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  • Pilotprojekt „Weltethos im Kindergarten“ • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Erziehung im Kindergarten angesichts kultureller Pluralität Weltethos Maskottchen Die Initiative Weltethos Österreich führte im Jahr 2012 13 ein Forschungsprojekt über Weltethos im Kindergarten durch das von der Stiftung Weltethos Deutschland finanziert wurde Ziel des Kindergartenprojekts war es mit den Kindern Fragen der Ethik des richtigen Umgangs miteinander zu erarbeiten Dabei ging es darum vor allem folgende Kompetenzen der Kinder zu stärken die gewaltfreie Problemlösung das Mitgefühl anderen Menschen und Tieren gegenüber der behutsame Umgang mit der Umwelt die gegenseitige Rücksichtnahme aber auch Fairness im alltäglichen Leben ohne Vorurteile gegenüber anderen Religionen Nationen und ethnischer Zugehörigkeit Annelieses Kasperltheater Handpuppe basteln mit Nadja Das Ziel des einjährigen Pilotprojekts war es eine Methode zu entwickeln wie Fragen der Ethik also des richtigen Verhaltens bereits mit Kindern erarbeitet werden können Fragen wie man Konflikte ohne Gewalt löst oder wie man sich anderen gegenüber verhält und wie man erkennen kann was der die Andere mag oder nicht mag wurden dabei gemeinsam zu beantworten versucht Mitgefühl mit anderen Menschen ebenso wie mit Tieren und der behutsame Umgang mit der Umwelt sowie Rücksichtnahme und Fairness um ein glückliches Leben zu führen waren die Hauptanliegen des Projekts Gearbeitet wurde unter anderem mit Bilderbüchern und Theaterstücken bei diesen konnten

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  • Inhalt der Ausstellung: Die Tafeln • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Castrop Rauxel holte die Ausstellung bereits zum dritten Mal zu sich weiter Inhalt der Ausstellung Die Tafeln Inhalt der Ausstellung Die Tafeln Ausstellung Inhalt der Ausstellung Die Tafeln Buchung und Ausleihe der Ausstellung Ausstellungstermine Thematische Klammer und Schwerpunkt der Ausstellung ist die vom Schweizer Theologen Hans Küng entwickelte Weltethos Idee die Frage nach gemeinsamen ethischen Werten und Maßstäben der Religionen und philosophischen Traditionen Sie besteht aus insgesamt 15 Tafeln wobei die ersten Tafeln acht große Weltreligionen und philosophische Traditionen vorstellen und die folgenden Tafeln Grundprinzipien und Weisungen der Erklärung zum Weltethos 1993 als gemeinsame ethische Werte und Normen zeigen Die Tafeln 1 8 präsentieren die großen Weltreligionen Hinduismus Chinesische Religionen Buddhismus Judentum Christentum Islam Sikhismus und Bahaitum Die Religionen werden mit Bildern Sachinformationen und religiösen und ethischen Texten aus den Religionen sowie je einem Schlüsseltext von Hans Küng über das Wesen der jeweiligen Religion dargestellt Beispieltafeln Auf den Tafeln 9 11 werden die Grundprinzipien Jeder Mensch soll menschlich behandelt werden und die Goldene Regel in Text und Bild dargestellt Jeder Mensch soll menschlich behandelt werden Die Goldene Regel in den Weltreligionen Die Goldene Regel in der Philosophie Die Tafeln 12 15 thematisieren die vier ethischen Weisungen Gewaltlosigkeit Gerechtigkeit Wahrhaftigkeit und

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  • Projekt Spurensuche - Die Weltreligionen auf dem Weg • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Dalai Lama besuchte im September 2013 die Weltethos Schulen in Steinhude Als Erstunterzeichner der Erklärung zum Weltethos unterstützt er das Projekt seit Beginn 20 Jahre Erklärung zum Weltethos 200 Vertreter aller Weltreligionen unterzeichneten im September 1993 auf dem Parlament der Weltreligionen die Weltethos Erklärung weiter Weltreligionen Weltfrieden Weltethos Die Ausstellung zeigt dass die Weltreligionen und philosophischen Traditionen trotz ihrer Verschiedenheit gemeinsame Werte und ethische Maßstäbe teilen weiter Projekt Spurensuche Die Weltreligionen auf dem Weg Spurensuche Die Weltreligionen auf dem Weg Religion Projekt Spurensuche Die Weltreligionen auf dem Weg Ein Meilenstein im Rahmen der Stiftungsaktivitäten war Ende der 90er Jahre das Projekt Spurensuche Die Weltreligionen auf dem Weg Mehrere Jahre arbeitete Hans Küng an diesem Projekt und betrieb dabei Feldforschung in verschiedenen Kulturen und Religionen weltweit Im Mittelpunkt stand die Umsetzung in die siebenteilige Fernseh Dokumentationsserie Hans Küng Spurensuche über die großen religiösen Traditionen der Welt produziert vom damaligen Süddeutschen Rundfunk SDR in Kooperation mit dem Schweizer Fernsehen DRS Die Ergebnisse von Küngs Forschungsreisen waren von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stiftungsarbeit So entstanden auf deren Basis verschiedene Medien zum Thema die im stiftungseigenen Online Shop bestellt werden können eine DVD Reihe der oben genannten Dokumentationsserie ein bebildertes Sachbuch

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  • InterAction Council • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    InterAction Council Politik InterAction Council Weltethos bei den Vereinten Nationen Politik Symposion in Tübingen 2002 Weltethos Reden Seit 1996 berät Hans Küng den InterAction Council ehemaliger Staats und Regierungschefs Ehrenvorsitzender Altbundeskanzler Helmut Schmidt Mit ihm wurde in einem längeren Beratungsprozess im Jahr 1997 der Entwurf einer Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten erarbeitet 2007 fand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos in Tübingen ein Expertentreffen des InterAction Councils über Weltreligionen als Faktor

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  • Politik-Symposion in Tübingen 2002 • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Die Weltethos Reden In der Vortragsreihe Weltethos Reden sprachen in den vergangenen Jahren namhafte Politiker wie Helmut Schmidt Kofi Annan Tony Blair und Horst Köhler weiter Politik Symposion in Tübingen 2002 Politik Symposion in Tübingen 2002 Politik InterAction Council Weltethos bei den Vereinten Nationen Politik Symposion in Tübingen 2002 Weltethos Reden Das interdisziplinäre Symposion Ein neues Paradigma internationaler Beziehungen Ethische Herausforderungen für die Gestaltung der Weltpolitik diskutierte die Bedeutung der

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  • Weltethos-Reden • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Weber in seinem immer noch lesenswerten Vortrag des Jahres 1919 über Politik als Beruf etwas zu pauschal vom Augenmaß des Politikers gesprochen Er hat hinzugefügt der Politiker müsse für die Folgen seines Handelns aufkommen Tatsächlich so denke ich müssen nicht nur ganz allgemein die Folgen sondern ausdrücklich auch die ungewollten Folgen auch die in Kauf genommenen oder nicht vorhergesehenen Nebenwirkungen gerechtfertigt sein die Ziele seines Handelns müssen moralisch gerechtfertigt sein Sie müssen verantwortet werden können Die Ziele seines Handelns müssen gerechtfertigt sein seine Mittel müssen ethisch gerechtfertigt sein Bei einer unvermeidlich notwendigen Spontan Entscheidung muss dafür das Augenmaß ausreichen Wenn dagegen Zeit zur Abwägung verfügbar ist dann sind sorgfältige Analyse und Durchdenken geboten Diese Maxime gilt nicht allein für eine Entscheidung im dramatischen Extremfall sondern ebenso für die ganz normale alltägliche Gesetzgebung etwa im Felde der Steuer oder der Arbeitsmarktpolitik sie gilt ebenso für die Entscheidung über ein neues Kraftwerk oder eine neue Autobahn Diese Maxime gilt ohne jede Einschränkung Mit einem anderen Wort Ohne die vorangehende Anstrengung seiner Vernunft kann der Politiker sein Handeln und dessen Folgen nicht im Gewissen verantworten Eine gute Absicht allein oder eine lautere Gesinnung allein kann ihn von seiner Verantwortung nicht entlasten Deshalb habe ich Max Webers Wort von der Notwendigkeit der Verantwortungsethik im Gegensatz zur Gesinnungsethik immer als gültig empfunden Dabei wissen wir aber dass viele aus Motiven ihrer Gesinnung in die Politik gehen nicht aus Vernunftgründen Wir müssen ebenso einräumen dass manche innenpolitische und ebenso manche außenpolitische Entscheidung aus der Gesinnung entspringt und nicht aus rationaler Abwägung Und wir täuschen uns hoffentlich nicht darüber dass auch ein großer Anteil der wählenden Bürger und Bürgerinnen ihre politische Wahlentscheidung vornehmlich aus Motiven der Gesinnung trifft und aus Regungen ihrer gegenwärtigen psychischen Stimmung Gleichwohl habe ich die Einsicht in die grundlegende Bedeutung der beiden Elemente politischer Entscheidung Vernunft und Gewissen seit langen Jahrzehnten in Wort und Schrift vertreten VII Ich muss aber hinzufügen So einfach und so unzweideutig wie dieses Fazit sich anhört oder sich liest so einfach ist es in der demokratischen Wirklichkeit nicht Denn es ist in einer demokratisch verfassten Staatsordnung de facto die Ausnahme wenn ein einzelner allein eine politische Entscheidung trifft In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle entscheidet nicht ein einzelner sondern vielmehr eine Mehrheit von Personen Dies gilt ohne Ausnahme zum Beispiel für jegliche Gesetzgebung Damit im Parlament eine Gesetzgebungsmehrheit zustande kommt müssen mehrere hundert Personen sich auf einen gemeinsamen Text einigen Eine relativ unwichtige Materie kann zugleich kompliziert oder schwer zugänglich sein zum Beispiel in der Steuergesetzgebung In solchen Fällen verlässt man sich dann leicht auf die anerkannten Experten oder auf die anerkannten Führungspersonen der eigenen Fraktion Es gibt aber viele Fälle und es gibt wichtige Materien in denen manche Abgeordnete in einem oder in mehreren Punkten zunächst andere wohl begründete Meinungen haben Um ihnen die Zustimmung zu ermöglichen muss man ihnen entgegenkommen Mit einem anderen Wort Gesetzgebung und Entscheidung durch eine Parlamentsmehrheit setzt bei den vielen einzelnen die Fähigkeit und den Willen zum Kompromiss voraus Ohne Kompromiss kann kein Konsensus einer Mehrheit zustande kommen Wer den Kompromiss prinzipiell nicht kann oder nicht will der ist zur demokratischen Gesetzgebung nicht zu gebrauchen Allerdings ist mit dem Kompromiss oft ein Verlust an Stringenz und Konsequenz des politischen Handelns verknüpft Solchen Verlust muss der demokratische Abgeordnete willig in Kauf nehmen Das gehört ins Stammbuch der deutschen Idealisten geschrieben VIII Kompromisse sind desgleichen in der auswärtigen Politik immer wieder notwendig um den Frieden zwischen den Staaten zu wahren Ein nationaler sacro egoismo wie ihn die Regierung der USA zurzeit pflegt kann auf Dauer nicht friedlich funktionieren Allerdings hat das Ideal des Friedens seit Alexander oder Caesar seit Dschingis Khan Pizarro oder Napoleon bis hin zu Hitler und Stalin über Jahrtausende hinweg in der Praxis der auswärtigen Politik nur ganz selten eine entscheidende Rolle gespielt Und heute noch heißt Alexander bei uns der Große Ebenso wenig hat das Ideal des Friedens in der theoretischen Staatsethik oder in der philosophischen Durchdringung der Politik eine entscheidende Rolle gespielt Im Gegenteil Seit Jahrtausenden und noch in der Neuzeit von Machiavelli bis zu Clausewitz galt der Krieg als quasi selbstverständliches Element der Politik Erst im Zuge der europäischen Aufklärung haben einige wenige Autoren so zum Beispiel der Niederländer Hugo de Groot oder der Deutsche Immanuel Kant den Frieden zum erstrebenswerten politischen Ideal erhoben Aber noch während des ganzen neunzehnten Jahrhunderts ist Krieg für die europäischen Großstaaten eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln geblieben und abermals im zwanzigsten Jahrhundert Dann erst hat das entsetzliche Elend der beiden Weltkriege endlich dazu geführt dass das in den Volksmassen längst vorhandene Bewusstsein vom Krieg als einem zu vermeidenden Kardinalübel der Menschheit sich auch führenden Politikern in West und Ost mitgeteilt hat Der Versuch des Genfer Völkerbundes später die Begründung der bis heute wirksamen Vereinten Nationen bezeugen das ebenso die auf Gleichgewicht zielenden Rüstungsbegrenzungsverträge zwischen den USA und der Sowjetunion ebenso die Begründung der europäischen Integration seit den 1950er Jahren Auch die Bonner Ostpolitik gegenüber Moskau Warschau und Prag war ein denkwürdiges Beispiel für ein entscheidendes Element jeder Friedenspolitik Wer als Staatsmann dem Frieden dienen will der muss mit dem Staatsmann auf der Gegenseite reden das heißt er muss mit dem Feind von gestern oder mit dem möglichen Feind von morgen reden und er muss ihm zuhören und ihm antworten Reden Zuhören und wenn möglich einen Kompromiss schließen Ein anderes Beispiel war die Schlusserklärung der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit KSZE 1975 in Helsinki die ein friedensdienlicher Kompromiss gewesen ist Die Sowjetunion erhielt die Unterschriften der westlichen Staatsmänner unter die Festschreibung der Staatsgrenzen im Osten Europas und der Westen erhielt die Unterschriften der kommunistischen Staatschefs unter die Menschenrechte in Gestalt des nachmalig berühmt gewordenen Korb III der KSZE Ein Kompromiss beide Seiten bekamen etwas Wichtiges und mussten zugleich etwas unterschreiben was ihnen zuwider war Der Zusammenbruch der Sowjetunion anderthalb Jahrzehnte später war dann nicht eine Folge militärischer Gewalt von außen Gott sei Dank sondern es war vielmehr eine im Innern sich vollziehende Implosion eines Systems das seine Kräfte weit überdehnt hatte Ein umgekehrtes negatives Beispiel geben die seit Jahrzehnten wiederkehrenden Kriege und Gewalttaten zwischen dem Staate Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn Wenn beide Seiten nicht miteinander reden so bleiben zwangsläufig Kompromiss und Frieden eine illusionäre Hoffnung und nichts weiter Seit 1945 verbietet das Völkerrecht in Gestalt der Satzung der Vereinten Nationen jede gewaltsame Einmischung von außen in die Angelegenheiten eines Staates allein der Sicherheitsrat darf eine Ausnahme von dieser Grundregel beschließen Mir will es heute dringend nötig erscheinen die Politiker an diese Grundregel zu erinnern Denn zum Beispiel die militärische Intervention im Irak noch dazu lügenhaft begründet ist eindeutig ein Verstoß gegen das Prinzip der Nichteinmischung ein eklatanter Verstoß gegen die Satzung der Vereinten Nationen Politiker vieler Nationen sind an diesem Verstoß mitschuldig Ebenso tragen Politiker vieler Nationen darunter auch deutsche Mitverantwortung für völkerrechtswidrige Interventionen aus humanitären Gründen So sind seit fast einem Jahrzehnt auf dem Balkan gewaltsame Interessenkonflikte auf westlicher Seite mit einem humanitären Mantel bekleidet worden einschließlich der Bomben auf Belgrad IX Ich will aber die außenpolitische Abschweifung verlassen und zum innenpolitischen und zum parlamentarischen Kompromiss zurückkehren Die Massenmedien die in unserer offenen Gesellschaft weitgehend die öffentliche Meinung prägen sprechen von politischen Kompromissen bisweilen als von Kuhhandel oder auch von faulen Kompromissen bisweilen entrüsten sie sich über angeblich unmoralische Fraktionsdisziplin Zwar ist es einerseits gut und nützlich wenn die Medien den Meinungsbildungsprozess immer wieder kritisch durchleuchten Gleichwohl bleibt aber der Satz von der demokratischen Notwendigkeit des Kompromisses richtig Denn eine gesetzgebende Körperschaft in der jedes einzelne Mitglied unabdingbar auf seiner individuellen Meinung beharrte würde den Staat ins Chaos fallen lassen Ähnlich würde eine Regierung regierungsunfähig werden wenn jedes einzelne Mitglied unabdingbar auf seinem individuellen Urteil beharrte Das weiß auch jeder Minister einer Regierung oder jedes Mitglied einer Parlamentsfraktion Jeder demokratische Politiker weiß er muss Kompromisse eingehen Ohne das Prinzip des Kompromisses ist das Prinzip der Demokratie nicht möglich Das steht auch in keinem Lehrbuch sollte aber da stehen Tatsächlich gibt es aber auch üble Kompromisse zum Beispiel zu Lasten Dritter oder zu Lasten einer späteren Zukunft Es gibt unzureichende Kompromisse die das vorliegende Problem nicht lösen sondern nur den Anschein hervorrufen als ob sie es lösen So steht also der notwendigen Tugend des Kompromisses die Versuchung zum bloßen Opportunismus gegenüber Die Versuchung zum opportunistischen Kompromiss mit der öffentlichen Meinung oder mit Teilen der öffentlichen Meinung kehrt alltäglich wieder Deshalb bleibt eben auch der kompromisswillige Politiker auf sein persönliches Gewissen angewiesen Es gibt Kompromisse die ein Politiker nicht eingehen darf weil sein Gewissen widerspricht In solchem Falle bleibt ihm nur der offene Dissens in manchen Fällen bleibt nur der Rücktritt oder der Verlust des Mandats Eine Verletzung des eigenen Gewissens untergräbt Anstand und Moral und das Vertrauen anderer in die Integrität der eigenen Person Es gibt aber auch den Gewissensirrtum Die eigene Ratio kann sich irren so kann auch das eigene Gewissen irren In solchem Fall ist ein moralischer Vorwurf nicht gerechtfertigt gleichwohl kann daraus ein schwerer Schaden entstehen Wenn in solchem Falle der Politiker später seinen Irrtum erkennt so kommt er vor die Frage ob er den Irrtum und die Wahrheit eingestehen soll oder ob er drüber hinweg pfuschen darf In solcher Lage verhalten sich die meisten Politiker ähnlich wie die meisten hier im Saal allzu menschlich Uns allen fällt es ganz schwer einen eigenen Gewissensirrtum und die Wahrheit über uns selbst öffentlich hörbar einzuräumen X Die Frage nach der Wahrheit kann mit der Leidenschaft kontrastieren welche nach Max Weber eine der drei hervorragenden Eigenschaften des Politikers ist Die Frage nach der Wahrheit kann auch kontrastieren mit der notwendigen Fähigkeit zur Rhetorik ein Politiker der nicht reden kann ist kein Politiker die schon vor zweieinhalb Jahrtausenden im demokratisch verfassten Athen als eine der allerwichtigsten Künste angesehen war und die in der heutigen Fernsehgesellschaft eher noch wichtiger geworden ist Wer gewählt werden will der muss den Wählern seine Absichten sein Programm vortragen Dabei ist er in der Gefahr mehr zu versprechen als er später erfüllen kann zumal er dem Fernsehpublikum sympathisch erscheinen will Jeder Wahlkämpfer ist der Versuchung zur Übertreibung ausgesetzt Der Wettbewerb um Ansehen vor allem um die Sympathie des Fernsehpublikums hat diese Versuchung im Vergleich zur früheren zeitungslesenden Gesellschaft noch verstärkt Die moderne Massendemokratie ist wie ähnlich Winston Churchill gesagt hat für uns tatsächlich zwar die bei weitem beste Regierungsform verglichen mit allen anderen die wir früher erlebt haben aber sie ist keineswegs ideal Sie ist zwangsläufig mit großen Versuchungen behaftet mit Irrtümern und mit Defiziten Entscheidend bleibt das Positivum dass die Regierten ihre Regierung ohne Gewalt und Blutvergießen auswechseln können und dass deswegen die Regierenden und ihre sie tragende Parlamentsmehrheit sich vor den Regierten verantworten müssen XI Neben Leidenschaft und Augenmaß sei das Verantwortungsbewusstsein die dritte kennzeichnende Eigenschaft des Politikers so hatte Max Weber gemeint Bleibt die Frage Verantwortung gegenüber wem In dem Wort Verantwortung steckt das Wort Antwort wem muss er antworten Für mich ist nicht das wählende Volk die letzte Instanz vor der ein Politiker sich zu verantworten hat Denn die Wähler treffen nur eine sehr pauschale Tendenz Entscheidung und oft entscheiden sie nach Gefühl und Wellenschlag Gleichwohl muss ihre Mehrheitsentscheidung den Gehorsam der Politiker verlangen Für mich bleibt das eigene Gewissen die oberste Instanz Dabei weiß ich Über das Gewissen gibt es mancherlei theologische und philosophische Meinungen Das Wort kam schon bei den Griechen und Römern vor Später haben Paulus und andere Theologen damit das Bewusstsein des Menschen von Gott gemeint und von der von Gott gewollten Ordnung zugleich das Bewusstsein von der Sündhaftigkeit jeder Verletzung dieser Ordnung Manche Christen sprechen von der Stimme Gottes im Menschen Bei meinem Freund Richard Schröder habe ich gelesen dass unser Verständnis des Gewissens aus der Begegnung des biblischen Denkens mit der Welt des Hellenismus hervorgegangen ist Immanuel Kant allerdings hat sein Leben lang über die Grundwerte seines Gewissens nachgedacht ohne dass die Religion dabei eine Rolle spielte Kant hat das Gewissen als das Bewusstsein eines inneren Gerichtshofes im Menschen bezeichnet Ob man aber das Gewissen aus der Vernunft des Menschen herleitet oder ob von Gott jedenfalls gibt es wenig Zweifel an der Tatsache des menschlichen Gewissens Ob einer Christ oder Muslim oder Jude ist ob er Agnostiker oder Freidenker ist jeder Mensch hat ein Gewissen Etwas leiser will ich hinzufügen Wir alle haben schon einmal gegen unser Gewissen verstoßen wir wissen dass wir ein Gewissen haben es hat sich schon mal gemeldet Wir alle haben schon mit einem schlechten Gewissen weiterleben müssen Natürlich ist diese allzu menschliche Schwäche ebenso dem Politiker eigen XII Ich habe versucht Ihnen aus drei Jahrzehnten der Erfahrung eines Berufspolitikers einige wenige Einsichten darzulegen Natürlich waren das nur sehr eingeschränkte Ausschnitte aus der vielfältigen Wirklichkeit Am Schluss liegt mir eine doppelte Einsicht am Herzen Nämlich erstens dass unsere offene Gesellschaft und unsere Demokratie mit vielen Unvollkommenheiten und Defiziten behaftet sind und dass alle Politiker von allzu menschlichen Schwächen gekennzeichnet bleiben Es wäre ein gefährlicher Irrtum unsere real existierende Demokratie zum reinen Ideal zu erheben Das ist sie nicht Aber zweitens Gleichwohl haben wir Deutschen unserer katastrophalen Geschichte wegen allen Grund mit Zähigkeit an der Demokratie festzuhalten sie immer wieder zu erneuern und immer wieder ihren Feinden tapfer entgegenzutreten Nur wenn wir darin einig sind nur dann behält unsere Nationalhymne von Einigkeit und Recht und Freiheit ihre Berechtigung Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Rede Schmidt deutsch Rede Schmidt englisch Rede auf DVD im Online Shop der Stiftung erhältlich 6 Weltethos Rede am 10 Mai 2006 Jacques Rogge IOC Präsident Weltethos und Sport Im Anschluss an seine Rede führte Jacques Rogge einen Dialog mit Professor Küng Weltsport und Weltethos Sehr geehrte Damen und Herren an der Universität habe ich mich unter anderem sehr ausführlich mit dem Thema der medizinischen Ethik beschäftigt Meine Professoren haben mir ausgeklügelte Theorien darüber was ethisch und was unethisch ist vorgestellt Wir haben über den Unterschied zwischen Moral und Ethik gesprochen über die Gefahren einer paternalistischen Ethik und über die Notwendigkeit die Autonomie des einzelnen Menschen zu respektieren Ich werde jetzt natürlich nicht in all diese Theorien einsteigen denn ich spreche hier vor einem Publikum das sich glaube ich in diesem Bereich wesentlich besser auskennt als ich Was ich für wesentlich wichtiger halte vor allem im täglichen Leben ist dass man eine Art ethischen Reflex entwickelt d h dass man sich ethisch verhält und nicht über komplizierte Theorien nachdenkt Ich denke das ist auch das was die meisten Menschen instinktiv tun Auch wenn sie nie Immanuel Kant gelesen haben den Vater der modernen Ethik auch wenn sie sich nie mit dem Kategorischen Imperativ auseinandergesetzt haben Ich denke es ist wichtig daran zu erinnern was Kant geschrieben hat nämlich dass die Menschheit immer als Ziel und niemals nur als Zweck gesehen werden sollte Ich halte es auch im Sport für wichtig dass der Sportler wirklich als Ziel gesehen wird für das wir handeln als Ziel und nicht als Mittel Sport eine Erfolgsgeschichte Die grundlegende Frage ist also Denken und handeln wir in der Welt des Sports tatsächlich so Schauen wir uns einmal den Zustand des heutigen Sports an Dann sehen wir dass der Sport heute eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist Der Sport genießt sehr viel Aufmerksamkeit und viele Menschen nehmen teil an sportlichen Veranstaltungen Es gibt 400 Millionen Wettkampfsportler auf der Welt 450 Millionen Menschen betreiben Freizeitsport Weltweit gibt es also 850 Millionen Sportler die in 5 Millionen Sportvereinen organisiert sind In Deutschland allein sind 27 Millionen Menschen Mitglied eines Sportvereins In der EU gibt es 750 000 Sportvereine Neben dieser starken Partizipation können wir uns über sehr viele Fernsehzuschauer freuen Bei den Olympischen Spielen beispielsweise beträgt die Zahl der Fernsehzuschauer täglich 3 8 Milliarden Menschen Wenn man das hochrechnet auf die 16 Tage die die Olympischen Spiele dauern dann haben wir über 40 Milliarden Zuschauer 20 Milliarden sind es bei den Olympischen Winterspielen Bei den Olympischen Spielen werden 8 Millionen Eintrittskarten verkauft Für die kommende FIFA Weltmeisterschaft in Deutschland haben wir eine Voraussage von 40 Milliarden Fernsehzuschauern und 6 Millionen verkauften Eintrittskarten obwohl manche sich beschweren dass es schwierig sei eine Karte zu bekommen Diese hohen Teilnehmer und Zuschauerzahlen erzeugen selbstverständlich sehr hohe Einnahmen Die Wirtschaft hilft uns natürlich auch sehr die Industrie die Unternehmen helfen uns mit Sponsoring und die Medien mit dem Kauf von Übertragungsrechten Ein Beispiel 1 5 Milliarden US werden jedes Mal nach den Olympischen Spielen als Einnahmen verzeichnet Aber ich versichere Ihnen dieses Geld behält natürlich nicht das Internationale Olympische Komitee sondern es wird zu 92 weiterverteilt zur Unterstützung des Breitensports Die hohen Teilnehmer und Zuschauerzahlen und die dadurch hohen Einnahmen weisen dem Sport den Status einer gesellschaftlichen Bewegung zu Die Regierungen haben das gemerkt und sie unterstützen den Sport durch entsprechende Subventionen durch den Aufbau der jeweiligen Infrastruktur durch die Gesetzgebung aber auch im Bereich der Bildung und Erziehung z B durch die Ausbildung der entsprechenden Trainer und all derjenigen die sich um die Sportler kümmern Man könnte sagen und dem kann ich mich anschließen dass meine Definition einer Erfolgsgeschichte eher materialistisch geprägt ist Ich habe über Menschen gesprochen über Geld über staatliche Unterstützung und alles das ist wichtig aber reicht es tatsächlich aus um die Welt des Sports zu beschreiben Ich sage Nein das reicht nicht aus Ja Sport hat materielle Erfolge gezeitigt Aber wenn man Erfolg ganzheitlicher definieren will braucht man noch eine zusätzliche Dimension Wir brauchen diese zusätzliche Dimension der unfassbaren immateriellen humanistischen und ethischen Werte um die soziale Bedeutung des Sports zu erkennen Sport ist ein organisatorischer Erfolg aber um ein Erfolg für die ganze Gesellschaft zu sein müssen andere Werte miteinbezogen werden die nicht materiell sind Ohne diese Werte kann der Sport nicht die enorm wichtige erzieherische Funktion wahrnehmen die wir uns von ihm wünschen All diese Werte für die wir stehen sind in der Olympischen Charta festgelegt Die Olympische Charta ist im Grunde unser Manifest Sie ist das grundlegende Referenzdokument für die Olympische Bewegung Und sie legt nicht nur einen allgemeinen Verhaltenskodex fest sondern auch die ganz entscheidenden ethischen Verhaltensgrundlagen Die Charta liefert uns so auch den Referenzrahmen für unser Verhalten in der Gesellschaft Der Sport die Olympischen Spiele die Olympische Bewegung sind ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft Und deswegen glauben wir dass es ganz wichtig ist dass wir uns auf unsere fundamentalen Prinzipien verlassen können Als da wären Toleranz gegenseitiger Respekt Universalität Solidarität zwischen Reich und Arm und Unparteilichkeit Das bedeutet dass jede Form der Diskriminierung aufgrund von Rasse Religion politischer Meinung Geschlecht oder aus anderen Gründen einfach nicht in die Olympische Bewegung gehören Sie sind ihrem Grundgedanken diametral entgegengesetzt Bedrohungen für den Sport Die humanistischen und ethischen Werte des Sports sind leider immer wieder bedroht durch vielerlei Veränderungen Es gibt vor allem folgende Gefahren Doping Gewalt Rassismus Korruption Gefahren für die Gesundheit der Sportler und die Kommerzialisierung Sollten wir wirklich überrascht sein dass es diese Gefahren in einer so hehren menschlichen Tätigkeit wie dem Sport gibt Ich denke das sollte uns nicht überraschen Sport ist nicht besser als die Gesellschaft Sport gibt nicht vor besser zu sein als die Gesellschaft Sport ist eigentlich der Ausdruck der Gesellschaft als Ganzer mit all ihren Schwächen mit all ihren Fehlern aber auch mit all ihren wunderbaren Leistungen und Werten Lassen Sie uns diese Bedrohungen einmal zusammen untersuchen der Kampf gegen das Doping hat oberste Priorität im Sport weil Doping die Gesundheit der Sportler angreift und weil Doping die Glaubwürdigkeit des gesamten Wettkampfes der eben auf einer gewissen Rangfolge basiert in Frage stellt Ein dritter Faktor ist zudem wichtig Doping gefährdet die Rekrutierung zum Sport Wir laufen Gefahr keinen weiteren Zulauf zum Sport zu bekommen weil die Mütter denken Sport ist gefährlich wegen des Dopings Sie bringen ihre Kinder nicht mehr in die Sportvereine und das ist dann das Ende weil wir überhaupt keinen Nachwuchs mehr bekommen Das IOC war in den 60er Jahren ein Pionier im Kampf gegen das Doping Schon seit dieser Zeit vertreten wir eine Null Toleranz Politik Und ich bin froh sagen zu können dass wir durch die Intensivierung unserer Bemühungen und durch die Gründung der World Anti Doping Agency große Fortschritte gemacht haben Viele sagen der Kampf gegen Doping wird ewig währen Wie ich schon sagte es gibt 850 Millionen Sportler hier auf dieser Erde aber es gibt natürlich nicht 850 Millionen Heilige Deswegen Ich glaube nicht an Utopien ich bin Realist ich glaube also nicht dass das Doping ganz aus dem Sport verbannt werden kann Aber es ist unsere heilige Pflicht Doping so weit wie möglich einzugrenzen Schauen Sie sich Doping doch einmal an es lässt sich vergleichen mit der Kriminalität in einer Gesellschaft Es gibt keine Gesellschaft ohne Richter ohne Gesetze ohne Strafverfolgung und ohne Gerichtsbarkeit Das brauchen wir auch im Sport und wir müssen es dann auch umsetzen Die zweite große Gefahr ist die Gewalt der Vandalismus die Hooligans Wir haben das bei den Olympischen Spielen noch nicht erleben müssen und wir sind froh darüber aber wir müssen natürlich stets wachsam sein Wir sollten nie das Drama vergessen das sich vor über zwanzig Jahren in meinem eigenen Land in Belgien in Brüssel abgespielt hat als 39 italienische Fans von Juventus in gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Fans von Liverpool umkamen Das Phänomen der Hooligans ist ein sehr schwieriges Phänomen Es ist im Grunde Ausdruck eines Teils der Gesellschaft der unzufrieden ist meist sind es arbeitslose junge Menschen die oft auch in sehr extreme politische Kreise geraten sind Sie sehen keine Zukunft keine Hoffnung für sich in der Gesellschaft Sie wollen durch ihre Gewalttätigkeit hauptsächlich ihrer Frustration ihrer Wut Luft machen Sie tun das im Stadion Warum Weil das Fernsehen anwesend ist und die Öffentlichkeit zuschaut Sie würden das nie in einem leeren Stadion tun Das ist die Tragik von Gewalt im Sport Sport erzeugt die Gewalt nicht Sport liefert nur den Rahmen die Bühne für die Demonstration von Gewalt Es gibt eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit der Führungspersönlichkeiten im Sport und im Staat um diese Gewalt durch Prävention und Repression zu bekämpfen Aber letztlich wird die endgültige Lösung sein das Problem an der Wurzel zu packen Das Problem ist eben ein gesellschaftliches Wenn diese Menschen in Brot und Arbeit gesetzt werden wieder Zukunftsperspektiven bekommen dann wird das Problem der Hooligans und der Ausschreitungen an Sportstätten ein Ende haben Leider gibt es aber noch eine dritte Gefahr den Rassismus Auch das ist wieder kein spezielles Problem des Sports an sich sondern ein Problem des Publikums in der Arena und der Gesellschaft außerhalb der Arena In den europäischen Fußballteams haben wir immer mehr gute afrikanische Spieler und wir erleben immer mehr Rassismus in den Stadien Zum Glück sind rassistische Ausschreitungen bei den Olympischen Spielen noch nicht vorgekommen aber wir müssen auch hier wachsam sein Ich möchte der FIFA gratulieren weil sie eine ganz starke Position gegen Rassismus eingenommen hat und weil die Strafen für rassistische Gewalt drakonisch sind Und auch viele Regierungen zum Beispiel in Holland Italien Frankreich Großbritannien um nur einige zu nennen haben hohe Strafen und Geldstrafen für rassistische Umtriebe verhängt Das schätzen wir sehr denn ich bin der Meinung dass wir null Toleranz gegenüber Rassismus zeigen müssen Aber auch hier genau wie im Fall der Gewalt und der Hooligans ist die Lösung des Problems Sache der Gesellschaft Das gesellschaftliche Problem muss an der Wurzel gepackt werden Denn auch hier gilt der Rassismus im Stadion ist Ausdruck der schwierigen Situation die in der Gesellschaft gegenüber den Minderheiten herrscht Korruption ein weiteres Problem Und ich muss zugeben und Sie wissen das ja auch dass das IOC selbst vor zehn Jahren große Probleme mit Korruption hatte Aber wir haben wie ich finde entschlossen reagiert indem wir die Ethik Kommission gebildet haben Die Kommission setzt sich aus angesehenen Persönlichkeiten zusammen wie zum Beispiel dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen und weiteren Persönlichkeiten dieses Kalibers Wir mussten insgesamt elf Mitglieder ausschließen Das war zwar nicht angenehm aber es ist unsere Pflicht wir sind es den Athleten schuldig darauf zu achten dass alles was wir tun auch ethisch und moralisch in Ordnung ist Dann sind da noch die Wettskandale Sie wissen ja was hier passiert ist in Bezug auf die Korruption von den Schiedsrichtern Dies gibt es nicht nur in Deutschland auch in Belgien haben wir ein ähnliches Problem es findet Korruption im Zusammenhang mit Wetten statt Und da das Wetten immer populärer wird vor allen Dingen online wird auch das Problem immer grösser Auch hier wird reagiert die Wettbüros werden überwacht Wir haben auch hier eine Null Toleranz Haltung eingenommen Die beste Art Korruption zu bekämpfen ist sicherlich eine sehr gute absolut transparente Führung in den Sportgremien zu besitzen mit strengen Regeln die auf den Prinzipien der Ethik und der Moral beruhen Wir müssen die Gesundheit der Sportler schützen Diese wird natürlich beeinträchtigt durch Doping darüber haben wir ja schon gesprochen Gesundheitsgefährdend ist aber auch das Übertrainieren ein zu starkes Trainieren Manchmal geschieht das aufgrund von überehrgeizigen Trainern Manchmal und das muss man zugeben sind es aber auch die Sportler selbst die so ehrgeizig sind dass sie ihre persönlichen Grenzen überschreiten und zuviel trainieren Hier liegt es dann in der Verantwortung der Trainer zu sagen Stopp das reicht Außerdem ist noch das Problem des übertriebenen Wetteiferns zu nennen Manchmal ist der Druck auf die Sportler zu groß Der Druck der von ihren jeweiligen nationalen oder internationalen Verbänden manchmal auch vom jeweiligen Nationalen Olympischen Komitee ausgeübt wird Hier müssen wir reagieren Die Unversehrtheit der Athleten muss geschützt werden Das IOC arbeitet ganz eng zusammen mit den jeweiligen internationalen und nationalen Verbänden und den Nationalen Olympischen Komitees um auch hier in Zusammenarbeit mit Medizinern und Sportwissenschaftlern klare Regeln und Grundlagen für ein vernünftiges Training zu definieren so dass übertriebenes Training das gesundheitsschädlich ist vermieden wird Nun kommen wir zum Thema der Kommerzialisierung des Sports Ist die Kombination von Sport und Geld gut oder schlecht Nun Geld ist eigentlich neutral Es ist weder gut noch schlecht Es ist die Art und Weise wie man das Geld einsetzt die ausschlaggebend ist Und lassen Sie mich ganz klar sagen Ich bin dafür dass wir einen wirklich gut gesteuerten und überwachten Geldfluss haben der auf ethische Weise eingesetzt wird Denn wir brauchen Geld im Sport Um Kant noch einmal zu zitieren Ich möchte damit sagen dass man Geld immer als Mittel und nicht als Zweck sehen muss Vor einigen Jahren sagten manche Als es den reinen Amateurstatus gab da war alles viel besser da war das Geld nicht so wichtig Das ist absolut heuchlerisch Denn diese Regel des Amateurstatus die erst beim Olympischen Kongress in Baden Baden 1980 aufgegeben wurde bewirkte dass es sich nur die Reichen leisten konnten Sport zu treiben Damals gab es keine Sponsoren es gab keine Fernsehrechte und so waren die Spiele nur etwas für eine elitäre Schicht Nur die reichen Industrieländer konnten an den Olympischen Spielen teilnehmen Die Entwicklungsländer konnten es sich nicht leisten auch nur einen einzigen Sportler zu den Olympischen Spielen zu schicken Bei den Spielen 1960 in Rom und 1964 in Tokio konnten nur 60 Prozent der damals existierenden Länder teilnehmen Heute ist das glücklicherweise nicht mehr so Heute kann ich sagen dass Universalität herrscht da wirklich alle Länder der Welt teilnehmen können Mittlerweile sind wir bei 203 Teilnehmerländern Wir können das alles bezahlen das heißt das Training die Ausrüstung die ganze Infrastruktur für die Athleten die Reisen usw Und so soll es auch sein Ich glaube dass gut gesteuertes und überwachtes Geld zu einer Demokratisierung im Sport geführt hat Wie ich Ihnen schon sagte 1 5 Milliarden US nehmen wir jedes Mal bei den Olympischen Spielen ein Und ich sagte auch dass 92 davon wieder ausgeschüttet werden Das Geld geht an den Breitensport Infrastruktur wird aufgebaut wir machen uns auf die Suche nach Talenten wir schulen ihre Trainer wir finanzieren Teilnahmen an Wettbewerben Geld ist also sehr wichtig für die ethische Komponente des Sports denn sonst wäre ein großer Teil der Dritten Welt nicht Teil der Sport Welt Aber ich muss zugeben Geld birgt auch Gefahren in sich Aber so lange unsere Sponsoren unsere Medien das Fernsehen ich sage Ihnen das ist wirklich so im IOC so lange unsere Sponsoren und Fernsehsender nicht selber die Regeln diktieren zum Beispiel die Art und Weise wie die Olympischen Spiele durchgeführt werden dann kann eigentlich gar nichts passieren Lassen Sie mich das anhand eines Beispiels verdeutlichen Vor ein paar Jahren haben wir mit der EBU der European Broadcasting Union in Genf über die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele verhandelt Es gab zwei Angebote ein Angebot über 600 Millionen US von der EBU Sie wissen ja das ist der Dachverband aller öffentlich rechtlichen Fernsehsender in Europa Dann hatten wir noch ein anderes Angebot über 900 Millionen US auf dem Tisch liegen Immerhin 300 Millionen mehr das ist eine ganze Menge Geld Allerdings wäre das nur fürs Bezahlfernsehen für Pay TV gewesen und die Allgemeinheit hätte keine Möglichkeit gehabt die Olympischen Spiele zu verfolgen ohne zu bezahlen Da haben wir gesagt Nein lieber 300 Millionen Dollar weniger denn die Spiele sollen in den öffentlich rechtlichen Sendern bleiben so dass wir freien und kostenlosen Zugang für alle garantieren können Ich möchte noch folgendes sagen weil wir kritisiert werden dass alles so kommerziell wird Vergessen Sie nicht dass bei den Olympischen Spielen als einzigem großen Sportereignis ein werbefreier Rahmen herrscht Sie sehen also keine Werbetafeln im Stadion oder davor Sie sehen keine Logos auf den Trikots und auf der Ausrüstung der Sportler Ich möchte hier jetzt keine Selbstbeweihräucherung betreiben aber auch die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees sind rein ehrenamtlich tätig sie bekommen kein Gehalt Wir glauben dass wir den Geldfluss kontrollieren können ohne selbst vom Geld gesteuert zu werden Ungerechtigkeiten im Sport Über die angesprochenen Bedrohungen des Sports hinaus gibt es zudem noch einige Ungerechtigkeiten im Sport Die größte Ungerechtigkeit ist das Gefälle zwischen Nord und Süd die Kluft zwischen Industrie und Entwicklungsländern Es gibt hier einen starken Zusammenhang zwischen dem Bruttosozialprodukt eines Landes und der Anzahl der Medaillen Je höher das Bruttosozialprodukt desto mehr olympische Medaillen Es gibt nur wenige Ausnahmen Und hier kommt nun denke ich auch wieder das Prinzip der Solidarität zum Tragen Das heißt dass das IOC auch hier Mittel vergibt dieses Mal speziell an die nationalen Komitees die wirklich finanzielle Unterstützung brauchen Dadurch ist diese Nord Süd Kluft im Sport etwas schmäler geworden Darauf sind wir sehr stolz Bei der zweiten Ungerechtigkeit handelt es sich um die Rolle der Frauen im Sport Das IOC hat große Bemühungen unternommen damit es mehr Teilnehmerinnen bei den Olympischen Spielen gibt Bei den Spielen 1980 in Moskau waren nur 18 der Teilnehmer Frauen und jetzt liegen wir bei 44 weiblicher Beteiligung Ich glaube im nächsten Jahrzehnt werden wir eine 50 50 Verteilung haben Und dann müssen wir uns natürlich Gedanken machen über die Rolle der armen Männer das ist klar Wir müssen hier aber ganz ehrlich sein Das ist nur eine Seite der Medaille Denn wenn es um die tägliche Praxis im Sport geht haben wir diesen großen Anstieg von 18 auf 44 nicht In der täglichen Praxis gibt es große Hürden die es zu überwinden gilt In manchen Ländern sind sie religiös bedingt in manchen wirtschaftlich oder auch kulturell In vielen Entwicklungsländern müssen die Mütter zu Hause bleiben und die Familie ernähren Sie haben gar keine Möglichkeit in einen Sportverein zu gehen wenn es denn überhaupt einen gibt Wir setzen uns dafür ein dass hier Mittel und Wege gefunden werden diese Hürden zu überwinden Und schließlich setzen wir uns dafür ein dass mehr Frauen in führenden Positionen in den Sportgremien vertreten sind Das ist auch wieder ein Spiegel der Gesellschaft Ich glaube die Unterrepräsentation der Frauen zeigt sich ja auch in der Politik und an den Universitäten Drittens setzen wir uns im Kampf gegen die Ungerechtigkeit für die Universalität der Spiele ein Wir wollen nicht dass die Olympischen Spiele zum Spielplatz lediglich der absoluten Spitzensportler der Welt werden Wenn ausschließlich Qualität über die Teilnahme entscheiden würde wären beispielsweise bei den Hundertmeterläufen nur zehn Amerikaner zehn Jamaikaner oder ein paar Sportler aus der Karibik vertreten Es könnten gar keine anderen Länder teilnehmen Deswegen in allen Sportarten sollte es eine Mischung geben zwischen der Qualität die wir brauchen und wollen und der Teilnehmer Vielfalt Damit auch die Athleten die nicht ganz so gut sind wie die Spitzensportler mitmachen können Das IOC macht das so der internationale Leichtathletikverband auch und ich finde das sehr wichtig Wir wählen zu 85 nach Qualität und Leistung aus die restlichen 15 sollen eine Teilnahme der Schwächeren ermöglichen und so die Universalität der Spiele sichern Soziale Verantwortung Nun schauen wir uns noch einen anderen Aspekt an die soziale Verantwortung die man auch im Sport braucht Denn Sport ist ja viel mehr als nur ein Wettbewerb Sport ist wahrlich auch eine gesellschaftliche Bewegung und eine Bewegung die wichtig ist für die Erziehung Deswegen kümmern wir uns besonders um den Behindertensport Wir haben ja die Paralympics die Special Olympics für die geistig Behinderten und dann noch die speziellen Olympischen Spiele für die Hörbehinderten Diesen Ereignissen haben wir ja nicht nur das Wort olympisch zugestanden wir unterstützen sie auch finanziell und wir verpflichten die jeweiligen Organisatoren der Spiele dazu die Paralympics circa drei Wochen nach den Olympischen Hauptspielen auszurichten Der zweite Bereich in dem wir uns im Zuge von sozialer Verantwortung engagieren ist die humanitäre Hilfe In der Tat die meisten Sportler sind jung sie sind bekannt sie sind oft auch reich sie sind gesund aber wir alle haben eine soziale Verantwortung Und wir haben eben auch eine Verantwortung denen zu helfen die in Not sind die nicht reich nicht gesund und nicht bekannt sind und die meistens von der Gesellschaft vergessen werden Deswegen bin ich froh dass sich die Sportbewegung nach dem Tsunami der Weihnachten vor zwei Jahren große Schäden anrichtete sehr großzügig gezeigt hat Außerdem half man in Darfur mit Geld mit Nahrungsmittellieferungen aber auch mit Sportausrüstung Denn Sportausrüstung stellen Trainer schicken und sportliche Ereignisse in den Flüchtlingslagern organisieren ist wirklich etwas Fantastisches Wir haben auch die Opfer des Erdbebens in Pakistan unterstützt und die Opfer des Hurricanes in der Karibik Wir engagieren uns eigentlich laufend denn solche Katastrophen geschehen ja andauernd und wir führen die Hilfen in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und dem Roten Kreuz durch Eine Sache auf die ich sehr stolz bin sind die Bemühungen die wir in den Flüchtlingslagern unternehmen Die Flüchtlingslager sind ja voller Menschen die ohne jede Hoffnung sind die keine Zukunft mehr haben die keine Träume mehr haben Und Sie glauben nicht was Sport diesen Menschen geben kann Die Tatsache dass die Menschen sich plötzlich als Teil eines Teams sehen dass hier so etwas Wunderbares wie Sport betrieben werden kann das ist etwas das mich immer wieder im tiefsten Inneren berührt wenn ich vor Ort bin In medizinischer Hinsicht bemühen wir uns auch zum Beispiel im Bereich der AIDS Prävention AIDS ist nicht nur ein großes Problem in Afrika sondern auch in Südostasien und wird auch in Osteuropa immer mehr zum Problem Wir nutzen vor allem das Prestige das Ansehen von Sportidolen um die Botschaft zu den Menschen zu bringen Damit sie den jungen Leuten sagen dass man vorsichtig sein und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen muss Dieses Programm das wir wiederum zusammen mit der UNO durchführen ist auch sehr erfolgreich Gerade wenn es um soziale Verantwortung geht wir bemühen uns um die Wiedereingliederung der Sportler nach ihrer sportlichen Karriere Normalerweise werden Talente im Alter von 13 14 Jahren entdeckt Wir geben ihnen die besten Trainer und wir sagen Ihr müsst sehr hart arbeiten um etwas zu erreichen Wir schicken sie in Trainingslager und zu Wettkämpfen auch ins Ausland Das alles geschieht leider häufig auf Kosten der Schulausbildung Wenn die Sportler dann 35 40 Jahre alt sind und ihre sportliche Karriere beenden kann man ihnen nicht nur die Hand schütteln und sagen Herzlichen Glückwunsch Sie haben eine tolle Karriere hingelegt und jetzt machen Sie s gut Nein wir haben die Verantwortung ihnen zu helfen sich wieder in das normale gesellschaftliche Leben ins Berufsleben einzugliedern Das ist nicht einfach Wir helfen zum Beispiel indem wir ihnen eine Ausbildung anbieten und entsprechende Berufsmöglichkeiten für sie finden Auch dieses Programm ist sehr erfolgreich in vielen Nationalen Olympischen Komitees Solche Bemühungen gibt es mittlerweile weltweit

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  • Globales Wirtschaftsethos • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Globales Wirtschaftsethos Globales Wirtschaftsethos Wirtschaft Weltethos Institut WEIT Globales Wirtschaftsethos Weltethos Reden Mit Wirtschaftsethikern Unternehmern und anderen Praktikern aus Wirtschaft und Wissenschaft hat die Stiftung Weltethos das Manifest Globales Wirthschaftsethos Konsequenzen für die Weltwirtschaft erarbeitet Dieses Manifest skizziert auf der Basis der Erklärung zum Weltethos zentrale Aspekte eines globalen Wirtschaftsethos die für viele Bereiche wirtschaftlichen Handelns von grundlegender Bedeutung sind Im Herbst 2009 wurde das Manifest in Kooperation mit dem UN Global Compact und der Novartis Stiftung im UN Hauptquartier in New York präsentiert und von namhaften Persönlichkeiten aus Wirtschaft Politik Wissenschaft und Religion unterzeichnet So unter anderem von James Wolfensohn dem ehemaligen Präsident der Weltbank Juan Somavia dem Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation IAO Prinz El Hassan bin Talal aus Jordanien Augsburger Friedenspreis 2008 und Desmond Tutu Friedensnobelpreisträger aus Südafrika Das Manifest wurde bei weiteren internationalen Anlässen vorgestellt und diskutiert an der Peking Universität beim Jahres Symposion der Novartis Stiftung in Basel und im Rahmen des Parlaments der Weltreligionen in Melbourne Beim UN Global Compact Leaders Summit New York 23 25 Juni 2010 wurde die internationale Verbreitung fortgesetzt Für den gesamten Prozess der Bekanntmachung und Umsetzung des Manifests hat die Stiftung Weltethos die Webseite www globaleconomicethic org eingerichtet Dort ist

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  • Weltethos-Reden • Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung
    Vortrag des Jahres 1919 über Politik als Beruf etwas zu pauschal vom Augenmaß des Politikers gesprochen Er hat hinzugefügt der Politiker müsse für die Folgen seines Handelns aufkommen Tatsächlich so denke ich müssen nicht nur ganz allgemein die Folgen sondern ausdrücklich auch die ungewollten Folgen auch die in Kauf genommenen oder nicht vorhergesehenen Nebenwirkungen gerechtfertigt sein die Ziele seines Handelns müssen moralisch gerechtfertigt sein Sie müssen verantwortet werden können Die Ziele seines Handelns müssen gerechtfertigt sein seine Mittel müssen ethisch gerechtfertigt sein Bei einer unvermeidlich notwendigen Spontan Entscheidung muss dafür das Augenmaß ausreichen Wenn dagegen Zeit zur Abwägung verfügbar ist dann sind sorgfältige Analyse und Durchdenken geboten Diese Maxime gilt nicht allein für eine Entscheidung im dramatischen Extremfall sondern ebenso für die ganz normale alltägliche Gesetzgebung etwa im Felde der Steuer oder der Arbeitsmarktpolitik sie gilt ebenso für die Entscheidung über ein neues Kraftwerk oder eine neue Autobahn Diese Maxime gilt ohne jede Einschränkung Mit einem anderen Wort Ohne die vorangehende Anstrengung seiner Vernunft kann der Politiker sein Handeln und dessen Folgen nicht im Gewissen verantworten Eine gute Absicht allein oder eine lautere Gesinnung allein kann ihn von seiner Verantwortung nicht entlasten Deshalb habe ich Max Webers Wort von der Notwendigkeit der Verantwortungsethik im Gegensatz zur Gesinnungsethik immer als gültig empfunden Dabei wissen wir aber dass viele aus Motiven ihrer Gesinnung in die Politik gehen nicht aus Vernunftgründen Wir müssen ebenso einräumen dass manche innenpolitische und ebenso manche außenpolitische Entscheidung aus der Gesinnung entspringt und nicht aus rationaler Abwägung Und wir täuschen uns hoffentlich nicht darüber dass auch ein großer Anteil der wählenden Bürger und Bürgerinnen ihre politische Wahlentscheidung vornehmlich aus Motiven der Gesinnung trifft und aus Regungen ihrer gegenwärtigen psychischen Stimmung Gleichwohl habe ich die Einsicht in die grundlegende Bedeutung der beiden Elemente politischer Entscheidung Vernunft und Gewissen seit langen Jahrzehnten in Wort und Schrift vertreten VII Ich muss aber hinzufügen So einfach und so unzweideutig wie dieses Fazit sich anhört oder sich liest so einfach ist es in der demokratischen Wirklichkeit nicht Denn es ist in einer demokratisch verfassten Staatsordnung de facto die Ausnahme wenn ein einzelner allein eine politische Entscheidung trifft In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle entscheidet nicht ein einzelner sondern vielmehr eine Mehrheit von Personen Dies gilt ohne Ausnahme zum Beispiel für jegliche Gesetzgebung Damit im Parlament eine Gesetzgebungsmehrheit zustande kommt müssen mehrere hundert Personen sich auf einen gemeinsamen Text einigen Eine relativ unwichtige Materie kann zugleich kompliziert oder schwer zugänglich sein zum Beispiel in der Steuergesetzgebung In solchen Fällen verlässt man sich dann leicht auf die anerkannten Experten oder auf die anerkannten Führungspersonen der eigenen Fraktion Es gibt aber viele Fälle und es gibt wichtige Materien in denen manche Abgeordnete in einem oder in mehreren Punkten zunächst andere wohl begründete Meinungen haben Um ihnen die Zustimmung zu ermöglichen muss man ihnen entgegenkommen Mit einem anderen Wort Gesetzgebung und Entscheidung durch eine Parlamentsmehrheit setzt bei den vielen einzelnen die Fähigkeit und den Willen zum Kompromiss voraus Ohne Kompromiss kann kein Konsensus einer Mehrheit zustande kommen Wer den Kompromiss prinzipiell nicht kann oder nicht will der ist zur demokratischen Gesetzgebung nicht zu gebrauchen Allerdings ist mit dem Kompromiss oft ein Verlust an Stringenz und Konsequenz des politischen Handelns verknüpft Solchen Verlust muss der demokratische Abgeordnete willig in Kauf nehmen Das gehört ins Stammbuch der deutschen Idealisten geschrieben VIII Kompromisse sind desgleichen in der auswärtigen Politik immer wieder notwendig um den Frieden zwischen den Staaten zu wahren Ein nationaler sacro egoismo wie ihn die Regierung der USA zurzeit pflegt kann auf Dauer nicht friedlich funktionieren Allerdings hat das Ideal des Friedens seit Alexander oder Caesar seit Dschingis Khan Pizarro oder Napoleon bis hin zu Hitler und Stalin über Jahrtausende hinweg in der Praxis der auswärtigen Politik nur ganz selten eine entscheidende Rolle gespielt Und heute noch heißt Alexander bei uns der Große Ebenso wenig hat das Ideal des Friedens in der theoretischen Staatsethik oder in der philosophischen Durchdringung der Politik eine entscheidende Rolle gespielt Im Gegenteil Seit Jahrtausenden und noch in der Neuzeit von Machiavelli bis zu Clausewitz galt der Krieg als quasi selbstverständliches Element der Politik Erst im Zuge der europäischen Aufklärung haben einige wenige Autoren so zum Beispiel der Niederländer Hugo de Groot oder der Deutsche Immanuel Kant den Frieden zum erstrebenswerten politischen Ideal erhoben Aber noch während des ganzen neunzehnten Jahrhunderts ist Krieg für die europäischen Großstaaten eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln geblieben und abermals im zwanzigsten Jahrhundert Dann erst hat das entsetzliche Elend der beiden Weltkriege endlich dazu geführt dass das in den Volksmassen längst vorhandene Bewusstsein vom Krieg als einem zu vermeidenden Kardinalübel der Menschheit sich auch führenden Politikern in West und Ost mitgeteilt hat Der Versuch des Genfer Völkerbundes später die Begründung der bis heute wirksamen Vereinten Nationen bezeugen das ebenso die auf Gleichgewicht zielenden Rüstungsbegrenzungsverträge zwischen den USA und der Sowjetunion ebenso die Begründung der europäischen Integration seit den 1950er Jahren Auch die Bonner Ostpolitik gegenüber Moskau Warschau und Prag war ein denkwürdiges Beispiel für ein entscheidendes Element jeder Friedenspolitik Wer als Staatsmann dem Frieden dienen will der muss mit dem Staatsmann auf der Gegenseite reden das heißt er muss mit dem Feind von gestern oder mit dem möglichen Feind von morgen reden und er muss ihm zuhören und ihm antworten Reden Zuhören und wenn möglich einen Kompromiss schließen Ein anderes Beispiel war die Schlusserklärung der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit KSZE 1975 in Helsinki die ein friedensdienlicher Kompromiss gewesen ist Die Sowjetunion erhielt die Unterschriften der westlichen Staatsmänner unter die Festschreibung der Staatsgrenzen im Osten Europas und der Westen erhielt die Unterschriften der kommunistischen Staatschefs unter die Menschenrechte in Gestalt des nachmalig berühmt gewordenen Korb III der KSZE Ein Kompromiss beide Seiten bekamen etwas Wichtiges und mussten zugleich etwas unterschreiben was ihnen zuwider war Der Zusammenbruch der Sowjetunion anderthalb Jahrzehnte später war dann nicht eine Folge militärischer Gewalt von außen Gott sei Dank sondern es war vielmehr eine im Innern sich vollziehende Implosion eines Systems das seine Kräfte weit überdehnt hatte Ein umgekehrtes negatives Beispiel geben die seit Jahrzehnten wiederkehrenden Kriege und Gewalttaten zwischen dem Staate Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn Wenn beide Seiten nicht miteinander reden so bleiben zwangsläufig Kompromiss und Frieden eine illusionäre Hoffnung und nichts weiter Seit 1945 verbietet das Völkerrecht in Gestalt der Satzung der Vereinten Nationen jede gewaltsame Einmischung von außen in die Angelegenheiten eines Staates allein der Sicherheitsrat darf eine Ausnahme von dieser Grundregel beschließen Mir will es heute dringend nötig erscheinen die Politiker an diese Grundregel zu erinnern Denn zum Beispiel die militärische Intervention im Irak noch dazu lügenhaft begründet ist eindeutig ein Verstoß gegen das Prinzip der Nichteinmischung ein eklatanter Verstoß gegen die Satzung der Vereinten Nationen Politiker vieler Nationen sind an diesem Verstoß mitschuldig Ebenso tragen Politiker vieler Nationen darunter auch deutsche Mitverantwortung für völkerrechtswidrige Interventionen aus humanitären Gründen So sind seit fast einem Jahrzehnt auf dem Balkan gewaltsame Interessenkonflikte auf westlicher Seite mit einem humanitären Mantel bekleidet worden einschließlich der Bomben auf Belgrad IX Ich will aber die außenpolitische Abschweifung verlassen und zum innenpolitischen und zum parlamentarischen Kompromiss zurückkehren Die Massenmedien die in unserer offenen Gesellschaft weitgehend die öffentliche Meinung prägen sprechen von politischen Kompromissen bisweilen als von Kuhhandel oder auch von faulen Kompromissen bisweilen entrüsten sie sich über angeblich unmoralische Fraktionsdisziplin Zwar ist es einerseits gut und nützlich wenn die Medien den Meinungsbildungsprozess immer wieder kritisch durchleuchten Gleichwohl bleibt aber der Satz von der demokratischen Notwendigkeit des Kompromisses richtig Denn eine gesetzgebende Körperschaft in der jedes einzelne Mitglied unabdingbar auf seiner individuellen Meinung beharrte würde den Staat ins Chaos fallen lassen Ähnlich würde eine Regierung regierungsunfähig werden wenn jedes einzelne Mitglied unabdingbar auf seinem individuellen Urteil beharrte Das weiß auch jeder Minister einer Regierung oder jedes Mitglied einer Parlamentsfraktion Jeder demokratische Politiker weiß er muss Kompromisse eingehen Ohne das Prinzip des Kompromisses ist das Prinzip der Demokratie nicht möglich Das steht auch in keinem Lehrbuch sollte aber da stehen Tatsächlich gibt es aber auch üble Kompromisse zum Beispiel zu Lasten Dritter oder zu Lasten einer späteren Zukunft Es gibt unzureichende Kompromisse die das vorliegende Problem nicht lösen sondern nur den Anschein hervorrufen als ob sie es lösen So steht also der notwendigen Tugend des Kompromisses die Versuchung zum bloßen Opportunismus gegenüber Die Versuchung zum opportunistischen Kompromiss mit der öffentlichen Meinung oder mit Teilen der öffentlichen Meinung kehrt alltäglich wieder Deshalb bleibt eben auch der kompromisswillige Politiker auf sein persönliches Gewissen angewiesen Es gibt Kompromisse die ein Politiker nicht eingehen darf weil sein Gewissen widerspricht In solchem Falle bleibt ihm nur der offene Dissens in manchen Fällen bleibt nur der Rücktritt oder der Verlust des Mandats Eine Verletzung des eigenen Gewissens untergräbt Anstand und Moral und das Vertrauen anderer in die Integrität der eigenen Person Es gibt aber auch den Gewissensirrtum Die eigene Ratio kann sich irren so kann auch das eigene Gewissen irren In solchem Fall ist ein moralischer Vorwurf nicht gerechtfertigt gleichwohl kann daraus ein schwerer Schaden entstehen Wenn in solchem Falle der Politiker später seinen Irrtum erkennt so kommt er vor die Frage ob er den Irrtum und die Wahrheit eingestehen soll oder ob er drüber hinweg pfuschen darf In solcher Lage verhalten sich die meisten Politiker ähnlich wie die meisten hier im Saal allzu menschlich Uns allen fällt es ganz schwer einen eigenen Gewissensirrtum und die Wahrheit über uns selbst öffentlich hörbar einzuräumen X Die Frage nach der Wahrheit kann mit der Leidenschaft kontrastieren welche nach Max Weber eine der drei hervorragenden Eigenschaften des Politikers ist Die Frage nach der Wahrheit kann auch kontrastieren mit der notwendigen Fähigkeit zur Rhetorik ein Politiker der nicht reden kann ist kein Politiker die schon vor zweieinhalb Jahrtausenden im demokratisch verfassten Athen als eine der allerwichtigsten Künste angesehen war und die in der heutigen Fernsehgesellschaft eher noch wichtiger geworden ist Wer gewählt werden will der muss den Wählern seine Absichten sein Programm vortragen Dabei ist er in der Gefahr mehr zu versprechen als er später erfüllen kann zumal er dem Fernsehpublikum sympathisch erscheinen will Jeder Wahlkämpfer ist der Versuchung zur Übertreibung ausgesetzt Der Wettbewerb um Ansehen vor allem um die Sympathie des Fernsehpublikums hat diese Versuchung im Vergleich zur früheren zeitungslesenden Gesellschaft noch verstärkt Die moderne Massendemokratie ist wie ähnlich Winston Churchill gesagt hat für uns tatsächlich zwar die bei weitem beste Regierungsform verglichen mit allen anderen die wir früher erlebt haben aber sie ist keineswegs ideal Sie ist zwangsläufig mit großen Versuchungen behaftet mit Irrtümern und mit Defiziten Entscheidend bleibt das Positivum dass die Regierten ihre Regierung ohne Gewalt und Blutvergießen auswechseln können und dass deswegen die Regierenden und ihre sie tragende Parlamentsmehrheit sich vor den Regierten verantworten müssen XI Neben Leidenschaft und Augenmaß sei das Verantwortungsbewusstsein die dritte kennzeichnende Eigenschaft des Politikers so hatte Max Weber gemeint Bleibt die Frage Verantwortung gegenüber wem In dem Wort Verantwortung steckt das Wort Antwort wem muss er antworten Für mich ist nicht das wählende Volk die letzte Instanz vor der ein Politiker sich zu verantworten hat Denn die Wähler treffen nur eine sehr pauschale Tendenz Entscheidung und oft entscheiden sie nach Gefühl und Wellenschlag Gleichwohl muss ihre Mehrheitsentscheidung den Gehorsam der Politiker verlangen Für mich bleibt das eigene Gewissen die oberste Instanz Dabei weiß ich Über das Gewissen gibt es mancherlei theologische und philosophische Meinungen Das Wort kam schon bei den Griechen und Römern vor Später haben Paulus und andere Theologen damit das Bewusstsein des Menschen von Gott gemeint und von der von Gott gewollten Ordnung zugleich das Bewusstsein von der Sündhaftigkeit jeder Verletzung dieser Ordnung Manche Christen sprechen von der Stimme Gottes im Menschen Bei meinem Freund Richard Schröder habe ich gelesen dass unser Verständnis des Gewissens aus der Begegnung des biblischen Denkens mit der Welt des Hellenismus hervorgegangen ist Immanuel Kant allerdings hat sein Leben lang über die Grundwerte seines Gewissens nachgedacht ohne dass die Religion dabei eine Rolle spielte Kant hat das Gewissen als das Bewusstsein eines inneren Gerichtshofes im Menschen bezeichnet Ob man aber das Gewissen aus der Vernunft des Menschen herleitet oder ob von Gott jedenfalls gibt es wenig Zweifel an der Tatsache des menschlichen Gewissens Ob einer Christ oder Muslim oder Jude ist ob er Agnostiker oder Freidenker ist jeder Mensch hat ein Gewissen Etwas leiser will ich hinzufügen Wir alle haben schon einmal gegen unser Gewissen verstoßen wir wissen dass wir ein Gewissen haben es hat sich schon mal gemeldet Wir alle haben schon mit einem schlechten Gewissen weiterleben müssen Natürlich ist diese allzu menschliche Schwäche ebenso dem Politiker eigen XII Ich habe versucht Ihnen aus drei Jahrzehnten der Erfahrung eines Berufspolitikers einige wenige Einsichten darzulegen Natürlich waren das nur sehr eingeschränkte Ausschnitte aus der vielfältigen Wirklichkeit Am Schluss liegt mir eine doppelte Einsicht am Herzen Nämlich erstens dass unsere offene Gesellschaft und unsere Demokratie mit vielen Unvollkommenheiten und Defiziten behaftet sind und dass alle Politiker von allzu menschlichen Schwächen gekennzeichnet bleiben Es wäre ein gefährlicher Irrtum unsere real existierende Demokratie zum reinen Ideal zu erheben Das ist sie nicht Aber zweitens Gleichwohl haben wir Deutschen unserer katastrophalen Geschichte wegen allen Grund mit Zähigkeit an der Demokratie festzuhalten sie immer wieder zu erneuern und immer wieder ihren Feinden tapfer entgegenzutreten Nur wenn wir darin einig sind nur dann behält unsere Nationalhymne von Einigkeit und Recht und Freiheit ihre Berechtigung Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Rede Schmidt deutsch Rede Schmidt englisch Rede auf DVD im Online Shop der Stiftung erhältlich 6 Weltethos Rede am 10 Mai 2006 Jacques Rogge IOC Präsident Weltethos und Sport Im Anschluss an seine Rede führte Jacques Rogge einen Dialog mit Professor Küng Weltsport und Weltethos Sehr geehrte Damen und Herren an der Universität habe ich mich unter anderem sehr ausführlich mit dem Thema der medizinischen Ethik beschäftigt Meine Professoren haben mir ausgeklügelte Theorien darüber was ethisch und was unethisch ist vorgestellt Wir haben über den Unterschied zwischen Moral und Ethik gesprochen über die Gefahren einer paternalistischen Ethik und über die Notwendigkeit die Autonomie des einzelnen Menschen zu respektieren Ich werde jetzt natürlich nicht in all diese Theorien einsteigen denn ich spreche hier vor einem Publikum das sich glaube ich in diesem Bereich wesentlich besser auskennt als ich Was ich für wesentlich wichtiger halte vor allem im täglichen Leben ist dass man eine Art ethischen Reflex entwickelt d h dass man sich ethisch verhält und nicht über komplizierte Theorien nachdenkt Ich denke das ist auch das was die meisten Menschen instinktiv tun Auch wenn sie nie Immanuel Kant gelesen haben den Vater der modernen Ethik auch wenn sie sich nie mit dem Kategorischen Imperativ auseinandergesetzt haben Ich denke es ist wichtig daran zu erinnern was Kant geschrieben hat nämlich dass die Menschheit immer als Ziel und niemals nur als Zweck gesehen werden sollte Ich halte es auch im Sport für wichtig dass der Sportler wirklich als Ziel gesehen wird für das wir handeln als Ziel und nicht als Mittel Sport eine Erfolgsgeschichte Die grundlegende Frage ist also Denken und handeln wir in der Welt des Sports tatsächlich so Schauen wir uns einmal den Zustand des heutigen Sports an Dann sehen wir dass der Sport heute eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist Der Sport genießt sehr viel Aufmerksamkeit und viele Menschen nehmen teil an sportlichen Veranstaltungen Es gibt 400 Millionen Wettkampfsportler auf der Welt 450 Millionen Menschen betreiben Freizeitsport Weltweit gibt es also 850 Millionen Sportler die in 5 Millionen Sportvereinen organisiert sind In Deutschland allein sind 27 Millionen Menschen Mitglied eines Sportvereins In der EU gibt es 750 000 Sportvereine Neben dieser starken Partizipation können wir uns über sehr viele Fernsehzuschauer freuen Bei den Olympischen Spielen beispielsweise beträgt die Zahl der Fernsehzuschauer täglich 3 8 Milliarden Menschen Wenn man das hochrechnet auf die 16 Tage die die Olympischen Spiele dauern dann haben wir über 40 Milliarden Zuschauer 20 Milliarden sind es bei den Olympischen Winterspielen Bei den Olympischen Spielen werden 8 Millionen Eintrittskarten verkauft Für die kommende FIFA Weltmeisterschaft in Deutschland haben wir eine Voraussage von 40 Milliarden Fernsehzuschauern und 6 Millionen verkauften Eintrittskarten obwohl manche sich beschweren dass es schwierig sei eine Karte zu bekommen Diese hohen Teilnehmer und Zuschauerzahlen erzeugen selbstverständlich sehr hohe Einnahmen Die Wirtschaft hilft uns natürlich auch sehr die Industrie die Unternehmen helfen uns mit Sponsoring und die Medien mit dem Kauf von Übertragungsrechten Ein Beispiel 1 5 Milliarden US werden jedes Mal nach den Olympischen Spielen als Einnahmen verzeichnet Aber ich versichere Ihnen dieses Geld behält natürlich nicht das Internationale Olympische Komitee sondern es wird zu 92 weiterverteilt zur Unterstützung des Breitensports Die hohen Teilnehmer und Zuschauerzahlen und die dadurch hohen Einnahmen weisen dem Sport den Status einer gesellschaftlichen Bewegung zu Die Regierungen haben das gemerkt und sie unterstützen den Sport durch entsprechende Subventionen durch den Aufbau der jeweiligen Infrastruktur durch die Gesetzgebung aber auch im Bereich der Bildung und Erziehung z B durch die Ausbildung der entsprechenden Trainer und all derjenigen die sich um die Sportler kümmern Man könnte sagen und dem kann ich mich anschließen dass meine Definition einer Erfolgsgeschichte eher materialistisch geprägt ist Ich habe über Menschen gesprochen über Geld über staatliche Unterstützung und alles das ist wichtig aber reicht es tatsächlich aus um die Welt des Sports zu beschreiben Ich sage Nein das reicht nicht aus Ja Sport hat materielle Erfolge gezeitigt Aber wenn man Erfolg ganzheitlicher definieren will braucht man noch eine zusätzliche Dimension Wir brauchen diese zusätzliche Dimension der unfassbaren immateriellen humanistischen und ethischen Werte um die soziale Bedeutung des Sports zu erkennen Sport ist ein organisatorischer Erfolg aber um ein Erfolg für die ganze Gesellschaft zu sein müssen andere Werte miteinbezogen werden die nicht materiell sind Ohne diese Werte kann der Sport nicht die enorm wichtige erzieherische Funktion wahrnehmen die wir uns von ihm wünschen All diese Werte für die wir stehen sind in der Olympischen Charta festgelegt Die Olympische Charta ist im Grunde unser Manifest Sie ist das grundlegende Referenzdokument für die Olympische Bewegung Und sie legt nicht nur einen allgemeinen Verhaltenskodex fest sondern auch die ganz entscheidenden ethischen Verhaltensgrundlagen Die Charta liefert uns so auch den Referenzrahmen für unser Verhalten in der Gesellschaft Der Sport die Olympischen Spiele die Olympische Bewegung sind ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft Und deswegen glauben wir dass es ganz wichtig ist dass wir uns auf unsere fundamentalen Prinzipien verlassen können Als da wären Toleranz gegenseitiger Respekt Universalität Solidarität zwischen Reich und Arm und Unparteilichkeit Das bedeutet dass jede Form der Diskriminierung aufgrund von Rasse Religion politischer Meinung Geschlecht oder aus anderen Gründen einfach nicht in die Olympische Bewegung gehören Sie sind ihrem Grundgedanken diametral entgegengesetzt Bedrohungen für den Sport Die humanistischen und ethischen Werte des Sports sind leider immer wieder bedroht durch vielerlei Veränderungen Es gibt vor allem folgende Gefahren Doping Gewalt Rassismus Korruption Gefahren für die Gesundheit der Sportler und die Kommerzialisierung Sollten wir wirklich überrascht sein dass es diese Gefahren in einer so hehren menschlichen Tätigkeit wie dem Sport gibt Ich denke das sollte uns nicht überraschen Sport ist nicht besser als die Gesellschaft Sport gibt nicht vor besser zu sein als die Gesellschaft Sport ist eigentlich der Ausdruck der Gesellschaft als Ganzer mit all ihren Schwächen mit all ihren Fehlern aber auch mit all ihren wunderbaren Leistungen und Werten Lassen Sie uns diese Bedrohungen einmal zusammen untersuchen der Kampf gegen das Doping hat oberste Priorität im Sport weil Doping die Gesundheit der Sportler angreift und weil Doping die Glaubwürdigkeit des gesamten Wettkampfes der eben auf einer gewissen Rangfolge basiert in Frage stellt Ein dritter Faktor ist zudem wichtig Doping gefährdet die Rekrutierung zum Sport Wir laufen Gefahr keinen weiteren Zulauf zum Sport zu bekommen weil die Mütter denken Sport ist gefährlich wegen des Dopings Sie bringen ihre Kinder nicht mehr in die Sportvereine und das ist dann das Ende weil wir überhaupt keinen Nachwuchs mehr bekommen Das IOC war in den 60er Jahren ein Pionier im Kampf gegen das Doping Schon seit dieser Zeit vertreten wir eine Null Toleranz Politik Und ich bin froh sagen zu können dass wir durch die Intensivierung unserer Bemühungen und durch die Gründung der World Anti Doping Agency große Fortschritte gemacht haben Viele sagen der Kampf gegen Doping wird ewig währen Wie ich schon sagte es gibt 850 Millionen Sportler hier auf dieser Erde aber es gibt natürlich nicht 850 Millionen Heilige Deswegen Ich glaube nicht an Utopien ich bin Realist ich glaube also nicht dass das Doping ganz aus dem Sport verbannt werden kann Aber es ist unsere heilige Pflicht Doping so weit wie möglich einzugrenzen Schauen Sie sich Doping doch einmal an es lässt sich vergleichen mit der Kriminalität in einer Gesellschaft Es gibt keine Gesellschaft ohne Richter ohne Gesetze ohne Strafverfolgung und ohne Gerichtsbarkeit Das brauchen wir auch im Sport und wir müssen es dann auch umsetzen Die zweite große Gefahr ist die Gewalt der Vandalismus die Hooligans Wir haben das bei den Olympischen Spielen noch nicht erleben müssen und wir sind froh darüber aber wir müssen natürlich stets wachsam sein Wir sollten nie das Drama vergessen das sich vor über zwanzig Jahren in meinem eigenen Land in Belgien in Brüssel abgespielt hat als 39 italienische Fans von Juventus in gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Fans von Liverpool umkamen Das Phänomen der Hooligans ist ein sehr schwieriges Phänomen Es ist im Grunde Ausdruck eines Teils der Gesellschaft der unzufrieden ist meist sind es arbeitslose junge Menschen die oft auch in sehr extreme politische Kreise geraten sind Sie sehen keine Zukunft keine Hoffnung für sich in der Gesellschaft Sie wollen durch ihre Gewalttätigkeit hauptsächlich ihrer Frustration ihrer Wut Luft machen Sie tun das im Stadion Warum Weil das Fernsehen anwesend ist und die Öffentlichkeit zuschaut Sie würden das nie in einem leeren Stadion tun Das ist die Tragik von Gewalt im Sport Sport erzeugt die Gewalt nicht Sport liefert nur den Rahmen die Bühne für die Demonstration von Gewalt Es gibt eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit der Führungspersönlichkeiten im Sport und im Staat um diese Gewalt durch Prävention und Repression zu bekämpfen Aber letztlich wird die endgültige Lösung sein das Problem an der Wurzel zu packen Das Problem ist eben ein gesellschaftliches Wenn diese Menschen in Brot und Arbeit gesetzt werden wieder Zukunftsperspektiven bekommen dann wird das Problem der Hooligans und der Ausschreitungen an Sportstätten ein Ende haben Leider gibt es aber noch eine dritte Gefahr den Rassismus Auch das ist wieder kein spezielles Problem des Sports an sich sondern ein Problem des Publikums in der Arena und der Gesellschaft außerhalb der Arena In den europäischen Fußballteams haben wir immer mehr gute afrikanische Spieler und wir erleben immer mehr Rassismus in den Stadien Zum Glück sind rassistische Ausschreitungen bei den Olympischen Spielen noch nicht vorgekommen aber wir müssen auch hier wachsam sein Ich möchte der FIFA gratulieren weil sie eine ganz starke Position gegen Rassismus eingenommen hat und weil die Strafen für rassistische Gewalt drakonisch sind Und auch viele Regierungen zum Beispiel in Holland Italien Frankreich Großbritannien um nur einige zu nennen haben hohe Strafen und Geldstrafen für rassistische Umtriebe verhängt Das schätzen wir sehr denn ich bin der Meinung dass wir null Toleranz gegenüber Rassismus zeigen müssen Aber auch hier genau wie im Fall der Gewalt und der Hooligans ist die Lösung des Problems Sache der Gesellschaft Das gesellschaftliche Problem muss an der Wurzel gepackt werden Denn auch hier gilt der Rassismus im Stadion ist Ausdruck der schwierigen Situation die in der Gesellschaft gegenüber den Minderheiten herrscht Korruption ein weiteres Problem Und ich muss zugeben und Sie wissen das ja auch dass das IOC selbst vor zehn Jahren große Probleme mit Korruption hatte Aber wir haben wie ich finde entschlossen reagiert indem wir die Ethik Kommission gebildet haben Die Kommission setzt sich aus angesehenen Persönlichkeiten zusammen wie zum Beispiel dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen und weiteren Persönlichkeiten dieses Kalibers Wir mussten insgesamt elf Mitglieder ausschließen Das war zwar nicht angenehm aber es ist unsere Pflicht wir sind es den Athleten schuldig darauf zu achten dass alles was wir tun auch ethisch und moralisch in Ordnung ist Dann sind da noch die Wettskandale Sie wissen ja was hier passiert ist in Bezug auf die Korruption von den Schiedsrichtern Dies gibt es nicht nur in Deutschland auch in Belgien haben wir ein ähnliches Problem es findet Korruption im Zusammenhang mit Wetten statt Und da das Wetten immer populärer wird vor allen Dingen online wird auch das Problem immer grösser Auch hier wird reagiert die Wettbüros werden überwacht Wir haben auch hier eine Null Toleranz Haltung eingenommen Die beste Art Korruption zu bekämpfen ist sicherlich eine sehr gute absolut transparente Führung in den Sportgremien zu besitzen mit strengen Regeln die auf den Prinzipien der Ethik und der Moral beruhen Wir müssen die Gesundheit der Sportler schützen Diese wird natürlich beeinträchtigt durch Doping darüber haben wir ja schon gesprochen Gesundheitsgefährdend ist aber auch das Übertrainieren ein zu starkes Trainieren Manchmal geschieht das aufgrund von überehrgeizigen Trainern Manchmal und das muss man zugeben sind es aber auch die Sportler selbst die so ehrgeizig sind dass sie ihre persönlichen Grenzen überschreiten und zuviel trainieren Hier liegt es dann in der Verantwortung der Trainer zu sagen Stopp das reicht Außerdem ist noch das Problem des übertriebenen Wetteiferns zu nennen Manchmal ist der Druck auf die Sportler zu groß Der Druck der von ihren jeweiligen nationalen oder internationalen Verbänden manchmal auch vom jeweiligen Nationalen Olympischen Komitee ausgeübt wird Hier müssen wir reagieren Die Unversehrtheit der Athleten muss geschützt werden Das IOC arbeitet ganz eng zusammen mit den jeweiligen internationalen und nationalen Verbänden und den Nationalen Olympischen Komitees um auch hier in Zusammenarbeit mit Medizinern und Sportwissenschaftlern klare Regeln und Grundlagen für ein vernünftiges Training zu definieren so dass übertriebenes Training das gesundheitsschädlich ist vermieden wird Nun kommen wir zum Thema der Kommerzialisierung des Sports Ist die Kombination von Sport und Geld gut oder schlecht Nun Geld ist eigentlich neutral Es ist weder gut noch schlecht Es ist die Art und Weise wie man das Geld einsetzt die ausschlaggebend ist Und lassen Sie mich ganz klar sagen Ich bin dafür dass wir einen wirklich gut gesteuerten und überwachten Geldfluss haben der auf ethische Weise eingesetzt wird Denn wir brauchen Geld im Sport Um Kant noch einmal zu zitieren Ich möchte damit sagen dass man Geld immer als Mittel und nicht als Zweck sehen muss Vor einigen Jahren sagten manche Als es den reinen Amateurstatus gab da war alles viel besser da war das Geld nicht so wichtig Das ist absolut heuchlerisch Denn diese Regel des Amateurstatus die erst beim Olympischen Kongress in Baden Baden 1980 aufgegeben wurde bewirkte dass es sich nur die Reichen leisten konnten Sport zu treiben Damals gab es keine Sponsoren es gab keine Fernsehrechte und so waren die Spiele nur etwas für eine elitäre Schicht Nur die reichen Industrieländer konnten an den Olympischen Spielen teilnehmen Die Entwicklungsländer konnten es sich nicht leisten auch nur einen einzigen Sportler zu den Olympischen Spielen zu schicken Bei den Spielen 1960 in Rom und 1964 in Tokio konnten nur 60 Prozent der damals existierenden Länder teilnehmen Heute ist das glücklicherweise nicht mehr so Heute kann ich sagen dass Universalität herrscht da wirklich alle Länder der Welt teilnehmen können Mittlerweile sind wir bei 203 Teilnehmerländern Wir können das alles bezahlen das heißt das Training die Ausrüstung die ganze Infrastruktur für die Athleten die Reisen usw Und so soll es auch sein Ich glaube dass gut gesteuertes und überwachtes Geld zu einer Demokratisierung im Sport geführt hat Wie ich Ihnen schon sagte 1 5 Milliarden US nehmen wir jedes Mal bei den Olympischen Spielen ein Und ich sagte auch dass 92 davon wieder ausgeschüttet werden Das Geld geht an den Breitensport Infrastruktur wird aufgebaut wir machen uns auf die Suche nach Talenten wir schulen ihre Trainer wir finanzieren Teilnahmen an Wettbewerben Geld ist also sehr wichtig für die ethische Komponente des Sports denn sonst wäre ein großer Teil der Dritten Welt nicht Teil der Sport Welt Aber ich muss zugeben Geld birgt auch Gefahren in sich Aber so lange unsere Sponsoren unsere Medien das Fernsehen ich sage Ihnen das ist wirklich so im IOC so lange unsere Sponsoren und Fernsehsender nicht selber die Regeln diktieren zum Beispiel die Art und Weise wie die Olympischen Spiele durchgeführt werden dann kann eigentlich gar nichts passieren Lassen Sie mich das anhand eines Beispiels verdeutlichen Vor ein paar Jahren haben wir mit der EBU der European Broadcasting Union in Genf über die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele verhandelt Es gab zwei Angebote ein Angebot über 600 Millionen US von der EBU Sie wissen ja das ist der Dachverband aller öffentlich rechtlichen Fernsehsender in Europa Dann hatten wir noch ein anderes Angebot über 900 Millionen US auf dem Tisch liegen Immerhin 300 Millionen mehr das ist eine ganze Menge Geld Allerdings wäre das nur fürs Bezahlfernsehen für Pay TV gewesen und die Allgemeinheit hätte keine Möglichkeit gehabt die Olympischen Spiele zu verfolgen ohne zu bezahlen Da haben wir gesagt Nein lieber 300 Millionen Dollar weniger denn die Spiele sollen in den öffentlich rechtlichen Sendern bleiben so dass wir freien und kostenlosen Zugang für alle garantieren können Ich möchte noch folgendes sagen weil wir kritisiert werden dass alles so kommerziell wird Vergessen Sie nicht dass bei den Olympischen Spielen als einzigem großen Sportereignis ein werbefreier Rahmen herrscht Sie sehen also keine Werbetafeln im Stadion oder davor Sie sehen keine Logos auf den Trikots und auf der Ausrüstung der Sportler Ich möchte hier jetzt keine Selbstbeweihräucherung betreiben aber auch die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees sind rein ehrenamtlich tätig sie bekommen kein Gehalt Wir glauben dass wir den Geldfluss kontrollieren können ohne selbst vom Geld gesteuert zu werden Ungerechtigkeiten im Sport Über die angesprochenen Bedrohungen des Sports hinaus gibt es zudem noch einige Ungerechtigkeiten im Sport Die größte Ungerechtigkeit ist das Gefälle zwischen Nord und Süd die Kluft zwischen Industrie und Entwicklungsländern Es gibt hier einen starken Zusammenhang zwischen dem Bruttosozialprodukt eines Landes und der Anzahl der Medaillen Je höher das Bruttosozialprodukt desto mehr olympische Medaillen Es gibt nur wenige Ausnahmen Und hier kommt nun denke ich auch wieder das Prinzip der Solidarität zum Tragen Das heißt dass das IOC auch hier Mittel vergibt dieses Mal speziell an die nationalen Komitees die wirklich finanzielle Unterstützung brauchen Dadurch ist diese Nord Süd Kluft im Sport etwas schmäler geworden Darauf sind wir sehr stolz Bei der zweiten Ungerechtigkeit handelt es sich um die Rolle der Frauen im Sport Das IOC hat große Bemühungen unternommen damit es mehr Teilnehmerinnen bei den Olympischen Spielen gibt Bei den Spielen 1980 in Moskau waren nur 18 der Teilnehmer Frauen und jetzt liegen wir bei 44 weiblicher Beteiligung Ich glaube im nächsten Jahrzehnt werden wir eine 50 50 Verteilung haben Und dann müssen wir uns natürlich Gedanken machen über die Rolle der armen Männer das ist klar Wir müssen hier aber ganz ehrlich sein Das ist nur eine Seite der Medaille Denn wenn es um die tägliche Praxis im Sport geht haben wir diesen großen Anstieg von 18 auf 44 nicht In der täglichen Praxis gibt es große Hürden die es zu überwinden gilt In manchen Ländern sind sie religiös bedingt in manchen wirtschaftlich oder auch kulturell In vielen Entwicklungsländern müssen die Mütter zu Hause bleiben und die Familie ernähren Sie haben gar keine Möglichkeit in einen Sportverein zu gehen wenn es denn überhaupt einen gibt Wir setzen uns dafür ein dass hier Mittel und Wege gefunden werden diese Hürden zu überwinden Und schließlich setzen wir uns dafür ein dass mehr Frauen in führenden Positionen in den Sportgremien vertreten sind Das ist auch wieder ein Spiegel der Gesellschaft Ich glaube die Unterrepräsentation der Frauen zeigt sich ja auch in der Politik und an den Universitäten Drittens setzen wir uns im Kampf gegen die Ungerechtigkeit für die Universalität der Spiele ein Wir wollen nicht dass die Olympischen Spiele zum Spielplatz lediglich der absoluten Spitzensportler der Welt werden Wenn ausschließlich Qualität über die Teilnahme entscheiden würde wären beispielsweise bei den Hundertmeterläufen nur zehn Amerikaner zehn Jamaikaner oder ein paar Sportler aus der Karibik vertreten Es könnten gar keine anderen Länder teilnehmen Deswegen in allen Sportarten sollte es eine Mischung geben zwischen der Qualität die wir brauchen und wollen und der Teilnehmer Vielfalt Damit auch die Athleten die nicht ganz so gut sind wie die Spitzensportler mitmachen können Das IOC macht das so der internationale Leichtathletikverband auch und ich finde das sehr wichtig Wir wählen zu 85 nach Qualität und Leistung aus die restlichen 15 sollen eine Teilnahme der Schwächeren ermöglichen und so die Universalität der Spiele sichern Soziale Verantwortung Nun schauen wir uns noch einen anderen Aspekt an die soziale Verantwortung die man auch im Sport braucht Denn Sport ist ja viel mehr als nur ein Wettbewerb Sport ist wahrlich auch eine gesellschaftliche Bewegung und eine Bewegung die wichtig ist für die Erziehung Deswegen kümmern wir uns besonders um den Behindertensport Wir haben ja die Paralympics die Special Olympics für die geistig Behinderten und dann noch die speziellen Olympischen Spiele für die Hörbehinderten Diesen Ereignissen haben wir ja nicht nur das Wort olympisch zugestanden wir unterstützen sie auch finanziell und wir verpflichten die jeweiligen Organisatoren der Spiele dazu die Paralympics circa drei Wochen nach den Olympischen Hauptspielen auszurichten Der zweite Bereich in dem wir uns im Zuge von sozialer Verantwortung engagieren ist die humanitäre Hilfe In der Tat die meisten Sportler sind jung sie sind bekannt sie sind oft auch reich sie sind gesund aber wir alle haben eine soziale Verantwortung Und wir haben eben auch eine Verantwortung denen zu helfen die in Not sind die nicht reich nicht gesund und nicht bekannt sind und die meistens von der Gesellschaft vergessen werden Deswegen bin ich froh dass sich die Sportbewegung nach dem Tsunami der Weihnachten vor zwei Jahren große Schäden anrichtete sehr großzügig gezeigt hat Außerdem half man in Darfur mit Geld mit Nahrungsmittellieferungen aber auch mit Sportausrüstung Denn Sportausrüstung stellen Trainer schicken und sportliche Ereignisse in den Flüchtlingslagern organisieren ist wirklich etwas Fantastisches Wir haben auch die Opfer des Erdbebens in Pakistan unterstützt und die Opfer des Hurricanes in der Karibik Wir engagieren uns eigentlich laufend denn solche Katastrophen geschehen ja andauernd und wir führen die Hilfen in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und dem Roten Kreuz durch Eine Sache auf die ich sehr stolz bin sind die Bemühungen die wir in den Flüchtlingslagern unternehmen Die Flüchtlingslager sind ja voller Menschen die ohne jede Hoffnung sind die keine Zukunft mehr haben die keine Träume mehr haben Und Sie glauben nicht was Sport diesen Menschen geben kann Die Tatsache dass die Menschen sich plötzlich als Teil eines Teams sehen dass hier so etwas Wunderbares wie Sport betrieben werden kann das ist etwas das mich immer wieder im tiefsten Inneren berührt wenn ich vor Ort bin In medizinischer Hinsicht bemühen wir uns auch zum Beispiel im Bereich der AIDS Prävention AIDS ist nicht nur ein großes Problem in Afrika sondern auch in Südostasien und wird auch in Osteuropa immer mehr zum Problem Wir nutzen vor allem das Prestige das Ansehen von Sportidolen um die Botschaft zu den Menschen zu bringen Damit sie den jungen Leuten sagen dass man vorsichtig sein und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen muss Dieses Programm das wir wiederum zusammen mit der UNO durchführen ist auch sehr erfolgreich Gerade wenn es um soziale Verantwortung geht wir bemühen uns um die Wiedereingliederung der Sportler nach ihrer sportlichen Karriere Normalerweise werden Talente im Alter von 13 14 Jahren entdeckt Wir geben ihnen die besten Trainer und wir sagen Ihr müsst sehr hart arbeiten um etwas zu erreichen Wir schicken sie in Trainingslager und zu Wettkämpfen auch ins Ausland Das alles geschieht leider häufig auf Kosten der Schulausbildung Wenn die Sportler dann 35 40 Jahre alt sind und ihre sportliche Karriere beenden kann man ihnen nicht nur die Hand schütteln und sagen Herzlichen Glückwunsch Sie haben eine tolle Karriere hingelegt und jetzt machen Sie s gut Nein wir haben die Verantwortung ihnen zu helfen sich wieder in das normale gesellschaftliche Leben ins Berufsleben einzugliedern Das ist nicht einfach Wir helfen zum Beispiel indem wir ihnen eine Ausbildung anbieten und entsprechende Berufsmöglichkeiten für sie finden Auch dieses Programm ist sehr erfolgreich in vielen Nationalen Olympischen Komitees Solche Bemühungen gibt es mittlerweile weltweit Wir haben auch eine soziale Verantwortung

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