es

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_11_lakritz.html (2016-02-14)
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  • Henning Chadde und Jörg Smotlacha (Hgg.): Buch oder Bier?
    es jeweils die auf Zunge und Hirn brennende Frage zu klären gilt wem er denn nun gehört der Tag des 23 April dem Geist oder doch eher dem Geistigen Die 2012 im Blaulicht Verlag erschienene in Kooperation zwischen der gerade im Bereich der jüngeren und regionalen Literatur engagierten Buchhandlung Decius und langeleine de dem Online Journal für Hannover herausgegebene Anthologie Buch oder Bier vereint 33 Texte von 13 Autorinnen und Autoren die alle während der letzten Jahre bei öffentlichen Veranstaltungen in Hannover vorgetragen wurden Thematisch geht es in ihnen wie könnte es anders sein um Literatur und oder Alkohol Nicht selten unterliegen die einzelnen Beiträge einer Anthologie qualitativen Schwankungen so ist es auch hier Die schwächeren Beiträge kranken oftmals daran dass sie merklich für die Live Performance auf einer Poetry Slam Bühne verfasst wurden Da geht es darum auf den Punkt zu kommen Lacher zu provozieren um dem Publikum und oder der Jury eine hohe Wertung zu entlocken und in die nächste Runde einzuziehen Doch was auf der Bühne mit eindringlicher Stimme und passendem Gestus funktionieren mag funktioniert nicht auch zwangsläufig im Buch Drive erzeugende Binnenreime wie demonstrieren und vertikutieren sind der Bühne geschuldet und wirken in der Druckversion eher befremdlich und gewollt Dennoch wie gesagt Vielleicht 5 Ausschuss da hat man in jedem Erdbeerkorb mehr Die guten bzw besten der zumeist zwischen 3 und 7 Seiten langen Texte sind sprachlich ansprechend gestaltet und weisen eine starke nicht zu übersehende Tendenz zu gesellschafts und zeitkritischen politischen Aspekten auf Jan Egge Sedelies Texter und Sänger der Elektro Lyriker Beatpoeten und seit vielen Jahren mit eigenen Texten sowie als Moderator unterschiedlichster Veranstaltungen auf den Bühnen der Republik unterwegs eröffnet den Band mit seinem Schreibtischtäter einer brillant in Worte gefassten Vision in der sich die Gesellschaft mittels gezielt unter das Volk gebrachter literarischer

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_11_bier.html (2016-02-14)
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  • Menschliche Abgründe. Die Sammlung »Dark Lies The Island« von Kevin Barry
    Stadtverwaltung durch sein idyllisches Familienleben mit Frau Saoirse und Tochter Ellie Heaven had come down and settled all about us Alles scheint hier perfekt und harmonisch nur ein ironischer Unterton und eingeschobene Regieanweisungen Beispiel Hear the brush and rattle of doom s timpani drums lassen erahnen dass Veränderungen und Probleme kommen werden Die erreichen Hubby in Gestalt von Adan McAdam der als Partner von Tochter Ellie zum ungeliebten Dauergast wird Ein großer Baumarkt in dem der inzwischen zum Ex gewordene Freund des heimischen Augapfels jobbt wird zum Schauplatz des finalen Showdowns der Leser irrt ihm aus der Perspektive des Vaters entgegen Abgründig und rabenschwarz auch der Humor in der preisgekrönten Erzählung Beer Trip to Llandudno Der Real Ale Club eine Gruppe männlicher Bier Tester aus Liverpool unternimmt einen Ausflug in das walisische Seebad Vordergründig ist es zunächst eine Geschichte über Männer und Freundschaft doch schnell schimmern tragische Elemente durch in Person des Gruppenmitglieds Mo der in Wales eine Ex aus besseren Zeiten wiedertrifft und des Ich Erzählers der im UK eher traurige Jahre erlebt Zu dieser Geschichte inspirieren ließ sich Kevin Barry von seiner eigenen Zeit in Liverpool dort lernte er nach eigenen Angaben viel über die Menschen und ihr Leben an der Mersey I write from the ear primarily and I do so in the belief that if you can capture the way people speak you can capture their souls The story is largely inspired by the time I spent living in Liverpool and by the patterns of speech there which are oddly familiar to a pair of Irish ears wurde Barry im April nach dem Gewinn des The Sunday Times EFG Private Bank Short Story Award 2012 zitiert Ein langer Titel für einen ziemlich netten Inhalt Die Auszeichnung ist mit einer Prämie von 30 000 britischen Pfund verbunden Damit konnte sich Barry über den höchstdotierten Kurzgeschichten Preis der Welt freuen Fjord Of Killary In McDonaghs Spuren Beer Trip to Llandudno gehört zu den besten Erzählungen in Dark Lies The Island Mit Fjord Of Killary und Ernestine And Kit enthält die Sammlung mindestens zwei weitere herausragende Geschichten die Beer Trip sogar noch übertreffen Wer im Lauf der letzten Jahre am Killary Harbour war könnte vermuten an welchem Ort Kevin Barry seine Inspiration für das Schicksal des furchtbar frustrierten Hotelbesitzers gefunden hat der seinen Alltag mit 287 Regentagen im Jahr weißrussischen Billiglohnkräften und lokalen Säufern nutjobs verbringt Das Erreichen des Traumziels Westküste wird hier zum Pyrrhus Sieg Unwetter und Sturmflut bringen apokalyptische Stunden heran Zur Katastrophe laufen Abbas Chiquita und Bryan Adams Summer Of 69 über die Lautsprecher Absurd hier ist Barry nicht nur geographisch ganz schön nah an Martin McDonaghs Leenane Trilogie Kevin Barrys Wahlheimat County Sligo glänzt als Schauplatz in der abermals von rabenschwarzem Humor geprägten Erzählung Ernestine And Kit Zwei kinderlose Seniorinnen in den Sechzigern machen in ihrem Toyota die Touristenattraktionen um Lough Gill unsicher Der Neid auf junge Familien und die Empörung über den Verfall der Sitten Zitat Drinking cider with fellas with earrings and tattoos

    Original URL path: http://www.satt.org/literatur/12_11_barry.html (2016-02-14)
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