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  • Transcript (Deutsch)
    in den Automaten Bäuchen verschwindet Daher schimpft er auf die Roma im Pub Ihr solltet euch lieber auf Eure Ärsche setzen und euch das Geld mit einem Bier den Rachen runter kippen Dann würdet Ihr zwar betrunken nach Hause gehen aber wenigstens glücklich sagt er und trinkt ein halbes Pint in einem Zug leer Oh das schmeckt das Bier murmelt er und wischt sich mit der Hand die Lippen ab Keine Sorge Onkel die werden schon auch nach Hause wanken und brauchen dafür keinen einzigen Schluck zu trinken ruft ein Kerl der auf den Namen d er Jude hört aus seiner Ecke Noch so ein ausgekochter kleiner Bursche Hör zu ich gebe Dir ein Bier aus wenn du mir von Knall Kopp erzählst Ich habe schon von ihm gehört kann mich aber nicht mehr an ihn erinnern sagt der Jude und zieht seinen Stuhl zu dem von Kastanien Kopp herüber Jeder hier weiß wie Kastanien Kopp funktioniert Hör zu Jude mit einem Bier werden wir nicht weit kommen Kastanien Kopp setzte sein Bierglas an die Lippen und leerte den Rest in einem Zug Doch bevor er sein letztes Bier ausgetrunken hatte hatte die G adji 2 bereits ein e neue Pint vor ihm abgestellt Hm so mag ich da s lachte er und wischte das frische Glas mit der Hand ab du kannst dir nicht vorstellen was für ein guter Kerl das war dieser Knall Kopp Er und seine Frau Schwatz Kopp hatten zusammen acht Kinder Er trank ganz gerne mal und wenn er ein paar Bier getrunken hatte war er ein großer Scherzbold Eines Tages im Winter schickte Schwatz Kopp ihn in den Wald um Brennholz zu holen Anstatt jedoch in den Wald zu gehen verschwand er auf direktem Weg im Pub So saß er dort den ganzen Tag mit den Roma und vergaß dabei völlig das Brennholz Ach Knall Kopp deine Frau knüpft dich auf wenn du ohne Feuerholz nach Hause kommst lachten die Männer Macht ihr euch keine Sorgen mir wird schon eine passende Geschichte einfallen Als Knall Kopp nach Hause kam rief er noch von der Türschwelle aus Oh Schwatz Kopp du wirst nicht glauben was mir heute passiert ist Stell dir vor ich habe mit Gott dem Allmächtigen höchstpersönlich gesprochen Ist nicht möglich Wie kann das sein Was ist passiert Schwatz Kopp schaute Knall Kopp entsetzt mit Riesenaugen an Stell dir vor Schwatz Kopp ich lief so durch den Wald und schaute nach einem passenden Baum zum Fällen Da sah ich diesen trockenen Baum und dachte bei mir Den nehme ich Als ich zu sägen begann sah ich plötzlich diesen alten Gadjo Er meinte zu mir Du hör zu fäll diesen Baum nicht er ist noch so jung Warum sammelst du nicht die trockenen Äste vom Boden Ich werde verdammt wenn ich nur alte Äste vom Boden sammle antwortete ich dem alten Gadjo da werde ich eher diesen Baum hier fällen Doch er erwiderte nur Geh nach Hause und pass gut auf dich auf Wenn

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-36-staatenlose-literaturen/prosa-ilona-ferkova-kastanien-kopp (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    bin eine sehr gute Zuhörerin Manchmal erinnere ich mich kurz vor dem Einschlafen an einen Gesprächsfetzen und muss ihn dann schnell aufschreiben Dann kann ich mich später wieder darauf beziehen Welche ist Ihre persönliche Lieblingsgeschichte Besonders gerne mag ich Valkos Das Nudelholz da sie auf einer wahren Geschichte beruht Meine Tante bekam einmal Besuch von einem Sozialarbeiter der prüfen sollte ob sie sich ausreichend um ihr an Polio erkranktes Kind kümmerte Meine Tante hatte gerade Nudeln gekocht und hielt noch das Nudelholz in der Hand als sie dem Besuch die Tür öffnete Dies wurde als ein Angriff auf die Behörde eingestuft und sie kam für drei Jahre ins Gefängnis Ihr jüngst er Sohn musste währenddessen ins Heim Ich würde Sie gerne über die Moral Ihrer Erzählungen befragen Ein arbeitsloser Mann verbringt seine Zeit lieber im Pub als mit seiner Familie dann lügt er seine Frau an und macht eine übernatürliche Begegnung für sein Versagen verantwortlich Ist das ein Idealbild das Sie Kindern nahelegen möchten Diese Geschichten sind nicht für Kinder sondern für Erwachsene geschrieben Die beruhen auf wahren Begebenheiten des Alltags Knall Kopp verbringt genau wie die anderen nicht die ganze Zeit im Pub Er ist ein guter Mensch der von allen geschätzt und respektiert wird Er hat seine Frau nicht angelogen er hat sie aufs Korn genommen Wie verdienen Sie sich Ihren Lebensunterhalt Ich bin Hausfrau Ich teile meine Zeit zwischen Familie und Schreiben auf Ich lebe nicht von Staatsgeldern falls es das ist was Sie wissen möchten Mein Mann hat einen Job und wir haben ein komfortables Leben Arbeiten Sie derzeit an irgendeinem Projekt Wurden ihre bisherigen Bücher von bekannten Verlagen herausgebracht und kann ich sie im normalen Buchhandel erwerben Ich arbeite gerade an zwei Romanen und einer Sammlung von Kurzgeschichten über Kastanien Kopp Einer der Romane erzählt

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  • Transcript (Deutsch)
    aus Mazedonien Diese Sondernummer entstand in Zusammenarbeit mit Igor Isakovski dem Verl e g er und Herausgeber der Literaturzeitschrift Blesok Glanz der eine große Bandbreite an Autoren ausgesucht und für unsere englisch französisch und deutschsprachige Rubrik zusammengestellt hat Mazedonien oder Makedonien Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen dass neben der Schreibung mit z Mazedonien Mazedonisch die Schreibung mit k Makedonien Makedonisch durchaus geläufig ist Wir haben uns für die Schreibung mit z entschieden und hoffen die Anhänger der Schreibweise mit k sehen uns dies großmütig nach Viele der hier vorgestellten Autoren schreiben über Skopje die mazedonische Hauptstadt Allen Transcript Lesern die von Mazedonien und seiner Literatur bisher nur wenig Kenntnis ha ben sei zum Einstieg Tomislav Osmanlis Essay über den Kochtopf namens Skopje empfohlen englischsprachige Rubrik Vielseitig und schillernd sind die literarischen Werke die S ie in der deutschsprachigen Rubrik entdecken können Begeben Sie sich beispielsweise in die Lebenswelt des Philosophen Spinoza als kleinem Jungen wie Goce Smilevski sie im Gespräch mit Spinoza schildert lassen Sie sich von der originelle n und tiefgründige n Lyrik Katica Kulavkovas und Lidija Dimkovska s packen oder steigen Sie ein in Igor Isakovskis nachdenklichen Text über den Tod des Fuchses Lesen Sie wie

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/zu-dieser-ausgabe (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    möglich alles wirklich alles in die Gedankengänge der Ehefrau und der Kinder einzuordnen alles ja sogar dass sich nun endlich nach langem Hinauszögern Überzeugen und Herumstreiten alle zusammen photographieren lassen und dann die Bilder an die Wand hängen würden wie es die reichen Kattun und Seiden und Kaffeehändler zu tun pflegen aber es war unmöglich dort einen gewöhnlichen Regenschirm einzuordnen den niemand außer Trendo bemerkt hatte wie er in der gleichen Auslage wie die Bilder stramm und stolz in einer Ecke stand und freilich zu verkaufen war Natürlich fragte die Ehefrau die nicht glauben konnte was sie gehört hatte nach was er da gesagt habe und er sagte nochmals dasselbe und sie fragte nochmals nach und er sagte nochmals dasselbe Es erwies sich dass er nicht die geringste Absicht hatte sich photographieren zu lassen dass er sich schon lange mit dem Gedanken trug einen Regenschirm zu kaufen und dass er nichts davon gesagt hatte nur damit sich im Kopfe seiner Frau keine Strategie entwickle die den Kauf vereiteln würde Deshalb ist als erstes erkennbares Zeichen für das Auftreten der Krankheit bei Trendafil der Moment zu werten in dem er vor dem Schaufenster mit den Photographien auszurufen begann er wolle jetzt diesen Regenschirm und nur diesen Regenschirm wie ein kleines Kind obwohl er schon einige Jahre auf dem Buckel hatte Seine eigenen Kinder starrten ihn an verwirrt durch den völlig neuen Lauf des Geschehens Wie dem auch sei der Ehefrau wurde mehr als klar besonders als er es ihr in aller Deutlichkeit sagte dass Trendafil wenn schon nicht ein reicher Mann so doch zumindest ein ehrenwerter Herr werden wollte und wenn er keinen Regenschirm hatte wie würde dann irgendjemand in ihm diese Eigenschaft erkennen können Na gut und mit was für Geld willst du dir denn einen Regenschirm kaufen Aus dem Schädel sollen sie dir sprießen die Regenschirme versuchte sie zu retten was zu retten war und fuhr fort ob er denn meine wenn er einen Regenschirm kaufen würde nähme man ihn gleich in den Kreis der Reichen auf ihn Trendafil den Totengräber Trendafil den Gärtner den Maler und Maurer den Kehrichtmann den Lastenträger Entlauser Heuverkäufer Nein Ich kaufe einen Regenschirm sagte er und seine Augen glänzten immer mehr während die der anderen immer finsterer wurden Und was sollte das Gerede gestern von wegen morgen gehen wir zum Photographen Und wir wir schwänzelten um dich herum und fielen dir vor Freude um den Hals sagte sie obwohl ihre Stimme immer mehr im Geschrei der Kinder unterging die der anschwellende Streit aufgeschreckt hatte Und dann sagte sie noch als allerletztes dass die Kinder neue Schuhe brauchen und dass bald kein Öl mehr da ist und kein Salz und Nichts half mehr er schrie aus voller Kehle und sogar in dem ganzen Gedränge und Gewimmel fanden sich ein paar Leute die sich umdrehten um zu sehen wer da schrie Wenn ich doch sage dass ich einen Regenschirm kaufe dann kaufe ich einen Danach wurde nicht mehr gesprochen Trendafils Augen waren nicht mehr die

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/ermis-lafazanovski (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    und vergaß was ich geträumt hatte und dieses Vergessen des Geträumten verfolgte mich wie ein hungriger Hund fast bis zu meinem Tod Dann hörte Mutter auf zu kochen und zum Markt zu gehen den Haushalt übernahm Miriam die sich außerdem um Mutters Pflege kümmerte Sie kochte ihr Tee legte ihr warme Wickel auf Stirn und Brust Nach einigen Monaten bemerkte ich dass sich ein Schatten des Alterns auf Miriams neunjähriges Gesicht gelegt hatte Neben Mutter und dem Haushalt hatte sie auch den gerade geborenen Gabriel zu versorgen Dieses Jahr haben die Robinien nicht geblüht wiederholte Mutter zwischen zwei Hustenanfällen zwischen zwei Schläfchen auf dem hohen Federkissen zwischen zwei Bissen von in Milch eingeweichtem Brot Und dann begann sie in eine Art Ohnmacht zu fallen und auch wenn sie wach war schien sie zu schlafen ihre Pupillen ruhten nicht sondern zitterten ganz seltsam als würden sie ein am Horizont aufgehängtes Pendel sehen und dessen Bewegungen folgen links rechts links rechts Ihre Ohnmacht weckte in mir eine seltsame Sehnsucht ich spürte ein scharfes Stechen in der Brust und wollte aufweinen wie wenn ich beim Laufen fiel und mir das Knie aufschlug oder wenn ich mir beim Essen auf die Zunge biss aber es war als hielte eine unbekannte Macht meine Tränen und meine Stimme zurück Ich drückte mich dauernd um das große rote Himmelbett herum auf dem sie lag ich versuchte zu lächeln obwohl mein Mund zitterte und heute wundere ich mich ein wenig was ich als sechsjähriger Knirps alles unternahm wie ich versuchte sie aufzuheitern indem ich ihr Abschnitte der Tora ins Ohr flüsterte oder wie ich versuchte sie zumindest zu ärgern indem ich sie in die Hand zwickte oder am Kopfende des Bettes kräftig auf den Boden stampfte aber sie blieb einfach reglos liegen Regung zeigten einzig und allein ihre Pupillen die kaum merklich zitterten und deutlich machten dass sie nichts sah Eines Morgens nach Tagen des Schweigens und nachdem Miriam ihr zu essen gegeben hatte öffnete Mutter leicht den Mund und fragte Haben die Robinien geblüht Es ist zu spät dieses Jahr blühen sie nicht mehr Es schneit schon sagte Miriam mit einem Blick aus dem Fenster und als sie sich Mutter wieder zuwandte bemerkte sie dass die Pupillen das einzige Zeichen des Lebens in Mutters Gesicht erstarrt waren wie im Gesicht einer Toten Mama rief sie aus und versuchte Mutter zu Bewusstsein zu bringen indem sie ihre Hand schüttelte und ihr ein wenig Wasser ins Gesicht spritze Ich hole Vater du bleibst hier befahl sie mir und lief aus dem Haus Seit ich denken kann verspüre ich das Bedürfnis mein Inneres anderen nicht zu zeigen es so zu verbergen dass es niemand sehen kann indem ich ein anderes Gesicht zeige ähnlich wie ein Maler mit neuen Schichten Farben überpinselt die er unüberlegt aufgetragen hat wie das Licht der Sterne sich ändert auf dem Weg von ihnen zu uns Solange Miriam noch im Zimmer war beobachtete ich alles mit einer gewissen Gefasstheit beinahe mit Desinteresse aber sobald sie aus dem Zimmer lief lehnte ich mich zitternd an Mutters Seite legte meinen Kopf an ihre Brust um mich zu vergewissern dass sie atmete und ich dachte ihr Leben würde nicht enden solange ich auf ihren Atem lauschte Es war ein seltsames Geräusch wie eine langsames Zerrieseln ein leises unaufhaltsames Absterben und auf einmal verschob sich etwas in diesem tödlichen Rasseln ich hörte ein Anschwellen ein Geräusch das sich in Mutters Brust ausweitete und mir Angst und Hoffnung zugleich einflößte Ein gewaltiges Geräusch in dessen Kraft sich die Ankündigung eines Endes und das Verlangen nach Dauer mischten In dem Augenblick schien es mir als hörte ich Mutter meinen Namen flüstern niemals werde ich wissen ob ich diese beiden Silben wirklich hörte oder es mir nur wünschte Ich weiß dass ich den Kopf hob und sah dass sich Mutters Lippen blau zusammenkrampften während ihre Augen versuchten sich zu öffnen Ihre rechte Hand machte eine kaum wahrnehmbare Bewegung zumindest erschien es mir so eine Bewegung mit der sie mich zugleich heranzuwinken und zu vertreiben schien Dann entstieg das seltsame Geräusch ihrer Brust wurde zu einem Husten der mehr in ihr verharrte als dass er sich löste denn ihre blauen Lippen blieben aufeinandergepresst Ihre Augen öffneten sich einen Spalt weit und der Blick der unter den dunkel gewordenen Augenlidern hervorschaute jagte mir einen kalten Schauer über den ganzen Körper von den Fersen bis zum Scheitel ich erkannte ihren Blick nicht er war mir unendlich fremd und die Angst die er mir einflößte war noch größer denn in Mutters Pupillen konnte ich sehen dass ich ihrem Blick ebenfalls fremd war dass er mich nicht erkannte Während die blauen Lippen dem stärker werdenden Husten nachgaben dachte ich dass dieser Körper auf dem Bett mit dem dunkel gewordenen Gesicht seiner Unfähigkeit zu sprechen und dem feindseligen Blick unmöglich der Körper meiner Mutter sein konnte Aus seinem Mund schleuderte der Husten nun Blut das auf die Brust fiel In dem Blut das sich von Mutters Blässe abhob schien mir ein Stück Seele zu bleiben und ich streckte meine Hand nach dem Rot aus nahm ein Tröpfchen zwischen Daumen und Zeigefinger und hob es vor meine Augen ich starrte auf diesen Punkt mir war als würde er zwischen meinen Fingern pulsieren als wäre er das Letzte worin ich Mutter noch sehen konnte In dem Moment spürte ich wie etwas Kaltes nach meinem Arm griff aber ich blickte nicht dorthin wo ich die Berührung spürte sondern sah in den Spiegel und dort traf mein Blick den toten Blick meiner Mutter er starrte in den Spiegel und sah von dort zu mir Ich erinnerte mich an Mutters Worte der Spiegel könne mich fangen und verschlingen und richtete den Blick schnell auf den Tropfen Blut zwischen meinen Fingern auf das Letzte das noch von Mutters Leben zeugte dann blickte ich zu ihr in ihre toten halbgeöffneten Augen die auf den Spiegel gerichtet waren bis mir erneut der kalte Griff um meinen Arm bewusst wurde Ich sah auf mein Handgelenk Mutters tote Finger

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/goce-smilevski (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    selten Naja selten Sie haben doch schon drei Bücher Vier sagte ich Jetzt wird es gedruckt in diesen Tagen Hervorragend sagte er Prosa Nein Lyrik Alle mögen meine Prosa Er lächelte Ich dachte dass Sie wenigstens einhundert Kilogramm wiegen und dass Sie ein sehr grober Mensch sind sagte er Wir sprachen noch eine Weile so bis mir einfiel dass ich im T Shirt draußen stand in der mittleren Mitte der Winternacht Wir verabschiedeten uns drückten einander fest die Hand und ich stieg ein Der Fahrer ließ den Motor an Zum Teufel Isakovski sagte ich zu mir du wirst dich noch vor Berühmtheit erkälten Der Bulle klopfte an die Scheibe Entschuldigen Sie Können Sie mir hier unterschreiben Das war schon zu viel Ich habe bisher ein paar Autogramme verteilt aber die Tatsache dass fast alle weiblichen Namen gewidmet waren spricht genug für sich Ich unterschrieb Du bist Schriftsteller fragte der Fahrer Scheint so sagte ich Luna lächelte Wir reisten durch die Nacht hetzten Richtung Ohrid Ich hatte es nicht eilig Ich wollte unterwegs sein ewig den Aufenthaltsort ändern auf Leute stoßen Auch wenn sie nicht so nett wären wie der Bulle vorhin Ich lehnte meinen Kopf an den Sitz lauschte dem Lied das ich seit langem hatte hören wollen und blickte in den Himmel über uns Da waren wir hier irgendwo wir drei und brachten die Reihenfolge der Ereignisse durcheinander so wie wenn ein Stern sich von seinem Platz verschiebt Plötzlich gab es draußen einen Knall und der Fahrer hielt an Er saß da wie versteinert Dann drehte er sich zu uns um Ich hab was überfahren sagte er Was fragte Luna Weiß nich Was wie n Hase Was mach ich n jetz Wart hier sagte ich und stieg aus Er stellte den Motor ab Manchmal tut ein erschrockener Mensch wirklich unnötige Dinge Es war kälter als in Kičevo Wir waren auf freier Strecke Ich ging zehn Schritte zurück und sah ihn Er lag dort als schliefe er Ich ging zu ihm hin beugte mich über ihn legte die Finger an seinen Hals Ich hatte gesehen dass man die Leute so überprüft Im Film Er war warm Nichts bewegte sich unter meinen Fingern Er war tot Sofort getötet Komm her sagte ich zum Fahrer Er fuhr das Auto zurück und stieg aus Ein Fuchs sagte er als er näherkam Er ist schön sagte ich Sogar so Blut begann auf den Asphalt zu fließen Aus seinem Kopf Was mach n wir n jetz sagte der Fahrer und kratzte sich am Kopf Das tun sie immer Mach den Kofferraum auf Er gehorchte Ich leg ihn rein ich bin sowieso schon ein bisschen blutig Er schaute den Fuchs an dann schaute er mich an ich blinzelte ihm zu und legte den Fuchs hinein Langsam zärtlich Als wäre er noch immer lebendig Das menschliche Mitleid ist seltsam Nimmst du n mit wenn wir da sind fragte er Nö Was soll ich damit Und ich Was mach ich n damit Nimm ihn zum Kürschner und bring

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/igor-isakovski (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    oben führte aus dem kantigen Becken ein walzenförmiger Torso an dem kleine schlappe Arme angebracht waren Die Finger hingen von den Händen herab Hängen sage ich deshalb weil ich bis dahin nie etwas dermaßen Elastisches und Lebloses gesehen hatte dermaßen Blasses und Ungesundes ohne Spur von Knochen und Gelenk Eigentlich sahen sie aus wie Maden bewegten sie sich auch als hätten sie keine Knochen Manchmal schaute ich mir ihre Finger an und staunte dass sie überhaupt damit spielen konnte In Wirklichkeit sahen nicht nur ihre Finger wie Maden aus sie selbst war formlos und schwabbelig wie eine Made weiß und durchsichtig wie eine Made hässlich wie eine Made und ebenso unheimlich Je mehr ich mir Nora ansah umso schrecklicher wurde sie mir Wir hatten nicht viel miteinander zu tun aber ich fing an zu ihr zu gehen um ihr beim Spielen zuzuhören und dann redeten wir über Chopin und sie sagte mir was sie als Nächstes üben würde Wir kamen uns etwas näher und sie begann mir zu erzählen wie sehr sie die Menschen hasst Über jeden hatte sie etwas Schlechtes zu sagen wahrscheinlich auch über mich Alle wären furchtbar hässlich und dumm oberflächlich die Gesellschaft wäre eine Farce die Schulen wären Schrott den Staat sollte man vernichten und die Menschen ins All schießen damit sie dort aussterben Ich hörte zu und steuerte jeweils eine böse Bemerkung bei worauf sie hysterisch in kurzen Zügen auflachte wie ein kleines Tierchen Dabei kniff sie die Augen zu Schlitzen zusammen Ich hatte Angst sie anzuschauen drehte mich weg aber sie kicherte nur wie eine Hyäne Ich war immerhin froh dass ich sie auf irgendeine Weise beglücken konnte auch wenn nur durch solche Bösartigkeit Ich tratschte meinerseits über Mitschüler Lehrer und Nachbarn ich zog über das Fernsehen die Medien die Politik und deren Reformen her auch die Regierung und die Opposition kriegten ihr Fett weg Wir spuckten auf die moderne Kunst und belächelten alle einheimischen Künstler die wir kannten Alle wären unfähig und untalentiert Wenn wir die gleichen Bücher lasen fanden wir Makel heraus lachten und lästerten darüber wie absolut begrenzt die Schriftsteller sind Dabei saß Nora die ganze Zeit auf dem Klavierhocker und klopfte auf ihre Schenkel ich saß mit gekreuzten Beinen auf der Couch die ganze Zeit aufgewühlt vollgespuckt aber auch von Schadenfreude getragen Die Gespräche mit ihr wurden sehr anstrengend wegen des ständigen Wettstreits das Gehässigste über andere zu sagen möglichst über erfolgreiche Menschen Eigentlich weiß ich nicht warum ich mich mit ihr unterhielt wenn ich ihr doch auch durch die Wände beim Spielen zuhören konnte Dann wurde Nora eine Zeit lang sehr schweigsam Ich ging zu ihr sie spielte mir einen Walzer oder eine Polonaise herunter und dann schwieg sie Es wurde unerträglich weil ich jetzt die Einzige war die Schlechtes über die Welt redete Sie schwieg und lächelte auch nicht mehr wie früher Sie wollte auch kein normales Gespräch führen Ich fühlte mich absolut unwohl und wollte sie fragen was sie hat Dann überlegte ich es mir anders und

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/rumena-buzarovska (2016-05-02)
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  • Transcript (Deutsch)
    und die Sagen aus lege die Menschen ab ändere das Casting die Rollen aber bleiben gleich Ich bin diejenige die mit dem Geistigen spricht der das Weltliche entspricht Erde und Meer Luna und Himmelsgewölbe Oh welcher Widerspruch eine Frau zu sein das Haupt der Fruchtbarkeit und dabei ein negatives passives Vorzeichen zu tragen ein archetypisches Minus rhythmische Ausschnitte aus dem Tod und dem Leben Wer soll denn geben außer dem der hat Wer soll denn verlieren außer dem der etwas zu verlieren hat Ich Matrix Mutterleib Gebärmutter müde mündige muntere Matrone aus der Anderen Welt nein diese war mir nie genug trage dir an geh ins Meer denk nicht an die Ohnmacht denn du weißt nie wie lange du durchhalten kannst im Schmerz wie auch im Genuss schwimm soweit du sehen kannst und sieh weiter immer weiter ich bin s auf dem Hügel nachdenklich erzählend in meiner Muttersprache sprechend oh welche Erleichterung welche Gemütlichkeit und dir die Kraft und nicht den Trost gebend Später wirst du über meinen Rissen rätseln über der unterbrochenen Schicksalslinie zusammengefasst in den 64 Hexagrammen des Änigmas und er wird dem Rebus einzelne präzise parallele prosaische positive Striche hinzufügen Eine männliche Synopsis Membran Aus Chronos I aus dem Mazedonischen von Elizabeta Lindner Für dich ist die innere Welt wichtig Der Ursprung das Gift die Gestalt Scheinbar formlos veränderst du dich beständig du bist glatt bist geschmeidig bist das Ersehnte du gleitest uns aus den Händen während wir die Unvermeidlichkeit deuten und das Feuer auf uns selbst eröffnen und du von Natur aus andauernd durchsichtig machst uns aufmerksam auf dich stellst uns die Grundfrage aber uns uns interessieren nicht die Details als wir dich berührten lief uns das Wasser im Mund zusammen so dass wir nicht verbergen können dass wir Menschen sind dass wir die Vollkommenheit lieben

    Original URL path: http://transcript-review.org/de/issue/transcript-35-mazedonien/katica-kulavkova (2016-05-02)
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